Am 8.11. zeigt das Kinoptikum

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HEIMSUCHUNG - EINE JAHRHUNDERTGESCHICHTE
Architektur & Kunst – D 2026, 118 Min.
Regie: Volker Schlöndorff
mit Lars Eidinger, Martina Gedeck, Ulrich Matthes
Die Geschichte eines Hauses im Wandel der Zeiten
Trailer zu HEIMSUCHUNG - EINE JAHRHUNDERTGESCHICHTE
Weiterlesen... Noch ist das malerische Grundstück am See unbebaut: Der Blick reicht über die glatte Fläche ans andere Ufer, das Schilf wirkt unberührt, die Bäume stehen einsam. Friedlich wirkt es hier, doch das wird nicht so bleiben, nicht am See, nicht in Deutschland. In den 30er Jahren beginnt die Geschichte, allzu direkt ist der Beginn der Nationalsozialistischen Herrschaft nicht zu spüren, allein der Architekt (Lars Eidinger) grüßt oft mit einem „Heil“, wird später auch Baracken für die Konzentrationslager entwerfen, aber zu seinem Glück von Albert Speer in seiner beruflichen Entwicklung gebremst werden: Ein entsprechender Brief des Reichsbauministers erweist sich in der Nachkriegszeit als Lebensrettung.
Doch soweit ist es noch nicht, zunächst baut der Architekt – einen Eigennamen trägt diese Figur ebenso wie viele andere, die weniger Individuen als exemplarische Vertreter ihrer Zeit darstellen sollen, nicht – für sich und seine Frau (Susanne Wolff) ein schmuckes Haus auf einem Teil des Grundstücks. Weit weniger mächtig wirkt dagegen das kleine Badehaus auf dem Nachbargrundstück, das der jüdischen Familie Engels gehört.
Mit Verschärfung der Rassegesetze muss die Familie Engels ihren Besitz an den Nazi verkaufen, nicht zum ersten Mal wird der die Grundstücke trennende Zaun abgerissen, später wird ein neuer Zaun gebaut, nach dem Krieg, als eine Schriftstellerin (Martina Gedeck) hier mit ihrer Familie einzieht, eigentlich eine Stimme des Volkes, die aber keinen Moment zögert, ihre Kontakte einzusetzen, um zu verhindern, dass Grundstück teilen zu müssen.
Wie der Roman läuft auch die Verfilmung episodisch ab, eine Form, die im schriftlichen Medium besser funktioniert als im visuellen. Bei Schlöndorff bleibt vieles Stückwerk, müssen immer wieder ausführliche Voice Over-Kommentar inhaltliche Lücken schließen, tauchen Figuren mal für eine Szene auf, um dann schnell wieder zu verschwinden. Einige Male greift Schlöndorff sogar auf Archivmaterial zurück, das auch den inszenierten Bildern Authentizität verleihen soll.
Von den 30er bis in die 90er reicht der Bogen, von der Nazizeit, über den Krieg, einen kurzen Moment russischer Besatzung, bis zum Wiederaufbau, der Wende und ihrer Folgen. Bei dieser Fülle an historischem Material bleibt es nicht aus, dass nur kursorisch erzählt wird, dass die Figuren nur Typen bleiben, auch wenn dem Ensemble aus deutschen Starschauspielern immer wieder große Momente gelingen.
Nur selten bricht Schlöndorff aus seinem zurückhaltenden, klassischen Stil aus, mit dem er in ruhigen Bildern, unterlegt von elegischer Musik, den Fortgang der Zeit beobachtet. Was möglich gewesen wäre, wenn er es gewagt hätte häufiger in mystische Dimensionen vorzustoßen, zeigen die Anfangs- und Schlussszene, wenn sich sämtliche Bewohner und Besucher von Haus und Grundstück zusammenfinden, vom wabernden Nebel umhüllt, der die Unterschiede der Epochen verschwinden lässt.
Vor allem aber in der immer wieder auftauchenden Nebenfigur eines Gärtners, der schon in den 30ern als eine Art Faktotum am Rand des Grundstücks lebt und den Bewohnern zur Hand geht. Schon hier wirkt der von Wigand Witting (selbst Mitte 80 und schon bei der „Blechtrommel“ dabei) gespielte Mann mit weißen Haaren und dichtem Bart wie ein alter Mann, der er auch bleibt, egal ob er während des Krieges mit russischen Soldaten trinkt oder nach dem Fall der Mauer ein letztes Mal die Blumen gießt. Losgelöst vom Fortgang der Zeit scheint dieser Mann zu existieren, so als hätte sich trotz aller Ereignisse der deutschen Geschichte am Ende wenig geändert, so als wären die Menschen im Kern dieselben geblieben. Ob man das bedauern soll oder es positiv betrachtet, lässt Schlöndorff am Ende offen. (programmkino.de)
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CHECKER TOBI 3 - Die heimliche Herrscherin der Erde
KinderKino – D 2026, 93 Min.
