KinderKino – Minions & Monsters – USA 2026, 89 Min. Regie: Pierre Coffin
mit Christoph Waltz, Allison Janney, Jesse Eisenberg, Jeff Bridges
Die gelben "Gehilfen" erobern Hollywood
Weiterlesen...Die Minions durchquerten die Länder dieser Welt auf der Suche nach einem großen Bösewicht, dem sie folgen könnten. Sie hatten einige, aber nicht wenige wurden auch ihretwegen aus dem Leben befördert. Und so suchten sie und suchten sie und suchten sie, bis sie schließlich nach Hollywood kamen, 1927 für den Film entdeckt werden und fortan zu Stars werden. Bis der Tonfilm kommt, dann ist es aus mit der Karriere. Minion James träumt aber vom Oscar und brütet die Idee eines Minions-und-Monster-Film aus, wofür echte Monster heraufbeschworen werden. Das Chaos ist vorprogrammiert. „Minions & Monster“ ist der wahrscheinlich witzigste Film, der je über Hollywood gedreht wurde. Er zieht liebevoll, aber auch sehr frech durch den Kakao, wie die Traumindustrie sich selbst so gerne sieht. Entsprechend gibt es auch reichlich Parodien, die nur den cinephilen Fans wirklich auffallen werden. Anspielungen, Easter Eggs, Verbeugungen und Hommagen sind hier in rauen Mengen vorhanden. Wenn man sie erkennt, macht das das Vergnügen noch größer. Zuckersüß sozusagen, aber man muss nie auch nur einen anderen Film gesehen haben, um hier Spaß zu haben. Was Pixar so gut beherrscht, wiederholt hier auch Illuminations, denn dies ist ein Film, der ein Publikum jedes Alters abholt, von ganz jung bis uralt. Das fängt schon damit an, dass am Anfang zurückgespult wird und man in Zeitraffer sieht, wie die Universal-Pictures-Logos bis zu ihrem ersten zurückkehren. Dann fängt das Ganze wie ein klassischer Stummfilm an. Er zitiert die Keystone Cops ebenso wie Harold Lloyd, Buster Keaton und Charlie Chaplin, verbeugt sich vor „Der Tag, an dem die Erde stillstand“, huldigte H.P. Lovecrafts Roman „Die Berge des Wahnsinns“ inklusive eines Cthulhu-artigen Monsters und hat am Ende ein Monster, das nicht nur schleimig ist und viele Augen hat, sondern auch direkt an „Der Blob“ erinnert. Aber auch moderne Filme wie „Matrix“ oder „Babylon“ werden hier zitiert. Kurz gesagt: Der Film ist ein Füllhorn an Zitaten, es ist fast unmöglich, bei nur einmaligem Ansehen alles zu erkennen. Der Film nutzt dabei Slapstick in rauen Mengen – gerade Figuren wie die Minions bieten sich dafür natürlich auch an. Es gibt das grandiose Cameo des Mannes, der uns den Sternenkrieg geschenkt hat, und auch die deutsche Synchronisation kann überzeugen. Christoph Waltz spielt einen Regisseur mit österreichischem Zungenschlag, die Kaulitz-Brüder als niedliches Lovecraft-Monster respektive ein Roboter aus einer anderen Welt sind überraschend gut. Überhaupt: Der Film ist pure Freude, ein knapp 90-minütiger Spaß, bei dem man aus dem Lachen nicht mehr rauskommt. (programmkino.de)Ausblenden
HEIMSUCHUNG - EINE JAHRHUNDERTGESCHICHTE
Architektur & Kunst – D 2026, 118 Min. Regie: Volker Schlöndorff
mit Lars Eidinger, Martina Gedeck, Ulrich Matthes
Die Geschichte eines Hauses im Wandel der Zeiten
Weiterlesen...Noch ist das malerische Grundstück am See unbebaut: Der Blick reicht über die glatte Fläche ans andere Ufer, das Schilf wirkt unberührt, die Bäume stehen einsam. Friedlich wirkt es hier, doch das wird nicht so bleiben, nicht am See, nicht in Deutschland. In den 30er Jahren beginnt die Geschichte, allzu direkt ist der Beginn der Nationalsozialistischen Herrschaft nicht zu spüren, allein der Architekt (Lars Eidinger) grüßt oft mit einem „Heil“, wird später auch Baracken für die Konzentrationslager entwerfen, aber zu seinem Glück von Albert