Am 29.1. zeigt das Kinoptikum

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So. 11:00
WAS DEIN HERZ DIR SAGT - ADIEU IHR IDIOTEN  DF
P-SeminarAdieu les Cons – F 2022, 87 Min.
Regie: Albert Dupontel
mit Virginie Efira, Albert Dupontel, Nicolas Marié
Eine bitterböse Groteske rund um ein ungleiches Trio auf turbulenter Mission - formidables cinéma und veritabler Kinohit in Frankreich.
Trailer zu WAS DEIN HERZ DIR SAGT - ADIEU IHR IDIOTEN
Weiterlesen... Zu viele Dauerwellen, zu viel Haarspray … Suzes Lungen sind kaputt von der Arbeit als Friseurin. Die Aussicht, nicht mehr viel Zeit zu haben, weckt in Suze das Bedürfnis, ihren Sohn wiederzufinden, den sie vor mittlerweile 28 Jahren zur Welt brachte und gleich nach der Geburt zur Adoption freigeben musste. Sie war erst 15, ein Mädchen mit Rastalocken, sehr fröhlich und sehr verliebt. Bevor sie stirbt, möchte Suze noch einmal ihren Sohn sehen. Theoretisch ist das natürlich kein Problem, wenn da nicht die Bürokratie wäre, die in Frankreich offenbar über ganz besonders hübsch wiehernde Amtsschimmel verfügt. Zufällig gerät sie dabei in das benachbarte Büro von JB, der als IT- und Sicherheitschef im Gesundheitsministerium in seiner Computerklause arbeitet, zufällig Wand an Wand mit dem Sachbearbeiter, den Suze anfleht, ihr möglichst schnell zu helfen, den Verbleib ihres Sohnes zu recherchieren.
Wie sich Suze und JB kennenlernen, soll hier ebenso ein Geheimnis bleiben wie die Geschichte ihrer Begegnung mit dem blinden Monsieur Blin, der eigentlich das Archiv im Gesundheitsministerium verwaltet, aber lieber mit anderen Menschen zusammen wäre, denen er helfen kann, als mit irgendwelchen alten, verstaubten Akten. Nur so viel: Das Schicksal oder der Zufall oder beides führt die drei zusammen, und auch wenn sie zwischendurch immer mal wieder getrennt werden: Die Drei können sich aufeinander verlassen, egal ob bei der Flucht vor der Polizei oder bei der Jagd nach Informationen über Suzes Sohn.
Was Albert Dupontel veranstaltet, um Suze und JB als Charaktere einzuführen, ist ganz großartig – sehr witzig und sehr intelligent. Die beiden sind sich nämlich in gewisser Weise ähnlich, auch wenn sie es nicht wissen und vielleicht nie erfahren werden. Beide haben einen Familiennamen, den sich offenbar keiner merken kann. Womöglich weil sie beide einfach nicht interessant genug für andere sind? Und beide neigen zu Übersprungshandlungen und zu Kurzschlussreaktionen: Suze rennt aus dem Sprechzimmer, bevor der Arzt ihr die endgültige Diagnose liefert, und JB läuft aus dem Büro seines Chefs, ehe der ihm sagen kann, ob er tatsächlich entlassen ist. Beide sind auf ihre Weise allein, nicht im Sinne eines einsamen Rufers in der Wildnis, sondern auf eine eher tragische Art. Suze hat einiges hinter sich, JB zu wenig. Jedenfalls haben diese beiden Menschen nie so richtig ihren Platz in der Welt gefunden. Aber was ist das überhaupt für eine Welt?
Albert Dupontel zeigt ein Land, das hoch technisiert und digital vernetzt ist – und unfähig, damit umzugehen. Dabei schreckt er vor praktisch nichts zurück, um zu demonstrieren, wie sehr der Irrsinn und die Verfehlungen einer herzlosen Gesellschaft, aufgebaut auf der Herrschaft der Bürokratie, bereits gediehen sind. Bis in den letzten Winkel werden sämtliche Menschen von Suchmaschinen, Datensammlungen und Kameras erfasst. Doch nichts funktioniert, wie es soll. Dieses Frankreich – Ähnlichkeiten mit anderen Ländern sind natürlich rein zufällig! – ist ebenso kalt wie obrigkeitshörig, angefüllt mit einsamen Menschen, die in der Anonymität des Alltags nur noch an sich selbst denken. Es scheint beinahe, als ob Suze und ihre beiden Gefährten die einzigen in einer Welt von Idioten und Ignoranten sind, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Sie schliddern auf ihrem gemeinsamen Weg ins Unbekannte von einer absurden Situation in die nächste, was schiefgehen kann, geht dann auch verlässlich schief, und das ist alles zusammen ganz zauberhaft und dabei gelegentlich richtig fies, und die Handlung entwickelt sich so wunderbar komisch und gleichzeitig so traurig, so unwahrscheinlich und doch irgendwie glaubhaft, dass es nur so seine Bewandtnis hat. Alors!
(programmkino.de)
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So. 15:30
DIE FALKEN - Alle für einen
KinderKino – ISL/S 2018, 92 Min.
