Das Kinoptikum zeigt am 1.3.

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So. 11:00
KLASSE DEUTSCH
MonatsDoku – D 2018, 89 Min., Regie: Florian Heinzen-Ziob
Eine erhellende Deutschstunde und Lektion fürs Leben - mit mündlicher Abfrage nach der Vorstellung am Sonntag
Trailer zu KLASSE DEUTSCH
Weiterlesen... Diese Kinder haben schon viel gesehen … manche zu viel. Sie sind noch nicht lange in Deutschland, und einige von ihnen müssen bald wieder gehen. Viele kamen wahrscheinlich als Geflüchtete, doch darum geht es nicht. Hier, in dieser Schule, in diesem Klassenraum geht es ums Lernen, konkret ums Deutschlernen. Das ist das einzige, was die Kinder gemeinsam haben und was sie trotz aller Unterschiede zusammenhält. Fünf Stunden Deutsch, jeden Tag, von Montag bis Freitag. Sie haben maximal zwei Jahre Zeit, um schriftlich und mündlich so gut Deutsch zu lernen, dass sie auf eine normale Regelschule wechseln können. Die Vorbereitungsklasse (VK) ist ihr erster intensiver Kontakt zu einer neuen Kultur und zu einer Sprache, die voller Tücken und Wunder ist. Ute Vecchio, ihre Lehrerin, ist ihre universelle Ansprechpartnerin in einem neuen Leben – sie repräsentiert ein ganzes Land, eine Sprache und eine Kultur. Das ist eine richtig schwierige und anspruchsvolle Aufgabe, doch Ute Vecchio ist genau die Richtige für diesen Job, den sie souverän und bravourös erfüllt. Mit viel Sensibilität, aber auch mit der notwendigen Strenge und in einer Mischung aus Humor und unerschöpflicher Geduld erklärt sie die Bedeutung von Wörtern, die Konjugation von Verben, die Funktionsweise eines Wörterbuchs und die Geheimnisse des Lesens. Sie ist eine absolute Motivationskünstlerin, nur selten braucht sie dazu den erhobenen Zeigefinger, meist schafft sie es, die Kids mit Ruhe und Sanftmut auf Spur zu bringen. Doch sie ist auch die erste und oft einzige Anlaufstelle, wenn es um persönliche Nöte geht. Sie beruhigt allzu ehrgeizige Kinder, sie tröstet und muntert auf, aber sie kann auch ziemlich energisch werden. Und zur Not greift sie zu Farbe und Pinsel und malert ganz allein den Klassenraum.
Wie überall gibt es auch hier Streber und Schlingel, Klassenclowns, Sensibelchen und Cliquen. Pranvera besiegt sogar Jungs beim Armdrücken, sie ist fleißig und macht gute Fortschritte, doch als ihre beste Freundin abgeschoben wird, steht sie plötzlich wieder alleine da. Schach ist ein charmanter Bengel, der sich nur zu gern ablenken lässt. Ferdi ist schon 15 und möchte gern Automechaniker werden. Aber wie kann er in vier Monaten den Lernstoff von vier Jahren nachholen? Kujtim müsste eigentlich Tag und Nacht pauken, aber er schwänzt lieber. Manche können vier Sprachen sprechen, haben aber nie Schreiben gelernt, andere haben in ihrer Heimat eine Eliteschule besucht und müssen in Deutschland ganz von vorne anfangen. Das fällt einigen ganz schön schwer, manche packen es gar nicht, und so schläft auch schon mal einer ein, wenn vorgelesen wird. Die Mädchen klucken zusammen, die Jungs klucken zusammen, es wird gekichert und gestritten, geweint, geächzt, gelitten, gehofft und viel gelacht. Da werden Erinnerungen wach an die Freuden und Leiden der Kindheit. Schule bleibt Schule, und einiges wird sich wohl niemals ändern. Aber dennoch ist hier vieles anders. Die Kinder kommen aus verschiedenen Ländern, es gibt keine gemeinsame Muttersprache, die oft mageren deutschen Sprachkenntnisse sind ihre einzige Verbindung. Fleißig sind sie (fast) alle, aber einigen fällt das Lernen schwer, anderen das Lesen, und da wird dann schon mal Albert Schweitzer zu Albert Schweinsteiger. Und manche können einfach nicht stillsitzen.
