Am 25.11. zeigt das Kinoptikum

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Fr. 18:00
MEINE STUNDEN MIT LEO  OmU
Good Luck to You, Leo Grande – GB 2022, 97 Min.
Regie: Sophie Hyde
mit Emma Thompson, Daryl McCormack
Ein gleichsam amüsantes wie inspirierendes Kammerstück über Sex, Lügen und Einsamkeit. Prickelndes Feelgoodkino intimster Art!
Trailer zu MEINE STUNDEN MIT LEO
Weiterlesen... Ich hatte noch nie einen Orgasmus!“ - „Mit Ihrem Partner?“ - „Nein, überhaupt noch nie!“. So klingen die Gespräche zwischen der 55-jährigen Nancy Stokes (Emma Thompson) und dem attraktiven Escort Leo Grande (Daryl McCormack), den sie in ein Hotelzimmer bestellt hat. Der charmante Gigolo erweist sich als einfühlsamer Frauenversteher. Alle Bedenken der zögerlichen Kundin wischt er mit einem lässigen Lächeln souverän weg, verteilt gekonnt Komplimente und gewinnt rasant das Vertrauen der pensionierten Pädagogin. „Du wärst der zweite Mann, mit dem ich jemals Sex hatte“, gesteht sie schon nach wenigen Minuten mit unsicherer Stimme. „Wenn du etwas nehmen möchtest, ist es okay für mich. Ich meine, legale Sachen“, schiebt Nancy als Vorschlag hinterher. Leo weiß, welche Knöpfe er drücken muss bei derart zaghaften Kundinnen. Mit sanfter Stimme erzählt er, dass durchaus auch 82-jährige Damen zum zufriedenen Kundenkreis gehörten. Oder behinderte Frauen. Oder Männer mit sehr ausgefallenen Wünschen. Langsam, aber sicher taucht Nancy auf, erliegt dem eleganten Verführer immer mehr – bis ein Mars-Riegel die Idylle unerwartet unterbricht. Leo Grande beweist freilich in vielen Gebieten Größen. So kommt es schließlich zu einem Kuss. Der Vorhang fällt. Das nächste Kapitel beginnt.
Sichtlich auf den Geschmack gekommen, bestellt die Witwe den gutaussehenden Gigolo ein zweites Mal in das Hotel. Diesmal hat die Lehrerin eine ganze Liste aufgeschrieben, die abgehakt werden soll: „Oral Sex bei dir. Oral Sex bei mir. Wir machen 69, wenn man das noch so nennt.“ Leo reagiert gewohnt verständnisvoll. „Es ist ein Orgasmus. Kein Fabergé-Ei. Leute haben das jeden Tag.“, nimmt er Nancy lächelnd ihre Nervosität. Als der Strahlemann sein Hemd auszieht und den makellos trainierten Oberkörper präsentiert, löst der Anblick die nächste Krise aus. Sie habe sich schon immer für ihren Körper geschämt, klagt die Witwe. Abermals erweist sich der Gigolo als Gentleman mit smartem Rat. So kann zumindest der erste Punkt der Liste abgearbeitet werden. Erneut fällt der Vorhang. Die weiteren Begegnungen jedoch bieten unerwartete Wendungen. Die Karten werden neu gemischt. Ob es dennoch zu einem Happyend kommt? Nur so viel sei verraten: Am Ende steht die zweifache Oscar-Preisträgerin völlig nackt im Bild. Hat mit neuem Selbstbewusstsein ihren Körper schätzen und lieben gelernt. Welcher Hollywoodstar hätte ähnlichen Mut?