Regie: Bragi Thor Hinriksson
mit Lukas Emil Johansen, Viktor Benóný Benediktsson
Mit den wilden Kerlen auf spektakulären Fußballplätzen im Ascheregen (empfohlen ab 8 Jahren)
Trailer zu DIE FALKEN - Alle für einen
Weiterlesen... Alljährlich findet auf einer Insel außerhalb Islands ein großes Fußballturnier für Kinder statt. Diese Mal geht der zehnjährige Jón mit seiner Mannschaft, den Falken, in den Wettbewerb. Doch der Start ist schwierig. Die Gegner foulen, der Schiedsrichter ist parteiisch und die Falken verlieren. Als Jón und sein Team jedoch herausfinden, warum ihre größten Konkurrenten vom ÍBV und insbesondere der Junge Ívar so brutal agieren, beschließen sie kurzerhand, ihren Feinden zu helfen.Mit spektakulären Bildern der vulkanischen Inselkette im Süden Islands und unter Beteiligung einheimischer Fußballstars erzählt der isländische Regisseur Hinriksson eine Geschichte, bei der es nicht nur um Fußball, sondern auch um Freundschaft, Mut und Zusammenhalt geht. Ausblenden

So. 19:00
INU-OH
JAP/CHN 2021, 98 Min.
Regie: Masaaki Yuasa
Hinter dem Geheimnis der Kürbismaske verbirgt sich ein zügelloses Anime im Gewande eines History-Rock-Musicals in grandiosen Bildern
Trailer zu INU-OH
Weiterlesen... Die japanische Kinolandschaft mag für viele westliche Augen durchaus seltsam wirken. Daran wird auch „Inu-Oh“ nichts ändern. Zwar ist die Welt der asiatischen und insbesondere japanische Animationsfilme dem Westen bekannt, doch oft ist es nur der Mainstream, der Beachtung findet. Auch der neue Film von Masaaki Yuasa wird wohl hierzulande eher untergehen – obwohl es ein einzigartiges Seherlebnis und durchaus lohnenswert ist.   
Vom ersten Bild an macht der Film Inu-Oh deutlich, dass er optisch eine Besonderheit ist. Die Farben erinnern an blasse Pastelltöne und sind doch erstaunlich lebhaft. Manchmal sind es ruhig Szenen in einem Wald, die beinahe stillzustehen scheinen, dann sind es wieder wilde Farbstriche, die auf dem Bild orientierungslos hin und her huschen. Nicht weniger seltsam ist auch die Geschichte, die Inu-Oh erzählt.
Vor mehreren Jahrhunderten, im japanischen Mittelalter, findet ein Vater mit seinem Sohn Tomona das legendäre Grasschneider-Schwert im Meer. Eine sagenumwobene Waffe, die einst in einer Seeschlacht verloren gegangen ist. Doch bei dem Versuch, die Klinge zu ziehen, zerschneidet ein Energiestoß den Vater und lässt Tomona erblinden. Nachdem die Mutter des Jungen ebenfalls der Trauer erliegt, begibt sich der Junge auf eine Reise als Priester mit einer Biwa, einer Art Laute. Auf seinem Weg trifft er den titelgebenden und eigenartigen Inu-Oh, der sein Gesicht mit einer Maske verbirgt. Die beiden teilen fortan nicht nur die Reise, sondern offenbaren sich auch ihre Geschichten. Dabei verändert sich auch Inu-Ohs Körper zusehends auf seltsame Weise.    
Eines der zentralen Elemente in Inu-Oh ist die Musik. Das Saiteninstrument Biwa wird oftmals in den Mittelpunkt gestellt, darunter auch in einer beeindruckenden Szene, wie hunderte von Mönchen diese Laute spielen. Das ist nicht nur auf einer optischen, sondern auch auf der klanglichen Ebene beeindruckend. Für weite Strecken kommt der Animationsfilm auch ohne Dialoge aus und erzählt seine Handlung stattdessen über Bilder und deren Musik. Das reicht nicht ganz aus, um von einem reinen Musical zu sprechen. Trotzdem bleibt der knapp 90-minütige Film in erster Linie eine musikalische Erfahrung.
Zugleich ist Inu-Oh ein historischer Film, der teils große geschichtliche Ereignisse in komprimierter Form erzählt. Fast wie ein Theaterstück, das dem Publikum die japanische Geschichte näherbringt. Allgemein werden viele kulturelle japanische Eigenheiten vermittelt, gepaart mit populären Bildern wie etwa den herunterfallenden Kirschblüten. Und spätestens bei den Konzertszenen merkt man, wie sympathisch der Film auf einen wirken kann. Auf seiner Reise hat Tomona mehrere Auftritte, die an moderne Konzerte erinnern. Er animiert die Leute, ein Feuerspucker macht dazu seine Kunststücke und Tomona spielt seine Biwa wie eine Gitarre. Das hat einen speziellen Charme und gepaart mit der Rockmusik bekommt man mit Inu-Oh seine ganz eigene, private Show.
Regisseur Masaaki Yuasa ist bekannt dafür, dass er sich mit seinen Filmen gerne von Konventionen freimacht und experimentelle Wege geht. Das zeigt auch wieder sein aktueller Film, der sich teils in kreativen Ideenregelrecht verliert. Interessant ist, dass Yuasa auch als Animator bei großen Anime-Serien wie Shinchan, Devilman: Crybaby und Samurai Champloo beteiligt war. Gerade bei letzterer merkt man, dass er sich von dieser optisch hat inspirieren lassen. Und trotz der Inspiration setzt Yuasa mit Inu-Oh eigene Akzente.
Seine neueste Produktion ist eine unterhaltsame Mischung aus Historienfilm, Musical, Selbstfindung, Dramatik und Komik. Das mag nicht allen Sehgewohnheiten gefallen, zumal der Film tonal nicht immer ganz eindeutig ist. Doch alleine für die Mischung aus visuellem und musikalischem lohnt sich ein näherer Blick auf den Film. Ein kurzweiliges, aber dafür umso kreativeres Konzert für das Publikum.
(kino-zeit.de)
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