Am 25.4. zeigt das Kinoptikum

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SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?
Cinema obscure – D/CH 2025, 127 Min.
Regie: Nicolas Steiner
mit Luna Wedler, Karl Markovics, Lars Eidinger, Dominique Pinon
Surreal vergnüglicher Genremix in Bestbesetzung
Trailer zu SIE GLAUBEN AN ENGEL, HERR DROWAK?
Weiterlesen... „Hattest du einen schlechten Tag?“ wird das Mädchen gefragt. „Sag bloß, es gibt auch gute!“. Prompt bekommt die Neunjährige einen Schnaps. „Wer alt genug ist, verprügelt zu werden, der darf auch saufen.“ Solch sarkastische Dialoge sollte man mögen, sonst sagt man schnell „Ich bin raus!“. Die Titelfigur, jener Herr Drowak, ist nicht unbedingt ein Sympathieträger. Ganz im Gegenteil: Hugo ist ein kauziger Kotzbrocken. Ein verbitterter Widerling, der die Menschen hasst und den Alkohol liebt. Im Vergleich zu Drowak sind Bernd Maria Stromberg oder Ekel Alfred unschuldige Waisenknaben, auf deren Nase gerne Schmetterlinge landen. Österreichs Schauspiel-Chamäleon Karl Markovics gibt den Stinkstiefel mit ähnlich großem Vergnügen und perfider Perfektion, wie einst Jack Nicholson den Miesepeter Melvin in „Besser geht’s nicht“ gab.
„Ich habe mich schon immer sehr für diese Art sozial ausgegrenzter Menschen interessiert und mich gefragt, was ihre Menschenfeindlichkeit und Feindseligkeit gegenüber anderen verursacht“, erläutert Drehbuchautorin Bettina Gundermann ihre Motivation für diese bittere Tragödie. Das findet auch ihre Heldin Lena (Luna Wedler), eine endlos optimistische Germanistik-Studentin, die anderen Menschen gerne etwas Gutes tun will. „Ich glaube an die Kraft des kreativen Schaffens!“, schwärmt sie begeistert bei ihrer Bewerbung als Schreibtrainerin beim „Amt für Ruhe und Ordnung“. Um in die Amtsstube vorzudringen, muss die Studentin erst kafkaeske Hürden überwinden. Eine lange Schlange wartet vor einer winzig kleinen Aufzugtür. Den Weg über die Treppe wagt niemand zu nehmen, tatsächlich lauern dort surreale Überraschungen. Solche Zustände herrschen auch in der Wohnung von Hugo Drowak, dem einzigen und ziemlich unfreiwilligen Teilnehmer am Resozialisierungsprogramm „Tolerant und gewaltfrei durch Kreativität“. Der aggressive Alte wirft lieber Urinbomben aus dem Fenster als seine Therapeutin zu begrüßen. Doch Lena lässt sich nicht erschüttern, sie glaubt unbeirrbar an das Gute. „Was fehlt Ihnen zum Glück?“, will sie wissen. „Die Abwesenheit aller Menschen!“, gibt es als mürrische Antwort.
Mit Engelsgeduld und einer Schreibmaschine kommt Lena schließlich ans Ziel. Ihr Klient erweist sich als begnadeter Autor. Wenn er poetisch über die Liebe schreibt, werden sogar die Schwarzweiß-Bilder plötzlich farbig: schließlich erzählt er hier seine eigene große Lovestory. Auch der seltsame Amtsleiter (Lars Eidinger) scheint gerührt vom literarischen Talent, „pure Poesie“ bescheinigt er dem Werk. Seine Pressekonferenz betritt er freilich lieber rückwärts laufend. Die Erfolgsstory endet jäh: Der Held fühlt sich von Rattenwesen bedroht und muss gegen seine verdrängten Dämonen kämpfen. Ein Engel käme da gerade recht…
Mit Fischaugen-Objektiv setzt Regisseur Nicolas Steiner sein kafkaeskes Trauerspiel in Szene. Bei den brutalistisch anmutenden Bauten durften die Gewerke sich ebenso austoben wie bei der Inneneinrichtung der Messi-Wohnung des Misanthropen. Ein altes Kraftwerk der Schiesspulverfabrik in Rottweil diente als Außenkulisse. Ein Meer leerer Flaschen sorgt für die trostlose „Wohnst du noch oder stirbst du schon?“-Atmosphäre. Auf dem Filmfestival von Shanghai erlebte das Kinodebüt seine Weltpremiere, beim Filmfestival Max Ophüls Preis erhält dieser Arthaus-Coup die Ehre der Ouvertüre: Mehr rigorose Filme wagen lohnt sich! (programmkino.de)
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ONCE UPON A TIME IN GAZA  DF
Kino Nahost – D/F/POR/PS 2025, 87 Min.
