Am 17.3. im Kinoptikum

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So. 11:00
SUFFRAGETTE
Frauenpower – GB 2015, 106 Min., Regie: Sarah Gavron
mit Carey Mulligan, Helena Bonham-Carter, Brendan Gleeson
Vom zähen Kampf für das Frauenwahlrecht im Empire zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Trailer zu SUFFRAGETTE
Weiterlesen... London, West End, März 1912. Maud Watts (Carey Mulligan) hastet nach einem langen Arbeitstag in der feuchtkalten Wäscherei durch die Straßen. Sie muss noch ein Paket bei der Kundschaft abliefern, obwohl sie längst Feierabend hätte. Plötzlich splittert vor der jungen Mutter die Schaufensterscheibe eines Modegeschäftes. „Wahlrecht für Frauen“, ertönt es neben ihr. Und innerhalb von Sekunden entsteht ein Tumult. Polizisten verhaften umstehende Frauen, zerren sie in ihre Autos. Verwirrt steht sie am Straßenrand als plötzlich ihre Kollegin Violett (Anne-Marie Duff) auftaucht.
Die macht aus ihrer politischen Einstellung kein Hehl. Wortreich versucht die Aktivistin Maud zu überzeugen, sich den Suffragetten anzuschließen. Nach anfänglichem Zögern lässt Maud sich überreden, zu einem geheimen Treffen zu kommen. Im Laden der engagierten Apothekerin Edith (Helena Bonheim-Carter) versammeln sich die Frauen im Hinterzimmer. Ein folgenschwerer Moment. Denn bald darauf findet sich Maud im englischen Parlament wieder. In Gegenwart von Ministerpräsident David Lloyd George (Adrian Schiller), einem Labour-Funktionär, schildert sie bei einer Anhörung zum Frauenwahlrecht ihre Arbeitsbedingungen. Zum ersten Mal in ihrem Leben erlebt sie das Gefühl, wirklich gehört zu werden.
Umso größer ist ihre Enttäuschung über das Ergebnis. Gespannt wartet sie Monate später zusammen mit hunderten von Frauen vor dem Unterhaus. Doch die Politiker haben sich nicht bewegt. Hartnäckig ignorieren die Regierenden ihr Anliegen. Immer noch sind sie der Meinung: „Frauen fehlt das ruhige Naturell und die Charakterfestigkeit, sie können nicht am politischen Leben teilhaben“. Und erneut knüppelt die Polizei auf die Frauen ein, um die Menge auseinander zu treiben. Maud wehrt sich und landet zum ersten Mal im Gefängnis. Traumatisiert kommt sie nach einer Woche wieder zuhause an.
Doch ihr sonst sanfter Mann Sonny (Ben Whishaw) zeigt wenig Verständnis. Ihre Veränderung bedroht ihn. Er schämt sich vor den Nachbarn für ihr Verhalten. Für Maud jedoch gibt es trotz aller Angst kein Zurück mehr. „Mein Leben lang war ich gehorsam, habe getan was Männer von mir wollten“, sagt sie. „Aber das kann ich jetzt nicht mehr“. Entschlossen macht sich die Arbeiterin gemeinsam mit den Suffragetten unter der Leitung von Emmeline Pankhurst (Meryl Streep) auf den Weg und ahnt noch nicht, welch hohen Preis sie und ihre Mitstreiterinnen dafür bezahlen sollten. Mit zunehmender Gewalt versuchen die Behörden, die Bewegung einzudämmen.
Engagiert beleuchtet Regisseurin Sarah Gavron den mit zivilem Ungehorsam geführten Kampf der Suffragetten. Weder beschönigt die Britin, noch verfällt sie in nostalgisches überlebensgroßes Heldinnenpathos. Die fast dokumentarisch anmutenden Szenen wirken bis ins Detail authentisch. Aufrüttelnd vermitteln sie die schockierende Erinnerung an die Opfer, die Frauen bringen mussten. Das erstrebte Wahlrecht ist dabei nur ein Baustein einer patriarchalen Gesellschaft, die Frauen aller Schichten entmündigte. Nicht zuletzt deshalb stellt Drehbuchautorin Abi Morgan das Schicksal der fiktiven Arbeiterfrau Maud in den Mittelpunkt der emotionalen Milieustudie samt packendem politischem Lehrstück.
