Am 4.12. zeigt das Kinoptikum

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So. 11:00
NICHT GANZ KOSCHER - Eine göttliche Komödie
No Name Restaurant – D 2021, 120 Min.
Regie: Stefan Sarazin, Peter Keller
mit Hitham Al Omari, Luzer Twersky, Yussuf Abu-Warda
Durch die Wüste Sinai: Ein seltsames Paar auf staubigen Pfaden in einer charmanten und grotesken Ode an die Menschlichkeit
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Weiterlesen... Die Wüste Sinai, eine winzige Straße, ringsum nur Sanddünen: Hier läuft Ben (Luzer Twersky) auf die Kamera zu, ein ultraorthodoxer Jude, der von der Welt bisher nichts gesehen hat außer seiner religiösen Gemeinschaft. Ausgerechnet er kämpft sich mutterseelenallein durch die Wüste, in voller Montur mit Hut, Weste und Mantel, schwer bepackt. Ben hat keine Ahnung, dass er hier bald verdursten wird, wenn er sein Wasser für Waschzeremonien verschwendet. Aber wie Moses, der sein Volk vor Jahrtausenden in umgekehrter Richtung durch den Sinai führte, hat Ben einen Schutzengel. Er kommt aus dem Land des Erzfeindes, fährt einen klapprigen Pickup und hat gar keine Lust, den in seine Religion versponnenen Trottel mitzunehmen. Aber hier in der Ödnis gelten eherne Gesetze. Der Beduine Adel (Haitham Omar) darf einen Fremden nicht einfach so verrecken lassen.
Der Ahnungslose und der mürrische Pragmatiker, das ist eine komische Konstellation spätestens seit Laurel & Hardy („Dick und Doof“), genauso wie der beliebte Aufeinanderprall der Kulturen. Aber hier geht es nicht um irgendeinen Zwist der Lebens- und Glaubensarten. Es geht um eine Art Urmutter des politischen Konflikts, den im Nahen Osten. Das ist nicht zum Lachen. Dass die Regisseure Stefan Sarazin und Peter Keller es trotzdem tun, ist per se schon ein Statement – eine Ermunterung, die Hoffnung nicht fahren zu lassen in der Sackgasse aus Religion, Politik und Machtspielchen. Vor 15 Jahren begann die Reise des Films. Mit der Verleihung des Deutschen Drehbuchpreises 2011 war lediglich die erste Etappe geschafft, eine Menge Arbeit stand noch bevor. Das ist nur natürlich: Jeder falsche Ton, jeder Tick zu viel oder zu wenig kann hochgehen wie eine Bombe.
Stefan Sarazin und Peter Keller pflegen einen leisen, charmanten Humor. Wie mit dem Kamel reiten sie ihre Gags, schön langsam und gemächlich. Unterwegs sammeln sie Anekdoten ein, die ihnen die Leute tatsächlich erzählt haben. Sie nehmen einen Seitenweg, um vom Niedergang der Beduinen und ihrer Kultur zu erzählen, die sich in der Tourismus-Industrie verdingen müssen. Und kehren wieder auf den Hauptweg zurück, der vom massiven Schwund der jüdischen Gemeinde in Alexandria handelt. Man mag die realistische Unterfütterung der klassischen Buddy- und Abenteuerstory nicht eigens registrieren. Aber als mitlaufende Unterströmung lenkt sie die Geschichte um die Klippen abgedroschener Klischees herum, hin zu einer Oase tief empfundener Mitmenschlichkeit. In ebenso lebensfeindlichen wie traumhaft schönen Landschaften (Kamera: Holger Jungnickel, Alexander Haßkerl) finden die komplett unterschiedlichen Männer zu einer glaubhaften Freundschaft, für die die Religion kein Hindernis mehr darstellt.
