Am 9.10. zeigt das Kinoptikum

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GERMAINE ACOGNY - DIE ESSENZ DES TANZES  OmU
Für Katrin – D/F 2025, 89 Min.
Regie: Greta-Marie Becker
Leben und Wirken der international gefeierten Tanzikone
Trailer zu GERMAINE ACOGNY - DIE ESSENZ DES TANZES
Weiterlesen... Die französisch-senegalesische Tänzerin und Choreografin Germaine Acogny, geboren im Jahr 1944 in Benin, gilt als „Mutter des afrikanischen zeitgenössischen Tanzes“. Bei einem Auftritt in einer TV-Talkrunde wird sie wiederum als „Päpstin des Tanzes“ bezeichnet. Ableiten lässt sich aus diesen Zuschreibungen auf jeden Fall der große Respekt, den Acogny seit vielen Jahren erfährt. Die Filmemacherin Greta-Marie Becker porträtiert die Künstlerin in ihrem Werk „Germaine Acogny – Die Essenz des Tanzes“ und zeigt dabei die unermüdliche Energie, mit der Acogny tanzt, performt und unterrichtet.
Becker verbindet aktuelle Interviews und Aufnahmen mit Archivmaterial. Wir sehen Acogny in jüngeren Jahren, wie sie andere Tänzer:innen mit ihrer entschlossenen Art als Lehrerin motiviert und antreibt. Wir werfen kurze Blicke in einstige Proben und Aufführungen. Außerdem erhalten wir einen Eindruck davon, wie sie immer wieder zu kämpfen bereit ist. „Beim Tanzen sollte man nicht deinen Körper sehen, sondern deine Seele“, sagt Acogny an einer Stelle. Dennoch scheint es in der öffentlichen Wahrnehmung in Teilen der Welt einen Unterschied zu geben zwischen dem Tanz und dem „Tanz der Schwarzen“, der in solchen Fällen als „das Andere“ kategorisiert wird.
Acogny widerspricht dieser Abgrenzung und weist auf die historischen Hintergründe dieser Denkweise hin. Bei ihren Performances kommt zur Bewegungskunst zuweilen das gesprochene Wort in Form von klaren politischen Statements hinzu. Als etwa der französische Präsident Nicolas Sarkozy bei seiner ersten Afrikareise im Jahr 2007 in seiner Rede an der Universität von Dakar in klischeehafter Manier vom „Drama Afrikas“ sprach, reagierte Acogny in ihrer Bühnenshow mit deutlichen Worten darauf.
In einem alten Fernseh-Interview nennt sie den modernen Tanz nach Martha Graham und die afrikanische Tradition als ihre Inspirationsquellen. Der Film zeichnet nach, wie sich Acogny als Künstlerin und Tanzlehrerin etablierte. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Helmut Vogt gründete sie die École des Sables, das Internationale Zentrum für traditionelle und zeitgenössische afrikanische Tänze in Toubab Dialaw, Senegal. Ganz nebenbei schildert Becker in ihrem Film eine zauberhafte Liebesgeschichte. „Ich habe ihn angemacht!“, sagt Acogny lachend; Frauen müssten eben die Initiative ergreifen.
Schön ist zudem Acognys spürbares Interesse an der jungen Generation. Sie ist eine Ikone – doch sie ruht sich nicht auf diesem Status aus, sondern interagiert voller Elan mit dem Nachwuchs. Sie will wissen, was die aufstrebenden Talente so bewegt. Die Kamera von Sophie Maintigneux fängt die Stimmung bei Tanzkursen und Workshops ein. Alesandra Seutin und Wesley Ruzibiza, die als Alumni die künstlerische Leitung der Schule übernommen haben, kommen ebenso zu Wort wie Schüler:innen. Acogny dient ihnen tänzerisch als Vorbild – aber auch durch ihre mutige Art, sich Raum zu schaffen und Schwierigkeiten hinter sich zu lassen. (kino-zeit.de)
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TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA  OmU
Cinema obscure – GB/USA 2026, 106 Min.
Regie: Jane Schoenbrun
mit Hannah Einbinder, Gillian Anderson, Amanda Fix
Schamlos unterhaltsamer Sleazer auf der großen Metaebene
Trailer zu TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA
Weiterlesen... Nach Jahren liebloser Fortsetzungen und schwindender Fanbasis wird das Slasher-Franchise Camp Miasma einer ambitionierten jungen Regisseurin zur Wiederbelebung überlassen. Als sie den einstigen Star der Originalfilme besucht, eine mittlerweile zurückgezogen lebende Schauspielerin, die von Geheimnissen umgeben ist, geraten die beiden Frauen in eine blutgetränkte Welt voller Begehren, Angst und Wahnvorstellungen.
