Am 22.11. zeigt das Kinoptikum

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DAS GETRÄUMTE ABENTEUER  DF
BG/D/F/AT 2026, 167 Min.
Regie: Valeska Grisebach
mit Yana Radeva, Syuleyman Alilov Letifo, Stoicho Kostadinov
Eine stille Ausgrabung von Geschichte(n) am Rande Europas
Trailer zu DAS GETRÄUMTE ABENTEUER
Weiterlesen... Ihr Beruf führt die Archäologin Veska (Yana Radeva) zurück in ihre Heimat. Dort, in der Stadt Svilengrad in der Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei, wird sie von Saïd (Syuleyman Alilov Letifo) überrascht. Der ist ein alter Bekannter von Veska. Die beiden kennen sich aus den Rhodopen und nun sitzt er in Svilengrad fest, denn ihm wurde sein Auto geklaut. Veska nimmt ihn deshalb unter ihre Fittiche und für einen Tag mit zu einer Ausgrabungsstätte. Am nächsten Tag fehlt von Saïd jede Spur. Auf der Suche nach ihm dringt Veska immer tiefer in die dunklen Geheimnis von Saïd vor...
Die Archäologin Veska ist für ein Ausgrabungsprojekt in ihre Heimatstadt Svilengrad zurückgekehrt, in die Grenzregion zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. Überraschend trifft sie auf Said, einen alten Bekannten aus den Rhodopen, den undurchsichtige Geschäfte nach Svilengrad geführt haben. Saids Auto ist gestohlen worden, und Veska lädt ihn ein, den Tag mit ihr auf der Ausgrabungsstätte zu verbringen. Es ist ein glücklicher Tag voller Vertrautheit, ein Tag wie ein Versprechen. Am nächsten Morgen ist Said verschwunden.
Veska folgt den Spuren Saids und dringt dabei immer tiefer in die verborgenen Schichten und Verhältnisse der Stadt und ihrer Menschen vor – Geschichten aus der Zeit des großen Umbruchs in den 90er Jahren, von Freiheit und geplatzten Träumen, Gewalt und schnellem Geld. Was hat Said mit Iliya zu tun, dem mächtigen Mann im Hintergrund, bei dem alle Fäden zusammenzulaufen scheinen? Veska ist gezwungen, sich ihren eigenen Erinnerungen zu stellen. Unterstützt von ihren Freundinnen und Freunden aus Svilengrad, beginnt sie, ihre eigene Geschichte zu schreiben. (Quelle: Piffl Medien)
Sanfte Hügel, die Vegetation von der Sonne ausgedörrt, heruntergekommene Bauernhäuser, ein paar versprengte Kühe. Die Gegend in „Das geträumte Abenteuer“, dem neuen Film von Valeska Grisebach, kommt einem seltsam vertraut vor. Wahrscheinlich, weil sie in dieser Gegend schon ihren letzten Film drehte, Western, der 2017 in der Sektion ‚Un Certain Regard‘ in Cannes lief. Auch das erste Gesicht, das im Film zu sehen ist, bedeutet eine Wiederbegegnung mit dem früheren Werk: Es gehört Syuleyman Alilov Letifov, der hier zwar eine andere Figur spielt aber wieder mit seiner magnetischen Ausstrahlung die Leinwand füllt, so dass es sich anfühlt wie eine Erweiterung des damaligen Erzähluniversums.
Faktisch ist es das auch. Das Universum ist einfach der trockene, bröckelige Rand Europas, der Zipfel ländlichen Bulgariens, der der griechischen und der türkischen Grenze gleichermaßen nahe liegt. Dort, nahe der Kleinstadt Svilengrad, hat die Archäologin Veska (eine großartige Entdeckung: Yana Radeva) auf einem die ganze Region überblickenden Hügel ihre Ausgrabungsstätte aufgeschlagen. Die Leute sagen, dort sei nichts mehr zu holen, doch geduldig legt ihr Team immer wieder Münzen und andere kleine Artefakte frei. Die Ausgrabung selbst ist trotzdem kein großes Thema in Das geträumte Abenteuer, sie bietet lediglich die den Anstoß gebende Symbolik.
