Am 20.7. zeigt das Kinoptikum

Datum Home
Sa. 18:00
AMSEL IM BROMBEERSTRAUCH  OmU
Shashvi shashvi maq´vali – GE/CH 2022, 110 Min.
Regie: Elene Naveriani
mit Eka Chavleishvili, Temiko Chichinadze
Eine zärtliche, skurrile Tragikomödie vom „späten“ Glück
Trailer zu AMSEL IM BROMBEERSTRAUCH
Weiterlesen... Etero, eine 48-jährige Frau aus einer georgischen Provinzstadt, stürzt beim Brombeerpflücken lebensgefährlich von einem Felsvorsprung. Mit viel Glück kann sie sich retten. Nach dieser Nahtoderfahrung ist sie nicht mehr dieselbe und beginnt, ihr Leben infrage zu stellen. Sie ist die einzige alleinstehende Frau in ihrem Dorf. Eine Seltenheit, um die man sie nicht beneiden sollte.
So wird es ihr jedenfalls vermittelt. In der patriarchalen Ordnung der georgischen Provinz haben Frauen nur die Wahl zwischen einer frühen Heirat oder einem Leben in Einsamkeit. Eteros Auftreten ist distanziert und kühl. Wir lernen sie als Besitzerin einer kleinen Drogerie kennen, die sehr streng mit sich ist. Das äußert sich im Verhalten mit den Bewohner*innen des Dorfes oder mit Freund*innen aus der Nachbarschaft. Auch die familiären Beziehungen lassen zu wünschen übrig. Die Bilder der Verstorbenen an der Wand werden nur aufgehängt, wenn Besuch erwartet wird. Sie ist alleine, aber nicht einsam.
Nach dem beinahe tödlichen Sturz trifft Etero in ihrer Drogerie auf den Lieferanten Murman (Temiko Chichinadze). Ohne den sonstigen Abstand zu wahren, nähert sich die Frau dem freundlichen Mann. Sie lieben sich leidenschaftlich im Lagerraum und werden ein Paar, obwohl Murman verheiratet ist.
In Amsel im Brombeerstrauch dreht sich alles um die Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili. In den meisten Szenen wird nicht gesprochen. Das ist auch nicht nötig. Eteros Körper erzählt die Geschichte wie von selbst. Wir blicken in ihre Seele und kommunizieren in kleinen Momenten. Etero ist ruhelos und auf der Suche nach Abwechslung, die in der provinziellen Umgebung ihrer Heimat nicht leicht zu finden ist. Ihre gleichaltrigen Freundinnen verstehen sie nicht. Deshalb sucht sie den Kontakt zu jüngeren Frauen.
Ihre Interaktionen mit der jüngeren Generation, insbesondere mit der Tochter einer engen Freundin und einem jungen Paar aus der Großstadt, sind nicht nur Begegnungen zweier Generationen, sondern auch Spiegel ihrer eigenen Unruhe und Sehnsucht nach Neuorientierung. Amsel im Brombeerstrauch beleuchtet auf einfühlsame Weise das Bedürfnis älterer Frauen, sich in einer sich schnell verändernden Gesellschaft zurechtzufinden, und betont die Notwendigkeit, Brücken zwischen den Generationen zu bauen, um Verständnis und Gemeinschaft zu fördern.
In Georgien, einem Land, in dem die traditionellen Erwartungen an Frauen oft erdrückend und fest verankert sind, steht die Protagonistin Etero vor der großen Herausforderung, ihr individuelles Glück inmitten einer patriarchal dominierten Gesellschaft zu finden. Die Schriftstellerin Tamta Melaschwili und Filmregie- und -autorenperson Elene Naveriani geben einer Frau eine Stimme, die in herkömmlichen Erzählungen oft marginalisiert oder gar nicht erst gehört wird. Amsel im Brombeerstrauch verwebt geschickt die Frage, inwieweit sich Frauen über traditionelle Rollenbilder wie Mutterschaft und Ehe definieren lassen sollten, mit der kraftvollen Vorstellung, dass es möglich ist, abseits dieser Erwartungen ein unabhängiges, emanzipiertes Leben zu führen – und dabei tiefes Glück und Erfüllung zu empfinden. Und manchmal ist dieses Glück einfach nur ein Stück Kuchen. (kino-zeit.de)
Ausblenden

Sa. 20:30
JOAN BAEZ - I AM A NOISE  OmU
USA 2023, 113 Min.