Regie: Antonia Simm
mit Tobi Krell, Marina Blanke
Eine Reise zu den Geheimnissen von Mutter Erde. Gecheckt!
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Weiterlesen... Nachdem in den ersten beiden Tobi-Filmen die Themen Wasser und Luft im Mittelpunkt standen, geht es diesmal um die Erde, genauer gesagt: um den Boden, auf dem wir stehen. Gemeinsam mit seinem achtjährigen Ich reist der erwachsene Tobi um die ganze Welt, immer auf der Suche nach Antworten auf wichtige Fragen.
Die große Reise beginnt zu Hause bei Tobi, der eigentlich gerade beim Ausmisten seines Kellers ist und zwischen altem Krempel inklusive Videospielen, Pupskissen und Klamotten eine alte Videokamera findet. Der Film darin ist ca. 30 Jahre alt und zeigt ihn als neugierigen kleinen Jungen, der die Frage stellt: “Wer hinterlässt die mächtigsten Spuren im Erdreich?” Irgendwann wusste Tobi die Antwort darauf, aber nun ist er schon so lange erwachsen, dass er sie vergessen hat. Und schon geht’s los: Tobi ist sofort in Madagaskar, wo er mit seiner Freundin, der Biologin Hanitra, die exotische Flora und Fauna erforscht. Sie begegnen Lemuren und Chamäleons und Tobi lernt die Baobab-Bäume kennen, die auch „Wächter der Erde“ genannt werden. Ihre Samen sollen gerade nach Spitzbergen gebracht werden, in den weltweiten Saatgut-Tresor. Und natürlich ist Tobi auch hier dabei, jagt mit Schlittenhunden durch die Eiswüste und besichtigt noch nebenbei mit dem Geologen Malte das letzte Kohlebergwerk Norwegens. Die letzte Station ist Mexiko. Hier trifft Tobi die Köchin Samara, die zwar schon seit vielen Jahren in Österreich lebt, aber mit ihrer Heimat sehr verbunden ist. Mit ihr gemeinsam erforscht er die Spuren der Mayas und ihren Umgang mit der Umwelt.
Checker Tobi, gespielt von Tobias Krell, bleibt dabei immer ganz der neugierige, freundliche und zugewandte Erklärer, der als KIKA-Moderator bekannt und beliebt ist. Er trägt den Film mit seiner natürlichen Ausstrahlung, mit seiner Offenheit und einem guten Gespür für sein junges Publikum. Dabei ist er alles andere als pädagogisierend, und dasselbe gilt für Menschen, denen er begegnet. In realen Begegnungen trifft er überall auf der Welt auf Wissenschaftlerinnen, Forscher und Einheimische, die nicht als trockene Stichwortgeber auftreten, sondern als lebendige Gesprächspartner. Diese Mischung aus Abenteuer, Dokumentation und persönlicher Erfahrung macht den Film nicht nur authentisch, sondern gibt ihm einen ganz besonderen Charme, der ihn auch für ein erwachsenes Publikum interessant macht. Die Begegnungen mit Tobis jüngerem Ich, den Theodor Latta mit viel Herzlichkeit spielt, sind im Film nur für den älteren Tobi realistisch – dieser kleine kreative Fantasieschlenker gibt dem Film zusätzlich eine gute Portion Humor.
Der Film beeindruckt auch diesmal mit opulenten Naturbildern – die Landschaftsaufnahmen aus Madagaskar, Spitzbergen und Mexiko beeindrucken mit einer manchmal beinahe unwirklichen Schönheit und einer Ästhetik, die Lust macht, sofort auf Reisen zu gehen und selbst die Welt zu entdecken. Der Filmschnitt hält ein gutes Tempo, und zusätzliche Animationen dienen dazu, wissenschaftliche Zusammenhänge kindgerecht darzustellen.
Auffällig ist auch diesmal: Der Film nimmt das junge Publikum ernst, er erklärt komplexe Zusammenhänge verständlich und wahrt dabei eine angenehme Lässigkeit. Das Bewusstsein für Umwelt und Verantwortung entsteht hier nicht durch den erhobenen Öko-Zeigefinger, sondern durch Staunen und Verstehen. „Checker Tobi 3“ ist damit nicht nur ein unterhaltsamer Kinderfilm, sondern auch ein intelligent gemachter Beitrag zum Thema Bildung – spannend, visuell stark und nachhaltig im besten Sinne. (programmkino.de)
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BONNIE - EINE MÜNCHNER KOMÖDIE
D 2026, 102 Min.
