Am 16.7. zeigt das Kinoptikum

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HAMNET  DF
USA/GB 2025, 125 Min.
Regie: Chloé Zhao
mit Jessie Buckley, Paul Mescal, Emily Watson
Vom Sein oder nicht sein - anlässlich der "Hamlet"-Abende des Landestheaters Niederbayern nochmals großes Drama auf der Leinwand
Trailer zu HAMNET
Weiterlesen... Manchmal begegnet man einem Film, der nicht nur erzählt, sondern heilt. „Hamnet“, das neue Werk von Chloé Zhao, gehört zu diesen seltenen Filmen. Es ist kein Historiendrama im klassischen Sinn, sondern eine meditative Erfahrung über Liebe, Vergänglichkeit und die schöpferische Kraft des Erinnerns. Basierend auf Maggie O’Farrells gefeiertem Roman, verwandelt Zhao die bekannte Legende um William Shakespeares Familie in ein universelles Gleichnis über das Menschsein. Schon in ihren früheren Filmen hat Zhao ein außergewöhnliches Gespür für die leisen Bewegungen des Lebens gezeigt. In „Nomadland“ fand sie Poesie in der Einsamkeit, in „The Rider“ Würde im Scheitern. Mit „Hamnet“ gelingt ihr nun ihr bisher intimstes Werk.
Zhao interessiert sich nicht für biografische Fakten, sondern für die seelischen Räume dahinter. Hamnet erzählt von einer Frau und einem Mann, die versuchen, das Leben in Worte zu fassen, obwohl es ihnen immer wieder entgleitet. Im Mittelpunkt steht Agnes Hathaway, die Frau Shakespeares, gespielt von Jessie Buckley, die hier aus der Rolle als Randfigur der Literaturgeschichte in die Mitte des Geschehens tritt. Buckley verkörpert Agnes als eine Frau, die im Einklang mit der Natur lebt, als intuitive Beobachterin des Lebens, die Dinge spürt, bevor sie geschehen. Ihre Präsenz ist ruhig, doch voller innerer Bewegung. Sie verkörpert eine Weisheit, die aus der Stille kommt, aus der Fähigkeit, das Unsichtbare wahrzunehmen.
Zhao zeigt sie nicht als museale Figur, sondern als Mensch, der denkt, liebt, zweifelt. Als jemand, der in seiner Zartheit unendlich stark ist. Ihr gegenüber steht William, gespielt von Paul Mescal, der hier erneut eine bemerkenswerte Begabung für innere Zerrissenheit zeigt. Sein William ist ein Träumer, ein Suchender, jemand, der in der Sprache Zuflucht sucht, aber nie ganz ankommt. Zwischen ihm und Agnes entsteht eine Beziehung, die Zhao mit einer ungeheuren Zärtlichkeit zeichnet, frei von romantischer Überhöhung, getragen von stiller Verbundenheit.
Chloé Zhao ist eine Regisseurin des Unausgesprochenen. Sie vertraut dem Zuschauer, der Zuschauerin, und sie vertraut ihren Bildern. Worte werden sparsam eingesetzt, Emotionen fließen in Gesten, in Atemzügen, in Blicken. In der Stille entsteht eine Spannung, die kraftvoller wirkt als jedes gesprochene Drama. Die Kamera von Łukasz Żal ist dabei nicht nur Werkzeug, sondern Stimme. Sie beobachtet nicht, sie fühlt mit. Licht und Schatten werden zu Trägern von Bedeutung.
Nebel, Wind, Regen, die Bewegung der Blätter: Alles scheint in Resonanz mit den Figuren zu stehen. Es gibt Momente, in denen die Natur selbst zum Protagonisten wird, als ob sie das Innere der Menschen nach außen kehrt. Zhaos Kompositionen sind präzise, aber nie starr. Sie schaffen einen Raum, in dem Zeit aufgehoben scheint. Man spürt, dass sie sich weniger für Handlung als für Zustand interessiert – für die Erfahrung von Gegenwart, für den Übergang zwischen Schmerz und Trost, zwischen Endlichkeit und Erinnerung.
