Am 14.5. zeigt das Kinoptikum

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EXTRAWURST
D 2025, 100 Min.
Regie: Marcus H. Rosenmüller
mit Hape Kerkeling, Fahri Yardım, Christoph Maria Herbst
„Der Gott des Gemetzels“ im urdeutschen Tennisheim
Trailer zu EXTRAWURST
Weiterlesen... Die Jahreshauptversammlung des Tennisclubs Lengenheide verläuft wie immer reibungslos unter der Leitung des Dauervorsitzenden Heribert (Hape Kerkeling). Am Schluss wird noch der Kauf eines neuen, größeren Grills, den der stellvertretende Vorsitzende Matthias (Friedrich Mücke) ausgesucht hat, beschlossen. Heribert will die Sitzung beenden – aber halt, da meldet sich Melanie (Anja Knauer) und beantragt einen zweiten Grill für die muslimischen Vereinsmitglieder, weil sie ja kein Schweinefleisch essen dürfen. Es gibt nur ein solches Mitglied, nämlich ihren türkischstämmigen Doppelpartner Erol (Fahri Yardim), dem die Sache aber eher unangenehm zu sein scheint.
Melanie lässt nicht locker, Matthias weist ihr Ansinnen zurück, ihr Mann Torsten (Christoph Maria Herbst) findet, Matthias habe Erol gerade mit dem Wort „Türkenwurst“ beleidigt. Im Vereinslokal wird es laut, das Thema polarisiert und der genervte Heribert geht mit den vier Kontrahent*innen in die Halle, um sie ins Gebet zu nehmen. Doch dort kocht der Streit erst so richtig hoch. Schon in ihrem gleichnamigen, erfolgreichen Bühnenstück haben die beiden Comedy-Autoren Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob (Serie Stromberg) den allgemeinen Niedergang der Debattenkultur aufs Korn genommen. Von ihnen stammt nun auch das Drehbuch für die Verfilmung unter der Regie von Marcus H. Rosenmüller (Beckenrand Sheriff, Pumuckl und das große Missverständnis).
Ähnlich wie schon in Roman Polanskis Erfolgskomödie Der Gott des Gemetzels, die ebenfalls auf einem Theaterstück basierte, eskalieren in der kammerspielartigen Komödie Meinungsverschiedenheiten, Masken fallen. Die Charaktere geben zum Teil kulturchauvinistische und rassistische Ansichten zum Besten, die dem Publikum einen satirischen Spiegel vorhalten. Sie äußern, wie bereits der Titelheld der Monsieur-Claude-Filmreihe, Vorurteile und Klischees, die den meisten peinlich sind, vielen aber nicht fremd. In seiner realitätsnahen Beobachtung alltäglicher Meinungsfronten in einer Gesellschaft, die sich diverser gibt, aber nicht unbedingt toleranter geworden ist, ähnelt Extrawurst auch der Komödie Freibad von Doris Dörrie. Erol ist schon so lange Vereinsmitglied wie Matthias, er spielt hervorragend Tennis, leitet eine Steuerkanzlei, aber in der Grilldebatte verwandeln ihn aufgeheizte Gemüter in den türkischen Antagonisten deutscher Vereins- und Esskultur oder auch der aufgeklärten, sprich religionsbefreiten Vernunft.
Rosenmüllers Inszenierung wirkt unspektakulär, auffallend sind als Gestaltungselement am ehesten die Slapstickeinlagen, die die Dialogszenen kurz auflockern. Sie betonen, wie lachhaft sich die Charaktere im Disput benehmen. Die Männer fechten verschiedene Zweierkonflikte aus, ziehen sich den Zorn Melanies zu, einer fortschrittlich denkenden Person, die an Demokratie und Gleichberechtigung glaubt. An Anja Knauers Figur ist im Grunde nichts auszusetzen, aber ihre Hartnäckigkeit wirkt zuweilen nicht nur für Heriberts Begriffe anstrengend. Hape Kerkeling glänzt in der Rolle des rheinländisch jovialen Vorsitzenden, der den Verein wie ein alter König führt und gegen den der aufstrebende, ordnungsliebende Matthias stets den Kürzeren zieht.
Auch Christoph Maria Herbst überzeugt als Torsten, einem aus der Großstadt Zugereisten, der sich linksliberaler, atheistischer Ansichten rühmt, und doch vor allem besserwisserisch wirkt. Torsten platzt vor Eifersucht auf Erol, mit dem Melanie so erfolgreich und mit so viel Spaß Tennis spielt. Fahri Yardim wirkt als Erol im Zentrum des Disputs oft unsicher und passiv, die Figur erscheint mit Ausnahme einer einzigen Szene recht blass gezeichnet.
