Das Kinoptikum zeigt am 20.10.

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So. 11:00
DAS GRÜNE GOLD
KlimaZeitDead Donkeys fear no Hyenas – S/D/FIN 2016, 83 Min., Regie: Joakim Demmer
„Luft lässt sich nicht beackern“ - Wenn Entwicklungsprogramme als Vorwand für Zwangsumsiedlungen und Rodungen im großen Stil missbraucht werden.
Trailer zu DAS GRÜNE GOLD
Weiterlesen... Fruchtbares Ackerland gilt als das neue Gold. Das grüne Gold. Weltweit wächst die kommerzielle Nachfrage nach Anbauflächen für den Weltmarkt. Eine der lukrativsten Spielflächen ist: Äthiopien. Die Regierung hofft auf riesige Exporteinnahmen, weshalb sie Millionen Hektar des begehrten Ackerlandes an milliardenschwere ausländische Investoren verpachtet. Mit Konsequenzen für die einheimische Bevölkerung: unzählige Dorfbewohner und Kleinbauern verlieren ihre Lebensgrundlage. Hinzu kommt, dass Gemeinschaften bzw. Institutionen wie die EU oder die Weltbank, an dieser Entwicklung nicht unschuldig sind. Mit ihren Entwicklungshilfe-Geldern, spielen sie den Großunternehmen die Bälle zu. Wer sich dem Landgrabbing in den Weg stellt, riskiert sein Leben.
Der Regisseur, Joakim Demmer, reiste für seinen Film immer wieder in die äthiopische Hauptstadt Addis Abeba sowie nach Gambela. Diese westlichste Region des Landes gehört zu jenen Gegenden Äthiopiens, in denen die Regierung die meisten Landflächen verpachtet. Demmer ist Schwede und studierte Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Er arbeitet auch heute noch teilweise in seiner Heimat. Daneben ist er als Regisseur und Kameramann auch von Berlin aus tätig. Sein Debütfilm, Tod in Gibraltar (2003), brachte ihm eine Nominierung für den „First Steps Award“ ein.
„Das grüne Gold“ versinnbildlicht in nachdenklich stimmenden Bildern einen schier unfassbaren Widerspruch: den von Geldgier getriebenen Landnahmeprozess in einem Staat wie Äthiopien, in dem über die Hälfte der Bevölkerung als unterernährt gilt. Anstatt den fruchtbaren Boden den ansässigen Bauern oder Bewohnern zwecks Bewirtschaftung zur Verfügung zu stellen, verhökert die Regierung das eigene Land Stück um Stück. Es ist das großer Verdienst von Filmemacher Demmer, diese fatale Entwicklung in seiner Dokumentation ausführlich zu beleuchten und allumfassend darzustellen – inklusive der Konsequenzen. Und diese machen fassungslos. Demmer spricht mit Kleinbauern und Einheimischen, die gewaltsam von ihrem Land vertrieben wurden. Sie hatten vorher schon wenig zu leben, nun aber haben sie gar nichts mehr. In ärmlichsten Verhältnissen kämpfen sie nun ums überleben. Auch das zeigt der Film. Besonders wütend stimmt die Tatsache, dass manch ein Investor seinem erworbenen Land sowie dem darauf angebauten Getreide, wenig Beachtung schenkt. Im Film erzählt ein Landwirt, der seine Erträge der äthiopischen Bevölkerung zugute kommen lässt, von einem ausländischen Investor. Vielleicht einmal im Jahr komme er vorbei und schaue nach seinem Ackerland, sagt er.
Regisseur Demmer beweist viel Mut und Willen zur Aufklärung, wenn er mit den Verantwortlichen das Gespräch sucht, u.a. mit Vertretern der Weltbank. Auch an Regierungsmitarbeiter wagt er sich heran. Was diese Demmer gegenüber äußern und wie positiv sie das Wirken der schwerreichen Unternehmen darstellen, wirkt wie auswendig gelernt – und damit wenig überzeugend. Dass sich Demmer mit seinem Film aber auch immer wieder in erhebliche Gefahr brachte, beweist das Schicksal eines äthiopischen Umweltjournalisten, den der Regisseur lange Zeit begleitete.
