Am 3.10. zeigt das Kinoptikum

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STRANGE RIVER  span. OmU
Estrany riu – SP/D 2025, 106 Min.
Regie: Jaume Claret Muxart
mit Nausicaa Bonnín, Jan Monter, Bernat Solé
Elliptisch erzähltes Sommerkino von junger Liebe am Donaustrande
Trailer zu STRANGE RIVER
Weiterlesen... In etlichen Urlaubsfilmen steht das Chaos im Zentrum – etwa in „Die Ferien des Monsieur Hulot“ (1953) oder in „Die schrillen Vier auf Achse“ (1983). Doch Urlaub heißt vielleicht auch, dem Alltag entfliehen zu dürfen. Zeit bekommt dann plötzlich eine völlig andere Bedeutung; alles ist weniger durchgetaktet. Zudem bewegen wir uns im Urlaub nicht in unserem gewohnten Umfeld – wir können neue Dinge entdecken, neue Leute kennenlernen und uns dadurch möglicherweise inspirierter, ungehemmter, mutiger fühlen. Der 1998 in Barcelona geborene Regisseur Jaume Claret Muxart entscheidet sich in seinem Langfilmdebüt „Strange River“ für eine ruhige, fast schon erhabene Betrachtung der freien Tage einer katalanischen Familie, die im Sommer an der Donau entlangradelt.
Das Drehbuch, das Muxart gemeinsam mit Meritxell Colell Aparicio geschrieben hat, stellt die Erfahrungen des 16-jährigen Dídac (Jan Monter Palau) in den Mittelpunkt. Dessen Eltern Monika (Nausicaa Bonnín) und Albert (Jordi Oriol) schwelgen in Erinnerungen; die jüngeren Brüder Biel (Bernat Solé Palau) und Guiu (Roc Colell Moncunill) sind extrem anhänglich. Solche familiären Dynamiken dürften den meisten von uns irgendwie vertraut sein. Albert will die übrigen Familienmitglieder für die eindrückliche Architektur begeistern. Die drei Geschwister streiten miteinander und versöhnen sich wieder, ohne dass hierfür allzu viele Worte nötig sind. Strange River schildert das aber nicht in Form einer launigen Komödie, sondern in einem einnehmend entrückten Ton.
Die 16-Millimeter-Aufnahmen des Kameramanns Pablo Paloma, angelehnt an die romantischen Gemälde des 19. Jahrhunderts, verleihen der Donaulandschaft eine mystische Anmutung. Immer wieder sieht Dídac einen etwa gleichaltrigen Teenager (verkörpert von Francesco Wenz): im Wasser, auf einem Campingplatz oder in der menschenleeren Ulmer Hochschule, die die Familie besucht. Dídac fühlt sich von dem geheimnisvollen Fremden angezogen; es kommt zu körperlicher Nähe.
Der Film ist indes keine klassische Coming-out-Erzählung – und lässt dabei an den atmosphärisch ähnlichen Call Me by Your Name (2017) von Luca Guadagnino denken, insbesondere im Verlauf eines Gesprächs zwischen Vater und Sohn. Darin fragt Albert ganz unaufgeregt nach einem Jungen namens Gerard, für den Dídac offenbar Gefühle hegt. Hier geht es nicht darum, dass Dídac etwas offenbaren muss; vielmehr signalisiert Albert seine Bereitschaft, mit Dídac über alles zu reden. Der 16-Jährige ist wiederum gar nicht gewillt, seine Gefühle in irgendeine Richtung labeln zu lassen und eine Schublade zur eindeutigen Einsortierung zu finden.
Es ist spürbar, dass Muxart in Strange River eigene Erlebnisse verarbeitet hat (wie er in einem Regiestatement bestätigt). Das Miteinander der Familie, der Aufenthalt in der Natur und die Ahnung von etwas Übernatürlichem – all das vereint der Film in poetischen Bildern und in schönen zwischenmenschlichen Momenten.(kino-zeit.de)
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WILD FOXES  OmU
Kampf-Kunst-Geschichte – La Danse des renards – B/F 2026, 93 Min.
