Das Kinoptikum zeigt am 29.2.

Datum Home
Sa. 15:30
DER KLEINE RABE SOCKE - Suche nach dem verlorenen Schatz
KinderKino – D 2019, 73 Min., Regie: Verena Fels, Sandor Jesse
Auf der Suche nach dem verlorenen Schatz (empf. ab 6 Jahren)
Trailer zu DER KLEINE RABE SOCKE - Suche nach dem verlorenen Schatz
Weiterlesen... Dem kleinen Raben Socke ist mal wieder ein Missgeschick passiert. Diese Mal hat er das Waldfest ruiniert. Frau Dachs lässt ihn zur Strafe den ganzen Dachboden aufräumen. Dabei entdeckt er eine Schatzkiste von Opa Dachs, der seit Jahren verschollen ist. Wer den gut versteckten Schatz findet und alle Rätsel auf dem Weg dorthin löst, soll König des Waldes werden. Das lässt sich Rabe Socke nicht zweimal sagen, also bricht er mit seinen Freunden Eddi-Bär, dem kleinen Dachs und Bibermädchen Fritzi auf und folgt der Karte in den Wald. Schon bald bekommt die Abenteurer-Gruppe Konkurrenz: Die Biberjungs Henry und Arthur haben die Verfolgung aufgenommen. Als sich ihnen die Gelegenheit bietet, schnappen sie sich den kleinen Dachs und entführen ihn. Socke muss sich nun entscheiden - soll er dem kleinen Dachs zur Hilfe eilen oder die Situation nutzen um als erster den Schatz zu finden und König des Waldes zu werden? Ausblenden

Sa. 18:30
THE PEANUT BUTTER FALCON
USA 2019, 97 Min., Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz
mit Shia LaBeouf, Zack Gottsagen, Dakota Johnson, Bruce Dern
Eine außergewöhnliche, warmherzige Buddy-Komödie auf den Pfaden Mark Twains
Trailer zu THE PEANUT BUTTER FALCON
Weiterlesen... „Wie lautet die erste Regel?“ - „Party!“. Das hatte sich Tyler (Shia LaBoeuf) etwas anders gedacht. Als erste Regel schärfte er seinem neuen Kumpel ein: „Sei mir kein Klotz am Bein!“, schließlich sind ihm zwei wütende Fischer auf den Fersen, deren Lager er aus Rache abgefackelt hat. Zak (Zack Gottsagen), ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom, lässt sich von seltsamen Regeln freilich kaum beeindrucken, er lebt gern in seiner eigenen Welt. Dort steht seine Geburtstagsparty ganz oben. Dicht gefolgt vom Traum, ein Profi-Wrestler zu werden, so wie sein großes Vorbild „The Salt Water Redneck“, dessen Kämpfe er allesamt aus Videos kennt. Einmal Held sein, das wäre für Zak eine neue Erfahrung. Seine Familie hat das behinderte Kind früh abgeschoben. Die Behörden verwahren ihn in einem Altersheim mit vergitterten Fenstern, Pfleger nennen ihn Vollidiot. Allein Betreuerin Eleanor (Dakota Johnson) zeigt Einfühlungsvermögen. Opa Carl (Bruce Dern) kann das Leid seines jungen Zimmergenossen nicht länger ansehen und verhilft ihm zur Flucht. Lediglich mit einer großen, weißen Unterhose bekleidet, macht Zak sich in der Nacht davon.
 
Ein spontanes Versteck findet der Ausreißer im Boot von Fischer Tyler. Der ahnt nichts vom blinden Passagier als er hektisch Vollgas gibt, um zwei rabiaten Konkurrenten zu entkommen. Die Flucht gelingt, doch nun sieht sich Tyler mit einem jungen Begleiter konfrontiert, der nicht von seiner Seite weichen will. Widerwillig lässt der Fischer ihn gewähren - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Mit einem selbstgebauten Floß setzt das ungleiche Duo seine Reise fort. Zak lernt nicht nur schwimmen, sondern erstmals im Leben auch ein ganz neues Selbstwertgefühl. Sogar der Traum vom Wrestling-Kampf rückt näher, als sein großes Idol dem Fan ein paar Unterrichtseinheiten erteilt. Unter dem titelgebenden Namen und mit einem fantasievollen „PBF“-Kostüm steigt Zak in den Ring. Sein Gegner erweist sich jedoch gnadenloser als erwartet. Auch auf Tyler wartet eine böse Überraschung.  
 
