Am 10.2. im Kinoptikum

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So. 11:00
DIE ERSCHEINUNG  frz. OmU
L'apparition – F 2017, 137 Min., Regie: Xavier Giannoli
mit Vincent Lindon, Galatea Bellugi
Neues aus Braunschlag: Ein Thriller der leisen Art zwischen Glaube, Wahrheit und Lüge.
Trailer zu DIE ERSCHEINUNG
Weiterlesen... Gerade erst musste der renommierte Journalist und Kriegsberichterstatter Jacques Mayano (Vincent Lindon) mitansehen, wie sein langjähriger Kollege, der Bildreporter Christophe, an einem der globalen Krisenherde (vermutlich in Syrien) getötet wurde. Zurück in Frankreich sind seine psychischen Wunden noch längst nicht verheilt, als ihn ein Anruf aus dem Vatikan ereilt, dessen Tragweite er erst begreift, als er nach Rom reist und dort den potentiellen Auftraggeber, den Vorsitzenden der Glaubenskongregation, trifft.
Denn der messerscharf analysierende und absolut integre Mayano soll als Bestandteil eines Teams im Auftrag der katholischen Kirche eine angebliche Marienerscheinung im Südosten Frankreich untersuchen, die vor Ort bereits für einige Wellen gesorgt hat. Längst kommen zahlreiche Pilger in den Ort, in dem die 18-jährige Anna (Gallatéa Bellugi) die Mutter Gottes gesehen haben will. Die Situation ist für den Vatikan bereits außer Kontrolle – und so soll der Untersuchungsausschuss klären, ob es sich hier womöglich tatsächlich um ein Wunder handelt oder doch um etwas ganz anderes.
Unterstützt von seinem Team, das aus mehreren Priestern, aber auch einer Psychiaterin besteht, begibt sich der nicht gläubige Mayano auf Spurensuche. Und wie die Gläubigen, so ist auch er fasziniert von der streng gläubigen Anna. Zugleich stößt er aber auf Ungereimtheiten, lose Enden und rätselhafte Zeichen, die ein Indiz dafür sein könnte, dass hier etwas nicht stimmt. Vor allem aber scheint es, als habe die ganze Angelegenheit viel mehr mit ihm selbst zu tun, als er das für möglich hielt. Wie soll er unter diesen besonderen Umständen überhaupt die kritische Distanz wahren, die dafür nötig ist? Und dann ist da noch Anna, die unter der Last der Erscheinung immer mehr zu schwindet scheint, die sich auflöst in dem, was ihr widerfahren ist. Oder gibt es für all das vielleicht doch eine andere Erklärung?
L’apparition - Die Erscheinung ist ein Thriller der leisen Art, der dennoch dank seiner interessanten Figuren und komplexen Fragestellungen über weite Stellen zu fesseln vermag. Neben dem sowieso über fast jeden Zweifel erhabenen Vincent Lindon ist es vor allem Gallatéa Bellugi, deren stille Präsenz dem Film vieles von seiner Überzeugungskraft gibt. Ihr Spiel versteht es, das Bild einer jungen Frau zu zeichnen, die zutiefst religiös ist, aber zugleich auch ein Geheimnis vor der Welt versteckt, das es zu ergründen gilt. Das Spannungsverhältnis zwischen Anna und Mayano sowie die Undurchsichtigkeit zahlreicher Nebenfiguren wie jener des deutschen Priesters Anton Meyer (Anatole Taubmann) verleihen dem Film trotz einiger Längen Spannung und sorgen immer wieder für überraschende Wendungen, die eher an einen guten Detektivfilm als ein Drama über Religion und Wahrheit denken lassen.
Größtenteils untermalt von der betörenden Musik Arvo Pärts gelingt Giannoli mit seinem Film ein großer Wurf, der versucht, die Magie des Unsichtbaren und des Mysteriums zu ergründen, der Trauer und Verlust, tiefe Hingabe und kritische Distanz, persönliches Trauma und mediale Wirksamkeit miteinander verbindet – und der nicht dem Trugschluss erliegt, auf all diese Fragen auch Antworten liefern zu müssen. Neben vielem anderen liegt wahrscheinlich hierin die größte Stärke dieses Films. (kino-zeit.de)
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So. 15:30
BLANKA
KinderKino – IT/J/PHIL 2015, 77 Min., Regie: Kohki Hasai
Eine Kindheit in den Strassen Manilas.
