Am 3.11. zeigt das Kinoptikum

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STAATSSCHUTZ
D 2026, 113 Min.
Regie: Faraz Shariat
mit Chen Emilie Yan, Julia Jentsch, Alev Irmak
Fesselnder Politthriller und banges Gerichtsdrama zur rechten Zeit
Trailer zu STAATSSCHUTZ
Weiterlesen... Mit seinem autobiografisch gefärbten Spielfilmdebüt „Futur Drei“ lieferte Faraz Shariat 2020 ein rauschhaftes Werk, das originelle Wege fand, um in der Sprache des Kinos von Queerness und von postmigrantischen Erfahrungen in Deutschland zu erzählen. Nun folgt mit „Staatsschutz“ sein nächster Langfilm. Das Drehbuch, das Claudia Schaefer gemeinsam mit Sun-Ju Choi und Jee-Un Kim geschrieben hat, habe in ihm das Gefühl ausgelöst, sich „in den Dienst dieser Geschichte zu stellen“, sagt Shariat in einem Interview. Und tatsächlich ist diese Dringlichkeit in seiner Inszenierung deutlich zu spüren.
Im Zentrum der Handlung steht die junge Staatsanwältin Seyo Kim (herausragend: Chen Emilie Yan), die in Ostdeutschland in der angeblich „objektivsten Behörde der Welt“ tätig ist und sich auf einem vielversprechenden Karrierepfad befindet. Zu Beginn sehen wir sie im Gerichtssaal, wo sie kühl und sachlich auftritt. Als sie mit dem Fahrrad in der Stadt unterwegs ist, wird sie Opfer eines rassistischen Brandanschlags mit Feuerwerkskörpern. Rasch stellt sie fest, dass sie trotz Warnungen und großer Gefahr auf eigene Faust ermitteln muss, um etwas zu erreichen. So recherchiert sie etwa in rechten Chatgruppen, um einen der Täter zu enttarnen. Doch dies ist erst der Anfang, wie ihr ein Blick ins Archiv ihrer Behörde bald offenbart.
Seyo Kim ist eine spannende Protagonistin, die im Laufe des Plots eine komplexe Wandlung durchläuft. Mehr und mehr muss sie ihre anfänglichen Überzeugungen infrage stellen und erkennen, dass das System, von dem sie selbst ein aktiver Teil ist, Rechtsextremismus verharmlost und zu einer Deckung von Nazis beiträgt. Klug und mit gründlichem Hintergrundwissen schildert das Skript Prozesse, die zu Korruption und zu Diskriminierung führen. Der Film weckt Unbehagen und ist damit genau die Art von politischem, widerständigem Kino, das wir in dieser Zeit brauchen.
Die Entwicklung der Hauptfigur ist auch deshalb so gut aufgebaut, weil sie Ambivalenz zulässt. So muss sich Seyo Kim durchaus zu Recht von einer Betroffenen aus einem früheren Fall darauf hinweisen lassen, dass sie erst jetzt tiefer zu graben beginnt, als sie selbst betroffen ist. Mit der engagierten Anwältin Alexandra Tiedemann (Julia Jentsch), die sich seit jeher für Opfer rassistischer Angriffe einsetzt, und der Behördenmitarbeiterin Ayten Alican (Alev Irmak) gibt es weitere fein gezeichnete Figuren.
Shariat erlaubt es sich, mit Genreelementen zu spielen, die bei falscher Dosierung auch zu einer Banalisierung des Sujets hätten führen können. Es gelingt ihm aber, exakt die richtige Mischung aus realer Betrachtung und von Wut und Gerechtigkeitssinn erfülltem Thriller zu finden. Seyo Kim ist keine strahlende Heldin, wird jedoch zu einer Figur, die es schafft, die Angst dorthin zu verlagern, wo sie hingehört – nämlich auf die Seite der Täter:innen. Ohne sie zum Pulp-Racheengel zu stilisieren, bringen das Autorinnentrio, Shariat und die unfassbar intensiv agierende Hauptdarstellerin eine Kämpferin hervor, die innerhalb staatlicher Institutionen strukturellen Rassismus den Garaus machen will und dabei angemessen einschüchternd wirkt. Und wem es (wie Shariat hier) gelingt, eine Knight Rider-Referenz zu platzieren, ohne dem Thema dadurch auch nur ein Minimum an Ernsthaftigkeit zu rauben, sondern dessen Brisanz sogar noch clever zu unterstreichen, der muss wirklich niemandem mehr beweisen, dass er ein bemerkenswertes Talent ist. (kino-zeit.de)
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