Eindringlich, erschütternd und unglamourös verkörpert Carey Mulligan die persönliche Entwicklung dieser charakterstarken Schlüsselfigur in all ihren Facetten. Die 30jährige Londonerin erzählt ganze Geschichten allein mit ihren Blicken. Ihren Durchbruch schaffte sie in dem Jugenddrama „An Education“. Mittlerweile ist die smarte Tochter eines englischen Hotelmanagers und einer walisischen Collegedozentin rasant in Hollywoods erster Liga angekommen. Für ihre enorme Leistung in dem atmosphärisch dichten Erzählkino wurde die junge Mutter bereits bei den Hollywood Film Awards zur besten Schauspielerin gekürt.
Keine andere Filmschauspielerin in der Geschichte Hollywoods wurde jedoch so oft ausgezeichnet wie der sympathische Super-Star Meryl Streep. Die inzwischen 66jährige verleiht ihrem kurzen Auftritt als unbeugsame Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst glaubwürdige Leinwandpräsenz. Aber auch Co-Star Helen Bonham-Carter begeistert endlich ohne skurrillen Tim-Burton-Touch in dieser Riege ausgezeichneter Charakterdarstellerinnen. Last but not least gelingt es dem sehenswerten Emanzipationsdrama souverän seine männlichen Protagonisten klischeefrei darzustellen. (programmkino.de)
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So. 15:30
TOMBOY
KinderKino – F 2012, 82 Min., Regie: Céline Sciamma
Genderstudies und Rollenbilder unter 10-jährigen. (empf. Ab 8 Jahren)
Trailer zu TOMBOY
Weiterlesen... Die zehnjährige Laure ist mit ihrer Familie gerade in die neue Nachbarschaft einer beschaulichen Stadtrandsiedlung gezogen. Als sie zunächst bei der gleichaltrigen Lisa und auch bei den anderen Kindern des Ortes als Junge durchgeht, erhält sie das Bild aufrecht und wird zu Michael. Forthin versucht sie alles so zu machen, wie es ihre Scheinidentität erfordert, sie spielt Fußball und prügelt sich mit den anderen Jungs, doch es kommt der unvermeidliche Tag, an dem Komplikationen auftreten. Laure verliebt sich in Lisa, und verstrickt sich in einem Netz aus Lügen, um ihre zweite Identität geheim zu halten, bis ihr doppeltes Spiel plötzlich auffliegt. Ausblenden

So. 18:00
THE FAVOURITE - Intrigen und Irrsinn  OmU/DF
Frauenpower – GB/IRL/USA 2018, 120 Min., Regie: Yorgos Lanthimos
mit Olivia Colman, Rachel Weisz, Emma Stone
Bitterböses und oscarreifes Kostümdrama am weiblich dominierten Hofe Queen Anne's - DO und MO in der OmU, sonst in deutscher Fassung.
Trailer zu THE FAVOURITE - Intrigen und Irrsinn
Weiterlesen... Der englische Hof im frühen 18. Jahrhundert. Nominell regiert Königen Anne (Olivia Colman) das Königreich, doch die Regentin schlägt sich mit allerlei Krankheiten rum und beschäftigt sich lieber mit ihrer bunten Galerie Hasen, als mit den Streitigkeiten zu Hof und vor allem der Außenpolitik. So ist es ihre Hofdame Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz), Gattin von Lord Marlborough (Mark Gatiss), seines Zeichens Kommandant der britischen Armee und in einen Krieg mit Frankreich verwickelt ist, die Anne einflüstert und manipuliert.