Regie: Valery Carnoy
mit Samuel Kircher, Faycal Anaflous, Jef Jacobs
Ein außergewöhnlicher Boxfilm von den Härten des Heranwachsens
Trailer zu WILD FOXES
Weiterlesen... Camille (Samuel Kircher) ist jung und boxt. In einem Sportinternat irgendwo in der französischen Provinz lebt der Teenager und arbeitet auf seinen großen Traum hin: Für sein Land zu kämpfen, später als Profi, schon bald jedoch bei der Europameisterschaft der Amateure.
Im Ring ist Camille kaum zu schlagen, er bewegt sich gut, kann zuschlagen, vor allem aber einstecken, redet sich auf fast autosuggestive Weise ein, dass die Schläge nicht schmerzen, will immer weitermachen, um es sich und den anderen zu beweisen.
In der Kabine herrscht dementsprechend Testosteronüberschuss, Camille und die anderen, vor allem sein bester Freund Matteo (Fayçal Anaflous) posieren mit nacktem Oberkörper vor der Handykamera, reiben sich mit Öl ein, tanzen und feiern und sind sich sehr nah. Vielleicht auch, um jeden Verdacht auf homosexuelle Neigungen im Keim zu ersticken, prahlen die Teenager umso emphatischer mit angeblichen Eroberungen, reden betont vulgär von sexuellen Abenteuern, auch wenn sie – nicht zuletzt durch das zeitaufwändige Training – kaum Kontakt zum anderen Geschlecht haben.
Abwechslung bietet nur der nahegelegene Wald, in dem Camille und Matteo Füchse mit Fleischstückchen anlocken, die Stille der Natur genießen. Doch dann rutscht Camille von einem Felsplateau, wird gerade so von Matteo gerettet und kommt mit einer zwar auffälligen, aber nicht weiter dramatischen Narbe am Arm davon.
Physisch ist Camille bald wieder fit, doch seit dem Unfall hapert es psychisch: Im Ring wirkt er zurückhaltend, zeigt sich ängstlich und längst nicht mehr so aggressiv wie einst. Auch die Bekanntschaft mit Yas (Anna Heckel), einer der wenigen Mädchen im Internat, die Taekwondo lernt, aber auch gerne im Wald Trompete spielt, zeigt Camille, das es auch anderes im Leben gibt, als zu boxen.
Mann gegen Mann, in der Enge eines Boxrings. Auf den ersten Blick wirkt das wie eine ideale Metapher für die Kämpfe des Lebens, als Symbol für den Darwinismus einer Welt, in der das Recht des Stärkeren gilt. Anfangs wirkt Valéry Carnoy Debütfilm „Wild Foxes“, der letztes Jahr in Cannes seine Weltpremiere erlebte, wie eine Bestätigung dieser Tropen, doch bald unterläuft der belgische Regisseur die Erwartungen.
Er stellt einen jungen Mann, halb Teenager, halb Erwachsener, in den Mittelpunkt, der erst langsam beginnt, eigenständig zu denken. Bislang hatte Camille seinen Weg nicht aus eigenen Antrieb bestritten, sondern einfach das getan, das nachgeahmt, was die patriarchalische Gesellschaft ihm vorgelebt hat. Und das bedeutet, sich zu beweisen, seinen Körper einzusetzen, seinen Mann zu stehen, zu kämpfen.
Eine Narbe auf seinem Knie stamme von seinem Vater, erzählt Camille Yas in einem ruhigen Moment, und mehr braucht es nicht, um zu ahnen, das er zu Hause geschlagen wurde, das er die Wut über die Aggression seines Vaters nun selbst in Aggression übersetzt. Diese Muster zu erkennen sind jedoch nur der erste Schritt, wie Camille bald feststellen muss. Seine Freunde zeigen sich schnell irritiert von ihm, wollen nicht akzeptieren, dass der Starkämpfer keine Lust mehr hat zu kämpfen.
Auch dank der eindringlichen Darstellung von Samuel Kircher gelingt Valéry Carnoy ein ungewöhnlicher Boxfilm, eher ein Anti-Boxfilm, der den so cineastischen Sport und seine Männlichkeitsrituale auf interessante, sehr zeitgemäße Weise hinterfragt und dekonstruiert. (programmkino.de)
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