Speer in seiner beruflichen Entwicklung gebremst werden: Ein entsprechender Brief des Reichsbauministers erweist sich in der Nachkriegszeit als Lebensrettung. Doch soweit ist es noch nicht, zunächst baut der Architekt – einen Eigennamen trägt diese Figur ebenso wie viele andere, die weniger Individuen als exemplarische Vertreter ihrer Zeit darstellen sollen, nicht – für sich und seine Frau (Susanne Wolff) ein schmuckes Haus auf einem Teil des Grundstücks. Weit weniger mächtig wirkt dagegen das kleine Badehaus auf dem Nachbargrundstück, das der jüdischen Familie Engels gehört. Mit Verschärfung der Rassegesetze muss die Familie Engels ihren Besitz an den Nazi verkaufen, nicht zum ersten Mal wird der die Grundstücke trennende Zaun abgerissen, später wird ein neuer Zaun gebaut, nach dem Krieg, als eine Schriftstellerin (Martina Gedeck) hier mit ihrer Familie einzieht, eigentlich eine Stimme des Volkes, die aber keinen Moment zögert, ihre Kontakte einzusetzen, um zu verhindern, dass Grundstück teilen zu müssen. Wie der Roman läuft auch die Verfilmung episodisch ab, eine Form, die im schriftlichen Medium besser funktioniert als im visuellen. Bei Schlöndorff bleibt vieles Stückwerk, müssen immer wieder ausführliche Voice Over-Kommentar inhaltliche Lücken schließen, tauchen Figuren mal für eine Szene auf, um dann schnell wieder zu verschwinden. Einige Male greift Schlöndorff sogar auf Archivmaterial zurück, das auch den inszenierten Bildern Authentizität verleihen soll. Von den 30er bis in die 90er reicht der Bogen, von der Nazizeit, über den Krieg, einen kurzen Moment russischer Besatzung, bis zum Wiederaufbau, der Wende und ihrer Folgen. Bei dieser Fülle an historischem Material bleibt es nicht aus, dass nur kursorisch erzählt wird, dass die Figuren nur Typen bleiben, auch wenn dem Ensemble aus deutschen Starschauspielern immer wieder große Momente gelingen. Nur selten bricht Schlöndorff aus seinem zurückhaltenden, klassischen Stil aus, mit dem er in ruhigen Bildern, unterlegt von elegischer Musik, den Fortgang der Zeit beobachtet. Was möglich gewesen wäre, wenn er es gewagt hätte häufiger in mystische Dimensionen vorzustoßen, zeigen die Anfangs- und Schlussszene, wenn sich sämtliche Bewohner und Besucher von Haus und Grundstück zusammenfinden, vom wabernden Nebel umhüllt, der die Unterschiede der Epochen verschwinden lässt. Vor allem aber in der immer wieder auftauchenden Nebenfigur eines Gärtners, der schon in den 30ern als eine Art Faktotum am Rand des Grundstücks lebt und den Bewohnern zur Hand geht. Schon hier wirkt der von Wigand Witting (selbst Mitte 80 und schon bei der „Blechtrommel“ dabei) gespielte Mann mit weißen Haaren und dichtem Bart wie ein alter Mann, der er auch bleibt, egal ob er während des Krieges mit russischen Soldaten trinkt oder nach dem Fall der Mauer ein letztes Mal die Blumen gießt. Losgelöst vom Fortgang der Zeit scheint dieser Mann zu existieren, so als hätte sich trotz aller Ereignisse der deutschen Geschichte am Ende wenig geändert, so als wären die Menschen im Kern dieselben geblieben. Ob man das bedauern soll oder es positiv betrachtet, lässt Schlöndorff am Ende offen. (programmkino.de)Ausblenden
NACHBEBEN dän. OmU
Det andet offer – DK 2025, 90 Min. Regie: Zinnini Elkington
mit Özlem Sağlanmak, Trine Dyrholm, Olaf Johannessen
Ein mitreißender Blick in die Neurologie eines dänischen Hospitals