Trailer zu BLANKA
Weiterlesen... Blanka gehört zu den vielen elternlosen Kindern, die sich auf den Straßen von Manila durchschlagen. Aber sie ist cleverer als andere Kids, furchtlos und selbstbewusst. Eines Tages fühlt sie sich magisch abgezogen von den Gitarrenklängen eines älteren, blinden Straßenmusikers. Auf ihre eigenwillige Art nimmt sie Kontakt mit ihm auf. Peter, so sein Name, erweist sich als Mensch mit großem Herz. Doch es gibt auch praktische Gründe für die Annäherung der beiden. Peters Einnahmen steigen, wenn Blanka beim Publikum das Geld für ihn einsammelt. Er ermuntert Blanka zum Singen. Bald bietet sich den beiden die Chance, in einem Restaurant aufzutreten… Ausblenden

So. 18:00
GEGEN DEN STROM
ISL 2017, 100 Min., Regie: Benedikt Erlingsson
mit Halldóra Geirharðsdóttir, Jóhann Sigurðarson
Der gewitzte Kampf einer unscheinbaren Umweltaktivistin in den grandiosen Panoramen Islands.
Trailer zu GEGEN DEN STROM
Weiterlesen... Nach außen ist Halla eine patente, liebenswürdige Frau in den besten Endvierziger-Jahren, die allein lebt und als Chorleiterin arbeitet. Doch der Eindruck täuscht, denn Halla führt ein geheimes Doppelleben. In ihrer Freizeit ist sie eine Umweltaktivistin, die einsam, mutig und zielstrebig die isländischen Berge durchstreift, um Stromleitungen zu zerstören. Der Grund: Sie will die Natur retten, indem sie gemeinsame Machenschaften von Politik und Wirtschaft bekämpft und dafür sorgt, dass der Verkauf der isländischen Aluminiumindustrie nach China gestoppt wird. Auch wenn sie sich vieler Sympathien in der Bevölkerung sicher sein darf – die Obrigkeit betrachtet sie als Bedrohung. Als Halla erfährt, dass sie nach vielen Jahren der Wartezeit tatsächlich ein Kind aus der Ukraine adoptieren darf, verstärkt sie ihre Aktivitäten. Sie veröffentlicht ein Manifest unter dem Pseudonym „Die Bergfrau“, Halla riskiert immer mehr, ihre Anschläge werden gefährlicher, und die Verfolger rücken näher. Bald setzen sich neben der lokalen Polizei auch Geheimdienste auf ihre Spur, von Hubschraubern und Drohnen verfolgt, kann sie nur mit Hilfe eines knorrigen Schafzüchters entkommen. Obwohl sie ihr Ziel erreicht hat, hört Halla nicht auf. Sie will „den Krieg gegen Mutter Erde stoppen“.
Spannung und Action, herrliche Bilder aus der ursprünglichen isländischen Bergwelt, eine Erzählweise, die bei allem Tempo und Schwung gelassen bleibt. Dazu eine wunderbare Hauptdarstellerin, Halldóra Geirharðsdóttir, die sehr sportiv mit Pfeil und Bogen als weiblicher Robin Hood die Wildnis durchstreift, eine arktische Schwester der Göttin Artemis … das ist Abenteuer pur und wirklich sehr, sehr gut gemacht. Halldóra Geirharðsdóttirs darstellerisches Repertoire ist beachtlich, sie überzeugt als rechtschaffene, liebenswürdige Chormusikerin, flotte Dame und Naturkind zugleich, als zu allem entschlossene Guerillakämpferin und Beschützerin der Natur. Dabei leistet die Schauspielerin Unglaubliches, nicht nur körperlich, als grazile Bogenschützin oder als geschickte Läuferin. Sie gibt der mutigen Aktivistin zudem eine gewisse Ambivalenz. Sobald die Spirale der Gewalt in Bewegung gesetzt ist, woran sie selbst nicht ganz unschuldig ist, wird es für sie sichtbar anstrengender, für das Gute zu kämpfen. Wem nützt ihr Einsatz eigentlich? Die Falte zwischen ihren Augen vertieft sich, der Blick wird finster, doch die Entschlossenheit bleibt und wächst sogar.
Zusätzlich spielt Halldóra Geirharðsdóttir auch Hallas Zwillingsschwester Ása, eine Yogalehrerin auf der lebenslangen Reise nach innen, was sie mit ironischer Spielfreude bewältigt. Das Auftauchen der Zwillingsschwester ist nur eine von vielen Auffälligkeiten im Drehbuch, die jedoch eher schrullig bis liebenswert wirken und den insgesamt märchenhaften Charakter des Films verstärken. Wenn Halla mit Pfeil und Bogen eine Drohne vom Himmel holt, dann ist das vielleicht nicht sehr wahrscheinlich, aber ebenso wirkungsvoll wie symbolträchtig: Aus der Aktivistin wird die Jagdgöttin, die den Kampf gegen eine bis an die Zähne bewaffnete Übermacht auf ihrem ureigenen Terrain ausficht.
