Am 11.6. zeigt das Kinoptikum

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THE HISTORY OF SOUND  OmU
USA/GB/S/IT 2025, 128 Min.
Regie: Oliver Hermanus
mit Paul Mescal, Josh O´Connor, Molly Price
Auf der Suche nach Folk-Klängen am "Brokeback Mountain"
Trailer zu THE HISTORY OF SOUND
Weiterlesen... „Mein Vater sagte, es sei ein Gottesgeschenk, dass ich Musik sehen kann“, berichtet der Ich-Erzähler. Auch Buchstaben haben für ihn eine Farbe, bei einem D etwa sieht er immer Gelb. Was wie ein Drama über Synästhesie beginnt, wandelt sich schnell zu einer Lovestory um zwei junge Musikliebhaber. 1917 bekommt der begabte Bauernjunge Lionel (Paul Mescal) ein Stipendium und kann am Konservatorium in Boston studieren. Dort lernt er in einer Kneipe den talentierten Pianisten David (Josh O’Connor) kennen. Die beiden verstehen sich sofort. Nicht nur musikalisch liegen sie auf einer Wellenlänge. Am Morgen danach scheint das der Beginn einer wunderbaren Freundschaft zu werden. Beide gehen ihre Beziehung gleichermaßen entspannt und unaufgeregt an. Als David nach Europa in den Krieg zieht, meint Lionel nur lakonisch: „Bring mir Schokolade mit.“
Zwei Jahre herrscht Funkstille, dann erhält der auf seine Farm in Kentucky zurückgekehrte Lionel überraschend einen Brief. David möchte ihn als Begleiter haben auf seiner Reise durch die Provinz. Ziel ist es, Folksongs zu dokumentieren und mit einer Edison-Wachswalze aufzunehmen. Zunächst herrscht fröhliches „Brokeback Mountain“-Feeling. Bald jedoch folgen Streit und Trennung.
Lionel verschlägt es als Chorsänger nach Rom und Oxford. In der Ewigen Stadt trennt er sich emotionslos von seinem jungen Italo-Lover. In der britischen Unistadt geht es seiner reichen Verlobten ganz ähnlich. „Wäre eine Familie gründen für dich in Ordnung?“ erinnert er sich rückblickend an eine Frage von David. Nun begibt Lionel sich auf Spurensuche nach seinem Freund. Am Konservatorium von Maine wird er tatsächlich fündig. Doch es warten ziemlich verwirrende Erkenntnisse der überraschenden Art auf ihn.
Der südafrikanische Regisseur Oliver Hermanus („Moffie“) lässt sich bewusst Zeit, diese Geschichte um die Freundschaft, Liebe und Leidenschaft zweier junger Musikliebhaber stimmungsvoll zu entwickeln. Er setzt auf psychologische Präzision und emotionale Plausibilität. So lässig die Lover ihre Beziehung angehen, so entspannt fällt die Dramaturgie aus. Da wird durch pittoreske Wälder gewandert. Immer wieder kehrt man ein in abgelegene Dörfer, wo die Einwohner gemeinsam Musik machen und ihre Folk-Musik zelebrieren. Die Klänge nehmen die Feldforscher mit einer Edison-Maschine auf, die auf Wachszylindern die Töne festhält.
Mit auffallend großer Liebe fürs Detail sind Ausstattung und Kostüme gestaltet. Die Kamera feiert diese authentischen Tableaus regelrecht und fängt sie in atmosphärisch starken Bildern ein. Deren Wirkung wird durch den wohltemperierten Klangteppich regelmäßig verstärkt. Lovestory meets Ode an die Folk-Musik! Als echtes Sahnehäubchen erweisen sich die beiden Hauptdarsteller. Der gerne als 007-Nachfolger gehandelte Ire Paul Mescal gibt nach seinem „Gladiator“-Auftritt den sensiblen Helden so glaubhaft wie in seinem oscarnominierten Auftritt in „Aftersun“. Ähnlich überzeugend und leinwandpräsent zeigt sich Josh O’Connor, der nicht umsonst als einer der besten britischen Mimen seiner Generation gilt. Wer ihn an der Seite von Daniel Craig in „Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery” erlebt hat, wird von seiner Wandlungsfähigkeit begeistert sein. (programmkino.de)
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ROSEBUSH PRUNING  OmU
GB 2026, 95 Min.