Diese Position wird durch die Ankunft ihre Kusine Abigail Hill (Emma Stone) gefährdet. Einst ebenfalls eine Lady, die durch die Spielschulden ihres Mannes in Ungnade fiel, versteht es Abigail ausgezeichnet, das Vertrauen der Königin zu gewinnen. Bald hat sie Sarah als Vertraute - und als Geliebte - ersetzt und versucht nun ihre eigenen Interessen durchzusetzen. Doch auch Harley (Nicholas Hoult), der Anführer der Torys, die eine liberalere Politik verfolgen als ihre Gegner, die Whigs, versucht via Abigail die Geschicke des Staates zu beeinflussen.
Erstaunlicherweise sind weite Teile der Handlung von Yorgos Lanthimos Drama „The Favourite“ historisch belegt, die Intrigen am Hof von Königen Anne, auch die Rolle ihrer Hofdamen Sarah Churchill (direkte Vorfahrin des legendären Winston) und Abigail Hill, die erbittert um den Einfluss auf die Königin stritten. Alles ist belegt, bis auf die lesbischen Beziehungen, über die gemunkelt wurde, für die es aber keinerlei Belege gibt.
Es überrascht nun nicht zu lesen, dass seit 20 Jahren versucht wurde „The Favourite“ zu drehen, es aber erst jetzt gelang, was durchaus passend scheint. Ähnlich wie „Maria Stuart. Königin von Schottland“ ist auch „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“ ein moderner Blick auf eine vergangene Zeit, ist gleichzeitig genaue historische Rekonstruktion, aber auch moderne Projektion. Ganz zeitgemäß mutet es an, dass hier drei Frauen die Hauptrollen spielen, dass drei Frauen um die Macht im Staat streiten, mit allen Mitteln ihre Interessen durchzusetzen versuchen, während die Männer nur Staffage, ja, schmückendes Beiwerk sind, so wie sonst - gerade im Kino - die Frauen.
Das Yorgos Lanthimos durch seine stilistischen Entscheidungen - vor allem eine extrem mobile Handkamera, die in weiten Objektiven oft ganz nah an die Figuren herangeht und sie noch mehr zu den Karikaturen verzerrt, die sie durch die exaltierten Kostüme und Masken ohnehin sind - die absurden Elemente dieser Welt noch betont, lässt „The Favourite“ zu einer bitterbösen Satire werden. Unzweifelhaft muss man hier immer wieder an Stanley Kubricks „Barry Lyndon“ denken, der mit ähnlicher Schärfe das Geschehen zu Hofe sezierte, doch Lanthimos geht noch weiter. Wie schon in Filmen wie „Dogtooth“ und „The Lobster“, geht es auch hier um Machtspiele und Manipulationen, die bei aller historischen Distanz jedoch fraglos auch als Spiegelbild der Gegenwart fungieren sollen. Bezüge zu den Absurditäten der Trump-Administration mag man ebenso finden wie solche zu den Oberflächlichkeiten der Schönen und Reichen, denen in der modernen Medienwelt viel zu viel Aufmerksamkeit zu Teil wird. Kaum ein gutes Haar lässt Lanthimos an dieser Welt, an diesen Figuren und dennoch, oder vielleicht gerade deswegen wirkt „The Favourite - Intrigen und Irrsinn“ bei allen Absurditäten und Abgründen am Ende zutiefst menschlich. (programmkino.de)
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So. 20:30
HEAVY TRIP
Hevi reissu – FIN/NOR/B 2018, 90 Min., Regie: Juuso Laatio, Jukka Vidgren
mit Torstein Bjørklund, Antti Heikkinen
Täglich grüßt das Rentier: Eine völlig abgedrehte Metal-Ballade aus schwärzester skandinavischer Seele - Wacken lässt grüßen.
Trailer zu HEAVY TRIP
Weiterlesen... Sie spielen symphonischen, postapokalyptischen, gotteslästerlichen, rentierzermürbenden, extrem verwerflichen fennoskandinavischen Metal – allerdings erst seit kurzem. Vorher waren sie ein paar Kumpels, die sich im Keller zum Krachmachen getroffen haben. Die laute Metal-Coverversionen hinlegten, aber nix Eigenes im Repertoire hatten.