Kaum jemand außer Jane Schoenbrun kann so tiefgreifend erfassen, was vermeintlich triviale oder gar extrem räudig daherkommende Popkultur einigen Menschen zu bedeuten vermag – insbesondere Heranwachsenden abseits der Heteronorm. In Schoenbruns Vorgänger „I Saw the TV Glow“ (2024) war es eine kitschig-trashige Young-Adult-Fantasyserie im Stil von „Buffy – Im Bann der Dämonen“, die mit ihren Identifikationsangeboten zwei Highschool-Outcasts magisch anzog. In „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ sind es nun die alten Slasher-Filmreihen, die viele Eighties- und Nineties-Kids vor allem auf VHS kennen- und lieben gelernt haben – und die trotz ihrer sehr bedenklichen Darstellung von Sex, Gender und Gewalt gerade auf queere Zuschauer:innen bis heute eine immense Faszination ausüben.
Die Vorspannsequenz des Werks zeigt im Schnelldurchlauf die typische Entwicklung einer solchen Horror-IP. Wir sehen detailreiche und glaubwürdig anmutende Plakate, Aushangfotos, Videokassetten, Zeitungsannoncen, Berichte, Sammelkarten, Actionfiguren, Wackelköpfe, Brettspiele, Comics und einen thematischen Flipperautomaten zu den fiktiven „Camp Miasma“-Filmen. Prägnant zeichnet Schoenbrun nach, wie eine Low-Budget-Produktion aus den 1980er Jahren vom Indie-Überraschungshit zum profitablen Franchise avanciert ist – bis dann der allmähliche Niedergang einsetzte. Auch die spätere Wiederentdeckung, kritische Reflexion und akademisch fundierte Umdeutung von Motiven der erdachten Reihe im Internet-Zeitalter fängt die Auftaktpassage treffend ein. Wie ein generös integriertes Kurzfilmjuwel vermittelt diese Sequenz bereits eine Ahnung davon, mit welcher Menge an Herzblut Schoenbrun uns hier noch überschütten wird. Keep it coming!
Die 29-jährige Protagonistin Kris (Hannah Einbinder) hat nach dem Achtungserfolg ihres nerdigen Drehbuch- und Regiedebüts den Auftrag erhalten, ein „Camp Miasma“-Reboot zu konzipieren. Dafür möchte sie Billy Presley (Gillian Anderson) für einen Cameo-Auftritt gewinnen. Als junge Frau (verkörpert von Amanda Fix) spielte diese die Hauptrolle im ersten Teil; anschließend hatte sich Billy aus der Branche zurückgezogen. Inzwischen wohnt sie allein in der kanadischen Wildnis auf einem Hügel – in der Spuk-Camp-Kulisse des Ursprungsfilms, in dem ein untoter Killer namens Little Death (Jack Haven) erstmals eine horny Teen-Truppe dezimierte, um in den Folgeteilen dann wieder und wieder aufzuerstehen und seine bizarren Bluttaten abermals zu verrichten (mit einem Lüftungsschacht als Kopf – because, why the fuck not?).
Schoenbrun und das kreative Team, darunter der Produktionsdesigner Brandon Tonner-Connolly, die Kostümbildnerin Kendra Terpenning, der Kameramann Eric Yue und der Komponist (und Indie-Pop-Musiker) Alex G, liefern mit ihren gestalterischen Ideen hier stets mehr als nur Zitate von Subgenreklassikern. Der Film kopiert nicht einfach Freitag der 13. (1980), Blutiger Sommer – Das Camp des Grauens (1983), Nightmare – Mörderische Träume (1984) oder eines der zahllosen Sequels und Rip-Offs. Er begnügt sich auch nicht mit einer ironischen Brechung im postmodernen Sinne wie das Scream-Franchise und erst recht nicht mit einer abschätzigen Parodie in Scary-Movie-Manier. Statt zu imitieren oder distanziert zu referenzieren, dringt Teenage Sex and Death at Camp Miasma mit audiovisuellen Mitteln zum besonderen Gefühl vor, diese anstößigen, rabiaten und zugleich seltsam melancholischen Sleaze-Feste aus der Videothek als Betrachter:in genussvoll zu feiern – nicht unbedingt aus den offensichtlichen, exploitativen Gründen, die intendiert sind, sondern aus ganz individuellen, womöglich unbewussten Antrieben heraus.