Von „Unser Walter“ über „Am achten Tag“ bis zu „Glee“ standen Darsteller mit Down Syndrom mehrfach erfolgreich vor der Kamera. Zack Gottsagen setzt diese Tradition erfolgreich fort. Und lässt mit seinem unbekümmerten, gleichwohl ernsthaften Spiel seinen Partner Shia LaBeouf zu Hochform auslaufen. Der „Transformers“-Star hat nicht erst seit „Nymphomanic“ und „American Honey“ gezeigt, dass er mehr kann als Popcorn-Kino.
 
Dem Regie- und Autoren Duo Tyler Nilson und Michael Schwartz gelingt mit seinem Kinodebüt ein veritabler Coup. Sie erzählen ihre warmherzige Tragikomödie ohne überflüssige Kitsch-Kalorien, dafür mit viel Empathie für ihre Figuren. Die emotionalen Momente gelingen plausibel, etwa wenn der 22-Jährige von den schlechten Erfahrungen und Diskriminierungen in seinem Leben erzählt. Oder wenn die idealistische Betreuerin vom Vorgesetzten erfährt, dass ihr Schützling fortan in einem Heim für Junkies fluchtsicher verwahrt werden soll. Fast minimalistisch wird mir kurzen Rückblenden das Trauma von Tyler skizziert. Ähnlich effizient fällt das flotte Finale aus. Visuell überzeugt das Buddy-Abenteuer durch oft poetische Bilder. Ob bei ruhigen Floßfahrten oder lautem Getöse, mit dem die Wrestling-Figur dank Erdnuss-Butter am Lagerfeuer kreiert wird. Komische Einlagen sorgen regelmäßig für die nötige Auflockerung. Der erste Schießversuch von Zak hat ähnliche Slapstick-Qualitäten wie dessen Flucht durch ein enges Fenstergitter. Die grandiose Antwort eines Blinden auf die Frage, ob er die Person auf dem Suchbild schon einmal gesehen hätte, bietet gleichfalls bestes Pointen-Gold.  
 
Das bewegende Buddy-Abenteuer erweist sich als amüsantes Feelgood-Movie, das stets die richtigen Töne trifft. Eine schöne Bescherung, nicht nur zu Weihnachten. Wie Zak sagen würde: „Party!“. (programmkino.de)
Ausblenden

