Am 6.11. zeigt das Kinoptikum

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NACHBEBEN  DF
Det andet offer – DK 2025, 90 Min.
Regie: Zinnini Elkington
mit Özlem Sağlanmak, Trine Dyrholm, Olaf Johannessen
Ein mitreißender Blick in die Neurologie eines dänischen Hospitals
Trailer zu NACHBEBEN
Weiterlesen... Ein neuer Arbeitstag beginnt für Alex (Özlem Saglanmak), Ärztin in der Neurologie eines Krankenhauses in Dänemark. Einmal mehr ist die Station unterbesetzt, die Ärzte flüchten sich in sarkastische Scherze: Was ist der Unterschied zwischen einem Arzt und Gott? Gott weiß, dass er kein Arzt ist…
Alex übernimmt die Aufsicht über die Station, damit auch über die Assistenzärztin Emilie (Mathilde Arcel F.), die nervös und übervorsichtig agiert. Alex dagegen weiß was sie tut, weicht auch mal von den Vorschriften ab, wenn sie glaubt, dass ein Patient schnell behandelt werden muss.
Ein junger Patient namens Oliver klagt über Kopfschmerzen, Emilie ist unsicher, ruft Alex hinzu, die den 18jährigen genau untersucht und in die Obhut seiner Mutter Camilla (Trine Dyrholm) entlässt. Doch noch bevor sie die Klinik verlassen haben, liegt Oliver auf dem Boden und fällt in ein Koma. Im MRT wird ein Blutgerinnsel im Gehirn festgestellt, eine Operation erscheint möglich, könnte Oliver aber auch töten. Während Emilie sich schwere Vorwürfe macht, scheint Alex schnell zum Alltag überzugehen. Doch als klar wird, dass Oliver nicht mehr aufwachen wird, sie mit den sich zwischen Trauer und Wut bewegenden Eltern konfrontiert ist, beginnt sie, ihre Entscheidung zu reflektieren und spürt die Tragweite ihres Tuns.
„Det andet opfer“, das andere Opfer, lautet der Originaltitel des mitreißenden Dramas, das bei den dänischen Filmpreisen vielfach ausgezeichnet wurde. Kein Wunder, gelingt es Autorin und Regisseurin Zinnini Elkington doch, den Alltag in einem Krankenhaus intensiv und authentisch zu schildern. Als Inspiration für ihren ersten Spielfilm dienten der bisher vor allem als Schauspielerin bekannten Elkington Gespräche mit zahlreichen Verwandten, die im medizinischen Bereich arbeiten und somit aus erster Hand über die zunehmend schwierigen, um nicht zu sagen unmöglichen Arbeitsbedingungen berichten konnten.
Die auch hier mit Dosen von Galgenhumor und Zynismus übertüncht werden, so als würde man sich in Lars von Triers legendärer Krankenhausserie „Riget – Hospital der Geister“ befindet. Mehr als an diese Serie, lässt „Nachbeben“ gerade zu Beginn aber an die Rasanz von „Emergency Room“ oder seinem modernen Nachfolger „The Pitt“ denken. Gleich zu beginnt deutet Elkington ihre stilistischen Ambitionen in einer über 15 Minuten langen, ungeschnittenen Plansequenz an, die Alex beim Springen zwischen diversen Patienten folgt, während sie nebenbei Telefonate führt, von allen Seiten mit Informationen und Nachfragen bedrängt wird, dabei immer freundlich, aber auch distanziert zu wirken versucht und am Ende mit einem im Koma liegenden Patienten dasteht. Physisch spürbar wird in dieser Sequenz die systembedingte Überforderung von Ärzten, die in einem System funktionieren sollen, dessen Möglichkeiten durch Sparzwänge beschnitten werden, das zunehmend wie ein technokratisches Unternehmen funktionieren soll, obwohl am Ende immer noch Menschen mit Menschen interagieren.
Dass Alex im weiteren Verlauf der Handlung auf einmal alle Zeit der Welt hat, sich um Oliver und seine Eltern zu kümmern, untergräbt zwar etwas die Dringlichkeit der ersten Minuten, führt jedoch gleichzeitig zum emotionalen Kern der Geschichte. Auch Alex hat ein Kind zu Hause, umso näher ist ihr Camilla, die ihr einerseits Vorwürfe macht, aggressiv wird, aber auch versteht, dass die Schuld nicht wirklich bei Alex zu suchen ist.
Ähnlich wie der vergleichbare „Heldin“ zeigt auch Zinnini Elkington in „Nachbeben“ auf authentische, emotionale Weise, wie das System Krankenhaus an seine Grenzen kommt, wie Ärzte und Pfleger versuchen, zu retten, was zu retten ist und dabei oft zwangsläufig scheitern. Ein mitreißender Film, hervorragend gefilmt und gespielt. (programmkino.de)
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BONNIE - EINE MÜNCHNER KOMÖDIE
D 2026, 102 Min.
