Am 21.7. zeigt das Kinoptikum

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So. 11:00
ZWISCHEN UNS DAS LEBEN  DF
Hors-saison – F 2022, 115 Min.
Regie: Stéphane Brizé
mit Guillaume Canet, Alba Rohrwacher, Sharif Andoura
Ein zutiefst romantisches Drama aus der Mitte des Lebens
Trailer zu ZWISCHEN UNS DAS LEBEN
Weiterlesen... Mathieu (Guillaume Canet) ist ein erfolgreicher Schauspieler. Er hätte demnächst im Theater debütieren sollen, hat aber kalte Füße bekommen und sich aus dem Projekt zurückgezogen. Jetzt hat er sich abseits der Saison in einem Hotel für eine Thalassotherapie eingebucht. Um den Kopf freizukriegen, um neue Drehbücher zu lesen, um sich damit auseinanderzusetzen, wieso er das Risiko scheute. Da erhält er eine Nachricht von Alice (Alba Rohrbacher), mit der er vor mehr als 15 Jahren zusammen war. Sie wohnt in diesem Ort und hat mitbekommen, dass er hier ist. Beide treffen sich, was zuerst ungelenk und eigenartig ist, wie es nun mal ist, wenn Menschen, die sich einst liebten, und bei denen der eine den anderen verlassen hat, wieder gegenübersitzen. Aber es ist ein schönes Treffen. Eines, das die Vergangenheit wieder aufwühlt.
Es ist grau an diesem Urlaubsort. Die meisten Häuser sind verlassen. Eine unwirkliche Stimmung macht sich breit, die perfekt für diese Geschichte ist. Als Mathieu und Alice sich wiedertreffen, könnte ihr Leben nicht unterschiedlicher sein, auch wenn beide verheiratet sind und ein Kind haben. Bei ihm ist es gekommen, wie es sein sollte, bei ihr ist es so gut gekommen, wie es nun mal ging. So fasst Alice den Unterschied ihrer beider Leben zusammen. Ihrer Leben – das ist das, was zwischen dem Ende der Beziehung und diesem Treffen existiert. Ein Treffen, das die alten Gefühle hochkommen lässt. Vom Verlassenwerden, vom Gefühl, nicht gut genug gewesen zu sein, von der guten Zeit. Weil es die Vergangenheit so an sich hat, dass die schönen Ereignisse umso strahlender sind, und die Schlechten ein Stückweit weniger schlecht erscheinen.
„Zwischen uns das Leben“ lebt von den beiden Hauptdarstellern. Ihre Chemie ist sofort spürbar. Stéphane Brizé hat mit Sorgfalt inszeniert, beweist aber auch den Mut, mit Konventionen zu brechen. Wenn Mathieu und Alice auseinandergehen, zeigt er Momente ihres jetzigen Lebens. Still, von außen. Andere Momente sind nicht weniger unkonventionell. Etwa, wenn beide auf einer Hochzeit sind und minutenlang der Performance zweier Künstler lauschen, die akustisch perfekt Vögel nachahmen können. Der Zuschauer sieht das zusammen mit den Beiden an. Es braucht schon Mut, diese Momente des narrativen Stillstands zu präsentieren, weil sie es dem Publikum erlauben, tiefer in die von dem Film ausgelöste Gedankenwelt einzutauchen.
Das ist die eigentliche Stärke von „Zwischen und das Leben“. Dass er konsequent von einem Treffen alter Liebender erzählt, aber mit dem, was er zeigt dem Publikum eine Leinwand für die eigene Projektion bietet. Weil dieser Film unweigerlich zum Nachdenken anregt, weil die Vergangenheit niemanden jemals wirklich unberührt lässt. (programmkino.de)
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So. 19:00
MARS EXPRESS  frz. OmU
F 2023, 88 Min.
