Am 28.1. zeigt das Kinoptikum

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Sa. 15:30
MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI
KinderKino – CH/F 2015, 66 Min.
Regie: Claude Barras
Einfühlsames Trickfilm-Märchen aus dem Kinderheim (empfohlen ab 8 Jahren)
Trailer zu MEIN LEBEN ALS ZUCCHINI
Weiterlesen... Das Schicksal schlägt mit unerbittlicher Härte zu, als die Mutter des erst neunjährigen Zucchini plötzlich ums Leben kommt. Zum Glück gibt es den fürsorglichen Polizisten Raymond, der den kleinen Jungen ins Heim von Madam Papineau bringt, wo er in Zukunft mit anderen Kindern aufwachsen und seinen Platz in der Gesellschaft suchen kann. Doch der Anfang in seinem neuen Zuhause fällt Zucchini nicht leicht, schließlich haben auch die anderen Kinder wie zum Beispiel der freche Simon oder die schüchterne Alice schon viel erlebt. Eines Tages stößt die mutige Camille zu der Truppe – und auf einmal ist Zucchini zum ersten Mal in seinem Leben verliebt! Doch leider will ihre Tante Camille zu sich holen und die Gruppe auseinanderreißen. Ob Zucchini und seine Freunde das verhindern können? Ein schwieriges Thema, mit leichter Hand umgesetzt. Eine rundum gelungene und liebevoll animierte Stop-Motion-Romanadaption für die ganze Familie. Ausblenden

Sa. 18:00
CRIMES OF THE FUTURE  DF
Cinema Obscure – CDN/GB/GR 2022, 107 Min.
Regie: David Cronenberg
mit Viggo Mortensen, Lihi Kornowski, Léa Seydoux, Kristen Stewart
Beunruhigende Body-Horror Ballade von Altmeister Cronenberg - eine einschneidende Filmerfahrung mit hochkarätiger Starbesetzung
Trailer zu CRIMES OF THE FUTURE
Weiterlesen... Die Zukunft: Es gibt kaum noch Menschen, die Schmerz empfinden. Immer mehr von ihnen entwickeln neue Organe, deren Fähigkeiten unklar sind. So auch Saul Tenser (Viggo Mortensen), ein Performance-Künstler, der mit seiner Partnerin Caprice (Léa Seydoux) das Entfernen dieser Organe zur avantgardistischen Show gemacht hat. Damit erregt er die Aufmerksamkeit der Organ-Registrierungsbehörde und eine mysteriöse Untergrundorganisation beginnt auch, sich für ihn zu interessieren. Saul wird schließlich das Angebot für die Schockierendste aller Vorstellungen unterbreitet. Geht er darauf ein?
Dies ist das erste Drehbuch, das Cronenberg seit seinem Science-Fiction-Film „eXistenZ“ geschrieben hat. Es kehrt zu den Wurzeln seines Schaffens zurück, rückt den Körper als transformatives Mittel des Schreckens in den Mittelpunkt. Kurz: Dies ist Bodyhorror, wie ihn im Grunde nur David Cronenberg ersinnen kann. Während er noch das Motto „Körper ist Realität“ ausruft und mit „Chirurgie ist der neue Sex“ eine sexuelle Komponente einbaut, die mit dem Fetisch-Gedanken von „Crash“ korreliert, entwickelt er eine Geschichte, die anmutet wie die Kulmination seines Werks.
Denn Cronenbergs Schaffen kann man in zwei Phasen unterteilen. Der Bodyhorror der Jahre 1975 bis 1986 und die intimen Dramen der Jahre 1987 bis 2014. „Crimes of the Future“ vermengt beides nun auf eine Art, deren konzeptionelle Schönheit man bewundern muss. Aber die inhaltliche Schwere mach es dem Zuschauer nicht leicht. Cronenberg hat keinen Unterhaltungsfilm erschaffen – in keiner Definition des Wortes. Er befasst sich mit eigenen Obsessionen, mit abseitigen Ideen, mit der Frage danach, wie die menschliche Evolution voranschreiten kann. Und das macht er auf eine visuell ansprechende, inhaltlich jedoch langatmige Art. Es ist nicht leicht, bei „Crimes of the Future“ bei der Stange zu bleiben.
Effektiv sind es die Ideen, die das Interesse des Zuschauers halten, ebenso die filigranen Darstellungen aller Beteiligten, aber auch die Bilder, die man so noch nie gesehen hat (der „Stuhl“, auf dem Viggo Mortensens Figur isst). Das alles wird zu einer durchaus faszinierenden, aber nicht leicht goutierbaren Melange, die vor allem Fragen zurücklässt. Der Film ist auch so etwas wie ein Diskurs über Körper-Optimierung und -Verschönerung, aber auch über die Krankheiten, die ihn dahinraffen. In der Welt von „Crimes of the Future“ sind alle krank, und nur jemandem wie Saul Tenser ist es gelungen, die Rebellion seines eigenen Körpers zu kontrollieren, indem er ihn zu einem Werkzeug seiner Kunst macht. Vielleicht, nur vielleicht, funktioniert Cronenbergs Verstand ähnlich. Möglicherweise kann er die Bilder in seinem Kopf nur kontrollieren, indem er ihnen Form gibt. Und wie Saul Tenser lässt er den Zuschauer daran teilhaben.