 
Der Filmemacher Florian Heinzen-Ziob schafft in schlichten Schwarz-Weiß-Bildern eine magische Atmosphäre, in der die Menschen im Fokus stehen. Ohne großes Brimborium entwirft er eine Geschichte vom Neuanfangen in Deutschland, die letztlich auch eine sehr differenzierte Sicht auf das Thema Flüchtlinge und Einwanderung bietet. Man wünscht sich beinahe, dass dieser Film zum Pflichtprogramm für rechtsgerichtete Kreise oder die Ewiggestrigen werden müsste, die bekanntlich meist die wenigsten persönlichen Erfahrungen mit den Menschen gemacht haben, die sie so gern vorschnell verurteilen. Florian Heinzen-Ziobs Blick auf die Farben des Lebens ist schärfer und intensiver als die bunte Wirklichkeit, das Klassenzimmer als beinahe ausschließlicher Schauplatz wird zum universellen Ort der Verhandlung über das Dasein. Das passiert ganz unprätentiös und mit hoher handwerklicher Präzision, mit Ruhe und Umsicht, ohne jeden Kommentar und ohne auffällige Kamerafahrten und -positionen, zumeist nimmt die Kamera die Beobachterrolle ein, wobei durch die Beschränkung die Wirkung verstärkt wird. Nur am Anfang und am Ende gibt es Musik – ein bisschen Bach: eine der Goldberg-Variationen als Piano-Solo. Lediglich zu Beginn und am Ende, als Ergänzung und Untermalung der Musik, sieht man andere Räume in der Schule. Sie wirken verwaist in ihrer Leere und Stille, wie abgespielte Theaterkulissen, man merkt: Hier fehlt was. Und das, was fehlt, sind die Kinder mit ihrem Lachen, ihrem Schreien und Geschnatter, mit ihren Wünschen, Hoffnungen, Fragen und Sorgen. Die Lehrerin Ute Vecchio hält sie alle zusammen, sie beantwortet alle Fragen, kümmert sich um die Sorgen und gibt Hoffnung. Sie verhandelt mit Müttern und Vätern, und sie beschützt ihre Schüler vor überehrgeizigen Eltern. Diese Frau ist ein Phänomen, wie so viele Lehrerinnen und Lehrer, die in ihrer Arbeit aufgehen, aber sich nicht darin verlieren. Für ihre Kinder ist sie jeden Tag fünf Stunden lang die wichtigste Bezugsperson und damit auch der Schlüssel zu einem unbekannten Land. Sie bringt Licht ins Dunkel der Sprache und ebenso in ein neues Leben, das für viele nicht nur ungewohnt und fremd ist, sondern auch voller Schwierigkeiten. Nur selten durchbricht sie die unsichtbare Schranke zwischen sich und der Kamera. Als Pranveras Freundin abgeschoben werden soll, sagt sie: „Da wird dir anders. Das sind die Falschen.“ In ihrer Unauffälligkeit und Bescheidenheit wird sie im Verlauf des Films immer wichtiger und größer, ihre Persönlichkeit strahlt stärker und stärker, bis sie schließlich, ähnlich wie für die Kinder, auch für das Publikum zur wichtigsten Bezugsperson wird, zur Integrationschefin und damit zur Repräsentantin eines ganzen Landes. Sie ist allen gegenüber respektvoll, gibt den Kurs vor, bleibt dabei humorvoll, wird auch mal laut, was gelegentlich sogar Wirkung zeigt. Einige ihrer Schützlinge werden aufs Gymnasium gehen, die meisten schaffen wohl den Realschulabschluss – ein paar Absolventen kommen zwischendurch zu Besuch, helfen den Jüngeren und beweisen als Vorbilder, dass man tatsächlich nicht für die Schule, sondern für das Leben lernt. Ute Vecchio weiß das und gibt es weiter. Am Ende räumt sie zusammen, die Schule ist leer, sie ist allein. Aber nicht lange. Morgen wird sie weitermachen. Gut so! (programmkino.de)
