Am 23.11. zeigt das Kinoptikum

Datum Home
So. 11:00
MEISTER EDER UND SEIN PUMUCKL
KinderKino – BRD 1982, 84 Min.
Regie: Ulrich König
mit Gustl Bayrhammer, Hans Clarin, Erni Singerl, Willy Harlander, Helga Feddersen
Hurra, Hurra! Der Kobold mit dem roten Haar!
Trailer zu MEISTER EDER UND SEIN PUMUCKL
Weiterlesen... In der Schreinerwerkstatt des Schreinermeisters Franz Eder geht an diesem Tag alles drunter und drüber; nichts ist mehr da, wo er es hingelegt hatte, Sachen fallen runter usw. Als er meint, den vermeintlichen Übeltäter gesichtet zu haben, wirft er mit einem Holzscheit in diese Richtung. Zu seiner Überraschung erscheint ein kleiner Kobold (Pumuckl) an seinem Leimtopf klebend und der ist absolut nicht glücklich darüber jetzt sichtbar zu sein.
In der Wirtschaft erzählt Eder seinen Stammtischfreunden von dem Kobold. Sie versuchen ihn davon zu überzeugen, daß er geträmt hat. Zurück in der Werkstatt stellt sich der Kobold aber als ganz Real heraus. Auch Schlosser Bernbacher, der nochmal nach seinem Freund schauen kommt, wird vom Pumuckl so getriezt, daß er schließlich verunsichert die Flucht ergreift. Pumuckl folgt diesem nach Hause und stellt die Wohnung auf den Kopf, so daß Bernbacher und seine Frau beinahe nicht zu ihrer Opernvorstellung kommen. Zu Pumuckls Freude sind auch noch die Opernkarten verschwunden. Es stellt sich heraus, daß sie in der Schreinerwerkstatt liegen geblieben sind, als dort Bernbachers Geldbeutel heruntergefallen ist. Eder bringt sie seinem Freund vorbei.Am nächsten Tag machen beide zusammen erstmal ein ausgiebiges gemeinsames Frühstück. Als Pumuckl danach wieder in den Hobelspänen am Boden schlafen will beschließt der Schreiner, dem Kobold ein Bett zu machen. Gerade damit fertig kommt eine Kundin, Frau Bauer, auf der Suche nach einem Geburtstagsgeschenk für ihre Nichte(n). Im Tausch gegen die Anfertigung von Bettzeug willigt Eder ein, ihr gleich drei Puppenbetten zu schreinern.
Pumuckl ist vor Empörung über den vermeintlich drohenden Verlust seines Bettes durch den leeren Ofen getobt und völlig voller Ruß. Meister Eder wäscht ihn deshalb in einer Schüssel mit warmem Wasser und Seife sauber, was dem Klabauter absolut nicht behagt. Danach will Pumuckl auf dem Lampenkabel schaukeln und stürzt ab. Meister Eder verspricht ihm, ihm eine Schiffsschaukel zu bauen, wenn er sich auch weiterhin waschen läßt.Bereits am nächsten Tag hängt die Schaukel. Während der ersten Schaukelprobe durch den Kobold kommen der Butler und der Chauffeur der Gräfin vorbei um eine kleine Kommode zur Reparatur zu bringen. Weil Pumuckl die Ritterrüstungen und andere Dinge aus der Gräflichen Wohnung interessieren, von denen Eder erzählt, läßt er sich zwei Tage später zusammen mit der Kommode wieder abholen und treibt in der Stadtwohnung der Gräfin sein Unwesen. Besonders die schnell tickenden Uhren stöhren ihn und er hält sie alle an. Meister Eder vermißt schon bald seinen Kobold und geht ihn unter dem Vorwand, noch eine Schublade der Kommode abhobeln zu müssen, in der gräflichen Wohnung suchen.Der Diener Jakob glaubt, daß es sich nicht um einen Kobold, sondern um einen gräflichen Ahnen namens Ägidius handelt. Die Gräfin will von den "Spinnereien" der beiden alten Männer nichts wissen. Nachdem Eder wieder weg ist, läßt der Pumuckl seiner Wut über die unflätige Weise in der sich der Diener über Kobolde geäßert hat freine Lauf. Schließlich gibt Jakob klein bei und holt den Schreinermeister, damit der ihn von dem Spuk befreit.