(programmkino.de)
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Sa. 20:30
WAS DEIN HERZ DIR SAGT - ADIEU IHR IDIOTEN  frz. OmU
P-SeminarAdieu les Cons – F 2022, 87 Min.
Regie: Albert Dupontel
mit Virginie Efira, Albert Dupontel, Nicolas Marié
Eine bitterböse Groteske rund um ein ungleiches Trio auf turbulenter Mission - formidables cinéma und veritabler Kinohit in Frankreich.
Trailer zu WAS DEIN HERZ DIR SAGT - ADIEU IHR IDIOTEN
Weiterlesen... Zu viele Dauerwellen, zu viel Haarspray … Suzes Lungen sind kaputt von der Arbeit als Friseurin. Die Aussicht, nicht mehr viel Zeit zu haben, weckt in Suze das Bedürfnis, ihren Sohn wiederzufinden, den sie vor mittlerweile 28 Jahren zur Welt brachte und gleich nach der Geburt zur Adoption freigeben musste. Sie war erst 15, ein Mädchen mit Rastalocken, sehr fröhlich und sehr verliebt. Bevor sie stirbt, möchte Suze noch einmal ihren Sohn sehen. Theoretisch ist das natürlich kein Problem, wenn da nicht die Bürokratie wäre, die in Frankreich offenbar über ganz besonders hübsch wiehernde Amtsschimmel verfügt. Zufällig gerät sie dabei in das benachbarte Büro von JB, der als IT- und Sicherheitschef im Gesundheitsministerium in seiner Computerklause arbeitet, zufällig Wand an Wand mit dem Sachbearbeiter, den Suze anfleht, ihr möglichst schnell zu helfen, den Verbleib ihres Sohnes zu recherchieren.
Wie sich Suze und JB kennenlernen, soll hier ebenso ein Geheimnis bleiben wie die Geschichte ihrer Begegnung mit dem blinden Monsieur Blin, der eigentlich das Archiv im Gesundheitsministerium verwaltet, aber lieber mit anderen Menschen zusammen wäre, denen er helfen kann, als mit irgendwelchen alten, verstaubten Akten. Nur so viel: Das Schicksal oder der Zufall oder beides führt die drei zusammen, und auch wenn sie zwischendurch immer mal wieder getrennt werden: Die Drei können sich aufeinander verlassen, egal ob bei der Flucht vor der Polizei oder bei der Jagd nach Informationen über Suzes Sohn.
Was Albert Dupontel veranstaltet, um Suze und JB als Charaktere einzuführen, ist ganz großartig – sehr witzig und sehr intelligent. Die beiden sind sich nämlich in gewisser Weise ähnlich, auch wenn sie es nicht wissen und vielleicht nie erfahren werden. Beide haben einen Familiennamen, den sich offenbar keiner merken kann. Womöglich weil sie beide einfach nicht interessant genug für andere sind? Und beide neigen zu Übersprungshandlungen und zu Kurzschlussreaktionen: Suze rennt aus dem Sprechzimmer, bevor der Arzt ihr die endgültige Diagnose liefert, und JB läuft aus dem Büro seines Chefs, ehe der ihm sagen kann, ob er tatsächlich entlassen ist. Beide sind auf ihre Weise allein, nicht im Sinne eines einsamen Rufers in der Wildnis, sondern auf eine eher tragische Art. Suze hat einiges hinter sich, JB zu wenig. Jedenfalls haben diese beiden Menschen nie so richtig ihren Platz in der Welt gefunden. Aber was ist das überhaupt für eine Welt?
Albert Dupontel zeigt ein Land, das hoch technisiert und digital vernetzt ist – und unfähig, damit umzugehen. Dabei schreckt er vor praktisch nichts zurück, um zu demonstrieren, wie sehr der Irrsinn und die Verfehlungen einer herzlosen Gesellschaft, aufgebaut auf der Herrschaft der Bürokratie, bereits gediehen sind. Bis in den letzten Winkel werden sämtliche Menschen von Suchmaschinen, Datensammlungen und Kameras erfasst. Doch nichts funktioniert, wie es soll. Dieses Frankreich – Ähnlichkeiten mit anderen Ländern sind natürlich rein zufällig! – ist ebenso kalt wie obrigkeitshörig, angefüllt mit einsamen Menschen, die in der Anonymität des Alltags nur noch an sich selbst denken. Es scheint beinahe, als ob Suze und ihre beiden Gefährten die einzigen in einer Welt von Idioten und Ignoranten sind, die sich ihre Menschlichkeit bewahrt haben. Sie schliddern auf ihrem gemeinsamen Weg ins Unbekannte von einer absurden Situation in die nächste, was schiefgehen kann, geht dann auch verlässlich schief, und das ist alles zusammen ganz zauberhaft und dabei gelegentlich richtig fies, und die Handlung entwickelt sich so wunderbar komisch und gleichzeitig so traurig, so unwahrscheinlich und doch irgendwie glaubhaft, dass es nur so seine Bewandtnis hat. Alors!
(programmkino.de)
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