Regie: Tarzan Nasser, Arab Nasser
mit Nader Abd Alhay, Majd Eid, Ramzi Maqdisi
Eine ebenso spitzbübische wie politische Ballade aus Nahost
Trailer zu ONCE UPON A TIME IN GAZA
Weiterlesen... on Politik lässt sich manchmal am besten auf indirekte Art erzählen: als Grundierung, auf die die eigentliche Geschichte aufgetragen wird. Zumindest Arab und Tarzan Nasser machen das so. Die zwei in Gaza geborenen Zwillingsbrüder setzen der harten Realität ihres Herkunftsorts märchenhafte Filme entgegen – und arbeiten auf diese Weise an ihrem ganz persönlichen „Gazawood“. Auf „Gaza mon amour“ über die frisch aufgeblühte Liebe eines alten Fischers zu einer gleichaltrigen Schneiderin folgt mit „Once Upon a Time in Gaza“ nun eine Tragikomödie über die platonische Liebe zweier Kleinganoven. Schlitzohrig, spitzbübisch und politisch geht es auch darin zu.
Gaza im Jahr 2007: Mit Politik haben der Student Yahya (Nader Abd Alhay) und der Restaurantbesitzer Osama (Majd Eid) nicht viel am Hut. Zwar sind auch sie – wie alle in Gaza – von Terror und Politik der Hamas, von Israels Reaktionen und von den Vermittlungsversuchen der Weltöffentlichkeit betroffen, das tagtägliche Über-die-Runden-Kommen lässt aber kaum Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Yahya hat den Traum, den Rest seiner Familie irgendwann einmal im Westjordanland besuchen zu können, längst aufgegeben und jobbt stattdessen in Osamas Restaurant. Das Lokal dient allerdings nur als Fassade. Dahinter verbergen sich die wahren und ziemlich krummen Geschäfte.
Wie in Christian Züberts Kultkomödie Lammbock (2001) über einen als Pizzalieferdienst getarnten Cannabishandel gibt es auch in Osamas Restaurant ein illegales Extra. Der selbstbewusste Besitzer dealt mit verschreibungspflichtigen Medikamenten, die er sich beim Arzt erschleicht und in Falafelsandwiches versteckt an seine Kunden bringt. Wie all das über die Bühne geht, setzen die Nasser-Brüder gewohnt witzig in Szene. Vom korrupten Polizisten Abou Sami (Ramzi Maqdisi) geduldet, blüht das Geschäft. Doch als Osama einen Deal des schäbigen Ordnungshüters ausschlägt, kommt es zur Katastrophe – und der Film nimmt eine unerwartet harte Wendung.
„Mit unserem Film versuchen wir, Gaza durch eine andere Linse zu zeigen als die des verzerrten Bildmaterials, das so oft aus der Region kommt“, sagen die Zwillinge über Once Upon a Time in Gaza. „Wir wollen ein authentisches Porträt unserer Stadt zeichnen, eines, das frei ist von den Stereotypen und Übertreibungen, die längst zum akzeptierten globalen Narrativ geworden sind.“ Was in der ersten Hälfte ihres neuen Films, der in Jordanien gedreht wurde, weil in Gaza nicht gedreht werden konnte, zweifelsohne gelingt. In diesem vom tristen Alltag voller kleiner und großer Tricksereien geprägten Teil erinnert das „Once Upon A Time“ des Titels denn auch weniger an das „Es war einmal“ eines Märchens und mehr an Filme wie Spiel mir das Lied vom Tod (englischer Titel: Once Upon a Time in the West), Es war einmal in Amerika (Once Upon a Time in America) und Once Upon a Time in Anatolia, auf die Arab und Tarzan Nasser in einem Interview selbst verweisen. Mit der harten Wendung kommt es allerdings auch erzählerisch zu einem Bruch.
Im Grunde haben Arab und Tarzan Nasser, die mit bürgerlichen Namen Ahmed und Mohamed Abunasser heißen, mit Once Upon a Time in Gaza nicht einen, sondern gleich mehrere Filme gedreht. Kreist der erste Teil um den Alltag zweier liebenswerter Drogendealer, versteigt sich der zweite in ein immer absurdere Züge annehmendes Aufstiegsmärchen. Von einem Regisseur entdeckt, wird Yahya vom Falafelverkäufer zum Filmstar, verkauft dabei aber auch seine Seele. Im ersten offiziellen Actionfilm aus Gaza steht der desillusionierte Träumer als Widerstandskämpfer gegen die israelische Besatzung vor der Kamera, erlebt jedoch aufgrund einer makaberen Pointe das Ende der Dreharbeiten nicht und wird schließlich als Märtyrer begraben. Abseits dieser ironisch gebrochenen Erfolgsstory ist der zweite Teil von Once Upon a Time in Gaza auch ein Film im Film und über das Filmemachen. Wodurch der Film selbst zu einer seltsamen metafiktionalen Melange mutiert. (kino-zeit)
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