Veska selbst kommt aus Svilengrad, ist jedoch als junge Frau zum Studieren in die Großstadt aufgebrochen, viel gereist. „Du bist jetzt eine Europäerin,“ sagen die alten Nachbarn und markieren damit den Konflikt, der dieser Geschichte zugrunde liegt: Die Menschen hier leben in einer Gegend, die vom Kontinent vergessen wird und dennoch seine Probleme ausbaden muss. In ihrer freien Zeit durchstreift Veska verlassene Hotels und Restaurants in mondäner Sowjetmoderne errichtet, für die noch keine Archäologin notwendig ist, um die Erkenntnis freizulegen, dass das damalige Versprechen auf eine glorreiche Zukunft und prosperierenden Tourismus fehlgeschlagen ist. Die Infrastruktur ist marode, die Politik glänzt durch Abwesenheit, verspricht immer nur Flüchtlingsströme einzudämmen, von denen die Leute sagen, dass sie hier jeden Tag durchziehen, die aber im Film nie zu sehen sind.
Ein viel greifbareres Problem in der Gegend ist die Mafia. Die Zuordnung ist ganz einfach: Entweder du sprichst über die Mafia, du wirst drangsaliert von der Mafia oder du bist die Mafia. Schlägertypen drangsalieren einen alten Bauern und kappen seine Benzinversorgung, damit er ihnen endlich sein für Schmugglergeschäfte günstig gelegenes Gehöft verkauft. Der Boss lebt in einer Villa, durch deren Garten Pfauen spazieren und schmeißt dort Parties, für die seine Handlanger die schönsten Mädchen aus den umliegenden Discos zusammenklauben. In diese Gemengelage hinein kommt nun Veska, die mit den Verursachern dieser Verhältnisse schon in die Schule gegangen ist und es einfach nicht gut sein lassen kann.
Die Filme von Valeska Grisebach haben den Ruf langsam zu sein, Berliner Schule eben; Laiendarsteller, zurückgenommene Erzählweise. So langsam ist Das geträumte Abenteuer aber eigentlich gar nicht. Die Kamera ist beweglich, folgt einer Protagonistin, die die ganze Zeit in Bewegung ist. Wir sind nur das gemächliche Tempo dieser Gegend nicht gewöhnt, das Zeit lässt zu betrachten, wie die Schatten der vorbeiziehenden Wolken über die Hügel wandern und in dem Grisebach und ihre Cutterin Bettina Böhler Dialogen die Gelegenheit geben sich in Echtzeit zu entwickeln. Gespräche sind hier ohnehin das A und O, denn im Grunde wandert Veska den ganzen Film über von einem Tisch zum Andern. Die Leute sitzen in ihren Gärten beieinander und reden, kaum ein Smartphonebildschirm in Sicht, und manchmal wird sie eingeladen, manchmal von jemandem mitgenommen, gelegentlich lädt sie sich selbst ein. Zur Sprache kommen dabei die verschiedensten Perspektiven auf diesen Ort und seine Vergangenheit: Männer reden über die Goldenen Zeiten, über Geschäfte und machen schmierige Witze über Frauen. Die Frauen reden über die Gewalt, die sie erfahren haben und noch erfahren.
Show, don’t tell lautet ein viel zitierter Grundsatz des Filmemachens und irgendwie vollbringt Valeska Grisebach das Kunststück, das bei ihr Zeigen und Erzählen ein und das selbe ist. In dieser Hinsicht ist Das geträumte Abenteuer der perfekte Film. Keine Szene in den knapp unter drei Stunden Laufzeit ist überfüssig, es gibt keine Einstellung oder Dialogzeile, die nicht behutsam immer mehr Nuancen des Lebens bei Svilengrad und von Veskas eigener Vergangenheit freilegt, ohne dabei je gewollt oder überladen zu wirken. Manchmal geht das mit Veskas Angriffslust einher, manchmal mit hintergründigem Humor, aber immer mit ungebremster Neugier auf die Geschichten, die an diesem Ort nicht einmal vergraben, sondern für jeden, der hinsehen will, offen sichtbar auf der Erde liegen. (kino-zeit.de)
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MINIONS & MONSTER
KinderKino – Minions & Monsters – USA 2026, 89 Min.