Sa. 21:00
JAM  OmU
JAP/D 2018, 102 Min., Regie: Sabu
mit Shô Aoyagi, Mariko Tsutsui, Keita Machida
Die Absurdität der menschlichen Existenz in einem furiosen Episodenreigen an den Rändern der (japanischen) Gesellschaft
Trailer zu JAM
Weiterlesen... Hiroshi (Sho Aoyagi) singt die schnulzigsten Schnulzen – und hat damit enormen Erfolg bei den Damen mittleren Alters. Nach einem kleinen Konzert für den Fanclub sitzt er verschwitzt am Bühnenrand für eine Gesprächsrunde mit seinen Anhängerinnen – er kennt sie, aber sie kennen ihn noch viel, viel besser, denken sie zumindest. Und sie sind ergriffen von seiner Präsenz, sie lobhudeln, er bedankt sich artig. Danach läuft er mit seinem Rollkoffer heim und wird dabei von einer der Damen angehalten. Sie schwärmt von ihm, er macht Komplimente, sie bietet Suppe an. Er läuft weiter. Torkelt. Schlurft. Stürzt. Sie hat ihn verfolgt, ist bei ihm, er deliriert, die Suppe war mit irgendwas versetzt. Dann hat sie ihn bei sich zuhause auf einem Stuhl gefesselt, weil sie ihn ja so gut kennt, dass ein gemeinsam komponiertes Lied, nur für sie, der Höhepunkt des Auftritts in der Stadthalle am nächsten Tag sein soll.
Der Fan, der sein Idol kidnappt: Eine der drei Stories, die SABU in Jam erzählt; einer von drei Erzählsträngen, die zunächst leicht, dann immer mehr ineinander verdreht werden. Drei Erzählstränge, die es SABU ermöglichen, seine Stärken auszuspielen: Das Timing, die Dynamik der Inszenierung; und das Spiel mit den Genres, die Übergänge von einem zum anderen, das durchmischte Miteinander von Standards, die man schon gesehen hat und nun neu kennenlernt.
Da ist neben dem Fan-Psychothriller die Yakuza-Action: Tetsuo (Nobuyuki Suzuki), schlaksig und schweigsam, kommt aus dem Knast. Sucht einen alten Kumpel auf. Zieht aus der hinteren Jeanstasche einen Hammer und benutzt ihn – das Ganze in ein paar Einstellungen, schnell und lakonisch, und zack sind wir im Hinterzimmer, wo die Bande Geld zählt, den nächsten Beutezug ausbaldowert – und bam!, landet der Hammer auf einer Hand. Und ein Kampf entbrennt, Tetsuo gegen zehn, und er hat nichts zu verlieren und er hat nur das Ziel zu verletzen und zu töten und ihm ist alles egal – und deshalb gewinnt er und geht heim. Zu seiner dementen Oma, die er im quietschenden Rollstuhl durch die Stadt schiebt.
Im Bildhintergrund sieht man dabei wie Hiroshi zusammenbricht, wie sein kidnappender Wahnsinnsfan sich um ihm kümmert und: Takeru (Keita Machida). Der fährt in ‚ner Luxuslimo rum auf der Suche nach guten Taten. Denn, so bekommen wir alsbald mit: Seine Freundin liegt im Koma. Im Krankenzimmer hat er einen Kalender, er trägt ein, wenn er etwas Gutes getan hat. Er weiß, ganz bestimmt und vollkommen sicher: Noch drei gute Taten, und sie wird erwachen. Das ist die dritte Geschichte, die über den von Gott zur Güte Berufenen.
Und irgendwann erkennen wir in einer Rückblende, wie es dazu kam, dass die Freundin in der Klinik liegt. Und irgendwann ist auch klar, wo das alles hinführen wird. Die Dramaturgie ist hochinteressant – nämlich nicht einfach drei Handlungen, die aufeinander zulaufen und im Filmfinale aufeinanderstoßen. Sondern: Am Anfang verzweigt sich ein Strang, der dann parallel verläuft; und zugleich stößt ein Strang dazu zur späteren Vereinigung – eine Dynamik der Erzählungen, die die Dynamik des Filmrhythmus bestimmt. Eine Dramaturgie, die die Spannung hochhält, ohne künstlich aufgeblasen zu wirken.
Über allem – zwischen Entführung, Rache und Drama – liegt ein Humor des Erzählens, schwarz, lakonisch, fast fatalistisch: Die Protagonisten sind in ihr Schicksal geworfen, und zugleich nicht hilflos ausgeliefert, sondern mit der Möglichkeit, sich zu entscheiden. Tetsuo kämpft. Immer wieder, und da greift SABU tief in die Coolness-Kiste: Die Gangster fighten auf der Straße, die Oma im Rollstuhl steht dabei. Die Gangster fighten auf einer Brücke, die Oma rollt fast weg. Die Gangster fighten im Stadtpark, am Ententeich, in der Nacht… Tetsuo wird angeschossen, bekommt ein Messer in den Rücken, aber er bleibt aufrecht, seine Gegner dezimiert er mit Hammer und Entschlossenheit. Und die Oma steht dabei.
Eine höhere Macht hat Takeru eingeflüstert, Gutes zu tun. Und er tut es. Das Gute wird zu ihm zurückkehren, wird ihn einholen, wird alles wieder richten. Er handelt, das ist naiv, aber auch anrührend, und es bringt ihn ungeahnt zurück zum Ursprung seines Traumas. Karma-Konfrontationstherapie, sozusagen.
Hiroshi dagegen, in der Gewalt der fanatischen Anhängerin, ist zur Reglosigkeit verdammt. Doch auch er hat die Möglichkeit, sich zu wehren. Weil er, als Showkünstler, dann doch die Fäden in der Hand hat gegenüber seinen Fans, die eben doch lediglich von ihm abhängig sind.
Zuvor war SABUs Mr. Long in den hiesigen Kinos: Die Story eines Auftragskillers, der untertauchen muss und als Koch Zugang findet ins soziale Netz der Vorstadt. Nun geht er von der anderen Seite ran: Die Protagonisten entschließen sich, angesichts ihres Loses zu handeln. Und das tun sie nicht einfach so, sondern – und das ist ein Drittes, was SABU meisterlich schafft: Sie tun es in Bildern, die gewaltig sind – etwa: wie eine Frau durch eine Windschutzscheibe auf die Kamera zufliegt, in Zeitlupe –; so dass der Look der Inszenierung und die drei Handlungen miteinander verschmolzen zu etwas Erhöhtem werden. (kino-zeit.de)
Ausblenden