Regie: Mark Lohr
mit Corinna Blädel, Lea Liebhart, Dirk Schepanek
Eine handgemachte Action-Komödie aus der Landeshauptstadt, am 6.11. besucht uns die Filmcrew
Trailer zu BONNIE - EINE MÜNCHNER KOMÖDIE
Weiterlesen... Hannah (Corinna Blädel) hetzt durch München. Ohne Ziel und Verstand. In ihrem Rucksack tickt eine Bombe, die sie loswerden will. Ihre ehemals beste Freundin Layla (Lea Liebhart) radelt Hannah hinterher, bevor sie ihren fahrbaren Untersatz am Eingang zum Englischen Garten gegen die eigenen Füße eintauscht. Den beiden dicht auf den Fersen sind zwei Kriminalpolizisten, der eine übermotiviert, der andere tiefenentspannt. Dass sich der Film bei aller aufgebotenen Action nicht allzu ernst nimmt, beweist ein im Park platzierter Running Gag. Alle drei Parteien, Hannah, Layla und die Cops, stoßen bei ihrer Verfolgungsjagd versehentlich eine Bierflasche um, was deren Besitzer zur Weißglut treibt.
Ginge es nach Hannah, geschähe es dem Parkbesucher gerade recht, denn er trinkt ein Alkoholfreies. Und das hat in Hannahs Welt keinen Platz. Die Ex-Frontfrau der Rockband Lacke Plörre kippt sich nur Gerstensaft mit Prozenten hinter die Binde. Und zwar so oft und viel, dass sie darüber ihren Job als Kellnerin in einem Biergarten verliert. Als sie mit ihrer Band noch jeden Abend die Musikkneipe Bonham, von allen nur „Bonnie“ genannt, zum Kochen brachte, war der Bandname Programm. Keine halben Sachen! Wer ein Bier anfängt, der muss es auch austrinken, egal ob es frisch oder schon „lacke Plörre“, also schal und abgestanden ist.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Ein tragischer Unfall riss das Trio, bestehend aus Hannah hinter dem Mikro, Layla am Schlagzeug und Rosi (Eva Maria Hamm) an der Gitarre, auseinander. Während Layla nach vorn blickte, steckt Hannah in alten Gewohnheiten fest. Die eine arbeitet inzwischen in einem Bio-Supermarkt, achtet auf ihre Gesundheit und hat einen Verlobten, die andere trauert weiterhin jeden Abend im „Bonnie“ bis zur Sperrstunde im Morgengrauen der Vergangenheit nach. Die mysteriöse Entführung von Laylas Verlobtem Emilio (Timo Gastager) führt die entfremdeten Freundinnen wieder zueinander – und Layla zugleich vor Augen, wie sehr auch sie ein bisschen mehr Action in ihrem biederen Leben gebrauchen könnte.
Bonnie – Eine Münchner Action-Komödie ist der vierte abendfüllende Spielfilm des Regisseurs Mark Lohr, der zuletzt mit dem bayerischen Western Hopfen, Malz und Blei (2020) überraschte. Schon dieser war eine Mischung aus Parodie und Hommage, der die Liebe zum Genrefilm anzumerken war. Wie so viele Filmschaffende haben auch die drei Teammitglieder der hinter Lohrs Filmen stehenden Produktionsfirma Slamming Sheep Film, Produzent und Regisseur Mark Lohr, Produzentin und Schauspielerin Corinna Blädel und Produzent und Komponist Johannes Rauscher, irgendwann im elterlichen Garten angefangen. Dort habe man „große Vorbilder, wie Terminator und James Bond […] nachgedreht“, ist auf der Homepage der Produktionsfirma zu lesen. Und an kreativen Einfällen, um diese großen Vorbilder mit geringen Mitteln möglichst ansehnlich nachzuahmen, mangelt es dem Team nicht. Woran es fehlt, ist erzählerischer Drive.
Zwar treibt Rauschers Musik, die das Geschehen genüsslich kommentiert, die Handlung gelungen voran. Bis der eigentliche Krimi-Plot und mit ihm die Action aber überhaupt einsetzen, verstreicht viel zu viel Zeit. Das vom Regisseur selbst verfasste Drehbuch nutzt sie, um die Vorgeschichte der Rockband allzu ausführlich und umständlich nachzuerzählen. Wodurch zwei verschiedene Filme entstehen, die nicht zueinander passen wollen: ein Musikdrama und ein Actionthriller. Fast scheint es so, als hätte sich Lohr nicht recht entscheiden können, welchen Film er drehen wollte. Zusammengehalten werden sie durch die Freundschaft im Zentrum der Handlung und den Humor, der in seinen schlechtesten Momenten nicht über platten Slapstick hinauskommt und in seinen besten durch trockene Pointen glänzt. Vor allem Max Joseph Held als relaxter Kriminalbeamter stiehlt mit seinem lakonischen Spiel ein ums andere Mal die Schau.
Wer auf Genrekino steht, in das literweise Herzblut geflossen ist, macht mit Bonnie nichts falsch. Am Ende hätte sich Lohr das Motto seiner Protagonistinnen, „Keine halben Sachen!“, aber selbst etwas mehr zu Herzen nehmen sollen. (kino-zeit.de)
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