Die Musik von Max Richter bildet das emotionale Rückgrat des Films. Seine Kompositionen verweben sich mit den Bildern, ohne sie zu dominieren. Sie wirken wie ein zweiter Herzschlag, wie ein unsichtbarer Rhythmus, der alles zusammenhält. Richter versteht es, Pathos zu vermeiden und stattdessen Resonanz zu schaffen. In Hamnet klingt jede Note wie eine Erinnerung, die langsam vergeht, aber nie ganz verschwindet. Der Ton des Films ist insgesamt von außergewöhnlicher Zurückhaltung. Zhao nutzt Stille als dramaturgisches Mittel. Oft hört man nur Atem, das Rascheln von Stoff, das Knistern des Feuers.
Und Jessie Buckley ist das Herz dieses Films. Sie spielt Agnes mit einer Intensität, die gleichzeitig unauffällig und durchdringend ist. In ihrem Blick liegt eine Welt aus Schmerz, Liebe und Erkenntnis. Sie verkörpert die Art von Figur, die bleibt, weil sie nicht für das Große, sondern für das Wahre steht. Paul Mescal wiederum bringt eine fast kindliche Verletzlichkeit in die Rolle. Die Chemie zwischen beiden ist außergewöhnlich: nicht in der Art eines romantischen Dramas, sondern in der Tiefe einer gemeinsamen Seelenbewegung. Auch die Nebenfiguren, von Kindern über Nachbarn bis hin zu Künstlern, sind fein gezeichnet. Zhao vermeidet jede Sentimentalität. Selbst in den stillsten Szenen wirkt alles durchdrungen von Leben.Zhao gelingt es, Historie spürbar zu machen, ohne sie museal zu inszenieren. Ihre Welt ist erdverbunden, körperlich, nah. Kostüme und Ausstattung sind detailreich, aber nie prunkvoll; sie dienen der Atmosphäre, nicht der Schau. Es geht nicht um das 16. Jahrhundert, sondern um das, was sich seitdem nie verändert hat: Liebe, Verlust, Erinnerung. Was Hamnet besonders macht, ist seine rhythmische Form. Zhao lässt den Film atmen. Sie arbeitet mit Wiederholungen, mit Bildern, die sich verändern, weil der Blick sich verändert hat. Dadurch entsteht ein Gefühl zyklischer Zeit — als bewege sich alles in Kreisen, nicht in Linien.
In seinem Kern ist Hamnet ein Film über die Entstehung von Kunst. Er fragt, wie ein Mensch mit Verlust umgeht, wie aus Schmerz Schönheit werden kann und was Erinnerung im Innersten bedeutet. Doch Zhao gibt keine Antworten. Sie lässt Raum. Kunst, so scheint sie zu sagen, entsteht dort, wo Worte fehlen, aus dem Bedürfnis, das Unsagbare zu bewahren. Es ist ein Film, der einen nicht mitreißt, sondern mitnimmt. Der bleibt, lange nachdem das Licht wieder angeht. (kino-zeit.de)
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THE NORTH  OmU
Landshut - Elgin – NL 2025, 131 Min.
Regie: Bart Schrijver
mit Bart Harder, Carlos Pulido
Eine meditative Wanderung in den schottischen Highlands
Trailer zu THE NORTH
Weiterlesen... Ein Wiedersehen nach zehn Jahren und eine gemeinsame Tour durch die schottischen Highlands – und die leise Frage, ob das, was einmal Nähe war, überhaupt noch vorhanden ist: „The North“ von Bart Schrijver ist ein unaufgeregter Film über Freundschaft und Gemeinsamkeit unter den veränderten Vorzeichen des Erwachsenenlebens.
Ein Spielfilm mit stark dokumentarischem Charakter, denn er bildet eine komplette Wanderung über mehr als 600 Kilometer ab – mit allem, was das Wetter, die Landschaft und die Freundschaft an Freuden und Problemen mit sich bringen.
