Am 16.5. zeigt das Kinoptikum

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DJ AHMET  DF
DJ Ahmet – MK/CZ/HR 2025, 97 Min.
Regie: Georgi M. Unkovski
mit Arif Jakup, Agush Agushev, Dora Akan Zlatanova
Vom Heranwachsen zwischen Schafen und Technobeats
Trailer zu DJ AHMET
Weiterlesen... einem abgelegenen Dorf in Nordmazedonien wächst der 15-jährige Ahmet (Arif Jakup) auf. Eigentlich würde Ahmet gern zur Schule gehen, doch sein Vater (Aksel Mehmet) braucht ihn auf dem heruntergekommenen Hof, zum Hüten der 20 Schafe, aber auch, um auf den seinen kleinen Bruder Naim (Agush Agushev) aufzupassen. Der spricht seit dem frühen Tod der Mutter nicht mehr, weswegen der Vater einen Heiler zu Rate zieht, ganz den traditionellen Vorstellungen der Region entsprechend.
Muslimisch geprägt ist das Dorf, ein spitzes Minarett ragt im Dorfkern in den Himmel, die Frauen tragen traditionelles Kostüm und bedecken ihre Haare, vor allem aber sind die Ehen kein Akt der Liebe, sondern werden von den Eltern geschlossen. So auch die von Ahmets Nachbarin Aya (Dora Akan Zlatanova), die aus Deutschland in die Heimat zurückgeholt wurde und nun einen Mann heiraten soll, den sie kaum kennt.
Vom ersten Moment an, den Ahmet Aya auf dem Feld – auch noch in Zeitlupe – zu Gesicht bekommt, ist es um ihn Geschehen. Doch was hätten sich der Junge vom Dorf und das in Deutschland aufgewachsene Mädchen zu sagen? Zum Glück gibt es die Musik, die sie verbindet: Für ihre Online-Kanäle nimmt Aya gerne kleine Tanzvideos auf, Ahmet dagegen hört gerne Musik auf dem Handy, zum einen, weil sein kleiner Bruder gerne tanzt, zum anderen, weil es ihn an seine Mutter erinnert.
Doch gerade diese Musik ist dem Vater ein Dorn im Auge, einerseits ebenfalls der schmerzhaften Erinnerungen an die Ehefrau wegen, andererseits aus religiösen, traditionellen Gründen. Mit dieser Haltung ist der Vater nicht allein, wie Ahmet und Aya bald erfahren müssen.
Auf den ersten Blick mag sich Georgi M. Unkovskis „DJ Ahmet“ wie ein typisches Sozialdrama anhören, das vom Patriarchat erzählt, Tradition gegen Moderne stellt und nach Schema F abläuft. Doch der in New York geborene, nun in Skopje, der Hauptstadt des Landes, lebende Nordmazedone, wählt einen interessanteren, ungewöhnlicheren Ansatz, um vom Leben in einer selbst für Nordmazedonien abgelegenen Region der Balkanrepublik zu erzählen.
Immer wieder ist zu spüren, das Unkovski ein erfahrener Regisseur von Werbungen und Videoclips ist, der ein ein Gespür für Stimmungen und Emotionen hat. Stilisierte Momente in Zeitlupe, leuchtende Farben, pointierte Bildeinfälle ziehen sich durch den Film, sorgen manchmal gar für surreal anmutende Momente. Wenn Ahmet da etwa eines Nachts durch die Dunkelheit streift und auf einmal mitten in einem Festival für elektronische Musik landet, das geradewegs seiner Lust zu Tanzen entsprungen zu sein scheint. Doch auch seine Schafe fühlen sich von der Musik angezogen und sorgen mit ihrer Anwesenheit zwischen den Tanzenden für ein Internet-Meme – und führen dazu, dass ein Schaf plötzlich mit pinkem Fell den Weg nach Hause findet.
Bisweilen stehen solche Momente ein wenig losgelöst da, fügen sich nur bedingt in die Erzählung, die sich eher mäandernd als strukturiert entwickelt. Aber diese lose Erzählweise passt gut zu einem Film, der seine Konflikte eher lose anreißt, als sie zugespitzt auf ein dramatisches Ende zuzuführen. „DJ Ahmet“ taucht in eine ganz eigene Welt ein, erzählt vom Einbruch der Moderne in ein traditionelles Dorf, voller Humor und präziser Beobachtungen. Allein der Muezzin, der über die Lautsprecheranlage seines Minaretts aus Versehen das Dorf mit der Startmelodie von Microsoft Word beschallt, ist ein unvergesslicher Moment. Nicht der Einzige, der aus diesem sehr sehenswerten Debütfilm in Erinnerung bleibt. (programmkino.de)
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THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT  DF
Cinema obscureThe Bride! – USA 2026, 127 Min.
