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NIGHTBORN  DF
Cinema obscure – Yön lapsi – FIN/F/GB 2026, 93 Min.
Regie: Hanna Bergholm
mit Rupert Grint, Seidi Haarla, Pamela Tola
Eltern ohne Filter zwischen Wahn und wahrhaftigem Grauen
Trailer zu NIGHTBORN
Weiterlesen... Saga und ihr britischer Ehemann Jon hegen den Wunsch nach einem gemeinsamen Kind und beziehen dafür Sagas Elternhaus in den abgelegenen Wäldern Finnlands. Mit der Geburt ihres Babys scheint ihr Plan zunächst tatsächlich Wirklichkeit zu werden. Doch die neue Situation entwickelt sich anders als erwartet und stellt ihr Zusammenleben zunehmend in Frage. Denn Saga ist davon überzeugt, dass mit ihrem jüngsten Familienmitglied irgendwas nicht in Ordnung ist. Während sich die immer weiter Ereignisse zuspitzen, ist es allein Saga, die die beunruhigende Wahrheit nicht aus dem Blick verliert.
Der finnischen Filmemacherin Hanna Bergholm war die Aufmerksamkeit der Horror-Welt bereits vor der Weltpremiere ihres ersten Langfilms „Hatching“ sicher. Dafür reichte ein einziges, vorab veröffentlichtes Szenenfoto aus – eine verquere Anspielung auf die ikonische Chestbuster-Szene aus „Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“: Ein blondes Mädchen beugt sich in ihrem Bett über ein riesiges (Vogel-)Ei, das scheinbar aus ihrem rosafarbenen Plüschteddy herausgeplatzt ist. Auf den Coming-Of-Age-Body-Horror folgt mit „Nightborn“ nun ein (überwiegend englischsprachiger) Mutterschafts-Body-Horror, auf dessen ersten Bild die Hauptdarstellerin Seidi Haarla („Abteil Nr. 6“) mit blutverschmiertem Gesicht vor einer Krippe kniet, während der danebenstehende „Harry Potter“-Star Rupert Grint eher bedröppelt dreinschaut.
Sicherlich ist auch dieses Bild wieder eine Ansage, wenn auch längst nicht so mysteriös verheißungsvoll. Was soll uns da schon erwarten? Vermutlich halt eine blutigere finnische Variante von „Rosemaries Baby“ und all den anderen Horror-Babys, die es seitdem auf die Leinwand (und in die Videothekenregale) geschafft haben. In gewisser Weise stimmt diese Einschätzung sogar – und doch dauert es nur wenige Minuten, bis klar wird, dass Bergholm alles daransetzt, den puren WTF-Faktor ihres Vorgängers sogar noch zu übertreffen. Spätestens wenn die auffällig verformte Flora bei einer Sex-im-Wald-Szene mindestens auf der Tonspur mehr mitmischt, als man es eigentlich erwarten würde, ist der Ton für eine durch und durch abgefuckte Baby-der-etwas-anderen-Art-Geschichte gesetzt.
„Scheiß auf London!“ Saga (Seidi Haarla) hat extra eine fünfjährige berufliche Auszeit eingeplant, um mit ihrem britischen Ehemann Jon (Rupert Grint) eine Familie zu gründen – schließlich stehen gleich drei Kinder auf der gemeinsamen Wunschliste. Zuvor muss jedoch noch das morsche Haus von Sagas Großmutter auf Vordermann gebracht werden, das seit Jahren mitten im finnischen Wald vor sich hin rottet. Es kann sich auch wirklich sehen lassen, was das junge Paar in der kurzen Zeit auf die Beine stellt – selbst wenn sie nicht ganz fertig werden, weil ihr Sohn Kuure einige Wochen zu früh zur Welt kommt.
Aber neben dem frühen Geburtstermin bieten sich auch noch weitere Gründe zur Besorgnis. Denn das Baby ist nicht nur ungewöhnlich behaart und lichtempfindlich, beim Stillen scheint es auch weniger an der Muttermilch als vielmehr am Mutterblut interessiert zu sein, wenn es statt an den Nippeln zu saugen gleich gefühlt die halbe Brust abbeißt. Während sie sich von allen Seiten anhören muss, dass mit ihrem Sohn alles okay und sie das eigentliche Problem sei, kommt Saga immer mehr zu der Überzeugung, dass es zwischen dem von ihr als „es“ bezeichneten Kuure und dem umliegenden Wald eine Verbindung geben muss …
Wenn man im Jahr 2026 unbedingt NOCH einen Mutterschafts-Horrorfilm liefern will, sollte man entweder – wie „The Babadook“ – mit einer außergewöhnlichen psychologischen Präzision überzeugen oder aber zumindest auf alles bisher Gesehene noch mal ordentlich draufsatteln. Selbst wenn Themen wie postnatale Depressionen in „Nightborn“ durchaus mitschwingen, hat sich Hanna Bergholm offensichtlich für die zweite Variante entschieden, denn sie kostet vor allem die blutig-bizarre Seite des Szenarios bis zum Anschlag aus. Schon die Art und Weise, wie sie das Baby dabei – nicht – zeigt, ist eine wahre Freude: Statt seines Gesichts sehen wir zunächst nur den behaarten Rücken – und auch später sind die Sets stets so ausgeleuchtet, dass wir wie beim ersten Auftritt einer Femme fatale in einem Film-Noir nur schattige Umrisse ausmachen können.
Da macht die eigene (kranke) Fantasie natürlich Überstunden, zumal wir stattdessen die Gesichter derjenigen Verwandtschaft präsentiert bekommen, die das Baby gerade zum ersten Mal sehen: Während sich die Erwachsenen noch zu einem spürbar erzwungenen Lächeln durchringen können, reagieren die Cousinen („Kindermund tut Wahrheit kund“) mit einer erschrockenen Abscheu. Hier hat Bergholm offensichtlich von Steven Spielberg gelernt, der seine Titelfigur in „Der Weiße Hai“ ja lange Zeit nur teilweise oder schemenhaft offenbart hat. Wobei es tatsächlich noch mal eine ganz andere, besonders groteske Wirkung entfaltet, wenn es sich bei dem „Filmmonster“ eben nicht um ein bis zu vier Tonnen schweres Ungetüm mit 300 bis zu sieben Zentimeter langen Zähnen handelt, sondern um ein Neugeborenes, das noch nicht einmal krabbeln kann.
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