Bis zu diesem Moment der Inspiration: Als im Rentierschlachthof die Rentierhüfte in der Schlachtstückeverkleinerungsmaschine hängenblieb und so einen reibenden, kreischenden Laut von sich gab, als seien es die Seelen von Hunderten von Rentieren, die auf dem Weg zur Hölle vor Schmerzen schrieen… Sie haben ein Riff, wie es noch nie eines gab. Und einen Song, auf den sie stolz sein können. Und als dann auch noch Frank auftaucht, vom norwegischen Northern-Damnation-Festival, da haben sie auch endlich einen Gig. Wahrscheinlich. Jedenfalls sind sie bereit für ihren Heavy Trip.
Soziologisch müsste man mal der Sache nachgehen: Warum ausgerechnet in Skandinavien der düsterste, wüsteste, krasseste Metal der Welt gespielt wird. Das geht wirklich schlimmstmöglich ab dort: Gespielt von den schwedischen Bullerbü-Nachfahren, von den finnischen Stoikern, von den norwegischen Stockfischbetrachtern. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug hauen sie höllisch rein, gerade in den Ländern, wo allezeit und überall Friede, Freude und Eierkuchen herrschen. Wahrscheinlich müssen die Jungs aus der allgegenwärtigen Freund- und Freiheitlichkeit raus und mitten rein in den lautesten Individualismus, den es geben kann. Wo jeder jeden duzt und "Hej" der freundliche Gruß ist, muss als Gegengewicht in der Musik Satan herrschen.
Bei Turo, dem Sänger, Pasi, dem Bassisten, Lotvonen, dem Gitarristen, und Jynkky, dem Schlagzeuger, ist es ganz einfach so, dass sie sich seit der Schulzeit kennen. Und nichts anderes zu tun haben in dem Kaff. Und dass sich daran gewöhnt haben, wegen ihrer langen Haare als Schwuchteln verspottet zu werden, oder dass die Polizei sie als Klebstoffschnüffler auf dem Kieker hat. Seit zwölf Jahren haben sie ihre Band. Auftritte haben sie nicht. Und noch nicht mal einen Bandnamen. Aber dafür so was wie Zusammengehörigkeit. Und eine gemeinsame Aussichtslosigkeit in der finnischen Provinz. Turo ist Pfleger im Alten-Schrägstrich-Irrenheim, Pasi, der Proto-Autist, arbeitet in der Dorfbibliothek und gibt statt Justin-Bieber-CDs Grindcore aus Uruguay raus. Im Rentierschlachthof wird geübt. Für nichts, erstmal. Bis sich alles ändert mit der vagen Aussicht auf das Festival.
Plötzlich sind die vier wer. Es geht nach Norwegen! Weiter als über die Landkreisgrenze ist sonst ja eigentlich noch keiner gekommen. Der Bürgermeister freut sich, und der örtliche Musikentertainer muss sich auch freuen, schon allein, weil das Blumenmädchen sich freut. Die will er rumkriegen, jedoch ist sie in Turo verknallt, und er in sie, aber diese kleine Romanze ist eigentlich dermaßen unwichtig im Film, dass ab der Hälfte die Regisseure Juuso Laatio und Jukka Vidgren ziemlich viel über den Haufen werfen und einen unglaublichen Irrsinn auf die Leinwand bringen.
Das gute alte Genre der Finde-dich-selbst-Wohlfühl-Komödie – darin sind die skandinavischen Filmemacher Meister. Hier aber wird das Ganze in heftigstem Metal getränkt – und alsbald völlig über Bord geworfen, wenn geradezu existentieller Blödsinn in die Waagschale geworfen wird. Wenn die Delta-Force des Grenzschutzes eingreift, wenn eine Junggesellenabschiedsrunde, Motto: Jesus, heran rollt, wenn ein Elbe unter lauter Wikingern auftaucht: Wenn's richtig abdreht, macht's richtig Laune.
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