Horizont:Innen – JAP 2004, 105 Min. Regie: Shinobu Yaguchi
mit Juri Ueno, Yuta Hiraoka , Shihori Kanjiya
Japanisches Feel-Good-Movie mit jazzigen Rhythmen
Weiterlesen...Nachdem die Gruppe, die das Baseball-Schulteam anfeuert, wegen einer Lebensmittelvergiftung im Krankenhaus liegt, steht die Schule ohne eine Band da. Nakamura (Yuta Hiraoka), der als einziger verschont geblieben ist, sucht nun verzweifelt nach Musikern, obwohl er eigentlich selbst vorhatte die Band zu verlassen. Freiwillige sind relativ schnell gefunden. Tomoko (Juri Ueno), Yoshie (Shihori Kanjiya), Sekiguchi (Yuika Motokariya) und noch weitere Schülerinnen sehen das als die Gelegenheit endlich dem Mathe-Unterricht Ozawas (Naoto Takenaka) fern bleiben zu dürfen. Nakamura macht aus dem bunt zusammengewürfelten Haufen eine Jazz Big Band. Gerade als es den Mädchen tatsächlich anfängt Spaß zu machen, werden die ursprünglichen Mitglieder der Band wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Die Big Band löst sich auf und die Mädchen geben sogar vor damit zufrieden zu sein. Es dauert nicht lange und die Gruppe kommt doch wieder zusammen, da ihr gemeinsames Interesse für die Musik mittlerweile ziemlich stark geworden ist. Abseits von der Schule üben sie weiterhin fleißig, doch ihr Erfolg bleibt aus. Das ändert sich jedoch, als ihr Mathe-Lehrer Ozawa sich ihrer annimmt. Mit seiner Hilfe schaffen es die "Swing Girls" sogar bis zu einem Music-Contest. Doch ist die Band schon bereit dafür? Japanische Schulmädchen, die eine Jazz Big Band gründen?! Kein Thema für Regisseur Shinobu Yaguchi ("Waterboys")! Mit viel Herz und vor allem seiner ganz besonderen Art des Humors zaubert er eine sehr schöne, wenn auch unbedeutende Komödie auf den Bildschirm. Wen interessiert da schon die Vorhersehbarkeit des Plots, der sich ohnehin auf die Prämisse so vieler Sport- und Musikfilme stützt. Erfolglose Gruppe möchte sich selbst beweisen und schafft dies am Ende auch in besagter Sportart. Yaguchi hat eigentlich sogar die Story seines eigenen Films "Waterboys" genommen, das Synchronschwimmen durch Jazz und die Jungs durch Mädchen ersetzt. Erstaunlicherweise fühlt sich der Zuschauer aber nicht betrogen, denn "Swing Girls" hat seinen eigenen Stil und weiß durch seine liebenswürdigen Charaktere und den Humor zu gefallen. Da die Story nicht viel hermacht müssen natürlich die Charaktere im Vordergrund stehen. Diese sind auch die große Stärke des Films. Leicht abgedreht, aber immer liebenswert kann der Zuschauer sofort ein Band zu ihnen knüpfen. Dabei strahlen die einzelnen Personen auch alle ein unwahrscheinliches Charisma aus, was den Film so gut funktionieren lässt. Ich rede hier tatsächlich von Charisma und nicht gutem Aussehen, obwohl das bei den meisten weiblichen Darstellerinnen zweifellos auch zutrifft. Nein, es ist die Ausstrahlung der Personen, die den Film nie langweilig werden lässt. Da stört es auch nicht sonderlich, dass wir außer von Tomoko nicht wirklich etwas über das Privatleben der einzelnen Personen erfahren. Wir begleiten die Charaktere eigentlich nur auf ihrem Weg zur hoffentlich erfolgreichen Big Band und bekommen dabei natürlich auch einiges zu Lachen. Leider bleiben die erhofften großen Brüller aber aus, was nicht heißt, dass der Film nicht einige sehr gute Gags bereithält. Selbst wenn es mal eine kleine Durststrecke bzgl. der Lacher geben sollte, schafft der Film immer eine feel-good Atmosphäre, die die Stimmung des Zuschauers ins Positive umschlagen lassen muss, egal wie depressiv man vorher gewesen sein mochte. Der Film ist was die Schauspieler angeht ziemlich gut besetzt. Interessant ist, dass die meisten der Darstellerinnen vorher kein Instrument spielen konnten und nur einige Monate vor Drehbeginn Intensivkurse genommen hatten. Das hört man den großartigen musikalischen Leistungen der Gruppe gar nicht an, die übrigens alle ihre Instrumente tatsächlich selbst spielen ohne später nachsynchronisiert geworden zu sein. Was die Musik angeht: Musikliebhaber werden eindeutig mehr ihren Spaß haben, als eben jene, die damit überhaupt nichts anfangen können. Gerade aber eben der Umstand, dass es sich um Jazz/Swing handelt stellt keine musikalische Barriere dar! Ich selbst sehe Swing als so ziemlich das Letzte auf meiner Liste der hörbaren Musikgenres. Das ist auch der Grund warum ich mir den Film mit gemischten Gefühlen angeschaut habe. Das ändert sich aber rapide sobald das erste Stück gespielt wurde. Dank einer guten Song-Auswahl ist die Musik mitreißend und macht gute Laune, selbst wenn man sonst nichts mit ihr anfangen kann! Ob das daran liegt, dass immer etwas leicht Humoristisches bleibt, wenn man Japanerinnen in Schuluniform Jazz/Swing spielen hört? Wie dem auch sei, die Musik ist jedenfalls