Das ist bewusst ins Utopische und leicht Märchenhafte überzeichnet. Denn die Regisseure wollen sich nicht dem Vorwurf der Naivität aussetzen: Ausgerechnet ein Film soll dazu beitragen, was Generationen von bedeutenden Staatsmännern nicht geschafft haben? Aber unter der zauberhaften Oberfläche verbirgt sich ein reeller Kern. Im Interview erzählen die Regisseure, dass sie bei ihren langen Aufenthalten und Recherchen immer wieder eines festgestellt haben: Auf der Ebene des normalen Alltag ist das Zusammenleben von Juden und Arabern gar nicht so konfliktbeladen. Man kommt miteinander aus, etwa in Haifa, wo Juden, Moslems und Christen weitgehend entspannt ihr Leben genießen. Es seien die politischen Eliten, deren jeweilige Machinteressen ein aufeinander Zugehen verhindern, glauben die Filmemacher. Manchmal braucht es eben ein komisches Paar wie Ben und Adel, um hinter die Kulissen immer gleicher Nachrichten zu treten. (programmkino.de)
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So. 15:30
MEIN LOTTA-LEBEN - ALLES TSCHAKA MIT ALPAKA
KinderKino – D 2022, 55 Min.
Regie: Martina Plura
mit Meggy Marie Hussong, Yola Streese, Levi Kazmeier
Lottas neue Abenteuer auf Klassenfahrt und in der Schule in einer gegen den Strich gebürsteten Comic-Verfilmung. (empfohlen ab 8)
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Weiterlesen... Lotta Petermann (Meggy Hussong) freut sich riesig auf ihre erste Klassenfahrt. Endlich ohne Eltern und mit ihren besten Freunden Amrum unsicher machen – das verspricht Abenteuer pur! Doch Mama Sabine (Laura Tonke) sabotiert Lottas Pläne und schlägt ausgerechnet Papa Rainer (Oliver Mommsen) als Begleitperson für die Klassenfahrt vor -wie peinlich! Und dann klebt auch noch der neue französische Mitschüler Rémi (Timothy Scannell) wie Kaugummi
verknallt an „seiner Lothar” und ihrer Bande, den Wilden Kaninchen.Was sie davon halten soll, dass ausgerechnet ihre besten Freunde Cheyenne (Yola Streese) und Paul (Levi Kazmaier) sich plötzlich so gut mit Rémi verstehen, weiß sie aber auch nicht so recht. Ob der Neue am Ende sogar das Zeug hat, zu einem Wilden Kaninchen zu werden? Denn ohne Verstärkung durch ihre Freunde, wäre das Abenteuer Amrum selbst für Lotta eine Nummer zu groß –und auch nur der halbe Spaß. Schließlich sind auf der Klassenfahrt auch die (G)Lämmer-Girls, angeführt von der eingebildeten Berenike (Laila Ziegler), und die Rocker mit von der Partie. Die sind in der Schule schon schlimm genug -auf Klassenfahrt haben die Wilden Kaninchen jetzt aber rund um die Uhr mit ihnen zu tun! Und als ob das nicht reichen würde, haben Lotta und Co. Auch noch Cheyennes kleine Schwester Chanell (Cara Vondey) und die fiese Klassenlehrerin Frau Kackert (Sarah Hostettler) an der Backe. Bei dem ganzen Trubel könnte es schwer werden das geheimnisvolle Rätsel zu lösen, das sie auf Amrum erwartet. Müssen die Wilden Kaninchen etwa das Undenkbare wagen und sich mit den Rockern und den (G)Lämmer-Girls verbünden?
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So. 19:00
ACH DU SCHEIßE!
Cinema ObscureHoly Shit! – D 2022, 90 Min.
Regie: Lukas Rinker
mit Thomas Niehaus, Gedeon Burkhard, Friederike Kempter
Fäkalientriefender Escape-Room Horror aus deutschen Landen: Ein klaustrophobischer Survival-Trip, erfrischend ungewöhnlich und dabei scheißkomisch!
Trailer zu ACH DU SCHEIßE!
