Am 6.6. zeigt das Kinoptikum

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THE CHRONOLOGY OF WATER  DF
USA/F/LAT 2025, 128 Min.
Regie: Kristen Stewart
mit Imogen Poots, Thora Birch, Jim Belushi
Die Biographie einer geschundenen Frau in intensiven Bilderwelten
Trailer zu THE CHRONOLOGY OF WATER
Weiterlesen... Als Schauspielerin erreichte Kristen Stewart nach beachtlichen Kindheits- und Jugendrollen, unter anderem in David Finchers „Panic Room“ (2002), mit der „Twilight“-Reihe (2008-2012) den Status eines Teen-Superstars. Trotz ihres frühen Erfolgs ließ sie sich nicht zum massenkompatiblen Postergirl des Kinos machen. Stattdessen trat sie in Indie-Produktionen wie Kelly Reichardts „Certain Women“ (2016) auf und arbeitete mit Regisseuren wie Walter Salles, Olivier Assayas und Pablo Larraín zusammen, um komplexe Figuren spielen zu können. Auf der Leinwand, etwa in der lesbischen Weihnachtskomödie „Happiest Season“ (2020) von Clea DuVall, und abseits davon ist sie inzwischen zu einer queeren Ikone geworden.
Nun liefert sie mit The Chronology of Water ihr Langfilmdebüt als Drehbuchautorin und Regisseurin. Das Werk basiert auf dem 2011 veröffentlichten autobiografischen Roman von Lidia Yuknavitch, der 2024 unter dem Titel In Wasser geschrieben auch auf Deutsch erschienen ist. Die Schriftstellerin erzählt darin fragmentarisch und assoziativ von ihrem Leben, vom sexualisierten Missbrauch durch ihren Vater, von ihrer späteren Alkohol- und Drogensucht, von einer Fehlgeburt und vom Prozess des kreativen Schreibens. Stewart nimmt die Herausforderung an, Yuknavitchs extrem sperrige Memoiren ins Audiovisuelle zu übersetzen.
Wie die literarische Vorlage sucht der Film nicht nach Wegen, uns mit all dem Schrecklichen zu konfrontieren, das die Protagonistin Lidia (Imogen Poots) durchleiden musste. Es geht nicht darum, Bilder für häusliche Gewalt zu finden, sondern das Trauma zu vermitteln, das daraus entsteht. Ein Trauma, das keinen narrativen Formeln, keinen Regeln folgt und sich deshalb nicht in eine konventionell aufgebaute Geschichte einfügen lässt. „Ich dachte darüber nach, am Anfang zu beginnen“, heißt es in den ersten Minuten via Voiceover. Aber schon da ist klar, dass das eben nicht so einfach funktioniert.
Kurze Gedankenblitze. Ein Sprung ins Wasser, festgehalten in einer Unterwasseraufnahme. Blut in der Dusche. Verstörende Geräusche. Ganz nahe, unruhige Einstellungen, die Teile des Gesichts zeigen. Raum- und Zeitsprünge. Wiederholungen. The Chronology of Water lässt uns spüren: Erinnerungen haben keine logische Struktur. Sie sind nicht berechenbar. Mit ihrem Team, etwa ihrem Kameramann Corey C. Waters und ihrer Editorin Olivia Neergaard-Holm, erzeugt Stewart Perspektiven und Übergänge, die sich radikal in den Dienst der Wahrnehmung von Lidia stellen.
Ohne didaktisch zu werden, macht dieser Film so vieles begreiflich. Etwa wie beim Jugendsport eine Objektifizierung junger weiblicher Körper stattfindet. Wie heranwachsenden Frauen Scham eingeredet wird – für Dinge, an denen sie gänzlich schuldlos sind. Und wie sehr bei allen Erfahrungen auch eine vermeintliche Widersprüchlichkeit vorhanden ist. „Bevor ich ihn hasste, liebte ich ihn“, sagt Lidia an einer Stelle über ihren Vater (Michael Epp). Neben dem Schmerz sind da harmonische, glückliche Momente, die dennoch nichts abmildern. Stewart und ihre großartige Hauptdarstellerin Imogen Poots geben sämtlichen Facetten Raum, nicht zuletzt Lidias eigener Lust, ihrer eigenen Sexualität, ihrem Wunsch nach Freiheit: „Mein, mein, mein.“
Mit absoluter Figurenhingabe wirft sich Poots in jede Emotion. Lidia verletzt andere Menschen, die es eigentlich gut mit ihr meinen, etwa ihren sanftmütigen College-Boyfriend Phillip (Earl Cave). Sie will mit ihren expliziten Texten provozieren. Sie hat Phasen der schonungslosen Selbstzerstörung. Und sie ahnt, dass niemand sie retten kann, weder ihre ältere Schwester Claudia (Thora Birch), noch ihr unorthodoxer Mentor Ken Kesey (Jim Belushi). Das Schreiben gibt Lidia die Möglichkeit, ihre Stimme zurückzuerlangen. Aber auch die Kunst vermag es nicht, eine wundersame Heilung zu vollbringen.