Auf dem Rückweg trifft Eder vor seiner Werkstatt auf den Bernbacher. Der lädt ihn für den nächsten Tag zu seiner Geburtstagsfeier zum Spanferkelessen in die Wirtschaft ein. Pumuckl will natürlich mitgehen.Während die Stammtischbrüder auf das Spanferkel warten, ergeht sich Pumuckl eine zeitlang in Selbstmitleid, bis ihm das zu langweilig wird und er in die Wohnung hinaufgeht und das Radio anschaltet und lauthals dazu singt. Das Hausmeisterehepaar geht zusammen mit Eders Putzfrau (Eichinger) nachsehen, was da los ist. So kann der Pumuckl entkommen und kommt gerade rechtzeitig zum Essen in die Wirtschaft und mischt die Gesellschaft mächtig auf.
Als es zu bunt wird glaubt Eder schließlich, daß der Pumuckl entkommen ist und geht zu hause nachsehen. Dort erzählt ihm die Hausmeisterin von ihrem Eindringen und Eder wird alles klar. Er geht zurück in die Wirtschaft und schickt den Kobold nach hause. (pumucklhomepage)
Ausblenden

So. 15:30
DIE WUNDERBARE REISE DES NILS HOLGERSSON MIT DEN WILDGÄNSEN
KinderKinoGekijô-ban Nirusu no fushigi na tabi – JAP/Ö 1982, 82 Min.
Regie: Mamoru Oshii, Hisayuki Toriumi
Schweden von oben mit dem frechen Däumling
Trailer zu DIE WUNDERBARE REISE DES NILS HOLGERSSON MIT DEN WILDGÄNSEN
Weiterlesen... Wer in den 1970er und 1980er Jahren regelmäßig Kinderfernsehen geschaut hat, kann sie alle mitsingen: Die Titelsongs der damals ausgestrahlten Zeichentrickserien von "Wickie und die starken Männer" (1974-1975) über "Heidi" (1974) bis hin zur "Biene Maja" (1975-1980) haben sich ins Gedächtnis ganzer Generationen eingebrannt. Aus Kostengründen entstanden diese Serien allesamt in Japan, so auch die "Wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen" nach dem bekannten Roman von Selma Lagerlöf. Man braucht nur das hoch gesungene "Nils Holgersson ..." der Titelmelodie anzustimmen und flugs werden unzählige Erwachsene "... flieg mit den Gänsen davon" ergänzen. Aus vielen dieser Serien entstanden auch Filme, die sich aus einzelnen Episoden zusammensetzten. Dieses Wiedersehen mit einem liebgewonnenen Klassiker bietet in erster Linie Eltern, die selbst mit diesen Filmen und Serien aufgewachsen sind, die Gelegenheit, ihre eigenen Kindheitserinnerungen mit ihren Kindern zu teilen. Das funktioniert auch bei "Nils Holgersson" ausgezeichnet.
Die Zeichnungen hielten schon zum Zeitpunkt ihrer Erstausstrahlung nicht mit hochwertigen Kinoproduktionen mit, waren aber auch für ein ganz anderes Medium gedacht. Die besonders aus heutiger Sicht reichlich angestaubte Optik ist also zu verschmerzen. Stärker ins Gewicht fällt hingegen die elliptische Erzählweise. Zwischen den einzelnen Episoden klaffen arge Lücken, wodurch die Handlung stets ein wenig zu sprunghaft und unzusammenhängend gerät. Bei anderen Filmversionen von Zeichentrickserien (etwa bei "Wickie und die starken Männer") war das entschieden besser gelöst.
Alles in allem ist aber auch die wunderbare Reise des kleinen Nils ein gelungener Familienfilm, wobei der Witz und Spaß hier immer ein wenig hinter dem pädagogischen Anliegen zurückstehen. Selma Lagerlöf, die 1909 als erste Frau überhaupt den Nobelpreis für Literatur erhielt, hat ihren 1906 erstveröffentlichten Roman geschrieben, um Schüler:innen Schwedens Landschaft und Leute aus der Vogelperspektive nahezubringen. Dieser Ansatz geht durch die Verkürzung zu einem eineinhalbstündigen Spielfilm ein wenig verloren, das Lehrhafte der Geschichte rückt dafür in den Vordergrund. (spielfilm.de)
Ausblenden

So. 18:00
IN DIE SONNE SCHAUEN
D 2025, 159 Min.
Regie: Mascha Schilinski
mit Hanna Heckt, Lena Urzendowsky, Luise Heyer
Wenn Wände erzählen: Epochales Kino durch die Zeiten
Trailer zu IN DIE SONNE SCHAUEN
Weiterlesen... Viel war im Vorfeld des Filmfestivals von Cannes 2025 über den einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag In die Sonne schauen / The Sound of Falling spekuliert worden: Es handelt sich um den erst zweiten Langfilm der Regisseurin Mascha Schilinski. Ihr Erstling Die Tochter debütierte zwar 2017 im Wettbewerb der Berlinale. Trotz dieses prominenten Festivalauftritts ist Schilinski aber in der Riege der deutschen Filmemacher*innen noch die große Unbekannte. So war bereits die Einladung an die Croisette und noch dazu in den Wettbewerb ein erstes Ausrufezeichen, das In die Sonne schauen setzte. Das zweite ist zweifelsohne der Film selbst: Der schlug gleich zum Auftakt derart ein, wie man es in den letzten Jahren selten schon am ersten Wettbewerbstag erlebt hat.