Als die Regierung den investigativ arbeitenden Journalisten zwingen wollte eine Quelle offen zu legen, blieb ihm nichts andere übrig, als das Land zu verlassen. Damit macht der Film wieder einmal deutlich, dass fragwürdig operierende und gewinnorientierte Regierungen alles dafür tun, um die Wahrheit vor der Bevölkerung zu verschleiern. Und um die vierte Gewalt im Staat – die Medien – mundtot zu machen. (programmkino.de)
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So. 15:30
CHECKER TOBI UND DAS GEHEIMNIS UNSERES PLANETEN
KinderKino – D 2019, 106 Min., Regie: Martin Tischner
mit Tobias Krell, Lars Rudolph, Ulla Lohmann
Einmal abchecken, woher eigentlich das Leben kommt (empf. ab 6 Jahren).
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Weiterlesen... Das größte Abenteuer seines Lebens beginnt für Checker Tobi auf einem Piratenschiff mitten im Meer. Dort entdeckt er eine Flaschenpost, in der ein Rätsel steckt. Wenn er es löst, wird er das Geheimnis unseres Planeten lüften. Eine aufregende Schnitzeljagd um die Erde beginnt und führt Tobi unter anderem in den Pazifik, in die Arktis und nach Indien. Ausblenden

So. 17:30
ONCE UPON A TIME IN… HOLLYWOOD  DF
USA 2019, 159 Min., Regie: Quentin Tarantino
mit Leonardo DiCaprio, Brad Pitt, Margot Robbie, Al Pacino, Tim Roth, Dakota Fanning
Meisterlich und ein Heidenspaß, diese unglaublich unterhaltsame Thriller-Komödie voller Ironie, die mit einer Schlussviertelstunde brilliert, die einen komplett aus den Socken haut.
Trailer zu ONCE UPON A TIME IN… HOLLYWOOD
Weiterlesen... Geht man dem Medienecho nach, bekommt man den Eindruck, dass Quentin Tarantinos Filme eine Art letztes, wahres Kinoereignis darstellen. Ganz egal wovon sie handeln. Anders gesagt, man weiß eigentlich schon, wovon sie handeln: nämlich von Tarantinos großer, obsessiver Liebe zum Kino, zu Hollywood. Zum Kino, wie es früher war, muss man hinzufügen. Mit seinen Helden und Bösewichten, seinem Machogehabe, seinen Billigproduktionen, seinen Ablegern in Serien und Italowestern und seinen Zelluloid-Filmrollen. »Once Upon a Time in Hollywood« funktioniert als Film genau da bestens, wo Tarantino diese Obsession bis ins kleinste Detail der Ausstattung auslebt.
Leonardo DiCaprio spielt Rick Dalton, einen in die Jahre gekommenen Star, dessen Westernserie gerade abgesetzt wurde und dem nächtens beim sechsten Glas Whisky weinerlich die Selbstzweifel überkommen. Schlimmeres verhindert sein von Brad Pitt gespielter Stuntman Cliff Booth, der auch außerhalb von Dreharbeiten einspringt, sei es als Fahrer oder als schweigsames Gegenüber. Sie sind Freunde, aber das bedeutet nicht, dass ihre Beziehung gleichberechtigt wäre oder sie sich gegenseitig ins Vertrauen ziehen würden.