Regie: Mark Lohr
mit Corinna Blädel, Lea Liebhart, Dirk Schepanek
Eine handgemachte Action-Komödie aus der Landeshauptstadt, am 6.11. besucht uns die Filmcrew
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Weiterlesen... Hannah (Corinna Blädel) hetzt durch München. Ohne Ziel und Verstand. In ihrem Rucksack tickt eine Bombe, die sie loswerden will. Ihre ehemals beste Freundin Layla (Lea Liebhart) radelt Hannah hinterher, bevor sie ihren fahrbaren Untersatz am Eingang zum Englischen Garten gegen die eigenen Füße eintauscht. Den beiden dicht auf den Fersen sind zwei Kriminalpolizisten, der eine übermotiviert, der andere tiefenentspannt. Dass sich der Film bei aller aufgebotenen Action nicht allzu ernst nimmt, beweist ein im Park platzierter Running Gag. Alle drei Parteien, Hannah, Layla und die Cops, stoßen bei ihrer Verfolgungsjagd versehentlich eine Bierflasche um, was deren Besitzer zur Weißglut treibt.
Ginge es nach Hannah, geschähe es dem Parkbesucher gerade recht, denn er trinkt ein Alkoholfreies. Und das hat in Hannahs Welt keinen Platz. Die Ex-Frontfrau der Rockband Lacke Plörre kippt sich nur Gerstensaft mit Prozenten hinter die Binde. Und zwar so oft und viel, dass sie darüber ihren Job als Kellnerin in einem Biergarten verliert. Als sie mit ihrer Band noch jeden Abend die Musikkneipe Bonham, von allen nur „Bonnie“ genannt, zum Kochen brachte, war der Bandname Programm. Keine halben Sachen! Wer ein Bier anfängt, der muss es auch austrinken, egal ob es frisch oder schon „lacke Plörre“, also schal und abgestanden ist.
Doch diese Zeiten sind vorbei. Ein tragischer Unfall riss das Trio, bestehend aus Hannah hinter dem Mikro, Layla am Schlagzeug und Rosi (Eva Maria Hamm) an der Gitarre, auseinander. Während Layla nach vorn blickte, steckt Hannah in alten Gewohnheiten fest. Die eine arbeitet inzwischen in einem Bio-Supermarkt, achtet auf ihre Gesundheit und hat einen Verlobten, die andere trauert weiterhin jeden Abend im „Bonnie“ bis zur Sperrstunde im Morgengrauen der Vergangenheit nach. Die mysteriöse Entführung von Laylas Verlobtem Emilio (Timo Gastager) führt die entfremdeten Freundinnen wieder zueinander – und Layla zugleich vor Augen, wie sehr auch sie ein bisschen mehr Action in ihrem biederen Leben gebrauchen könnte.
Bonnie – Eine Münchner Action-Komödie ist der vierte abendfüllende Spielfilm des Regisseurs Mark Lohr, der zuletzt mit dem bayerischen Western Hopfen, Malz und Blei (2020) überraschte. Schon dieser war eine Mischung aus Parodie und Hommage, der die Liebe zum Genrefilm anzumerken war. Wie so viele Filmschaffende haben auch die drei Teammitglieder der hinter Lohrs Filmen stehenden Produktionsfirma Slamming Sheep Film, Produzent und Regisseur Mark Lohr, Produzentin und Schauspielerin Corinna Blädel und Produzent und Komponist Johannes Rauscher, irgendwann im elterlichen Garten angefangen. Dort habe man „große Vorbilder, wie Terminator und James Bond […] nachgedreht“, ist auf der Homepage der Produktionsfirma zu lesen. Und an kreativen Einfällen, um diese großen Vorbilder mit geringen Mitteln möglichst ansehnlich nachzuahmen, mangelt es dem Team nicht. Woran es fehlt, ist erzählerischer Drive.
Zwar treibt Rauschers Musik, die das Geschehen genüsslich kommentiert, die Handlung gelungen voran. Bis der eigentliche Krimi-Plot und mit ihm die Action aber überhaupt einsetzen, verstreicht viel zu viel Zeit. Das vom Regisseur selbst verfasste Drehbuch nutzt sie, um die Vorgeschichte der Rockband allzu ausführlich und umständlich nachzuerzählen. Wodurch zwei verschiedene Filme entstehen, die nicht zueinander passen wollen: ein Musikdrama und ein Actionthriller. Fast scheint es so, als hätte sich Lohr nicht recht entscheiden können, welchen Film er drehen wollte. Zusammengehalten werden sie durch die Freundschaft im Zentrum der Handlung und den Humor, der in seinen schlechtesten Momenten nicht über platten Slapstick hinauskommt und in seinen besten durch trockene Pointen glänzt. Vor allem Max Joseph Held als relaxter Kriminalbeamter stiehlt mit seinem lakonischen Spiel ein ums andere Mal die Schau.
Wer auf Genrekino steht, in das literweise Herzblut geflossen ist, macht mit Bonnie nichts falsch. Am Ende hätte sich Lohr das Motto seiner Protagonistinnen, „Keine halben Sachen!“, aber selbst etwas mehr zu Herzen nehmen sollen. (kino-zeit.de)
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