Die Verarbeitung, die Erkenntnis, die Akzeptanz – das alles kommt in Wellen. Es kann in Teilen wieder entgleiten, muss stets neu errungen werden. The Chronology of Water ist klug und kühn, intensiv und wild. Es ist genau das Debüt, das wir uns von und für Kristen Stewart als Filmemacherin gewünscht haben. (kino-zeit.de)
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SWING GIRLS  OmU
Horizont:Innen – JAP 2004, 105 Min.
Regie: Shinobu Yaguchi
mit Juri Ueno, Yuta Hiraoka , Shihori Kanjiya
Japanisches Feel-Good-Movie mit jazzigen Rhythmen
Trailer zu SWING GIRLS
Weiterlesen... Nachdem die Gruppe, die das Baseball-Schulteam anfeuert, wegen einer Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus liegt, steht die Schule ohne eine Band da. Nakamura (Yuta Hiraoka), der als einziger verschont geblieben ist, sucht nun verzweifelt nach Musikern, obwohl er eigentlich selbst vorhatte die Band zu verlassen. Freiwillige sind relativ schnell gefunden. Tomoko (Juri Ueno), Yoshie (Shihori Kanjiya), Sekiguchi (Yuika Motokariya) und noch weitere Schülerinnen sehen das als die Gelegenheit endlich dem Mathe-Unterricht Ozawas (Naoto Takenaka) fern bleiben zu dürfen.
Nakamura macht aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen eine Jazz Big Band. Gerade als es den Mädchen tatsächlich anfängt Spaß zu machen, werden die ursprünglichen Mitglieder der Band wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Big Band löst sich auf und die Mädchen geben sogar vor damit zufrieden zu sein.
Es dauert nicht lange und die Gruppe kommt doch wieder zusammen, da ihr gemeinsames Interesse für die Musik mittlerweile ziemlich stark geworden ist. Abseits von der Schule üben sie weiterhin fleißig, doch ihr Erfolg bleibt aus.
Das ändert sich jedoch, als ihr Mathe-Lehrer Ozawa sich ihrer annimmt. Mit seiner Hilfe schaffen es die "Swing Girls" sogar bis zu einem Music-Contest. Doch ist die Band schon bereit dafür?
Japanische Schulmädchen, die eine Jazz Big Band gründen?! Kein Thema für Regisseur Shinobu Yaguchi ("Waterboys")! Mit viel Herz und vor allem seiner ganz besonderen Art des Humors zaubert er eine sehr schöne, wenn auch unbedeutende Komödie auf den Bildschirm. Wen interessiert da schon die Vorhersehbarkeit des Plots, der sich ohnehin auf die Prämisse so vieler Sport- und Musikfilme stützt. Erfolglose Gruppe möchte sich selbst beweisen und schafft dies am Ende auch in besagter Sportart. Yaguchi hat eigentlich sogar die Story seines eigenen Films "Waterboys" genommen, das Synchronschwimmen durch Jazz und die Jungs durch Mädchen ersetzt. Erstaunlicherweise fühlt sich der Zuschauer aber nicht betrogen, denn "Swing Girls" hat seinen eigenen Stil und weiß durch seine liebenswürdigen Charaktere und den Humor zu gefallen.
Da die Story nicht viel hermacht müssen natürlich die Charaktere im Vordergrund stehen. Diese sind auch die große Stärke des Films. Leicht abgedreht, aber immer liebenswert kann der Zuschauer sofort ein Band zu ihnen knüpfen. Dabei strahlen die einzelnen Personen auch alle ein unwahrscheinliches Charisma aus, was den Film so gut funktionieren lässt. Ich rede hier tatsächlich von Charisma und nicht gutem Aussehen, obwohl das bei den meisten weiblichen Darstellerinnen zweifellos auch zutrifft. Nein, es ist die Ausstrahlung der Personen, die den Film nie langweilig werden lässt. Da stört es auch nicht sonderlich, dass wir außer von Tomoko nicht wirklich etwas über das Privatleben der einzelnen Personen erfahren. Wir begleiten die Charaktere eigentlich nur auf ihrem Weg zur hoffentlich erfolgreichen Big Band und bekommen dabei natürlich auch einiges zu Lachen.