Schon seit frühester Jugend bewegen und erregen Kris die „Camp Miasma“-Filme – ja, auch in erotischer Hinsicht. Auf verblüffende Weise ist Schoenbruns neue Arbeit bei aller Härte, die das Slasher-Sujet mit sich bringt, deutlich witziger und begieriger in der Suche nach Erfüllung, als es die beiden vorherigen Filme I Saw the TV Glow und We’re All Going to the World’s Fair (2021) waren. In diesen hatten die Selbstfindungsversuche der Figuren etwas ungeheuer Beängstigendes und Fatales an sich. Jeder Schritt in eine dunkelbunt funkelnde Welt außerhalb des Bekannten konnte sofort verheerende Konsequenzen nach sich ziehen. Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist wesentlich spielerischer und umarmt zunehmend ungehemmter den ambivalenten Spaß, den Kris und Billy entdecken, indem sie sich ihrer Fantasie gemeinsam hingeben.
„If it gets too real, you can always turn it off“, heißt es wiederholt. In einem Deadline-Interview spricht Schoenbrun diesbezüglich von einem „nod to consent“. Ein blutiger Slasher-Kosmos in krisseliger Optik kann also ein Safe Space sein – ein Ort der Erforschung von (Angst-)Lust, von Emotionen, die zu weird, zu widersprüchlich sind, um sie ohne Scham außerhalb dieses zauberschön-schäbigen Schund-Universums aussprechen, geschweige denn ausleben zu können. Das titelgebende Camp wird zur kinky Spielwiese, auf der sich Kris und Billy zusammen wohl, aufgehoben und angekommen fühlen. Diese lockere Art, die den dreckigen VHS-Nasties zum puren persönlichen Vergnügen jede echte Bosheit aus den bewaffneten Händen reißt, ist fast noch subversiver als die bitteren Blicke in Abgründe, die Schoenbrun zuvor gewagt hat. Teenage Sex and Death at Camp Miasma kapert mit orgiastischer Freude ein in der Vergangenheit häufig erschreckend stigmatisierendes, misogynes, homo- und transphobes Subgenre – nach eigenen Regeln, ohne sich darum zu scheren, ob das nun alle nachvollziehen können.
Schoenbrun definiert sich als non-binär – und verhandelt in allen Werken auch das Queer- und Trans-Sein. Aber nicht im Sinne von reiner Repräsentanz, sondern als organischen Teil des Ganzen. Wenn Kris per Telefon oder Videokonferenz mit Entscheider:innen aus Hollywood diskutiert, wird klar, dass die Industrie „woke“, empowernde Neuinterpretationen einstmals problematischer Narrative längst vereinnahmt hat – jedoch nicht aus Überzeugung, nicht aus einer Dringlichkeit heraus, sondern um sie als Marketing-Tool und Deckmantel zu nutzen. Der queere Meta-Take soll das Verkorkste wieder salonfähig machen; die frische allegorische Herangehensweise soll der Geschmacklosigkeit ein gehobenes Aroma verleihen, damit sich niemand die Nase zuhalten muss. Für Kris’ Agentin (Sarah Sherman) besteht der kreative Prozess vor allem aus einer Aneinanderreihung leerer Buzzwords: „Gen Z, TikTok, SpongeBob.“
Teenage Sex and Death at Camp Miasma lässt sich dagegen auf keine Vereinnahmung ein. Ist die einsiedlerische Billy in ihrer winterlich verschneiten, abgelegenen Hütte eine Horrorversion der tragischen Diva Norma Desmond aus Boulevard der Dämmerung (1950)? Das wäre viel zu kurz gedacht. Kollidieren hier die Ansichten einer modernen jungen Akademikerin mit der abgeklärten Perspektive einer 60-Jährigen, während die beiden Brathähnchen mit Dipsauce verspeisen? Es dabei zu belassen, wäre nicht einmal das Dreizehntel eines Schoenbrun-Moves! Der Film weiß, was von ihm erwartet wird – und wählt mit entrücktem Lächeln andere, aufregendere Wege. Die Gestaltung des Werks in die Style-over-Substance-Schublade einzusortieren, wäre ebenfalls zu voreilig. Die handbemalten Sets, die wilden Farben, das Spiel mit Filmformaten und Kameratricks – all das ist nicht nur da, um zu gefallen oder um Anforderungen an eine bestimmte Art von Kino zu erfüllen. Es ist Teil einer Welt, die Schoenbrun für die Figuren baut, um ihnen gerecht zu werden – ihren Bedürfnissen, ihrem Begehren, ihrem Kink. Teenage Sex and Death at Camp Miasma ist ein Film, der seine Figuren bedingungslos liebt. (kino-zeit.de)
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