Am 12.7. zeigt das Kinoptikum

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ROCKY II
Kampf Kunst Geschichte – USA 1979, 112 Min.
Regie: Sylvester Stallone
mit Sylvester Stallone, Talia Shire, Burt Young, Carl Weathers
The italian Stallion in der zweiten Runde
Trailer zu ROCKY II
Weiterlesen... Der riesige Erfolg des Boxer-Dramas Rocky bei Publikum, Kritikern und Preis-Juroren (drei Oscars bei zehn Nominierungen) konnte nur eine Folge haben: ein Sequel. Drehbuchautor und Hauptdarsteller Sylvester Stallone übernahm diesmal auch gleich noch den Regiestuhl von John G. Avildsen und macht dabei eine gute Figur. Zwar reicht „Rocky II“ nicht mehr an die schonungslos ehrliche, brillante Milieustudie des ersten Teils heran, aber die Wurzeln sind noch vorhanden, auch wenn die Reihe hier erste Ansätze der später einsetzenden Action-Dramaturgie zeigt.
Rocky Balboa (Sylvester Stallone) hat seine minimale Chance genutzt. Der Amateurboxer mit den unschlagbaren Nehmerqualitäten, der unverhofft und wie durch ein Wunder zum WM-Kampf gegen Schwergewichtschampion Apollo Creed (Carl Weathers) kam, hat den Fight zwar nach Punkten verloren, aber immerhin 15 Runden gegen den scheinbar übermächtigen Gegner durchgestanden. Dazu halten Zuschauer wie Experten das Ringurteil für ungerecht. Beide Boxer haben schwere Verletzungen davon getragen. Rocky beendet wegen Problemen mit dem rechten Auge seine Karriere. Die Werbung interessiert sich für ihn, aber Rocky stellt sich nicht sonderlich geschickt an. Von der Börse kann er sich und seine schwangere Frau Adrian (Talia Shire) aber erst einmal versorgen. Doch das Geld wird schnell knapp und Rocky weiß nicht, was er mit sich anfangen soll. Währenddessen ist Apollo schwer in seinem Stolz verletzt und arbeitet auf einen Rückkampf hin. Er beleidigt Rocky öffentlich und versucht ihn zu provozieren. Mit Erfolg...
Ein Film, der für 1,1 Mio Dollar produziert wird, und am Ende weltweit 225 Mio Dollar einspielt, muss nach den Gesetzen Hollywoods fortgesetzt werden. Doch noch hatte Sylvester Stallone tatsächlich etwas zu erzählen. In „Rocky II“ muss sich Rocky Balboa, der Underdog, mit dem neuen Ruhm und der Popularität auseinandersetzen. In seinem neuen Leben scheitert er jedoch zunächst genauso, wie zuvor im Vorstadt-Ghetto von Philadelphia. Er findet keinen Platz ohne das Boxen, das er gesundheitsbedingt aufgibt. Bei der Verarbeitung dieser Thematik beweist Stallone, der nach „Vorhof zum Paradies“ zum zweiten Mal Regie führte, Gespür und kann dem Geist des Originals noch folgen. Dramaturgisch ist „Rocky II“ ähnlich angelegt wie der erste Teil. Alles führt hin zum großen, finalen Kampf. Geschickt dreht Stallone so an der Spannungsschraube und baut kontinuierlich emotionalen Druck auf. Das Duell der Boxer ist noch spektakulärer als in Teil 1 und natürlich ebenso dramaturgisch überhöht.
Glänzte das Original noch mit herausragenden schauspielerischen Leistungen - Sylvester Stallone, Talia Shire, Burgess Meredith und Burt Young wurden für den Oscar nominiert - sind diese in der Fortsetzung immer noch gut, aber nicht mehr so inspiriert wie zuvor. Stallone spielt weiterhin die Rolle seines Lebens und sein Charakter besitzt ein hohes Maß an Glaubwürdigkeit, die er erst bei weiteren Sequels verliert. Talia Shire tritt etwas in den Hintergrund und darf nur als Vorwand dienen, Rocky vom Boxen abzuhalten. In dieser Nebenhandlung schleichen sich bereits erste Klischees ein. Burt Young ist erneut großartig als Adrians unberechenbarer, roher Bruder Paulie und Burgess Meredith verbreitet wieder rauen Charme. Carl Weathers wird als Bösewicht aufgebaut und dient als Gegengewicht zum simpel gestrickten Rocky, der vielleicht gerade deswegen alle Sympathien des Publikums genießt.