Regie: Jérémie Périn
Virtuos animierter Sci-Fi Neo-Noir auf den Spuren der „Ghosts in the Shell“
Trailer zu MARS EXPRESS
Weiterlesen... In der Welt des Films, der im Jahr 2200 spielt, sind Roboter längst fester Bestandteil im gesellschaftlichen Miteinander. Besonders auf der Erde, die an einer Stelle als Drecksloch voller Arbeitsloser bezeichnet wird, regt sich jedoch massiver Widerstand gegen die Maschinenwesen, Gewaltausbrüche eingeschlossen. Auf dem längst kolonisierten Mars ist die Lage dagegen weniger angespannt. Die in die Programmierung der künstlichen Helfer eingeschriebenen Regeln – Scifi-Pionier Isaac Asimov lässt grüßen! – scheinen für Sicherheit zu sorgen. Neuerdings aber geht die Angst vor Robotern um, die sich ihrer Direktiven entledigen.
Bühne frei für die Privatermittlerin Aline Ruby und ihren befreundeten Partner Carlos Rivera, einen Androiden mit dem Bewusstsein eines verstorbenen Menschen! In der Mars-Hauptstadt Noctis begeben sich die beiden auf die Suche nach der Kybernetik-Studentin Jun Chow, die offenbar einen Roboter von seinen Protokollen befreien konnte. Bei ihren Recherchen stoßen sie schnell auf eine Leiche und kommen einer Verschwörung mit weitreichenden Konsequenzen auf die Schliche.
„Mars Express“ hebt sich mit seiner vom japanischen Anime-Stil beeinflussten Ästhetik spürbar ab von der Optik vieler US-amerikanischer Studiofilme. Schon das ist irgendwie erfrischend. Pate stand bei der visuellen Gestaltung sicher auch der klassische Film Noir, dessen Schattenspiele Jérémie Périn auf seinen Science-Fiction-Krimi überträgt.
Größter Pluspunkt ist allerdings die Ausgestaltung der hier präsentierten Zukunftswelt, die man bei der ersten Sichtung in all ihren Einzelheiten nur schwer erfassen kann. „Mars Express“ denkt Entwicklungen der Gegenwart weiter, benutzt und variiert viele bekannte Genre-Motive. Künstliche Katzen, deren Fell sich abziehen und waschen lässt, Selbsthilfegruppen für Androiden, die früher Menschen waren, die Möglichkeit, das eigene Gedächtnis zu vermieten – Périn und Koautor Laurent Sarfati bestücken ihr filmisches Universum mit zahlreichen aufregenden Details und ziehen uns so in das Geschehen hinein.
Beunruhigend sind nicht nur einige der skizzierten technischen Phänomene. Nachdenklich stimmt auch das langsame Verkümmern echter zwischenmenschlicher Kontakte. Der Professor der vermissten Jun beispielsweise gibt gegenüber Aline offen zu, dass er künstliche Liebhaberinnen bevorzuge, da er diese, wenn sie nerven sollten, einfach abschalten könne. So sieht sie aus, die schöne neue Welt!
Der Plot von „Mars Express“ schlägt einige überraschende Haken und wartet mit gut dosierten Actioneinlagen auf, gerät manchmal aber eine Spur zu gehetzt. Hier und da hätten sich die Macher etwas mehr Zeit für die Entwicklungen ihrer Geschichte nehmen können. Aline Ruby und Carlos Rivera geben ein solides Ermittlerduo ab, dem man gerne folgt, auch wenn sie ein typisches Kinoklischee repräsentiert. Wie so viele Noir-Detektive vor ihr kämpft Ruby nämlich mit dem Alkohol. Eine Eigenschaft, die ihre Figur nicht übermäßig plastisch macht. Interessanter wirkt da schon ihr Androiden-Kollege, den die Dämonen seines früheren Menschseins verfolgen. Schon vor Carlos‘ Tod kam es, nicht zuletzt wegen häuslicher Gewalt, zur Trennung von seiner Ehefrau, die ihm nun den Umgang mit der gemeinsamen Tochter verwehrt. Dieser Aspekt und andere relevante Themen, etwa die Auswüchse des Kapitalismus und Klassenunterschiede, greift die zum Ende hin spannungstechnisch merklich anziehende Erzählung ungezwungen auf, ohne die zentralen Fragen aus den Augen zu verlieren: Was macht uns Menschen aus? Haben Maschinen Gefühle, Sehnsüchte? Und wenn ja, warum sollten sie diesen nicht auch folgen dürfen? (programmkino.de)
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