Man schreibt das Jahr 1969, und um seine beiden Helden herum rekonstruiert Tarantino das Los Angeles dieser Zeit mit den Lokalen und Gebäuden, in denen damals »Hollywood« verkehrte, mit jeder Menge beiläufig platzierter Filmplakate und ein paar »Cameos« wie das von Damien Lewis, der hier seine Ähnlichkeit zu Steve McQueen ausstellen darf. Zugleich steht dem Land, der Stadt und Hollywood in diesem Jahr eine Zeitenwende bevor, die Figuren wie Dalton und Booth endgültig zum alten Eisen erklären wird. Wenn Brad Pitt als Booth im cremefarbigen Cadillac durch die Gegend fährt, fällt sein Blick ab und an auf leicht bekleidete, trampende Hippies mit langen Haaren. Ach, und in die Villa neben Rick am Cielo Drive ist gerade der polnische Regisseur Roman Polanski mit seiner Frau Sharon Tate (Margot Robbie) eingezogen.
Denn das ist nun mal die andere Obsession von Tarantino: die Gewalt. Und die starken, wie Drogen wirkenden Bilder, die das Kino daraus machen kann. Als bekannt wurde, dass Tarantino in seinem neuen Film die berüchtigten Morde der »Manson-Bande« behandeln würde, löste das alles andere als Begeisterung aus. Anders gesagt: Niemand traute Tarantino einen geschmackvollen Umgang mit einer solch realen Tragödie zu. Im Film kommt nun alles etwas anders und in jedem Fall anders als befürchtet. Ob das von Anfang an so geplant war, sei dahingestellt, Charles Manson (Damon Herriman) taucht jedenfalls nur sehr kurz auf. Mehr zu verraten wäre Spoiler-Territorium.
Aber wie noch in keinem Tarantino-Film sind die Gewaltszenen in »Once Upon a Time in Hollywood« – eigentlich Nebensache. Der Film lebt und atmet, wenn er seine ausgestellt altmodischen Helden durch das Hollywood jener Jahre streifen und von früher schwärmen lässt: Es ist in Nostalgie gepackte Nostalgie. Die Tarantino noch einmal steigert, wenn er seinen Rick Dalton bei Dreharbeiten zeigt und Szenen nachstellt aus den Serien der Zeit, die ihrerseits die Klischees des Genre-Kinos von früher ausschlachten. Ein Spiegelkabinett der Referenzen, das wehmütig dem »guten Alten« frönt.
Es entstehen schöne und manche sehr witzige Szenen daraus: etwa wenn Rick Dalton von seiner achtjährigen Schauspielpartnerin die Grundzüge des »method acting« erklärt bekommt. Oder auch wenn die Kamera Margot Robbie als Sharon Tate durch die Stadt folgt, bis in ein Kino hinein, wo ein Film läuft, in dem Tate tatsächlich mitspielte. Tarantino schreibt seiner Figur eine kindliche Freude über den eigenen Anblick auf der Leinwand ins Buch, so als könnte er sich gar nicht vorstellen, dass man das Kino auch weniger obsessiv lieben könnte. (epd-Film)
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So. 20:30
SYSTEMSPRENGER
D 2019, 125 Min., Regie: Nora Fingscheidt
mit Helena Zangel, Gabriela Maria Schmeide, Albrecht Schuch
Zündstoff in Neonpink - Ein Kind rastet aus. So regelmäßig und unbändig, dass sich bald keiner mehr zu helfen weiß und die Leinwand in tausend Bildfragmente zersplittert.
Trailer zu SYSTEMSPRENGER
Weiterlesen... „Erzieher, verpiss dich! Du Arschloch!“ Jedes Mal, wenn die neunjährige Benni (Helena Zengel) aus einer betreuten Wohngruppe rausfliegt, bekommt sie ein Fotoalbum geschenkt. Davon besitzt sie inzwischen eine beachtliche Menge. Nur gibt es nicht unendlich viele Wohngruppen, man kann sie sich leider nicht aus der Nase ziehen. Siebenunddreißig Absagen aus dem Umland. „Schule? – Nö.“ Nach der dritten Verwarnung ist Benni auch hier wieder einmal suspendiert. Menschen wie sie, die sich in keine Institution integrieren und von keiner Erziehungsmaßnahme helfen lassen, nennt man in der Sozialpsychiatrie Systemsprenger.
