Am 9.2. zeigt das Kinoptikum

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Do. 18:00
WE ARE ALL DETROIT - Vom Bleiben und Verschwinden
Architektur & Kunst – D 2021, 118 Min.
Regie: Ulrike Franke & Michael Loeken
Vom Bleiben und Verschwinden zwischen Ruhrpott und Rust Belt: Eine Studienfahrt zu Städten des Wandels auf zwei Kontinenten
Trailer zu WE ARE ALL DETROIT - Vom Bleiben und Verschwinden
Weiterlesen... Im Ruhrgebiet hat das Dokumentarfilmduo Ulrike Franke und Michael Loecken schon diverse Filme gedreht, haben den wirtschaftlichen Wandel des einstigen industriellen Herz der Bundesrepublik dokumentiert, Menschen beim Versuch begleitet, sich gezwungenermaßen zu verändern. Einer dieser Filme hieß „Arbeit Heimat Opel“, der von genau diesen drei Elementen erzählte. 2014 jedoch wurde das Opel-Werk in Bochum geschlossen, die Manager, die diese Entscheidung trafen saßen jedoch nicht in Deutschland, sondern in Detroit, im Hauptquartier von General Motors, dem Besitzer der Opel AG.
Diese Verbindung ist der Ausgangspunkt von „We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“, der beschreibt, wie die beiden Städte mit dem aufgezwungenen Wandel umgehen, der durch die Veränderung in der Autoindustrie notwendig wurde.
Einst wurde Detroit Motor-City genannt, war die Hauptstadt der amerikanischen Autoindustrie, die die legendären Straßenkreuzer herstellte, Autos, die an Schiffe denken ließen, riesige Kotflügel hatten und enorme Mengen Benzin schluckten. Lange Jahre war das kein Problem, doch spätestens mit dem Ölpreisschock 1973 änderte sich das. Besonders japanische Autobauer setzten auf sparsamere Modelle und Detroit verlor nach und nach seine Bedeutung als Autostadt. Fabriken machten dicht, in der Folge verließen immer mehr Menschen die Stadt und hinterließen Leerstand. Von über zwei Millionen ist die Einwohnerzahl mittlerweile auf knapp 600.000 Einwohner gesunken, was zu einer enormen Anzahl verfallenen Häuser geführt hat, zu Ruin und Verfall.
Kann das auch in Bochum passieren? Immerhin 20.000 Arbeitsplätze gab es im Opel-Werk, die nach und nach wegfielen. Einige hundert prekäre Jobs stellt der Paketdienst DHL zur Verfügung, die sich auf dem ehemaligen Opelgelände ansiedelten, viel ist das nicht. Auf der anderen Seite des Geländes soll ein Wissensstandort mit besser bezahlten Jobs entstehen. Um den Schmerz der ehemaligen Opel-Arbeiter zu lindern, wurde das Gelände in Mark 51.7 umbenannt, im Volksmund heißt es jedoch immer noch einfach das alte Opelgelände.
In mehreren Phasen drehten Ulrike Franke und Michael Loeken in Detroit und Bochum, interviewten ehemalige Arbeiter und Manager der Autofabriken, Angestellte in Restaurants und Diners im Umfeld der Fabriken, aber auch Bewohner der Städte, die mit der Autoindustrie wenig zu tun haben. Unaufgeregt erzählen sie von ihren Leben, vom Versuch, mit dem Wandel umzugehen, sich an die neuen Begebenheiten anzupassen. Von Verlust ist oft die Rede, aber auch von neuen, unverhofften Möglichkeiten, vielleicht sogar dem Beginn einer neuen Form des gesellschaftlichen Zusammenhaltes.
Weniger ein Doppel-Porträt ist „We are all Detroit – Vom Bleiben und Verschwinden“ geworden, als eine genaue Studie über zwei Städte, die exemplarisch für viele Städte in der Welt stehen, die mit der Notwendigkeit konfrontiert sind, sich zu verändern.
(programmkino.de)
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Do. 20:30
BONES AND ALL  OmU
Cinema Obscure – USA/IT 2022, 130 Min.