Weiterlesen... Architekt Frank (Thomas Niehaus) traut seinen Augen kaum, als er aus der Ohnmacht erwacht: Er befindet sich eingesperrt in einem umgekippten Dixie-Klo, der Arm von einer Metallstange durchbohrt. Wie er in diese missliche Lage kam, weiß Frank nicht. Kopfüber umgeben vom (eigenen) Blut, von Enge, Fäkalien und Schmutz – geht es schlimmer? Geht es, denn vom Klo aus hört Frank den örtlichen Bürgermeister (Gedeon Burkhard) die Sprengung des nahen Gebäudes ankündigen. Und dem Unglücksraben bleiben gerade einmal 30 Minuten, sich aus der lebensbedrohlichen Situation zu befreien.
„Oxygen“, „Buried“, „127 Hours“ oder „Nicht auflegen!“ – all diesen Filmen ist gemein, dass sie fast komplett oder ausschließlich auf einen Handlungsort begrenzt sind. Sie leben von der klaustrophobischen Enge des Schauplatzes und der scheinbar ausweglosen Situation, in der sich die Hauptfigur befindet. Exakt davon profitiert nun auch das herrlich skurrile, aber zu weiten Teilen überraschend ernste und durchweg packende Dixieklo-Kammerspiel „Holy Shit – Ach du Scheiße“. Vom infantilen, reißerischen Filmtitel sollte man sich als nicht beirren lassen und einen Blick riskieren. Vor allem Thrillerfans und Freunde oben erwähnter, inhaltlich ähnlich gelagerter Produktionen.
Beeindruckend ist, wie stilsicher sowie ideen- und wendungsreich sich der 36-jährige Autor und Regisseur Lukas Rinker durch sein Regie-Debüt bewegt. Denn mit den begrenzten Mitteln und wenigen Gegenständen, die dem bemitleidenswerten Frank zur Verfügung stehen, kreiert Rinker die absurdesten Momente, die sich vor allem durch Einfallsreichtum und Kreativität auszeichnen. Es sind ebenso spannende wie bisweilen herrlich überzogene Szenen, in denen der Eingesperrte (dringlich und ausdrucksstark auf allerengstem Raum: Thomas Niehaus) in MacGyver-Manier versucht, sich rechtzeitig vor der nahenden Explosion aus dem Klo zu befreien. Mal mit Hilfe von Toilettenpapier, mal mittels selbst herbeigeführter Detonation, Zollstock, Lasergerät, Handy oder Kaugummi.
Darüber hinaus sieht „Holy Shit“ auch optisch gut aus. Rinker wechselt in der Farbgebung, setzt Methoden wie Zeitraffer und Zeitlupe gezielt ein und erzeugt durch Perspektivwechsel sowie kluge, variantenreiche Einstellungen einen authentischen Eindruck vom vorherrschenden Platzmangel und dem Gefühl der Beklemmung. Erfrischend ist das hohe Maß an Authentizität beim Schauplatz und der Ausstattung. Durch den Verzicht auf Computertricks und CGI wirken die handgemachten Effekte und „echten“ Requisiten noch glaubhafter. Und die Szenerie, das schäbige, von Blut und Dreck übersäte Baustellenklo, dadurch noch authentischer.
Für kleine, verschmerzbare Schönheitsfehler sorgen zwei Dinge. Zum einen die Tatsache, dass Rinker das sich anbietende Wortspiel rund um den auch im Filmtitel vorkommenden Fäkalbegriff etwas zu oft bemüht. Jene Doppeldeutigkeit des gebrauchten Wortes nutzt sich irgendwann ab. Und: In den letzten 25 Minuten wirkt „Holy Shit“ in seinen ausufernden, extremen und blutgetränkten Momenten etwas übertrieben. Gerade die deftigen Splatter-Einlagen sind zum Ende hin recht ausschweifend geraten und wollen nicht so recht zum eher reduzierten, minimalistischen Kammerspiel-Setting der vorherigen Stunde passen. (programmkino.de)
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