Ein besonders auffälliges Stilmittel ist der Musikeinsatz, denn Halla wird im wörtlichen Sinn von Musik begleitet. Ein Trio mit Schlagzeug, Tuba und Akkordeon ist stets in ihrer Nähe. Als quasi griechischer Chor zitiert er – wie das Artemis-Motiv – antike Muster, drei singende Frauen in ukrainischer Tracht gesellen sich später dazu. Das Timing ist dabei absolut perfekt. Dies zeugt dann unbedingt nicht nur vom handwerklichen Können, sondern auch vom Witz des Filmemachers, der, wie in „Von Menschen und Pferden“, mit Zitaten und Andeutungen spielt. Der Einsatz der Musiker erinnert an den Komödienklassiker „Blazing Saddles“, wo das Count Basie-Orchestra mitten in der Prärie den Gala-Auftritt des neuen Sheriffs satirisch überhöht. Einige Kamerafahrten scheinen hingegen Hitchcock zu zitieren. Außerdem handeln wieder einige Gags von den diversen Marotten isländischer Ureinwohner und von ihrer provinziellen Grundhaltung. Dazu gehört auch ein bärbeißiger Landmann, der seinen Hund „Frau“ nennt – „Bauer sucht Frau“ mal ganz anders! Und regelmäßig wird statt Halla derselbe dunkelhäutige Tourist verhaftet, während sie knapp ihren Verfolgern entkommt. Ebenso regelmäßig wird er mit den Worten „Willkommen in Island“ wieder aus der Haft entlassen. Manches ist also boshaft, manches ganz offen symbolträchtig, wie die Verbindung zur griechischen Mythologie, und vieles ist gewürzt mit einer guten Portion staubtrockenen Humors. Dann trifft mediterrane Poesie auf den Charme selbstgestrickter Islandpullover. (programmkino.de)
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So. 20:30
KILLING GOD - Liebe Deinen Nächsten  span. OmU
Cinema ObscureMatar A Dios – SP 2017, 93 Min., Regie: Caye Casas, Albert Pintó
mit Eduardo Antuña, Itziar Castro
Liebe Deinen Nächsten bis zum jüngsten Gericht - zumindest in dieser niederträchtigen Horrormär.
Trailer zu KILLING GOD - Liebe Deinen Nächsten
Weiterlesen... Carlos und Ana verbringen Silvester in den Bergen. Das Ehepaar ist total zerstritten. Ana verfügt über einen beeindruckenden Körperumfang, aber dahinter verbirgt sich eine sensible Seele, und auf der trampelt Carlos am allerliebsten herum. Doch Ana ist ihm absolut gewachsen, wenn es um Gemeinheiten geht. Ihre einzigen Partygäste sind Carlos‘ Vater Eduardo und sein Bruder Santi. Eduardo ist seit kurzem Witwer und hat die Welt der Sünde für sich entdeckt, Santi ist aufgrund einer unglücklichen Liebe lebensmüde. In diese Horror-Familie platzt unerwartet ein weiterer Gast: Es ist Gott, zumindest behauptet er das, entspricht aber absolut nicht den landläufigen Vorstellungen vom gütigen alten Herrn mit weißem Rauschebart. Vielmehr sieht er aus wie ein kleinwüchsiger Landstreicher. Noch dazu flucht er wie ein Droschkenkutscher, säuft wie ein Loch und führt sich auf wie ein größenwahnsinniger Mini-Diktator. Natürlich glauben ihm die Vier erstmal nicht, so dass der Besucher eine Probe seiner Fähigkeiten abliefern muss. Dazu muss Eduardo herhalten, der erst den plötzlichen Herztod stirbt und wird wenig später wieder zum Leben erwacht. Die Vier sind nun einigermaßen überzeugt. Damit nicht genug, erhalten sie auch noch eine Aufgabe. Sie sollen bestimmen, welche beiden Menschen die Apokalypse überleben sollen, die für den nächsten Morgen angekündigt ist. Jeder möchte sich selbst wählen, doch mindestens zwei von ihnen müssten dennoch sterben. Das Nachdenken darüber fällt den vier Philistern ziemlich schwer, immerhin kommen sie darauf, dass für den Fortbestand der Menschen eine Frau im gebärfähigen Alter ganz praktisch wäre. Aber vielleicht gibt es ja noch eine ganz andere Lösung: Man könnte zum Beispiel versuchen, Gott zu töten …Beinahe ein Kammerspiel ist der Kinoerstling von Caye Casas