Selbstbewusst gibt sich die 62-jährige Schauspielerin ohnehin, da sind Falten eben Falten und graue Haare ohne Färbung. Die vor vier Jahren von der Queen zur Dame geadelte Künstlerin hat spürbar Spaß an dieser Tragikomödie über eine Heldin, die nach lebenslangem Dornröschenschlaf endlich wachgeküsst wird und das Leben und die Liebe zu sich selbst ganz neu entdeckt. Ein Zweipersonen-Stück beschränkt auf nur einen Raum, verlangt den Darstellern einiges an Können ab. Makellos gelingt der vielfach prämierten Emma Thompson mit kleinen Gesten das gekonnte Spiel zwischen Schüchternheit, Neugier und zögerlicher Leidenschaft. Ähnlich überzeugend präsentiert sich der 29-Jährige Daryl McCormack, dessen Leinwandpräsenz jede Kamera liebt. Auch er erreicht scheinbar mühelos mit kleinem Aufwand große Wirkung. Gibt den strahlenden Sieger ebenso glaubwürdig wie den nachdenklichen Zweifler. Die Chemie zwischen dem Duo stimmt erstklassig. Ob und wie Body-Doubles zum Einsatz kamen, ist zweitrangig. Da gibt es ganz andere Themen, die ein erstklassig unterhaltenes Publikum nach dem Kino bewegen dürften. (programmkino.de)
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Fr. 20:30
DER BESTE FILM ALLER ZEITEN  span. OmU
CinespañolCompetencia oficial – SP/ARG 2021, 114 Min.
Regie: Mariano Cohn, Gastón Duprat
mit Penélope Cruz, Antonio Banderas, Oscar Martínez
Im offiziellen Wettbewerb: Die erlesen komponierte und ausgesprochen vergnügliche Künstlerschau aus dem Fegefeuer der Eitelkeiten.
Trailer zu DER BESTE FILM ALLER ZEITEN
Weiterlesen... Der Multimillionär Humberto möchte nach 80 Jahren Leben etwas Bleibendes hinterlassen. Zuerst denkt er an eine Brücke, die nach ihm benannt werden könnte, dann aber einen Film. Und nicht nur irgendeinen Film. Den besten Film aller Zeiten. Ein preisgekrönter Roman wird gekauft und mit Lola Cuevos (Penelope Cruz) eine visionäre und vielfach ausgezeichnete Regisseurin verpflichtet. Die holt mit Felix (Antonio Banderas) und Ivan (Oscar Martinez) zwei der größten Schauspieler überhaupt zum Projekt – der eine ein Megastar, der andere ein von der Kritik gefeierter Schauspieltitan. Neun Tage des Probelesens sind angesetzt. Neun Tage, in denen das Leben die Kunst imitieren kann.
Es ist ein Kammerspiel, das die beiden Regisseure hier präsentieren. Eines, in dem es vordergründig um die Annäherung an die Figuren des zu drehenden Films geht, in dem aber vor allem die Egos zweier Schauspieler und einer auf ihrer Vision bestehenden Regisseurin aneinandergeraten. Es geht um die Frage danach, welch Vermächtnis man hinterlässt, aber auch um die Eitelkeit der schönen Künste.
Auf der einen Seite der Frauenschwarm und Megastar, der vom Publikum geliebt, aber von der Kritik verachtet wird, auf der anderen der Bühnenstar, der Schauspiel für die breite Masse widerlich findet. Beide geraten aneinander – in ihrem Habitus, in ihrer Arbeitsmoral, in ihrer bloßen Existenz. Denn unterschiedlicher könnten Felix und Ivan nicht sein. So wie die Brüder, die sie im Film spielen sollen.
Durch die Lesungen erfährt man mehr über die Geschichte des Films, den alle Beteiligten machen wollen. Erst ist es eher unmerklich, dann wird immer klarer, wie das echte Leben die fiktive Geschichte widerspiegelt, nicht, weil die Akteure Brüder wären, sondern weil sie Rivalen sind. Wie Felix und Ivan aufeinander reagieren, ist pure toxische Maskulinität, wie Lola sich ihnen gegenüber benimmt, das weibliche Pendant dazu.
Der Film ist großes Schauspielkino – die drei Hauptdarsteller treiben einander an. Ihr Spiel ist elektrisierend, die Kameraarbeit von Arnau Valls Colomer ist intensiv. Trotz begrenzter Locations entgeht er der Versuchung, die Bilder klaustrophobisch zu gestalten. Das Setdesign ist überhaupt packend, weil es mit dem simplen Minimalismus einer Theater-Inszenierung daherkommt. Das Augenmerk liegt auf den Schauspielern, auf den Dialogen, auf der Eskalation der Situation, die zu einem Ende führt, das man wirklich ungewöhnlich nennen könnte und auf einer Metaebene darüber philosophiert, wann ein Film wirklich zu Ende ist. (programmkino.de)
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