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So. 15:30
BEAN - DER ULTIMATIVE KATASTROPHENFILM
KinderKino – GB/USA 1997, 95 Min., Regie: Mel Smith
mit Rowan Atkinson, Peter MacNicol
Der Tollpatsch wütet im Museum (empf. ab 8 Jahren)
Trailer zu BEAN - DER ULTIMATIVE KATASTROPHENFILM
Weiterlesen... Der tollpatschige Mr. Bean arbeitet als Museumswärter in der Londoner Royal National Gallery und ist seinen Vorgesetzten ein Dorn im Auge. Doch weil er vom Museumsdirektor persönlich eingestellt wurde und dieser sehr viel von ihm hält, können sie ihn nicht einfach entlassen. Als eine Galerie in Los Angeles nach einem englischen Kurator sucht, wird Mr. Bean als vermeintlicher Kunstexperte nach Kalifornien geschickt. Ausgerechnet er wird damit beauftragt, das berühmteste aller amerikanischen Gemälde, Whistlers »Portrait of the Artist’s Mother« von Europa aus nach Kalifornien zu begleiten. Aber dort reiht sich ein Missgeschick an das nächste. Ausblenden

So. 18:00
JAM  OmU
JAP/D 2018, 102 Min., Regie: Sabu
mit Shô Aoyagi, Mariko Tsutsui, Keita Machida
Die Absurdität der menschlichen Existenz in einem furiosen Episodenreigen an den Rändern der (japanischen) Gesellschaft
Trailer zu JAM
Weiterlesen... Hiroshi (Sho Aoyagi) singt die schnulzigsten Schnulzen – und hat damit enormen Erfolg bei den Damen mittleren Alters. Nach einem kleinen Konzert für den Fanclub sitzt er verschwitzt am Bühnenrand für eine Gesprächsrunde mit seinen Anhängerinnen – er kennt sie, aber sie kennen ihn noch viel, viel besser, denken sie zumindest. Und sie sind ergriffen von seiner Präsenz, sie lobhudeln, er bedankt sich artig. Danach läuft er mit seinem Rollkoffer heim und wird dabei von einer der Damen angehalten. Sie schwärmt von ihm, er macht Komplimente, sie bietet Suppe an. Er läuft weiter. Torkelt. Schlurft. Stürzt. Sie hat ihn verfolgt, ist bei ihm, er deliriert, die Suppe war mit irgendwas versetzt. Dann hat sie ihn bei sich zuhause auf einem Stuhl gefesselt, weil sie ihn ja so gut kennt, dass ein gemeinsam komponiertes Lied, nur für sie, der Höhepunkt des Auftritts in der Stadthalle am nächsten Tag sein soll.
Der Fan, der sein Idol kidnappt: Eine der drei Stories, die SABU in Jam erzählt; einer von drei Erzählsträngen, die zunächst leicht, dann immer mehr ineinander verdreht werden. Drei Erzählstränge, die es SABU ermöglichen, seine Stärken auszuspielen: Das Timing, die Dynamik der Inszenierung; und das Spiel mit den Genres, die Übergänge von einem zum anderen, das durchmischte Miteinander von Standards, die man schon gesehen hat und nun neu kennenlernt.
Da ist neben dem Fan-Psychothriller die Yakuza-Action: Tetsuo (Nobuyuki Suzuki), schlaksig und schweigsam, kommt aus dem Knast. Sucht einen alten Kumpel auf. Zieht aus der hinteren Jeanstasche einen Hammer und benutzt ihn – das Ganze in ein paar Einstellungen, schnell und lakonisch, und zack sind wir im Hinterzimmer, wo die Bande Geld zählt, den nächsten Beutezug ausbaldowert – und bam!, landet der Hammer auf einer Hand. Und ein Kampf entbrennt, Tetsuo gegen zehn, und er hat nichts zu verlieren und er hat nur das Ziel zu verletzen und zu töten und ihm ist alles egal – und deshalb gewinnt er und geht heim. Zu seiner dementen Oma, die er im quietschenden Rollstuhl durch die Stadt schiebt.