und Albert Pintó: Er spielt mit fünf Hauptpersonen fast durchgängig im selben Haus. Diese Kulisse ist fantasievoll und üppig ausgestattet, eine Mischung aus Museum, Trödelladen und Devotionalienhandlung, vollgestopft mit präparierten Tieren, Heiligenbildern, Kruzifixen und diversen originellen Requisiten. Doch schon der Anfang zeigt, dass die beiden Filmemacher sich selbst und ihren Ideen offensichtlich selbst nicht ganz über den Weg trauten. Konsequent wäre es gewesen, die gesamte Handlung im Haus und darum herum spielen zu lassen. Gleich zu Beginn allerdings gibt es eine Szene außerhalb mit dem möglicherweise göttlichen Gnom, und eigentlich weiß das Publikum dann schon Bescheid. Doch auch, wenn der große Thrill fehlt, entwickelt sich die Geschichte unterhaltsam in Richtung bösartiger Satire mit eher milden Horroreffekten.Wie der vermeintliche Straßenpenner zum ersten Mal vor der Familie auftritt, ist spektakulär und schlichtweg göttlich. Hier stimmt alles bis ins kleinste Detail. Die Bildgestaltung erinnert an Murnaus „Nosferatu“ und andere Horror-Expressionisten samt Epigonen wie Roger Corman, andererseits pflegt sie einen eigenen Stil, den man als postmodern expressiven Naturalismus bezeichnen könnte, vielleicht mit einem Hauch von Schwulst, was aber mehr bereichert als stört. Der Soundtrack ist ebenfalls gelungen, mit typischen Horrorfilm-Themen und diversen, schön wummernden Klassikern. Wenn der angebliche oder echte Gott zur „Sarabande“ von Händel mit einem ausgestopften Hasen tanzt, der – Alice grüßt aus dem Wunderland – eine Taschenuhr an der Pfote trägt, dann ist das einfach großartig. Die grotesken Bilder werden manchmal von Special Effects unterstützt, wobei hier und da ein bisschen Blut fließt. Schock-Elemente werden allerdings eher sparsam eingesetzt. Das kleinwüchsige, versoffene Männlein, das behauptet, Gott zu sein, bewegt sich gelegentlich, zum Beispiel beim Essen, im leichten Zeitraffer, was seine Bewegungen noch gnomenhafter macht.Emilio Gavira spielt den bösen kleinen Mann, der wie eine Mischung aus Troll und Straßenpenner wirkt, mit sehr viel Leidenschaft und ohne Scheu vor Übertreibungen. Wenn er wirklich Gott ist, dann könnte seine miese Laune ebenso wie der Hang zum Alkohol ganz simpel menschengemacht sein. Denn dass mit der Menschheit etwas ganz und gar nicht in Ordnung ist, zeigen ihre vier mehr oder weniger typischen Vertreter. Sie sind so hintersinnig wie böse ausgewählt: Carlos (Eduardo Antuña), ein verbitterter Mann voller niederer Instinkte, Ana, seine sehr korpulente, unglückliche Frau, gespielt von Itziar Castro, ihr depressiver Schwager Santi und der brünstige Schwiegervater Eduardo (Boris Ruiz), der es ohne Rücksicht auf Verluste noch einmal richtig krachen lassen will. Allesamt sind sie Soziopathen, unfähig zur Kommunikation miteinander und kreuzunglücklich. Es ist nicht leicht, positive Eigenschaften an ihnen zu finden. Am ehesten funktioniert das noch bei Santi (David Pareja), dem melancholischen Selbstmordkandidaten, der geringfügige Anzeichen von Freundlichkeit zeigt. Aber vielleicht erregt er auch einfach nur Mitleid. Jedenfalls wäre es um die Menschheit absolut nicht schade, wenn alle so wären wie diese Vier. Im zweiten Drittel des Films laufen sie zu Hochform auf, gewähren tiefe Einblicke in ihr seichtes Gedankengut und in ihre fiesen Charaktere. Beinahe kommen sie ins Philosophieren, streifen Glaubensfragen und machen doch haarscharf vor jeder Einsicht halt. Schließlich kommt ihnen die Idee, ihren Besucher und damit vielleicht Gott umzubringen. Das Ende ist dann doch moralisch. Und noch ein kleiner Tipp: keinesfalls bei den ersten Titeln aufstehen und das Kino verlassen! (programmkino.de) Ausblenden