Regie: Pierre Coffin
mit Christoph Waltz, Allison Janney, Jesse Eisenberg, Jeff Bridges
Die gelben "Gehilfen" erobern Hollywood
Trailer zu MINIONS & MONSTER
Weiterlesen... Die Minions durchquerten die Länder dieser Welt auf der Suche nach einem großen Bösewicht, dem sie folgen könnten. Sie hatten einige, aber nicht wenige wurden auch ihretwegen aus dem Leben befördert. Und so suchten sie und suchten sie und suchten sie, bis sie schließlich nach Hollywood kamen, 1927 für den Film entdeckt werden und fortan zu Stars werden. Bis der Tonfilm kommt, dann ist es aus mit der Karriere. Minion James träumt aber vom Oscar und brütet die Idee eines Minions-und-Monster-Film aus, wofür echte Monster heraufbeschworen werden. Das Chaos ist vorprogrammiert.
„Minions & Monster“ ist der wahrscheinlich witzigste Film, der je über Hollywood gedreht wurde. Er zieht liebevoll, aber auch sehr frech durch den Kakao, wie die Traumindustrie sich selbst so gerne sieht. Entsprechend gibt es auch reichlich Parodien, die nur den cinephilen Fans wirklich auffallen werden. Anspielungen, Easter Eggs, Verbeugungen und Hommagen sind hier in rauen Mengen vorhanden. Wenn man sie erkennt, macht das das Vergnügen noch größer. Zuckersüß sozusagen, aber man muss nie auch nur einen anderen Film gesehen haben, um hier Spaß zu haben. Was Pixar so gut beherrscht, wiederholt hier auch Illuminations, denn dies ist ein Film, der ein Publikum jedes Alters abholt, von ganz jung bis uralt.
Das fängt schon damit an, dass am Anfang zurückgespult wird und man in Zeitraffer sieht, wie die Universal-Pictures-Logos bis zu ihrem ersten zurückkehren. Dann fängt das Ganze wie ein klassischer Stummfilm an. Er zitiert die Keystone Cops ebenso wie Harold Lloyd, Buster Keaton und Charlie Chaplin, verbeugt sich vor „Der Tag, an dem die Erde stillstand“, huldigte H.P. Lovecrafts Roman „Die Berge des Wahnsinns“ inklusive eines Cthulhu-artigen Monsters und hat am Ende ein Monster, das nicht nur schleimig ist und viele Augen hat, sondern auch direkt an „Der Blob“ erinnert. Aber auch moderne Filme wie „Matrix“ oder „Babylon“ werden hier zitiert. Kurz gesagt: Der Film ist ein Füllhorn an Zitaten, es ist fast unmöglich, bei nur einmaligem Ansehen alles zu erkennen.
Der Film nutzt dabei Slapstick in rauen Mengen – gerade Figuren wie die Minions bieten sich dafür natürlich auch an. Es gibt das grandiose Cameo des Mannes, der uns den Sternenkrieg geschenkt hat, und auch die deutsche Synchronisation kann überzeugen. Christoph Waltz spielt einen Regisseur mit österreichischem Zungenschlag, die Kaulitz-Brüder als niedliches Lovecraft-Monster respektive ein Roboter aus einer anderen Welt sind überraschend gut. Überhaupt: Der Film ist pure Freude, ein knapp 90-minütiger Spaß, bei dem man aus dem Lachen nicht mehr rauskommt. (programmkino.de)
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VON SCHAM UND GELD  OmU
Shame and Money – RKS/SL/MK/D 2026, 129 Min.