Die Debatten, in der es immer deutlicher ums individuelle Ego geht, wirken zuweilen so zäh und ermüdend, wie man das sonst von Gruppenmeetings und Elternabenden kennt, die aus dem Ruder laufen. Interessanterweise fehlt den Charakteren, in unterschiedlichem Ausmaß, das Gespür, ob und wie man Gedanken ausspricht, die eine anwesende Person betreffen. Diese Satire beschert ein recht unterhaltsames Wechselbad der Gefühle. (kino-zeit.de)
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DJ AHMET  OmU
DJ Ahmet – MK/CZ/HR 2025, 97 Min.
Regie: Georgi M. Unkovski
mit Arif Jakup, Agush Agushev, Dora Akan Zlatanova
Vom Heranwachsen zwischen Schafen und Technobeats
Trailer zu DJ AHMET
Weiterlesen... einem abgelegenen Dorf in Nordmazedonien wächst der 15-jährige Ahmet (Arif Jakup) auf. Eigentlich würde Ahmet gern zur Schule gehen, doch sein Vater (Aksel Mehmet) braucht ihn auf dem heruntergekommenen Hof, zum Hüten der 20 Schafe, aber auch, um auf den seinen kleinen Bruder Naim (Agush Agushev) aufzupassen. Der spricht seit dem frühen Tod der Mutter nicht mehr, weswegen der Vater einen Heiler zu Rate zieht, ganz den traditionellen Vorstellungen der Region entsprechend.
Muslimisch geprägt ist das Dorf, ein spitzes Minarett ragt im Dorfkern in den Himmel, die Frauen tragen traditionelles Kostüm und bedecken ihre Haare, vor allem aber sind die Ehen kein Akt der Liebe, sondern werden von den Eltern geschlossen. So auch die von Ahmets Nachbarin Aya (Dora Akan Zlatanova), die aus Deutschland in die Heimat zurückgeholt wurde und nun einen Mann heiraten soll, den sie kaum kennt.
Vom ersten Moment an, den Ahmet Aya auf dem Feld – auch noch in Zeitlupe – zu Gesicht bekommt, ist es um ihn Geschehen. Doch was hätten sich der Junge vom Dorf und das in Deutschland aufgewachsene Mädchen zu sagen? Zum Glück gibt es die Musik, die sie verbindet: Für ihre Online-Kanäle nimmt Aya gerne kleine Tanzvideos auf, Ahmet dagegen hört gerne Musik auf dem Handy, zum einen, weil sein kleiner Bruder gerne tanzt, zum anderen, weil es ihn an seine Mutter erinnert.
Doch gerade diese Musik ist dem Vater ein Dorn im Auge, einerseits ebenfalls der schmerzhaften Erinnerungen an die Ehefrau wegen, andererseits aus religiösen, traditionellen Gründen. Mit dieser Haltung ist der Vater nicht allein, wie Ahmet und Aya bald erfahren müssen.
Auf den ersten Blick mag sich Georgi M. Unkovskis „DJ Ahmet“ wie ein typisches Sozialdrama anhören, das vom Patriarchat erzählt, Tradition gegen Moderne stellt und nach Schema F abläuft. Doch der in New York geborene, nun in Skopje, der Hauptstadt des Landes, lebende Nordmazedone, wählt einen interessanteren, ungewöhnlicheren Ansatz, um vom Leben in einer selbst für Nordmazedonien abgelegenen Region der Balkanrepublik zu erzählen.
Immer wieder ist zu spüren, das Unkovski ein erfahrener Regisseur von Werbungen und Videoclips ist, der ein ein Gespür für Stimmungen und Emotionen hat. Stilisierte Momente in Zeitlupe, leuchtende Farben, pointierte Bildeinfälle ziehen sich durch den Film, sorgen manchmal gar für surreal anmutende Momente. Wenn Ahmet da etwa eines Nachts durch die Dunkelheit streift und auf einmal mitten in einem Festival für elektronische Musik landet, das geradewegs seiner Lust zu Tanzen entsprungen zu sein scheint. Doch auch seine Schafe fühlen sich von der Musik angezogen und sorgen mit ihrer Anwesenheit zwischen den Tanzenden für ein Internet-Meme – und führen dazu, dass ein Schaf plötzlich mit pinkem Fell den Weg nach Hause findet.
Bisweilen stehen solche Momente ein wenig losgelöst da, fügen sich nur bedingt in die Erzählung, die sich eher mäandernd als strukturiert entwickelt. Aber diese lose Erzählweise passt gut zu einem Film, der seine Konflikte eher lose anreißt, als sie zugespitzt auf ein dramatisches Ende zuzuführen. „DJ Ahmet“ taucht in eine ganz eigene Welt ein, erzählt vom Einbruch der Moderne in ein traditionelles Dorf, voller Humor und präziser Beobachtungen. Allein der Muezzin, der über die Lautsprecheranlage seines Minaretts aus Versehen das Dorf mit der Startmelodie von Microsoft Word beschallt, ist ein unvergesslicher Moment. Nicht der Einzige, der aus diesem sehr sehenswerten Debütfilm in Erinnerung bleibt. (programmkino.de)
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