Regie: Maggie Gyllenhaal
mit Jessie Buckley, Christian Bale, Jake Gyllenhaal
Vogelwilde Steam-Punk Revue mit Frankensteins Braut
Trailer zu THE BRIDE! - ES LEBE DIE BRAUT
Weiterlesen... Im Zentrum steht Jessie Buckley, die hier eine Rolle spielt, die eigentlich aus mehreren Figuren besteht. Zunächst ist da Ida, eine selbstbewusste Frau aus dem Chicago der 1930er Jahre, die sich im Umfeld von Gangstern bewegt. Dann gibt es den Geist der Schriftstellerin Mary Shelley, der von Ida gelegentlich Besitz ergreift und ihr eine völlig andere Stimme und Haltung verleiht. Und schliesslich entsteht aus diesen beiden Ebenen die titelgebende Braut – eine wiedererweckte, rätselhafte Figur, die gleichermassen Femme fatale, literarisches Gespenst und Monstergefährtin ist.
Was kompliziert klingt, wird durch Buckleys Spiel erstaunlich lebendig. Die irische Schauspielerin wirft sich mit sichtbarer Lust in diesen exzentrischen Charakter, wechselt Tonlagen, Temperament und Körpersprache und dominiert den Film mit einer entfesselten Präsenz, die selbst dann fesselt, wenn die Handlung gerade in alle Richtungen auseinanderdriftet. Ihre Darbietung ist überdreht, manchmal fast grotesk – aber genau darin liegt auch der Reiz.
An ihrer Seite steht Christian Bale als Frankensteins Kreatur. Anders als viele moderne Interpretationen setzt diese Version nicht auf romantische Tragik, sondern auf eine Mischung aus Melancholie und grober Körperlichkeit. Bales Monster wirkt ramponiert, fast wie ein alter Boxer nach zu vielen Kämpfen, und zugleich unerwartet verletzlich. Seine Sehnsucht nach Nähe und einem Gegenüber verleiht der grotesken Liebesgeschichte eine unerwartet emotionale Grundlage. Doch Gyllenhaals Version verschiebt die Perspektive: Die Braut ist längst mehr als nur die Gefährtin des Monsters – sie entwickelt eine eigene Identität, hinterfragt ihre Rolle und bringt mit ihrem ungebändigten Punk-Gothic-Vibe die Themen Selbstbestimmung und Me-Too überraschend aktuell ins Kino.
Ein besonderes Stilmittel des Films ist sein Soundtrack, der das 1930er-Chicago bewusst mit modernen Klängen kontrastiert. Orchestrale Elemente von Hildur Guðnadóttir treffen auf Songs von Fever Ray, ergänzt durch eine persönliche Punk-/Rock-Playlist von Jessie Buckley, die Acts wie PJ Harvey, The Pogues, Sid Vicious und The Clash enthält. Diese Mischung unterstreicht den ungebändigten Punk-Gothic-Vibe, verstärkt die rebellische Energie der Braut und macht die Geschichte noch lebendiger, während die feministische Perspektive hörbar unterstrichen wird.
Unterstützt wird das Duo von Annette Bening als mitfühlender Wissenschaftlerin Dr. Euphronius, Penélope Cruz als scharfsinnige Ermittlerin Myrna Mallow, Peter Sarsgaard als hartnäckiger Detective Jake Wiles sowie Jake Gyllenhaal als charmanter Hollywoodstar Ronnie Reed – Figuren, die das wilde Genre-Mosaik von Gyllenhaal facettenreich ergänzen. Hier trifft schwarzer Humor auf Gangsterfilm, Horrormotive auf Musicaleinlagen, während immer wieder augenzwinkernde Anspielungen auf Filmgeschichte und Genreklassiker aufblitzen. Manche Szenen erinnern an die anarchische Energie von Mel Brooks’ Frankenstein Junior, andere an die Glamour-Welt alter Tanzfilme. Dann wieder kippt der Film plötzlich in eine Art makabren Roadmovie-Modus à la Bonnie und Clyde (1967) oder Natural Born Killers (1994), wenn das ungewöhnliche Paar durch die amerikanische Landschaft zieht und eine Spur aus Chaos hinterlässt.
Gerade diese Mischung macht The Bride! gleichermassen reizvoll und problematisch. Gyllenhaal scheint sich bewusst gegen klare Regeln zu entscheiden und folgt stattdessen jedem noch so verrückten Einfall. Das führt zu Momenten grosser Originalität, aber auch dazu, dass sich manche Einfälle eher wie Skizzen anfühlen als wie vollständig entwickelte Erzählstränge. Einige der spannendsten Ansätze – etwa die Rolle Mary Shelleys als kommentierende Geisterfigur – werden überraschend schnell wieder fallen gelassen.
Trotz solcher erzählerischen Brüche entfaltet der Film eine bemerkenswerte Dynamik. Visuell ist The Bride! opulent, mit aufwendigen Kulissen und einer Bildsprache, die das klassische Hollywoodkino ebenso zitiert wie den Gothic-Horror der Universal-Ära. Gleichzeitig hat das Ganze diesen rebellischen Unterton, als würde der Film seine eigene Absurdität jederzeit mit einem Augenzwinkern kommentieren.
Am Ende ist The Bride! vielleicht selbst ein kleines filmisches Monster: zusammengesetzt aus unterschiedlichsten Teilen, nicht immer harmonisch, aber gerade deshalb ungewöhnlich lebendig. Vor allem Jessie Buckleys entfesseltes Spiel sorgt dafür, dass diese bizarre Neuinterpretation der „Frankenstein“-Mythologie im Gedächtnis bleibt – als schräges, mutiges und ziemlich unterhaltsames Experiment. (kino-zeit.de)
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