Regie: Miri Navasky, Karen O´Connor, Maeve O´Boyle
mit Joan Baez, Bill Clinton, Hillary Clinton
Das allumfassende Portrait der legendären Ausnahmekünstlerin
Trailer zu JOAN BAEZ - I AM A NOISE
Weiterlesen... In „I am a Noise“ blickt die amerikanisch-mexikanische Aktivistin und Folk-Sängerin Joan Baez auf ihr ereignisreiches Leben und ihre seit 60 Jahren währende Karriere zurück. In Gesprächen öffnet sie sich und teilt ihre Ansichten, Anschauungen, aber auch ihre Erfahrungen mit jahrelangen gesundheitlichen Problemen. Außerdem können die Filmemacherinnen Miri Navasky, Karen O´Connor, Maeve O´Boyle aus einem reichen Fundus an Archivmaterial und Bildern schöpfen, die einem sowohl die Musikerin als auch den Menschen Joan Baez näherbringen.
Den Rahmen für „I am a Noise“ bilden Konzertszenen und Backstage-Aufnahmen während Baez‘ Abschiedstour „Fare Thee Well“. Sie führte die „Queen of Folk“ 2018/19 nochmals um die Welt. Zu Beginn, in der Mitte des Films und ganz zum Schluss zeigen die Filmemacherinnen in unaufgeregten Aufnahmen und aus abwechslungsreichen Perspektiven Baez auf der Bühne, auf der sie ihre Protestlieder und längst zu Klassikern avancierten Folk- und Pop-Songs präsentiert. Mal ist nur sie allein mit ihrer Akustikgitarre zu sehen und zu hören, mal wird sie von ihrer Band begleitet. Zu dieser zählt ihr Sohn, der Schlagzeuger und Perkussionist Gabriel Baez.
Ihre Familie spielt in „I am a Noise“ eine zentrale Rolle. Und auch die mit ihr verbundenen, schmerzhaften Erinnerungen, über die Baez ausgiebig und unverhohlen spricht. Etwa die komplizierten Beziehungen zu ihren Schwestern Mimi und Pauline. Neid, Eifersucht und Argwohn spielten eine große Rolle und überschatteten das Verhältnis der Schwestern, vor allem nach dem musikalischen Durchbruch von Joan Anfang der 60er-Jahre. „Ihre Berühmtheit hat mich erdrückt“, sagt Pauline an einer Stelle. Sie kommt in „I am a Noise“ ebenso zu Wort. Und Schwester Mimi, 2001 verstorben, gewährt in Form seltener Tonbandaufzeichnungen aus den 60er-Jahren Einblicke in ihr Innerstes.
Dass ebenfalls Baez‘ Vater zu Beginn Schwierigkeiten mit dem Ruhm der Tochter sowie der Tatsache hatte, dass sie mehr verdiente als er, berichten Joan und Pauline offen und einstimmig. Nicht zuletzt schrieb Baez vieles in ihren Tagebüchern nieder, aus denen wichtige Passagen und Auszüge im Film enthalten sind. Zudem zitiert die Doku aus Baez‘ Briefen, die sie u.a. von ihren frühen Konzertreisen an die Eltern schrieb.
Dadurch, dass Navasky, O´Connor und O´Boyle den Blick weiten und sich immer wieder auf wenig bekannte Seiten und Ereignisse im Privat- und Familienleben der Künstlerin fokussieren, kommt man Baez so nah wie nie. Und man erfährt so viel Privates und Intimes wie nie. Über Personen, prägende Geschehnisse und Krisen, über die Baez bislang selten oder noch gar nicht vor einer Kamera sprach. Dazu zählt ihre erste lesbische Liebesbeziehung im Alter von 19 Jahren und ihre, wie sie es nennt, „inneren Dämonen“.
Baez litt seit ihrer Jugend und über Jahrzehnte an starken Stimmungsschwankungen, Depressionen und einer schweren Panikstörung. Heute geht es ihr glücklicherweise besser. Doch aufgrund ihrer Probleme in intimen Beziehungen und weil Baez nur schwer Nähe zulassen konnte, gingen letztlich alle Partnerschaften in die Brüche. Darunter jene mit Freundin Kim Chappell, mit Journalist David Harris und mit Folk-Poet Bob Dylan.
In Archivaufnahmen, manche davon bislang unveröffentlicht, widmet sich „I am a Noise“ der romantischen wie auch beruflichen Verbindung mit Dylan. Zu sehen sind Backstage-Impressionen und mitreißende Szenen von Live-Auftritten jener Tage. Ebenso wird ihrer aktivistischen Arbeit ausreichend Platz eingeräumt. Die entsprechenden Momente und Sequenzen führen zurück in eine bewegende, revolutionäre Zeit der 60er- bis 80er-Jahre. Die Zeit der US-Bürgerrechtsbewegung („Civil Rights Movement“), der Vietnamkriegs-Proteste, aufsehenerregender Polit-Aktionen, des gewaltfreien Widerstands und Friedensaktivismus. (programmkino.de)
Ausblenden