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Mo. 19:00
ALLE REDEN ÜBERS WETTER
Family Entertainment – D 2022, 89 Min.
Regie: Annika Pinske
mit Anne Schäfer, Judith Hofmann, Marcel Kohler
Ein pointiertes Gesellschaftsdrama von der Entfremdung zwischen Stadt und Land
Trailer zu ALLE REDEN ÜBERS WETTER
Weiterlesen... Clara wuchs in der ostdeutschen Provinz auf, schaffte es aber raus. Heute ist sie Dozentin in Berlin, macht ihren Doktor und führt ein unabhängiges Leben. Ausgefüllt ist es auch, mit einer fordernden Doktormutter, einer Affäre, eigenen Ambitionen und ihrer Tochter. Zum 60. Geburtstag ihrer Mutter geht es dann zurück in die alte Heimat und sie muss sich fragen, ob der Preis für das Leben, das sie nun führt, nicht etwas zu hoch gewesen ist.
Die Regisseurin Annika Pinske gewann mit ihrem Kurzfilm „Homework“ den Deutschen Kurzfilmpreis. Ihr Langfilmdebüt „Alle reden über das Wetter“ debütierte dieses Jahr auf der Berlinale und wurde sehr gut aufgenommen. Verdientermaßen, denn Pinske gelingt das Kunststück eines Dramas mit ernster Geschichte, das aber auch mit einer gewissen Leichtigkeit erzählt ist.
Dabei wird so viel gestreift: Der Bruch in den Biographien vieler Menschen aus dem Osten. Die Notwendigkeit, sich in vertrautem und doch anderem Umfeld neu zu erfinden. Das etwas provinzielle Leben auf dem Land im Kontrast zum Pulsieren der Großstadt. Der unterschiedliche Lebensentwurf, hier illustriert durch Clara und ihre Mutter. Das ist viel schwerer Stoff, der den Film aber nicht erdrückt, sondern den Diskurs geradezu herausfordert.
Das macht „Alle reden über das Wetter“ zu einem klugen Film über den Aufstieg durch Bildung, über die Möglichkeiten, aus dem hervorzutreten, woher man kam, aber auch über Emanzipation, da Clara, wie sie in einer prägnanten Szene sagt, sich immer nehmen musste, was sie wollte. Hätte sie darauf gewartet, dass man ihr etwas anbietet, hätte sie nie etwas erreicht. Auch das ist eine Lektion – und das unabhängig vom Geschlecht. Wer etwas im Leben will, muss auch etwas dafür tun. Abzuwarten und zu hoffen, führt nie zum gewünschten Ergebnis.
Das macht den Film und seine Figuren für den Zuschauer aber auch so nahbar. Man fühlt mit ihnen, weil sie das Spektrum so gut abdecken, dass sie nicht weit von den eigenen Erlebniswelten entfernt sind. Ein feiner Film, der auch nach Verlassen des Kinosaals nicht schnell vergessen ist.
(programmkino.de)
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