sehr gut gelungen und bereichert den Film um einiges. Höhepunkt stellt dann natürlich auch das 15-minütige Konzert gegen Ende dar. Kleine Info am Rande: Um den Film zu promoten haben die Darsteller(-innen) tatsächlich in Japan und Amerika ein paar Auftritte gehabt! Nun, Negatives gibt es auch zu finden. Wie gesagt ist der Plot unwahrscheinlich vorhersehbar und dennoch fehlen einige Dinge, wie der böse Widersacher. Schön dagegen ist, dass die ganz grob angedeutete Liebesbeziehung zwischen Nakamura und Tomoko nicht weiter ausgebaut wird und dem Film damit unnötig Kitschiges erspart bleibt. Anfangs mag man sich auch ein wenig schwer tun, bei der Vielzahl an Charakteren den Überblick zu behalten, aber recht bald wissen wir dann, dass Tomoko und die kleine Gruppe um sie herum die Personen sind, auf die sich der Film bis zum Ende hauptsächlich konzentrieren wird. Doch zu viel darf man eben auch nicht von dem Ende erwarten, denn dieses ist ein stückweit schon enttäuschend. Trotz des großen Konzerts scheint einfach irgendetwas zu fehlen und der Abspann erwischt uns ziemlich unerwartet. Trotz seiner 105 Minuten kommt einem "Swing Girls" ziemlich kurz vor, was wiederum ein gutes Zeichen ist. Yaguchi weiß, wie er seine Zuschauer für seinen Film gewinnt. Leichtherzig und unterhaltsam schafft er eine Welt, in die man gerne abtaucht und seinen Spaß hat. Dank einiger netter Kameraeinstellungen und Spielereien, von denen die Wildschwein-Flucht, die comiclike komplett in Einzelbildern gezeigt wird, während im Hintergrund "What a wonderful World" von Louis Armstrong läuft, mit Sicherheit den Höhepunkt darstellt, weiß der Film auch auf technischer Seite zu überzeugen. "Swing when you´re winning" hat sich wohl nicht nur Robbie Williams gedacht. Regisseur Shinobu Yaguchi schafft einen wunderbaren Gute-Laune Film, der mit viel Humor und guter Musik punkten kann. Schade nur, dass die Story nicht mit den wunderbar liebenswürdigen Charakteren mithalten kann. Das ändert aber nichts daran, dass "Swing Girls" unwahrscheinlich unterhaltsam und damit definitiv weiter zu empfehlen ist! (asianmovieweb)Ausblenden
THE SMASHING MACHINE OmU
USA 2025, 123 Min. Regie: Benny Safdie
mit Dwayne Johnson, Emily Blunt, Ryan Bader
Ein philosophierender Kampfkoloss lost in Translation
Weiterlesen...Mark Kerr gibt in Brasilien sein MMA-Debüt und besiegt seinen Gegner mit Leichtigkeit. Weitere Siege schließen sich an, er kämpft überall auf der Welt für verschiedene Verbände, darunter auch für Pride in Japan. Dort erlebt er allerdings auch seine erste Niederlage, die mit der Erkenntnis einhergeht, dass die Beziehung zu seiner Freundin durchaus toxisch für Beide ist, und dass er ein Opioid-Problem entwickelt hat. Aber er will im Jahr 2000 die Pride gewinnen. Ein großes Siegergeld winkt. Es ist verständlich, dass Safdie auf Dwayne Johnson für die Hauptrolle gesetzt hat. Der Mann hat die Physis für Mark Kerr. Was er nicht hat: das Alter. Der Film spielt in den Jahren 1997 bis 2000; da war Kerr 29 bis 32 Jahre alt. Bei den Dreharbeiten war Johnson schon 52 Jahre alt! Das sieht man ihm auch an, und doch muss man ihm attestieren, dass man es dennoch schluckt. Weil Johnson hier eine Rolle gefunden hat, die einerseits seiner Hollywood-Persona entspricht, andererseits der sportliche Background nicht ganz so unähnlich dem seinen ist. Kerr wird als freundlicher Mann gezeichnet, immer am Gespräch interessiert, nie an der Eskalation. Bis er auf Entzug ist, da kracht es mit seiner Freundin immer wieder. Johnson liefert hier die differenzierteste Darstellung seiner Karriere ab. Er hat erkannt, wie dankbar die Rolle ist und das Beste aus sich herausgeholt. Die Chemie zu Emily Blunt als Kerrs Freundin stimmt auch, das wusste man ja schon vom Johnson-Blunt-Film „Jungle Cruise“. Safdie setzt auf einen etwas körnigen, authentischen Look. Sein Film mutet häufig wie eine Dokumentation an. Das wird dann auch dadurch unterstrichen, dass er immer wieder Interviews zeigt, die Journalisten mit seiner Hauptfigur führen. „The Smashing Machine“ ist nicht unbedingt originell. Der Film erzählt die Geschichte eines Sportlers und macht das sehr gut. Die emotionalen Beats sind alle da, die Handlung wird konsequent vorangetrieben und das Ensemble kann sich sehen lassen. Als Kerrs bester Freund agiert Ryan Bader, der eigentlich auch UFC-Fighter ist, darstellerisch aber überzeugen kann. Am Ende präsentiert Safdie dann auch noch einen Blick auf den echten Kerr, den – wenn man so will – unbesungenen Helden dieser Sportart, der mit Körpereinsatz, Schmerz und Leid dazu beitrug, dass ein größeres Publikum erreicht wurde. In späteren Jahren wurden MMA-Fighter zu Superstars, aber es ist Kerr, dem ein ganzer Film gewidmet ist.(programmkino.de)Ausblenden