Chris (Bart Harder) und Lluis (Carles Pulido) waren einmal eng verbunden: als beste Freunde und WG-Kumpels. Nun treffen sie sich wieder, um ihre Freundschaft aufzufrischen und hatten die Idee, dafür den West Highland Way bis hin zum Cape Wrath Trail in Schottland zu laufen. 28 Tage haben sie sich dafür Zeit genommen. Doch was als gemeinsames Projekt beginnt, entpuppt sich schnell als Prüfstrecke. Die Tage und Nächte in der Weite Schottlands in Regen, Sturm und (ab und zu) Sonnenschein bringen nicht nur Erinnerungen zurück, sondern legen auch offen, wie unterschiedlich sich ihrer beider Leben entwickelt hat. Gespräche geraten ins Stocken, was früher originell war, ist jetzt eine Macke, Selbstverständlichkeiten fehlen, kleine Spannungen werden immer größer, die Krisensituationen häufen sich, und irgendwann bleibt nur noch das abendliche Kartenspiel zu zweit, das ihnen Gemeinsamkeit vorgaukelt.
Bart Schrijver interessiert sich weniger für die äußere Handlung als für das Dazwischen. Es passiert nicht viel in diesem Film, außer dass sie hin und wieder mal nass werden oder ihr Zelt retten müssen. Er zeigt zwei Männer, die sich einmal sehr nah waren und nun vorsichtig austesten müssen, ob und wie diese oder eine andere Nähe überhaupt noch möglich ist. Und so ist „The North“ auch ein Film über Männlichkeit und Rollenverhalten – wenn auch ohne offenkundige Kritik, sondern eher von außen betrachtet und ohne jede Wertung. Das ist nie laut, nie zugespitzt, sondern entwickelt sich aus Blicken, Pausen und beiläufigen Bemerkungen. Diese Zurückhaltung gibt dem Film eine gewisse Spannung. Nach 10 Jahren kennen sich die beiden eigentlich gar nicht mehr, was sie nicht wahrhaben wollen, obwohl es ganz offensichtlich ist. Zu unterschiedlich sind die Lebensentwürfe, zu unterschiedlich ihre Ziele und Wünsche. Aber vielleicht ist ja auf einer anderen, neuen Ebene eine andere, neue Gemeinsamkeit möglich?
Die schottischen Highlands sind hier mehr als nur Kulisse. Die Landschaft mit ihrer kühlen Weite, ihrer rauen Schönheit und den offenen Horizonten spiegelt gelegentlich mehr den Zustand der Figuren, als dass sie die sparsame Handlung untermalt. Schrijver nutzt lange Einstellungen und die Geräusche der Natur, er nimmt sich Zeit für Wege, Wetter und Schweigen. Das wirkt dann glücklicherweise nie irgendwie touristisch, sondern er versucht zumindest dabei, eine gewisse dokumentarische Stimmung zu schaffen, die sich konsequent in den Erzählfluss einfügt. Dass der Film insgesamt mehr als zwei Stunden dauert, ist die logische Folgerung. Wer sich auf die beinahe meditative, aber mindestens sehr, sehr ruhige Erzählweise einlässt, darf zusammen mit Chris und Lluis auf eine spannende Reise gehen, die sich ebenso in ihrem Inneren abspielt wie auf der Landkarte.
Die beiden Darsteller Bart Harder und Carles Pulido tragen den Film mit reduzierter, stimmiger Präsenz. Sie agieren mit schöner Wahrhaftigkeit: kleine Reaktionen, leichte Verschiebungen im Ton, ein Zögern im richtigen Moment. So entsteht glaubhaft das Bild zweier Menschen, die sich eigentlich gut kennen – und die sich zugleich sehr fremd geworden sind.Mit großer Gelassenheit erzählt Bart Schrijver von einer Freundschaft, die nicht einfach wieder da ist, nur weil man sich erneut begegnet. Am Ende geht es weniger darum, ob Chris und Lluis wieder zueinanderfinden, sondern darum, was es bedeutet und was es bringt, sich überhaupt noch einmal miteinander auf den Weg zu machen, also letztlich um Kommunikation als Grundlage von Freundschaft und Gemeinsamkeit. (programmkino.de)
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