Das Kinoptikum zeigt am 12.7.

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So. 19:00
JOJO RABBIT  DF
Cinema Obscure – USA 2019, 108 Min., Regie: Taika Waititi
mit Roman Griffin Davis, Thomasin McKenzie, Sam Rockwell, Scarlett Johansson
Ergreifende Weltkriegssatire zwischen Klamauk und Taschentuch
Trailer zu JOJO RABBIT
Weiterlesen... Die berühmte Fox-Fanfare ist durch deutsches Liedgut ersetzt. Zum Vorspann (in Fraktur!) tönen die Beatles germanisch mit „Komm gib mir deine Hand“. Dazu gibt es NS-Propaganda aus alten Wochenschau-Aufnahmen mit frenetischen Massen und „Sieg Heil“-Rufen. Mit dieser grandios grotesken Ouvertüre im „Monty Python“-Stil beginnt der Neuseeländer Taika Waititi seine Hitler-Groteske. Er selbst gibt den Diktator als vertrottelten Clown, der als imaginärer Fantasie-Freund dem zehnjährigen Jojo Betzler (Roman Griffin) erscheint. Der Knirps ist fanatisch begeistert vom Führer und dem Nationalsozialismus. Euphorisch nimmt er am Ertüchtigungslager der Hitler-Jugend teil. Bei der Mutprobe, dem Töten eines Hasen, scheitert der Junge jedoch, was ihm unter Gespött den titelgebenden Spitznamen einbringt. Selbst der Unfall mit einer Handgranate, der sein Gesicht entstellt, bringt JoJo nur kurzfristig von seinem Fanatismus ab.
Erschüttert wird das Weltbild des Mini-Nazis erst, als er im trauten Heim das jüdische Mädchen Elsa (Thomasin McKenzie) entdeckt, welches seine Mutter Rosie (Scarlett Johansson) dort heimlich versteckt. Plötzlich stehen alle antisemitischen Vorurteile, die dem Jungen erfolgreich eingeimpft wurden, auf dem Prüfstand der Wirklichkeit. Weshalb sie denn keine Hörner auf dem Kopf habe, wie alle Juden, will der Junge wissen. Die würden erst mit 21 Jahren wachsen, bekommt er als lakonische Antwort. JoJo ist schwer beeindruckt – und auch ein bisschen verknallt in das fünf Jahre ältere Mädchen. Brenzlig wird die Lage, als plötzlich fünf Gestapo-Leute vor der Türe stehen. Derweil die Mutter wie vom Erdboden verschwunden scheint. Widerstandskämpfer auf dem Marktplatz am Galgen hängen. Und der Krieg immer näherkommt.
Über mangelnden Erfolg kann sich der Neuseeländer Taika Waititi, 44, kaum beklagen. Seit seinem Debüt „Eagle vs Shark“ vor zwölf Jahren ist er regelmäßiger Gast beim Sundance Festival. Sein smartes Sicherheitsvideo für „Air New Zealand“ im „Herr der Ringe“-Stil brachte es auf über 20 Millionen Klicks bei You Tube. Vor zwei Jahren wurde er für die Marvel-Verfilmung „Thor: Tag der Entscheidung“ angeheuert. Für seine Hitler-Satire schließlich bekam er beim Filmfestival Toronto den Publikumspreis – was durchaus Oscar-Effekte haben dürfte. So eindeutig wie das Votum der Zuschauer fällt jenes der Kritiker nicht aus. Darf man über Nazi-Terror lachen, fragen Bedenkenträger wie einst vor 20 Jahren bei „Das Leben ist schön“ von Roberto Benigni. Faschisten als vertrottelte Knallchargen würden der grausam perfiden Wirklichkeit kaum gerecht. Die Auseinandersetzung mit dieser Ideologie auf bloßem Cartoon-Niveau reiche bei weitem nicht aus, um zu begreifen, was den gewöhnlichen Faschismus und die Banalität des Bösen ausmachen.
Mit einem cleveren Schachzug nimmt Waititi solch berechtigten Vorwürfen den Wind aus den Segeln, indem er seine Groteske ganz allgemein und ohne ideologischen Ballast als bloße „Anti Hass-Satire“ präsentiert (und so auch plakatiert!). Das funktioniert erstaunlich gut, Einstein würde sich wohl wundern, wie einfach Vorteile doch zertrümmert werden können – wenn Ressentiment auf Wirklichkeit trifft!
 
Mit den Kinderdarstellern Roman Griffin Davis (der als junger Chaplin taugen könnte) und Thomasin McKenzie (die nicht nur optisch an Anne Frank erinnert) bietet die Satire eine überzeugende Besetzung. Über die Qualitäten von Scarlett Johansson als zerbrechlich resolute Mutter und Sam Rockwell als durchgeknallten Offizier, muss man gar nicht erst reden. Am visuellen Stil hätte Wes Anderson gewiss sein Vergnügen. Wer darüber staunt, dass ein Neuseeländer zum Abspann David Bowie seine „Heroes“ auf Deutsch singen lässt, wird noch mehr verwundert sein, dass eine Texttafel dazu Rilkes Stundenbuch zitiert: „Lass dir Alles geschehn: Schönheit und Schrecken. Man muss nur gehen: Kein Gefühl ist das fernste.“ (programmkino.de)
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