An der Kinokasse war „Rocky II“ ein großer Erfolg, auch wenn er nicht ganz an die Werte des Originals heran kam. In den USA spielte das Boxer-Drama 85 Mio Dollar ein (weltweit: 200 Mio Dollar) und machte den Weg frei für weitere Teile. Der Kampf gegen Ende des Films gilt bei vielen als der beste aller fünf „Rocky“-Teile und ist definitiv ein Highlight der Reihe. „Rocky II“ ist keine perfekte, aber eine gelungene Fortsetzung, welche die Atmosphäre des Originals weitgehend bewahrt.(filmstarts.de)
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KING RICHARD - Traum, Satz und Sieg  DF
Für Veronika – USA 2021, 144 Min.
Regie: Reinaldo Marcus Green
mit Will Smith, Jon Bernthal, Tony Goldwyn
Ein Königreich für den Erfolg der Töchter
Trailer zu KING RICHARD - Traum, Satz und Sieg
Weiterlesen... Der Zeitpunkt für diesen Film hätte kaum passender sein können: „King Richard“ startete in den USA nur wenige Tage nach der Veröffentlichung von Will Smiths Autobiographie, in der er seinen eigenen Aufstieg zum Hollywood-Superstar rekonstruiert. In „King Richard“ spielt er indes den Vater der Tennis-Superstars Serena und Venus Williams. Beide Werke handeln von einem ehrgeizigen Emporkämpfen und Erfolgsstreben – und sie laden beide zu einem Rückblick auf die Karriere des Schauspielers ein, der bereits kurz nach der Weltpremiere des Films als potenzieller Oscar-Topfavorit gehandelt wurde. In der Tat wirkt es nämlich so, als hätte Smith all seine darstellerischen Stärken in diesem Biopic zusammengeführt.
Richard Williams (Will Smith) hat den Weg für seine Töchter Venus (Saniyya Sidney) und Serena (Demi Singleton) schon vor deren Geburt akribisch durchgeplant. Bereits in jungen Jahren beginnt Richard, den beiden Tennisunterricht zu geben. Eine Sportart, die immer noch von einer überwiegend weißen, privilegierten Oberschicht geprägt ist. Während die strenge Erziehung des Familienvaters fortwährend für Konflikte sorgt, führen seine Methoden tatsächlich zu enormem Erfolg. Seine Kinder steigen zu zwei der populärsten Tennis-Spielerinnen aller Zeiten auf…
Wie der Titel des Films von Reinaldo Marcus Green („Joe Bell“) bereits suggeriert, kann man „King Richard“ durchaus als heimliche Liebeserklärung an Richard Williams verstehen. Serena und Venus, die man eigentlich als Stars der Geschichte vermuten würde, stehen bis zum letzten Drittel überraschend deutlich im Hintergrund. Insofern nimmt dieses Drama also einen zumindest auf den ersten Blick erstaunlichen Perspektivwechsel vor, der nicht dem entspricht, was man von Biopics über berühmte Persönlichkeiten eigentlich erwartet. Alles dreht sich hier um die streitbare Vater- und Trainerfigur sowie die große Frage: Wie weit dürfen sich Eltern in das Leben ihrer Kinder einmischen?
Will Smith spielt diesen Richard mit einer herausragenden Gefühlspalette: Das Lässige, Verschmitzte seiner früheren Erfolge wie „Der Prinz von Bel Air“ oder „Bad Boys“ kommt hier zusammen mit der ernsthafteren Schwere von „Ali“ und „Das Streben nach Glück“, für die Smith bereits für den Oscar nominiert war. Mit Trainingsjacke, weißen Strümpfen, zu engen Shorts und jeder Menge Eifer tappt Smiths King Richard umher. Es fällt ihm leicht, einen mit seinem Charme zu umgarnen – zugleich lernt man ihn auch schnell hassen für seine Verbissenheit und Kontrollsucht gegenüber der Familie.