Weiterlesen...Ein neuer Arbeitstag beginnt für Alex (Özlem Saglanmak), Ärztin in der Neurologie eines Krankenhauses in Dänemark. Einmal mehr ist die Station unterbesetzt, die Ärzte flüchten sich in sarkastische Scherze: Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und Gott? Gott weiß, dass er kein Arzt ist… Alex übernimmt die Aufsicht über die Station, damit auch über die Assistenzärztin Emilie (Mathilde Arcel F.), die nervös und übervorsichtig agiert. Alex dagegen weiß was sie tut, weicht auch mal von den Vorschriften ab, wenn sie glaubt, dass ein Patient schnell behandelt werden muss. Ein junger Patient namens Oliver klagt über Kopfschmerzen, Emilie ist unsicher, ruft Alex hinzu, die den 18jährigen genau untersucht und in die Obhut seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) entlässt. Doch noch bevor sie die Klinik verlassen haben, liegt Oliver auf dem Boden und fällt in ein Koma. Im MRT wird ein Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt, eine Operation erscheint möglich, könnte Oliver aber auch töten. Während Emilie sich schwere Vorwürfe macht, scheint Alex schnell zum Alltag überzugehen. Doch als klar wird, dass Oliver nicht mehr aufwachen wird, sie mit den sich zwischen Trauer und Wut bewegenden Eltern konfrontiert ist, beginnt sie, ihre Entscheidung zu reflektieren und spürt die Tragweite ihres Tuns. „Det andet opfer“, das andere Opfer, lautet der Originaltitel des mitreißenden Dramas, das bei den dänischen Filmpreisen vielfach ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, gelingt es Autorin und Regisseurin Zinnini Elkington doch, den Alltag in einem Krankenhaus intensiv und authentisch zu schildern. Als Inspiration für ihren ersten Spielfilm dienten der bisher vor allem als Schauspielerin bekannten Elkington Gespräche mit zahlreichen Verwandten, die im medizinischen Bereich arbeiten und somit aus erster Hand über die zunehmend schwierigen, um nicht zu sagen unmöglichen Arbeitsbedingungen berichten konnten. Die auch hier mit Dosen von Galgenhumor und Zynismus übertüncht werden, so als würde man sich in Lars von Triers legendärer Krankenhausserie „Riget – Hospital der Geister“ befindet. Mehr als an diese Serie, lässt „Nachbeben“ gerade zu Beginn aber an die Rasanz von „Emergency Room“ oder seinem modernen Nachfolger „The Pitt“ denken. Gleich zu beginnt deutet Elkington ihre stilistischen Ambitionen in einer über 15 Minuten langen, ungeschnittenen Plansequenz an, die Alex beim Springen zwischen diversen Patienten folgt, während sie nebenbei Telefonate führt, von allen Seiten mit Informationen und Nachfragen bedrängt wird, dabei immer freundlich, aber auch distanziert zu wirken versucht und am Ende mit einem im Koma liegenden Patienten dasteht. Physisch spürbar wird in dieser Sequenz die systembedingte Überforderung von Ärzten, die in einem System funktionieren sollen, dessen Möglichkeiten durch Sparzwänge beschnitten werden, das zunehmend wie ein technokratisches Unternehmen funktionieren soll, obwohl am Ende immer noch Menschen mit Menschen interagieren. Dass Alex im weiteren Verlauf der Handlung auf einmal alle Zeit der Welt hat, sich um Oliver und seine Eltern zu kümmern, untergräbt zwar etwas die Dringlichkeit der ersten Minuten, führt jedoch gleichzeitig zum emotionalen Kern der Geschichte. Auch Alex hat ein Kind zu Hause, umso näher ist ihr Camilla, die ihr einerseits Vorwürfe macht, aggressiv wird, aber auch versteht, dass die Schuld nicht wirklich bei Alex zu suchen ist. Ähnlich wie der vergleichbare „Heldin“ zeigt auch Zinnini Elkington in „Nachbeben“ auf authentische, emotionale Weise, wie das System Krankenhaus an seine Grenzen kommt, wie Ärzte und Pfleger versuchen, zu retten, was zu retten ist und dabei oft zwangsläufig scheitern. Ein mitreißender Film, hervorragend gefilmt und gespielt. (programmkino.de)Ausblenden