Über rund 100 Jahre und vier Generationen von (vor allem) Frauen spannt Schilinski einen assoziativen, magisch-realistischen, formal wie erzählerisch gewagten Bogen, der ausschließlich in einen Gehöft in der Altmark in Sachsen-Anhalt angesiedelt ist und die Geister der Vergangenheit und der Gegenwart durchmisst. Virtuos wechselt der Film immer wieder die Zeitebenen und -perspektiven, die Erzählstimmen und auch die formalen Mittel: Die Bandbreite reicht von Daguerreotypien und verrauschten Homevideoaufnahmen über Kinobilder von erhabener Größe und Schönheit bis hin zu abstrakt anmutenden Passagen. Schilinski wechselt unversehens in die Unschärfe oder lässt die Bilder Kopf stehen, weil das ja die Art und Weise ist, wie wir eigentlich die Welt sehen würden, wäre da nicht der Kopf, der das verkehrte Bild erst wieder umdreht. Auf der Tonebene wiederum atmet der Film buchstäblich: Er knistert, brummt und dröhnt und wird so zu einem lebendigen Organismus, zu einer ebenso körperlichen wie sinnlichen Erfahrung, zu Meta-Kino, das weit über die Leinwand hinaus eine ungeheure Wirkung entfaltet.
Die Handlung dieses überaus assoziativen Bilder- und Tonreigens, dieses Kaleidoskops von Perspektiven und Konstellationen auch nur annähernd sinnvoll zu beschreiben, ist nahezu ein Ding der Unmöglichkeit und würde diesem ebenso vielschichtig-komplexen wie meditativen Werk auch nicht gerecht. Überhaupt hat man nach dem Verlassen des Kinos den drängenden Wunsch, diesen Film ein zweites, ein drittes und am besten noch ein viertes Mal zu sehen. Man würde zweifellos dabei immer wieder neue Details, neue Verbindungen erkennen, aufregende Entdeckungen machen. Das Bild, das man sich von dem Film gemacht hat, würde sich verändern. Klar bliebe aber sicherlich: In die Sonne schauen ist ein Meisterwerk, ein Solitär des Kinos, ein Monstrum von einem Film, das sich wie gesagt beständig verändert, bis ins Unermessliche wächst.
Stets geht es aber um die Frauen, die diesen alten Vierseithof bewohnen, die hier zu ganz unterschiedlichen Zeiten und in verschiedenen Staaten (im Deutschland des Kaiserreichs und des Nationalsozialismus, in der DDR und schließlich in der wiedervereinigten Bundesrepublik Deutschland) Kinder sind, heranwachsen. Sie bilden eine durch die Zeiten miteinander verbundene Kette von Schicksalen, nicht notwendigerweise verwandt und doch wie durch ein unsichtbares Band verknüpft zu einem Bund, einer Schwesternschaft des Entdeckens, Erleidens und Erduldens. Was diese Frauen über die Generationen hinweg miteinander verbindet, sind ähnliche Erfahrungen und sich wiederholende Muster. Es geht um Ausbeutung, Anpassung und Unterdrückung (auch der eigenen Gefühle, Nöte und Bedürfnisse), um Lebenslust und Todessehnsucht, um die stillen Schreie gegen die Unterdrückung. Sie leben in einem patriarchal-autoritären System, das bevölkert wird von den Geistern der Vergangenheit, in einem Zwischenreich zwischen dem Jetzt und dem Reigen des Vergangenen und der Verstorbenen, die hier ganz selbstverständlich in die Gegenwart hinein wirksam sind.
Am Ende erheben sich nacheinander zwei Gestalten während eines gewaltigen Sturms in die Lüfte. Sie schweben in einem Moment von bizarrer Schönheit inmitten des um sie stattfindenden Chaos über dem Boden, über den Dingen, über den Lasten und Sorgen, die sie niederdrücken. Und ganz ähnlich fühlt man sich nach dem Verlassen des Kinos. Man hat all die Schwere gesehen, die Geister der Vergangenheit, das Chaos und all das Böse, was Menschen widerfahren kann oder was sie sich gegenseitig antun. Und doch lässt In die Sonne schauen einen für Momente über dem Boden schweben. (kino-zeit.de)
Ausblenden