Regie: Visar Morina
mit Astrit Kabashi, Flonja Kodheli, Kumrije Hoxha
Hochdekoriertes Drama vom Wert der Würde auf dem Arbeitsmarkt
Trailer zu VON SCHAM UND GELD
Weiterlesen... Eine schallende Ohrfeige besiegelt den Streit unter Brüdern am Familientisch. „Lauf ihm hinterher und entschuldige dich!“, mahnt die besorgte Mutter. Doch vergeblich, das Tuch ist zerschnitten. Aus Rache verkauft der gedemütigte Liridon heimlich alle Kühe des Familienbetriebs und setzt sich nach Deutschland ab. Shaban (Astrit Kabashi) und seine Frau Hatixhe (Flonja Kodheli) müssen mit ihren drei Töchtern sowie der Oma den Bauernhof verlassen und in die Hauptstadt Pristina ziehen.
In einer winzigen Wohnung muss die Familie fortan zurechtkommen. Während der wohlhabende Schwager seine Solidarität auf gönnerhafte Almosen und kluge Ratschläge beschränkt, versucht Shaban verzweifelt, einen Job zu finden. Am Ende steht er mit anderen Tagelöhnern am Straßenrand und wartet auf vorbeifahrende Auftraggeber, die harte Arbeit für wenig Lohn anbieten. Seine Gattin hilft derweil ihrer Schwester, den behinderten Opa zu versorgen. „Scham ist Luxus!“, sagt sie einmal und gibt damit das Thema des Dramas vor.
Immer wieder findet sich der wackere Held als Opfer von himmelschreienden Ungerechtigkeiten wieder. Kaum hat er einen großen Stapel Holz gehackt, bemängelt der Auftraggeber die Größe der Scheite und verweigert die Bezahlung. Der Vermieter, der ein wertvolles Schmuckstück der Oma als Pfand entgegengenommen hat, verhökert den Schatz kurzerhand und denkt nicht im Geringsten an die versprochene Rückgabe. Wie Don Quichotte kämpft Shaban gegen die Windmühlen der Widrigkeiten. Wenn er sonst schon alles verloren hat, will er wenigstens seine Würde bewahren. Da gibt er seinem Schwager-Schnösel lieber den 20-Euro-Schein zurück, als sich auf diese Art demütigen zu lassen. Doch wie viel Schmach vermag ein Mensch zu ertragen? Wann ist seine Frustrationstoleranz erschöpft? „Dinge kreisen in meinem Kopf. Dinge, an die ich nicht denken sollte!“, gesteht der Held in einer ruhigen Minute seiner Frau. Viel Gutes kann das kaum bedeuten…

Geradlinig und schnörkellos erzählt Visar Morina sein rigoroses Lehrstück über das Fressen und die Moral. Die Kamera bleibt dicht an den Figuren, die sich durch enorme Glaubwürdigkeit und großes Empathiepotenzial auszeichnen. Statt auf moralinsaure Belehrung setzt der Regisseur auf eine spannungsreiche, fast thrillerhafte Dramaturgie, bei der sogar Raum für Komik bleibt. „Ich beschütze das Viertel vor Leuten wie uns“, erklärt er seiner Frau den neuen Job als Security-Wache im Bonzenviertel. Wie zum Hohn kreist die Kamera später um ein übergroßes Bill-Clinton-Denkmal in der Stadt, das als neoliberaler Heilsbringer des Kapitalismus offenkundig den vollmundigen Versprechungen nicht gerecht wurde.
Als ganz großer Pluspunkt erweist sich Hauptdarsteller Astrit Kabashi in seiner Rolle als unerschütterliches Stehaufmännchen, dem Selbstachtung über alles geht. Mit maximalem Minimalismus gelingt ihm die Balance zwischen Würde und Verzweiflung. Angenehm unaufdringlich und ohne Sentimentalität lädt er das Publikum zur Empathie – und zur eigenen Stellungnahme ein. Kino mit Mehrwert, das noch lange nachklingt. (programmkino.de)
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