Am 23.6. zeigt das Kinoptikum

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So. 11:00
EVIL DOES NOT EXIST  DF
Aku wa sonzai shinai – JAP 2022, 106 Min.
Regie: Ryûsuke Hamaguchi
mit Hitoshi Omika, Ryo Nishikawa, Ryuji Kosaka
Ein kontemplatives Gesellschaftsdrama zu den Fragen der Zeit.
Trailer zu EVIL DOES NOT EXIST
Weiterlesen... Takumi (Hitoshi Omika) und seine Tochter Hana (Ryo Nishikawa) leben in einem kleinen Dorf namens Mizubiki, das nicht weit von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt liegt. Ihr Leben ist einfach und eng mit der Natur verbunden. Sie genießen die Kargheit und Abgeschiedenheit ihres Alltags. Doch diese Idylle scheint bald ein Ende zu nehmen. Ein Unternehmen aus Tokio plant, eine Luxus-Campinganlage in der Nähe zu errichten. Das entschleunigte Leben der Dorfbewohner hätte damit ein Ende. Die Fronten sind verhärtet. In einem Versuch, die Situation zu entschärfen, schickt das Unternehmen zwei Agenturmitarbeiter nach Mizubiki. Doch anstatt einer Lösung nahezukommen, führt dies zu weiteren Spannungen –mit tiefgreifenden Folgen für alle Beteiligten.
Umwelt gegen Ökonomie. Um diese Auseinandersetzung geht es in Hamaguchis Werk, das auf dem letztjährigen Filmfest von Venedig acht Minuten lang Standing Ovations erhielt. „Evil Does Not Exist“ ist eine feinfühlig erzählte, ökologische Reise zu dem, was die Menschen in Mizubiki im Innersten antreibt und was sie erfüllt: sie existieren selbstbestimmt und unabhängig. Sie leben von dem, was der Wald ihnen gibt und was auf natürliche Weise vorhanden ist.
Als Zuschauer beobachtet man Takumi beim Wasserholen (aus dem nahegelegenen Fluss), Holz hacken, bei den ausgiebigen Wanderungen und auf Hirschjagd. Oft ist seine interessierte Tochter Hana mit dabei, der Takumi viel über die Wälder, Tiere und Bäume lehrt. Gerade jene Szenen im Wald haben etwas zutiefst Meditatives und zählen zu den stimmungsvollsten des Films. Verantwortlich dafür sind neben den ungewöhnlichen Blickwinkeln und Kameraperspektiven noch zwei andere Aspekte. Zum einen die authentische Soundkulisse und Klanglandschaft, vom Fließen des Baches über die knackenden Äste bis hin zum Vogelgezwitscher.
Zum anderen die wunderschöne, anrührende Filmmusik, komponiert von der japanischen Künstlerin Eiko Ishibashi. Ihre Klänge unterstreichen viele Szenen, nicht nur jene im Wald. Und meist hat man das Gefühl, dass ihre Musik maßgeblich und stellvertretend für die Stimmung des gesamten Films ist. Zu jener Naturverbundenheit und dem bereits angesprochenen Realismus kommt aber etwas hinzu, das den Frieden stört. Den Frieden und das ruhige Leben der Dorfbewohner. Das Eintreffen der beiden Firmenvertreter in Mizubiki ebenso wie die „Glamping“-Pläne ihres Arbeitgebers, symbolisieren das Eindringen des Menschen in die Natur. Stehen die Dörfler exemplarisch für ein naturbewusstes Dasein und die Liebe zur Umwelt, so geben die Firmenvertreter dem Kapitalismus und Gewinnstreben ein Gesicht.
Doch „Evil Does Not Exist“ gewährt jeder Seite letztlich eine faire Chance, um für ihre Position einzustehen und Argumente darzulegen. Ryusuke Hamaguchi ergreift keine Partei, auch wenn sein Standpunkt subtil und unterschwellig oft durchscheint. Und egal ob Dorfbewohner oder Städter: Hamaguchi entlockt seinen Schauspielern durch den reduzierten Einsatz von Dialogen durchweg und unablässig gelungene, wahrhaftige Leistungen. (programmkino.de)
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So. 19:00
HARRAGA - DIE, DIE IHR LEBEN VERBRENNEN
Weltflüchtlingstag – D 2023, 86 Min.
Regie: Benjamin Rost
Ein aufrüttelndes Langzeitportrait von den Grenzen der Festung Europa
Trailer zu HARRAGA - DIE, DIE IHR LEBEN VERBRENNEN
Weiterlesen... Vorwort des Regisseurs:
Als Dokumentarfilmer will ich Ungerechtigkeiten aufzeigen. Ich möchte Brücken zwischen Welten bauen, wo vorher keine existierten.
Im Jahr 2017, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, als autoritäre Regime Zäune und Mauern um Europa bauten, beschloss ich, einen Film über Grenzen zu drehen. Ohne genau zu wissen, was ich filmen wollte, reisten mein Kameramann Jonas Schneider und ich auf eigene Kosten nach Ungarn, wo Orbán gerade einen Grenzzaun um sein Land errichtete, und dann nach Melilla, dem Ort auf dem afrikanischen Kontinent, wo der größte
Grenzzaun in Europa steht: 12 Meter hoch, elektrifiziert und auf beiden Seiten mit Waffen bewacht. Er umgibt die gesamte Stadt. So wenig Melilla in den Medien vertreten ist, aus filmischer und politischer Sicht steckt sie voller Kontraste. Tagsüber spanische Kleinstadt-Normalität: Moscheen und arabische Teeläden säumen die Straßen zwischen spanischer Kolonialarchitektur und Tapas-Bars. Aber wenn es dunkel wird, zeigt Melilla ein anderes Gesicht. An den Grenzen versuchen jede Nacht Dutzende von Kindern den Zaun zu stürmen. Sie werden von der Polizei und dem Militär verprügelt. Pushbacks sind traurige Routine. Deshalb ist Melilla für uns als Filmemacher zu einer tragischen filmischen Allegorie für Europasgescheiterten Asylpolitik Europas. Ein Freiluftgefängnis, das es wert ist, erforscht zu werden.
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