Am 17.7. zeigt das Kinoptikum

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Mi. 19:00
AMSEL IM BROMBEERSTRAUCH  DF
Shashvi shashvi maq´vali – GE/CH 2022, 110 Min.
Regie: Elene Naveriani
mit Eka Chavleishvili, Temiko Chichinadze
Eine zärtliche, skurrile Tragikomödie vom „späten“ Glück
Trailer zu AMSEL IM BROMBEERSTRAUCH
Weiterlesen... Etero, eine 48-jährige Frau aus einer georgischen Provinzstadt, stürzt beim Brombeerpflücken lebensgefährlich von einem Felsvorsprung. Mit viel Glück kann sie sich retten. Nach dieser Nahtoderfahrung ist sie nicht mehr dieselbe und beginnt, ihr Leben infrage zu stellen. Sie ist die einzige alleinstehende Frau in ihrem Dorf. Eine Seltenheit, um die man sie nicht beneiden sollte.
So wird es ihr jedenfalls vermittelt. In der patriarchalen Ordnung der georgischen Provinz haben Frauen nur die Wahl zwischen einer frühen Heirat oder einem Leben in Einsamkeit. Eteros Auftreten ist distanziert und kühl. Wir lernen sie als Besitzerin einer kleinen Drogerie kennen, die sehr streng mit sich ist. Das äußert sich im Verhalten mit den Bewohner*innen des Dorfes oder mit Freund*innen aus der Nachbarschaft. Auch die familiären Beziehungen lassen zu wünschen übrig. Die Bilder der Verstorbenen an der Wand werden nur aufgehängt, wenn Besuch erwartet wird. Sie ist alleine, aber nicht einsam.
Nach dem beinahe tödlichen Sturz trifft Etero in ihrer Drogerie auf den Lieferanten Murman (Temiko Chichinadze). Ohne den sonstigen Abstand zu wahren, nähert sich die Frau dem freundlichen Mann. Sie lieben sich leidenschaftlich im Lagerraum und werden ein Paar, obwohl Murman verheiratet ist.
In Amsel im Brombeerstrauch dreht sich alles um die Hauptdarstellerin Eka Chavleishvili. In den meisten Szenen wird nicht gesprochen. Das ist auch nicht nötig. Eteros Körper erzählt die Geschichte wie von selbst. Wir blicken in ihre Seele und kommunizieren in kleinen Momenten. Etero ist ruhelos und auf der Suche nach Abwechslung, die in der provinziellen Umgebung ihrer Heimat nicht leicht zu finden ist. Ihre gleichaltrigen Freundinnen verstehen sie nicht. Deshalb sucht sie den Kontakt zu jüngeren Frauen.
Ihre Interaktionen mit der jüngeren Generation, insbesondere mit der Tochter einer engen Freundin und einem jungen Paar aus der Großstadt, sind nicht nur Begegnungen zweier Generationen, sondern auch Spiegel ihrer eigenen Unruhe und Sehnsucht nach Neuorientierung. Amsel im Brombeerstrauch beleuchtet auf einfühlsame Weise das Bedürfnis älterer Frauen, sich in einer sich schnell verändernden Gesellschaft zurechtzufinden, und betont die Notwendigkeit, Brücken zwischen den Generationen zu bauen, um Verständnis und Gemeinschaft zu fördern.
In Georgien, einem Land, in dem die traditionellen Erwartungen an Frauen oft erdrückend und fest verankert sind, steht die Protagonistin Etero vor der großen Herausforderung, ihr individuelles Glück inmitten einer patriarchal dominierten Gesellschaft zu finden. Die Schriftstellerin Tamta Melaschwili und Filmregie- und -autorenperson Elene Naveriani geben einer Frau eine Stimme, die in herkömmlichen Erzählungen oft marginalisiert oder gar nicht erst gehört wird. Amsel im Brombeerstrauch verwebt geschickt die Frage, inwieweit sich Frauen über traditionelle Rollenbilder wie Mutterschaft und Ehe definieren lassen sollten, mit der kraftvollen Vorstellung, dass es möglich ist, abseits dieser Erwartungen ein unabhängiges, emanzipiertes Leben zu führen – und dabei tiefes Glück und Erfüllung zu empfinden. Und manchmal ist dieses Glück einfach nur ein Stück Kuchen. (kino-zeit.de)
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