Im Bildhintergrund sieht man dabei wie Hiroshi zusammenbricht, wie sein kidnappender Wahnsinnsfan sich um ihm kümmert und: Takeru (Keita Machida). Der fährt in ‚ner Luxuslimo rum auf der Suche nach guten Taten. Denn, so bekommen wir alsbald mit: Seine Freundin liegt im Koma. Im Krankenzimmer hat er einen Kalender, er trägt ein, wenn er etwas Gutes getan hat. Er weiß, ganz bestimmt und vollkommen sicher: Noch drei gute Taten, und sie wird erwachen. Das ist die dritte Geschichte, die über den von Gott zur Güte Berufenen.
Und irgendwann erkennen wir in einer Rückblende, wie es dazu kam, dass die Freundin in der Klinik liegt. Und irgendwann ist auch klar, wo das alles hinführen wird. Die Dramaturgie ist hochinteressant – nämlich nicht einfach drei Handlungen, die aufeinander zulaufen und im Filmfinale aufeinanderstoßen. Sondern: Am Anfang verzweigt sich ein Strang, der dann parallel verläuft; und zugleich stößt ein Strang dazu zur späteren Vereinigung – eine Dynamik der Erzählungen, die die Dynamik des Filmrhythmus bestimmt. Eine Dramaturgie, die die Spannung hochhält, ohne künstlich aufgeblasen zu wirken.
Über allem – zwischen Entführung, Rache und Drama – liegt ein Humor des Erzählens, schwarz, lakonisch, fast fatalistisch: Die Protagonisten sind in ihr Schicksal geworfen, und zugleich nicht hilflos ausgeliefert, sondern mit der Möglichkeit, sich zu entscheiden. Tetsuo kämpft. Immer wieder, und da greift SABU tief in die Coolness-Kiste: Die Gangster fighten auf der Straße, die Oma im Rollstuhl steht dabei. Die Gangster fighten auf einer Brücke, die Oma rollt fast weg. Die Gangster fighten im Stadtpark, am Ententeich, in der Nacht… Tetsuo wird angeschossen, bekommt ein Messer in den Rücken, aber er bleibt aufrecht, seine Gegner dezimiert er mit Hammer und Entschlossenheit. Und die Oma steht dabei.
Eine höhere Macht hat Takeru eingeflüstert, Gutes zu tun. Und er tut es. Das Gute wird zu ihm zurückkehren, wird ihn einholen, wird alles wieder richten. Er handelt, das ist naiv, aber auch anrührend, und es bringt ihn ungeahnt zurück zum Ursprung seines Traumas. Karma-Konfrontationstherapie, sozusagen.
Hiroshi dagegen, in der Gewalt der fanatischen Anhängerin, ist zur Reglosigkeit verdammt. Doch auch er hat die Möglichkeit, sich zu wehren. Weil er, als Showkünstler, dann doch die Fäden in der Hand hat gegenüber seinen Fans, die eben doch lediglich von ihm abhängig sind.
Zuvor war SABUs Mr. Long in den hiesigen Kinos: Die Story eines Auftragskillers, der untertauchen muss und als Koch Zugang findet ins soziale Netz der Vorstadt. Nun geht er von der anderen Seite ran: Die Protagonisten entschließen sich, angesichts ihres Loses zu handeln. Und das tun sie nicht einfach so, sondern – und das ist ein Drittes, was SABU meisterlich schafft: Sie tun es in Bildern, die gewaltig sind – etwa: wie eine Frau durch eine Windschutzscheibe auf die Kamera zufliegt, in Zeitlupe –; so dass der Look der Inszenierung und die drei Handlungen miteinander verschmolzen zu etwas Erhöhtem werden. (kino-zeit.de)
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