Wollen und nicht kriegen
Bernadette heißt das Mädchen eigentlich, aber dieser Name ist ihr zu „tussig“. Zerschlagene Lippen, blaues Auge, pinker Pulli. Pink ist Bennis Farbe. Pink wird die Leinwand, wenn sie träumt. Und wenn die Ereignisse ihretwegen zu eskalieren beginnen, werden auch diese in Pink getaucht. Wenn das Mädchen wütend wird, kann es sich nämlich kaum kontrollieren. Dann schreit es sich die Seele aus dem Leib, schubst Babys, haut Gleichaltrige gegen eine Tischplatte, haut sich selbst gegen eine Autoscheibe, sodass ihm die Stirn aufplatzt. Schmeißt mit Sachen um sich, schlägt einmal sogar das Sicherheitsglas kaputt. Bedroht die Erwachsenen mit einem Messer. Dass es den meisten mit Benni schnell zu viel wird, ist klar.
Das Problem: Benni will zu Mama, darf aber nicht bei ihr wohnen. Frau Klaaß (Lisa Hagemeister) hat vorm eigenen Kind kapituliert, ihr Mobiltelefon auf die Mailbox umgestellt, sie taucht nicht auf oder haut ab und bestellt schöne Grüße. Und das immer wieder abgewiesene Kind zieht daraus Konsequenzen, wie sie ein Kind eben ziehen kann. Bennis Sehnsucht lässt nicht nach, wird vielmehr größer, wird welt- und bildfüllend, wird zur Energiequelle dieses Films. Wollen und nicht kriegen, wollen und es zu ersetzen versuchen, und nicht kriegen. Wollen, und es bitter nötig haben, und darum kämpfen mit aller Kraft, die zur Verfügung steht. Und es dann nicht einmal bekommen. Systemsprenger, das Langfilmdebüt von Nora Fingscheidt, erzählt von nicht weniger als einem existenziellen Mangel. Er schildert, sensibel und intensiv, einen großen Hilfebedarf auf der einen und eine große Überforderung auf der anderen Seite. Er zeigt auch das Engagement von diesem „gesprengten“ System, zum Beispiel von Frau Bafane´ vom Jugendamt (Gabriela Maria Schmeide) und vom Schulbegleiter und Anti-Gewalt-Trainer für straffällige Jugendliche Micha (Albrecht Schuch), die zwar ihr Bestes tun, in ihrer Aufgabe aber dennoch zum Scheitern verurteilt sind.
Pommes-Feuerwerk
Nora Fingscheidt macht in ihrem Film viel, aber mit wenig Mitteln, keeps it simple, was das Angebot an Settings und Figuren angeht. Ist sich einer geraden Art und einprägsamen Plot-Refrains nicht zu schade. Man fühlt sich hier als Zuschauerin immer im Jetzt, alles ist unmittelbar gegeben: Bennis Exzesse und Gewaltausbrüche, die Starrheit in ihren Augen, die nach dem Zufuhr von Beruhigungsmitteln an die Stelle ihrer vor Energie strotzenden Lebendigkeit tritt. Wenn sie sich freut, gibt es ein Pommes-Feuerwerk. Der Film liebt seine Hauptfigur, und es fühlt sich so an, als stelle er Bennis Schmerz, Verzweiflung und Begeisterung nicht selbst her, sondern als ließe er sich von ihr anstecken. Benni ist Systemsprenger, Systemsprenger ist Benni. Eine simple Rechnung, die im Kino nicht immer, aber wenn, dann zu hundert Prozent aufgeht. Dann drückt man im Angesicht einiger Defizite, einiger etwas zu klischeehaft geratener oder gedachter Szenen gerne ein Auge zu. (critic.de)
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