Regie: Karim Aïnouz
mit Callum Turner, Riley Keough, Jamie Bell
Bissige Satire aus der schnöden welt der Rich-Kids
Trailer zu ROSEBUSH PRUNING
Weiterlesen... Die Filme des 1966 in Brasilien geborenen Regisseurs Karim Aïnouz, etwa „Futuro Beach“ (2014) und „Motel Destino“ (2024), sind oft knallbunt, erotisch aufgeladen und voller Abgründe, die zugleich schwarzen Humor und Suspense in sich bergen. Für sein neues Werk „Rosebush Pruning“ hat er sich mit dem griechischen Drehbuchautor Efthymis Filippou zusammengetan, der bis dato insbesondere als Schreibpartner von Yorgos Lanthimos mit seinen herrlich grotesken Weltentwürfen Aufmerksamkeit erregte – von „Dogtooth“ (2009) über „The Lobster“ (2015) bis zu „Kinds of Kindness“ (2024). Als lose Vorlage für das Skript diente hier die Satire „Mit der Faust in der Tasche“ (1965) von Marco Bellocchio, in der die italienische Gesellschaft in der Nachkriegsära anhand einer bürgerlichen Familie radikal sozialkritisch betrachtet wird.
Rosebush Pruning kommt als Remake, das in der heutigen Zeit angesiedelt ist, fast als audiovisuelles Gegenstück zum Original daher. Während Bellocchio auf unbekannte Gesichter und eine naturalistische Gestaltung setzte, schickt Aïnouz nun eine Reihe von Stars in einen überhöhten Kosmos aus satten Farben und dröhnenden Sounds. Die superreiche Familie stammt in dieser Version aus New York, lebt jedoch seit einiger Zeit in einer Luxusvilla in Katalonien.
Ed (Callum Turner) fungiert als Erzähler der Geschichte. Wie sein erblindeter Vater (Tracy Letts) und seine drei Geschwister Jack (Jamie Bell), Anna (Riley Keough) und Robert (Lukas Gage) interessiert er sich nur für den schönen, protzigen Schein. Immer wieder nennen die Figuren Markennamen teurer Modehäuser, um sich (oder andere) zu definieren. Ihr Heim wirkt wie ein hypermoderner Country Club, in dem sie dem dekadenten Ennui nachgehen. Mit seiner Kamerafrau Hélène Louvart erzeugt Aïnouz starke Bilder, um diesen Zustand einzufangen. Die Mutter (Pamela Anderson) starb, wie es heißt, durch einen Angriff von Wölfen – weshalb die Familie regelmäßig ein Opferlamm im Wald hinterlässt, um die wilden Tiere zu besänftigen. Eine nackte Statue mitten im Haus soll an die Tote erinnern.
Dies ist tatsächlich bloß eine von etlichen Absurditäten, durch die sich diese Dynastie auszeichnet. So hat Jack offenbar einen Blutfetisch. Robert verzehrt sich wiederum lüstern nach ihm. Und auch in anderen Konstellationen sind inzestuöse Vibes deutlich zu spüren. Als Jack mit der Gitarristin Martha (Elle Fanning) zusammenkommt, gerät das extrem abgeschiedene Dasein der Familie aus den Fugen – und mancherlei Geheimnisse offenbaren sich plötzlich.
Das Spiel mit finsteren und bizarren Elementen, das Lanthimos’ Arbeiten zu faszinierenden Seherfahrungen macht, findet sich zuweilen auch in Rosebush Pruning. Wenn Martha zum Essen eingeladen wird und bald erleben muss, wie radikal sie insbesondere vom ungehemmten Patriarchen und dessen Tochter auf Äußerlichkeiten reduziert und wie eine Ware behandelt wird, ist das treffend böse auf die Spitze getrieben. Die Ausflüge in den Wald zu den Wölfen verleihen dem Geschehen etwas Düster-Märchenhaftes. Zudem ist der Unterhaltungsfaktor durch einige pointierte Dialoge sehr hoch, etwa wenn Martha sich bei Jack beklagt, dass sie bei ihm stets um die „einfachen Dinge“ betteln müsse – und damit das riesige Anwesen meint, dass er doch bitte möglichst sofort für sie beide als neues Zuhause kaufen solle.
Die gezeigten Personen sind durchweg egoistisch, weltfremd und moralisch verdorben – und das Ensemble hat eine mitreißende Freude daran, diese verwerflichen Gestalten zu verkörpern. Diverse Momente muten dann aber eher wie selbstzweckhafte Provokationen an. Eine Sequenz mit einem inzestuösen Hand- und Blowjob beim Zähneputzen (mit einem ausgiebigen Gebrauch von Zahnpasta) ist weniger schockierend als vielmehr ziemlich albern – was als Form, um Gewalt in patriarchalischen Strukturen zu vermitteln, nicht allzu gelungen ist. Trotz großartiger Aufnahmen und hervorragenden Schauspielleistungen zerfällt Rosebush Pruning zunehmend in eine grelle und schließlich mörderische Nummernrevue, die dramaturgisch näher an einer aufgesexten Prime-Time-Soap wie Der Denver Clan oder Die Colbys als an einer beißenden Satire ist.(kino-zeit.de)
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