Am 14.6. zeigt das Kinoptikum

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Fr. 18:00
EVIL DOES NOT EXIST  DF
Aku wa sonzai shinai – JAP 2022, 106 Min.
Regie: Ryûsuke Hamaguchi
mit Hitoshi Omika, Ryo Nishikawa, Ryuji Kosaka
Ein kontemplatives Gesellschaftsdrama zu den Fragen der Zeit.
Trailer zu EVIL DOES NOT EXIST
Weiterlesen... Takumi (Hitoshi Omika) und seine Tochter Hana (Ryo Nishikawa) leben in einem kleinen Dorf namens Mizubiki, das nicht weit von der japanischen Hauptstadt Tokio entfernt liegt. Ihr Leben ist einfach und eng mit der Natur verbunden. Sie genießen die Kargheit und Abgeschiedenheit ihres Alltags. Doch diese Idylle scheint bald ein Ende zu nehmen. Ein Unternehmen aus Tokio plant, eine Luxus-Campinganlage in der Nähe zu errichten. Das entschleunigte Leben der Dorfbewohner hätte damit ein Ende. Die Fronten sind verhärtet. In einem Versuch, die Situation zu entschärfen, schickt das Unternehmen zwei Agenturmitarbeiter nach Mizubiki. Doch anstatt einer Lösung nahezukommen, führt dies zu weiteren Spannungen –mit tiefgreifenden Folgen für alle Beteiligten.
Umwelt gegen Ökonomie. Um diese Auseinandersetzung geht es in Hamaguchis Werk, das auf dem letztjährigen Filmfest von Venedig acht Minuten lang Standing Ovations erhielt. „Evil Does Not Exist“ ist eine feinfühlig erzählte, ökologische Reise zu dem, was die Menschen in Mizubiki im Innersten antreibt und was sie erfüllt: sie existieren selbstbestimmt und unabhängig. Sie leben von dem, was der Wald ihnen gibt und was auf natürliche Weise vorhanden ist.
Als Zuschauer beobachtet man Takumi beim Wasserholen (aus dem nahegelegenen Fluss), Holz hacken, bei den ausgiebigen Wanderungen und auf Hirschjagd. Oft ist seine interessierte Tochter Hana mit dabei, der Takumi viel über die Wälder, Tiere und Bäume lehrt. Gerade jene Szenen im Wald haben etwas zutiefst Meditatives und zählen zu den stimmungsvollsten des Films. Verantwortlich dafür sind neben den ungewöhnlichen Blickwinkeln und Kameraperspektiven noch zwei andere Aspekte. Zum einen die authentische Soundkulisse und Klanglandschaft, vom Fließen des Baches über die knackenden Äste bis hin zum Vogelgezwitscher.
Zum anderen die wunderschöne, anrührende Filmmusik, komponiert von der japanischen Künstlerin Eiko Ishibashi. Ihre Klänge unterstreichen viele Szenen, nicht nur jene im Wald. Und meist hat man das Gefühl, dass ihre Musik maßgeblich und stellvertretend für die Stimmung des gesamten Films ist. Zu jener Naturverbundenheit und dem bereits angesprochenen Realismus kommt aber etwas hinzu, das den Frieden stört. Den Frieden und das ruhige Leben der Dorfbewohner. Das Eintreffen der beiden Firmenvertreter in Mizubiki ebenso wie die „Glamping“-Pläne ihres Arbeitgebers, symbolisieren das Eindringen des Menschen in die Natur. Stehen die Dörfler exemplarisch für ein naturbewusstes Dasein und die Liebe zur Umwelt, so geben die Firmenvertreter dem Kapitalismus und Gewinnstreben ein Gesicht.
Doch „Evil Does Not Exist“ gewährt jeder Seite letztlich eine faire Chance, um für ihre Position einzustehen und Argumente darzulegen. Ryusuke Hamaguchi ergreift keine Partei, auch wenn sein Standpunkt subtil und unterschwellig oft durchscheint. Und egal ob Dorfbewohner oder Städter: Hamaguchi entlockt seinen Schauspielern durch den reduzierten Einsatz von Dialogen durchweg und unablässig gelungene, wahrhaftige Leistungen. (programmkino.de)
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Fr. 20:30
DREAM SCENARIO  OmU
Cinema Obscure – USA 2023, 104 Min.