Regie: Luca Guadagnino
mit Taylor Russell, Timothée Chalamet, Michael Stuhlbarg, Mark Rylance
Die außergewöhnliche Love Story unter "Fine Young Cannibals" - ein fleischeslustiger Roadtrip und definitiv nichts für Zartbesaitete
Trailer zu BONES AND ALL
Weiterlesen... „Eater“ nennen sich jene heimlichen Kannibalen, die sich auf große Distanz gegenseitig am Geruch erkennen. Teenager Maren (Taylor Russell) ist noch nicht so ganz auf den Geschmack gekommen, die aufkommende Fleischeslust macht sie unsicher. Nach einem schockierenden Zwischenfall mit den ahnungslosen Mädchen im Nachbarhaus, hat der Vater endgültig genug von seiner menschenfleischfressenden Tochter. Er hinterlässt Maren eine besprochene Kassette samt Walkman auf dem Küchentisch und macht sich feige auf die Flucht. Für die verstörte junge Frau der auslösende Anlass, endlich ihre Mutter zu suchen, die sie nie kannte. Wie es sich für ein richtiges road movie gehört, ist der Weg zugleich das Ziel. Quer durch die Bundesstaaten von Amerika führt die Reise, mit drei großen Buchstaben wird die Geografie optisch eingeblendet.
Nachts in einem unheimlich anmutenden Provinz-Kaff trifft Maren auf den bizarren Sully (Oscarpreisträger Mark Rylance in Bestform!), der sich als erfahrener Menschenfresser entpuppt und gerne die Rolle des väterlichen Mentors übernehmen möchte. Seinem Angebot, als Begrüßungssnack gemeinsam eine alte Dame zu vernaschen, kann der hungrige Teenager kaum widerstehen. Kaum ist der Senioren-Snack verdaut, kommen der Kannibalin erste Zweifel an den Absichten ihres vermeintlich freundlichen Gastgebers. Spontan beschließt sie die schnelle Flucht.
Der hastige Aufbruch hat sich gelohnt. Denn wenig später trifft Maren in einem Supermarkt auf den attraktiven Lee (Timothée Chalamet), der über das Potenzial zum perfekten Liebeskandidaten verfügt. Schnell entdecken die Außenseiter ihre Seelenverwandtschaft sowie die gemeinsame Leidenschaft für Menschenfleisch. Gemeinsam macht sich das schwer verliebte Eater-Duo auf die Suche nach Marens verschollener Mutter. Leichen pflastern ihren Weg. Um trauernde Angehörige zu vermeiden, stellt Lee sein Menü spontan auf alleinstehende Schwule um. Homophob? Von wegen: Schließlich genießt Lee seinen Quickie mit dem Schießbudenverkäufer im nächtlichen Maisfeld. Die zuschauende Freundin gönnt ihm sein Vergnügen. Schließlich steht Lees neuer Lover längst auf der gemeinsamen Speisekarte. Liebe geht bekanntlich durch den Magen, der ganz große Kannibalen-Kick kommt freilich erst, wenn der Filmtitel befolgt wird und das Opfer mit Haut und Haar sowie den Knochen aufgegessen wird.
Die ungewöhnliche Mischung aus Coming-of-Age, Lovestory, Road-Movie und Horror sorgt für Staunen und Gänsehaut gleichermaßen. Und sie hat Polarisierungspotenzial: Regie- sowie Schauspielpreis in Venedig auf der einen Seite. Zugleich empörte Zuschauer, die schockiert von den Splatter-Szenen den Saal verlassen. Weniger wegen Gewaltexzessen, vielmehr wegen Bildern wie aus einer „Körperwelten“-Ausstellung oder eine Anatomie-Dokumentation. Zarte Gemüter können immerhin getrost die Augen schließen. Das Kino zur Mutprobe nutzen oder als Dating-Film mit Kuschelgarantie.
Wer mehr Mehrwert möchte, kann die visuell famose Tour dieser Fine Young Cannibals als Metaphorik für US-Kapitalismus, Drogensucht und Identitätssuche enträtseln. Oder Luca Guadagnino als einfallsreichen Autorenfilmer der ziemlich rigorosen Art bewundern. Last but not least werden die Timothée-Fans mit charismatischen Blicken sowie viel freiem (wenngleich oft blutverschmiertem!) Oberkörper des Hollywood-Darlings belohnt - auch Taylor Russell hat ihn zum Fressen gern.
(programmkino.de)
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