Der Kampf gegen Stigmatisierung
Es dauert – auch angesichts der stolzen Laufzeit von 138 Minuten – eine ganze Weile, bis „King Richard“ zu einem Schlüsselmoment vordringt, der diesen Konflikt auf den Punkt bringt: In einem anrührenden Dialog zwischen Vater Richard und der von Aunjanue Ellis („When They See Us“) gespielten Mutter Oracene brechen alte Traumata wieder hervor – und die fördern genau das zu Tage, was man hinter dem strengen Verhalten des Patriarchen längst vermutet hat. Es ist die eindrucksvollste Sequenz des gesamten Films, weil sie das erzählerische Potential von „King Richard“ offenlegt.
Im Kern handelt das Sport-Drama von einer afroamerikanischen Familie, die es sich im Gegensatz zur weißen Bevölkerung nicht leisten kann, einfach nur ein durchschnittliches Leben zu führen. Das erinnert ein wenig an Trey Edward Shults‘ Familiendrama „Waves“, das ein besonders tragisches Scheitern an diesem Druck aufzeigte. Es scheint in der Welt von „King Richard“ nur zwei Möglichkeiten zu geben – entweder der Aufstieg in den Olymp oder ein Leben voller Abstiegsängste, Drogen und Gewalt. Richard Williams kämpft in genau diesem Zwiespalt. Der auf der Leinwand omnipräsente Will Smith lässt seine Figur dabei nahbar werden und schützt sie vor einer bloßen Dämonisierung, wo sie als repressiver Patriarch heute eigentlich sofort als knallrotes Tuch gelten würde.
Zugleich fehlt dem Titel(anti)Helden auf dem schmalen Grat zwischen Förderung und Manipulation ein echtes Gegengewicht im Drehbuch (etwa in Form der auf den Skriptseiten leider unterentwickelten Williams-Schwestern). So bleibt die Frage offen, wie man Richards Verhalten wohl beurteilt hätte, wenn sein Prestige-Streben in der Realität gescheitert wäre? Solche Grautöne sind in der wahren Geschichte zwar angelegt und doch findet die Inszenierung von Reinaldo Marcus Green eine zu bequeme Antwort, die sich kaum von jenem Leistungsdenken abhebt, in das auch die Williams-Familie verstrickt ist.
Rein visuell kann man seinem Film wenig vorwerfen, da punktet der Film mit üppigem, aufwändig ausgestattetem Neunziger-Zeitkolorit. Greens versteht es bestens, das Compton und die elitäre Tennis-Welt dieser Zeit zum Leben zu erwecken. Im selben Moment erinnern viele Sport- und Trainingssequenzen sowie sein Montieren von Erfolgserlebnissen immer mehr an heutige pseudo-motivierende Clips von Fitness-Coaches. Spätestens in dem kitschigen Ende offenbaren sie ein ernüchterndes Kalkül.
King Richard“ hinterlässt so den Eindruck, dass ihm vor allem daran liegt, ein Exempel mit dem Erfolgsprozess der Williams-Töchter zu statuieren. Das Hinterfragen der männlichen Hauptfigur bleibt zunächst hinter dem sportlichen Wettkampf und final hinter dem aufbrandenden Glamour und aufbrausenden Jubel zurück. Es scheint plötzlich so, als hätte es gar keine Alternative zu dem gegeben, was zuvor auf den Prüfstand gestellt wurde. Rechtfertigung und Glorifizierung scheinen jede Ambivalenz verdrängen zu wollen.
Hebt sich „King Richard“ abseits der Perspektivverschiebung also wirklich von vielen anderen Biopics ab? In finaler Konsequenz zelebriert auch Greens Sport-Film in epischer Länge nur das typische US-amerikanische Aufstiegsversprechen, das sich scheinbar für alle mit harter Arbeit erfüllen kann. Er ruft einem zu jeder Zeit die Binsenweisheit „Dream Big!“ entgegen, ganz in der Manier seines Protagonisten. Nur vereinzelt werden da Zugeständnisse an persönliche Befindlichkeiten, Rückschläge und gesellschaftliche Umstände gemacht. Letztendlich feiert das Drama auf dem Tennisplatz ein weiteres Mal das trügerische Märchen der Hartnäckigkeit und Selbstdisziplinierung der Familie. Sie allein soll über Glück, Unglück und vor allem Ansehen entscheiden. (filmstarts.de)
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