Regie: Kristoffer Borgli
mit Nicolas Cage, Julianne Nicholson, Michael Cera
Faszinierende Traumdeutung mit einem Biedermann als Freddy Kruger
Trailer zu DREAM SCENARIO
Weiterlesen... Paul Matthews ist Professor, verheiratet, hat zwei Kinder und lebt ein unscheinbares Leben. Bis er hört, dass er in den Träumen anderer Menschen auftaucht. Er tut darin nichts, er steht nur herum und sieht zu, was passiert. Erst sind es nur wenige, dann Hunderte, Tausende und mehr. Die Medien werden auf das Phänomen aufmerksam. Paul genießt diese Aufmerksamkeit und hofft, sie nutzen zu können, um endlich einen Buchvertrag an Land zu ziehen. Aber die Situation wird hässlich, als die Träume sich verändern und der Traum-Paul weit aktiver im Traumgeschehen agiert …
Das Skript sollte vor ein paar Jahren von Ari Aster inszeniert werden. Der wollte Adam Sandler für die Hauptrolle. Autor Kristoffer Borgli wollte am liebsten selbst inszenieren, er musste sich aber erst mit dem Film „Sick of Myself“ beweisen. Dann zog Aster zu einem eigenen Stoff weiter und A24 vertraute ihm die Regie an. Borgli hatte aber einen anderen Wunschkandidaten für die Hauptrolle: Nicolas Cage. Der hat, wie er das praktisch immer tut, selbst die Frisur und das Aussehen der Figur gewählt. So langweilig und normal wie hier sah Nicolas Cage wohl noch nie aus.
Der Film hat eine faszinierende Prämisse. Er ist skurril, auch und insbesondere in Hinblick darauf, wie die Leute auf Paul reagieren, weil sie glauben. „Dream Scenario“ zieht sofort in den Bann. Weil sich nicht erahnen lässt, wie diese Geschichte ausgehen wird. Das ist im heutigen Kino selten und darum umso wertvoller. Borglis Film findet am Ende eine Art von Erklärung für das Geschehen, sie ist aber eigentlich auch nicht relevant.
Wichtiger ist, was diese Traum-Epidemie auslöst. Denn anfangs ist das alles nur eine skurrile, vielleicht amüsante Angelegenheit, dann wird alles dunkler und grimmiger, als die Träume beginnen, sich immer mehr zu verändern und der Traum-Paul nicht mehr nur passiver Beobachter, sondern aktiver Teil des Traums ist. Der Film ist clever darin zu zeigen, welche Auswirkungen das auf Paul hat. Denn seine Studenten wollen nicht mehr in seine Vorlesung. Er wird für sie zu einem Trigger, womit sich der Film auch die Frage erlaubt, ob wir nicht in einer Welt leben, in der gefühlt fast alles zum Trigger wird und ein Trauma auslöst. Damit einher geht ein Diskurs über Cancel-Culture, und das im absoluten Extrem, denn Paul ist der Leidtragende, kann aber natürlich nichts dafür, was passiert. Er ist nicht der Träumer, er ist nicht mal der Traum – er ist das, was andere aus ihm in ihren Träumen machen, und das transportieren sie in die Realität.
„Dream Scenario“ ist ein Mysterium, aber genau deswegen so gut. Er spielt mit einer aktuellen Thematik, aber überhöht durch ein Phänomen, das es nicht gibt. Das Ergebnis ist imposant und abermals der Beweis dafür, dass Nicolas Cage in den letzten Jahren ein besonders gutes Händchen für ungewöhnliche Stoffe gezeigt hat. Das macht ihn zu einem der spannendsten Schauspieler des letzten Jahrzehnts, weil er regelmäßig sich und den Zuschauer herausfordert. (programmkino.de)
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