Leider bleiben die erhofften großen Brüller aber aus, was nicht heißt, dass der Film nicht einige sehr gute Gags bereithält. Selbst wenn es mal eine kleine Durststrecke bzgl. der Lacher geben sollte, schafft der Film immer eine feel-good Atmosphäre, die die Stimmung des Zuschauers ins Positive umschlagen lassen muss, egal wie depressiv man vorher gewesen sein mochte.
Der Film ist was die Schauspieler angeht ziemlich gut besetzt. Interessant ist, dass die meisten der Darstellerinnen vorher kein Instrument spielen konnten und nur einige Monate vor Drehbeginn Intensivkurse genommen hatten. Das hört man den großartigen musikalischen Leistungen der Gruppe gar nicht an, die übrigens alle ihre Instrumente tatsächlich selbst spielen ohne später nachsynchronisiert geworden zu sein.
Was die Musik angeht: Musikliebhaber werden eindeutig mehr ihren Spaß haben, als eben jene, die damit überhaupt nichts anfangen können. Gerade aber eben der Umstand, dass es sich um Jazz/Swing handelt stellt keine musikalische Barriere dar! Ich selbst sehe Swing als so ziemlich das Letzte auf meiner Liste der hörbaren Musikgenres. Das ist auch der Grund warum ich mir den Film mit gemischten Gefühlen angeschaut habe. Das ändert sich aber rapide sobald das erste Stück gespielt wurde. Dank einer guten Song-Auswahl ist die Musik mitreißend und macht gute Laune, selbst wenn man sonst nichts mit ihr anfangen kann! Ob das daran liegt, dass immer etwas leicht Humoristisches bleibt, wenn man Japanerinnen in Schuluniform Jazz/Swing spielen hört?
Wie dem auch sei, die Musik ist jedenfalls sehr gut gelungen und bereichert den Film um einiges. Höhepunkt stellt dann natürlich auch das 15-minütige Konzert gegen Ende dar.
Kleine Info am Rande: Um den Film zu promoten haben die Darsteller(-innen) tatsächlich in Japan und Amerika ein paar Auftritte gehabt!
Nun, Negatives gibt es auch zu finden. Wie gesagt ist der Plot unwahrscheinlich vorhersehbar und dennoch fehlen einige Dinge, wie der böse Widersacher. Schön dagegen ist, dass die ganz grob angedeutete Liebesbeziehung zwischen Nakamura und Tomoko nicht weiter ausgebaut wird und dem Film damit unnötig Kitschiges erspart bleibt.
Anfangs mag man sich auch ein wenig schwer tun, bei der Vielzahl an Charakteren den Überblick zu behalten, aber recht bald wissen wir dann, dass Tomoko und die kleine Gruppe um sie herum die Personen sind, auf die sich der Film bis zum Ende hauptsächlich konzentrieren wird. Doch zu viel darf man eben auch nicht von dem Ende erwarten, denn dieses ist ein stückweit schon enttäuschend. Trotz des großen Konzerts scheint einfach irgendetwas zu fehlen und der Abspann erwischt uns ziemlich unerwartet.
Trotz seiner 105 Minuten kommt einem "Swing Girls" ziemlich kurz vor, was wiederum ein gutes Zeichen ist. Yaguchi weiß, wie er seine Zuschauer für seinen Film gewinnt. Leichtherzig und unterhaltsam schafft er eine Welt, in die man gerne abtaucht und seinen Spaß hat. Dank einiger netter Kameraeinstellungen und Spielereien, von denen die Wildschwein-Flucht, die comiclike komplett in Einzelbildern gezeigt wird, während im Hintergrund "What a wonderful World" von Louis Armstrong läuft, mit Sicherheit den Höhepunkt darstellt, weiß der Film auch auf technischer Seite zu überzeugen.
"Swing when you´re winning" hat sich wohl nicht nur Robbie Williams gedacht. Regisseur Shinobu Yaguchi schafft einen wunderbaren Gute-Laune Film, der mit viel Humor und guter Musik punkten kann. Schade nur, dass die Story nicht mit den wunderbar liebenswürdigen Charakteren mithalten kann. Das ändert aber nichts daran, dass "Swing Girls" unwahrscheinlich unterhaltsam und damit definitiv weiter zu empfehlen ist! (asianmovieweb)
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