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STRANGE RIVER  DF
Estrany riu – SP/D 2025, 106 Min.
Regie: Jaume Claret Muxart
mit Nausicaa Bonnín, Jan Monter, Bernat Solé
Elliptisch erzähltes Sommerkino von junger Liebe am Donaustrande
Trailer zu STRANGE RIVER
Weiterlesen... In etlichen Urlaubsfilmen steht das Chaos im Zentrum – etwa in „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953) oder in „Die schrillen Vier auf Achse“ (1983). Doch Urlaub heißt vielleicht auch, dem Alltag entfliehen zu dürfen. Zeit bekommt dann plötzlich eine völlig andere Bedeutung; alles ist weniger durchgetaktet. Zudem bewegen wir uns im Urlaub nicht in unserem gewohnten Umfeld – wir können neue Dinge entdecken, neue Leute kennenlernen und uns dadurch möglicherweise inspirierter, ungehemmter, mutiger fühlen. Der 1998 in Barcelona geborene Regisseur Jaume Claret Muxart entscheidet sich in seinem Langfilmdebüt „Strange River“ für eine ruhige, fast schon erhabene Betrachtung der freien Tage einer katalanischen Familie, die im Sommer an der Donau entlangradelt.
Das Drehbuch, das Muxart gemeinsam mit Meritxell Colell Aparicio geschrieben hat, stellt die Erfahrungen des 16-jährigen Dídac (Jan Monter Palau) in den Mittelpunkt. Dessen Eltern Monika (Nausicaa Bonnín) und Albert (Jordi Oriol) schwelgen in Erinnerungen; die jüngeren Brüder Biel (Bernat Solé Palau) und Guiu (Roc Colell Moncunill) sind extrem anhänglich. Solche familiären Dynamiken dürften den meisten von uns irgendwie vertraut sein. Albert will die übrigen Familienmitglieder für die eindrückliche Architektur begeistern. Die drei Geschwister streiten miteinander und versöhnen sich wieder, ohne dass hierfür allzu viele Worte nötig sind. Strange River schildert das aber nicht in Form einer launigen Komödie, sondern in einem einnehmend entrückten Ton.
Die 16-Millimeter-Aufnahmen des Kameramanns Pablo Paloma, angelehnt an die romantischen Gemälde des 19. Jahrhunderts, verleihen der Donaulandschaft eine mystische Anmutung. Immer wieder sieht Dídac einen etwa gleichaltrigen Teenager (verkörpert von Francesco Wenz): im Wasser, auf einem Campingplatz oder in der menschenleeren Ulmer Hochschule, die die Familie besucht. Dídac fühlt sich von dem geheimnisvollen Fremden angezogen; es kommt zu körperlicher Nähe.
Der Film ist indes keine klassische Coming-out-Erzählung – und lässt dabei an den atmosphärisch ähnlichen Call Me by Your Name (2017) von Luca Guadagnino denken, insbesondere im Verlauf eines Gesprächs zwischen Vater und Sohn. Darin fragt Albert ganz unaufgeregt nach einem Jungen namens Gerard, für den Dídac offenbar Gefühle hegt. Hier geht es nicht darum, dass Dídac etwas offenbaren muss; vielmehr signalisiert Albert seine Bereitschaft, mit Dídac über alles zu reden. Der 16-Jährige ist wiederum gar nicht gewillt, seine Gefühle in irgendeine Richtung labeln zu lassen und eine Schublade zur eindeutigen Einsortierung zu finden.
Es ist spürbar, dass Muxart in Strange River eigene Erlebnisse verarbeitet hat (wie er in einem Regiestatement bestätigt). Das Miteinander der Familie, der Aufenthalt in der Natur und die Ahnung von etwas Übernatürlichem – all das vereint der Film in poetischen Bildern und in schönen zwischenmenschlichen Momenten.(kino-zeit.de)
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