Das Kinoptikum zeigt am 26.2.

Datum Home
Mi. 18:30
DIE GLITZERNDEN GARNELEN  frz. OmU
Queer-StreifenLes crevettes pailletées – F 2019, 100 Min., Regie: Maxime Govare, Cédric Le Gallo
mit Nicolas Gob, Alban Lenoir, David Baiot
Von der Kollision zweier grundverschiedener Welten in flatternden Gewändern
Trailer zu DIE GLITZERNDEN GARNELEN
Weiterlesen... Matthias Le Goff (Nicolas Gob) ist Profischwimmer und konnte im Laufe seiner Karriere Weltmeistertitel und Olympiasiege erringen. Nun befindet er sich auf dem absteigenden Ast. In einem Fernsehinterview legt er sich mit einem Reporter an und nennt diesen eine „Schwuchtel“. Das Video geht viral und zieht einen Shitstorm nach sich, weswegen der Verband prompt reagiert und den in Verruf geratenen Ex-Champ dazu verurteilt, fortan das homosexuelle Amateur-Wasserballteam „Die glitzernden Garnelen“ zu trainieren und für die anstehenden Gay Games in Kroatien vorzubereiten.
 
Als das Team und sein neuer Trainer sich dann kennen lernen, ist das jedenfalls keine Liebe auf den ersten Blick. Natürlich haben alle Mitglieder das Video gesehen und wollen nicht unter die Fuchtel des vermeintlichen Homo-Hassers. Dem wiederum ist deren Sexualität im Grunde egal, er ist einfach nur stinksauer, dass das eigene Training flachfällt und seine Karriere am absoluten Tiefpunkt angelangt ist. Was ihn außerdem noch weit mehr stört als die Attitüden der fröhlich-tuntigen Garnelen, ist deren totale sportliche Unfähigkeit.
 
Doch die Kollision zweier grundverschiedener Welten erweist sich - wie so oft - als profitabel für beide Seiten. Man verrät nicht zu viel, wenn man vorwegnimmt, dass die aversiven Gefühle bald dahin schmelzen, je näher sich Trainer und Team schließlich kommen und voneinander lernen dürfen. So flößt Matthias den Schwimmern peu à peu Disziplin ein, die aufgedrehten Garnelen ihm wiederum etwas mehr Umsicht gegenüber seinen Mitmenschen. Nach einigen Startkomplikationen und einem Turnier gegen das „Kampflesben“-Schwimmerteam, darf es dann auch in einem frivolen blauen Bus auf nach Kroatien gehen. Doch wie zu erwarten verläuft auch die Reise nicht ohne Turbulenzen und Hindernisse, zumal die Jungs sich als sehr ablenkbar durch Party und flotte Typen erweisen…
 
Das Regieduo Maxime Govare und Cédric Le Gallo vollbringt das schwierige Kunststück, in den knapp hundert Minuten Laufzeit jeder Figur Entfaltungsraum zu geben und die diversen Handlungsnebenstränge immer wieder gekonnt zusammenzuführen. „Die glitzernden Garnelen“ ist ein runder Spaß, der vordergründig zwar ganz Komödie ist, aber zwischendurch auch sehr elegant Brücken von der Komik zur Tragik schlägt. So hat jeder Charakter seine Spleens, schwierigen Facetten, inneren oder äußeren Konflikte, die mit Gefühl für Timing und Sinn für Details zum Ausdruck gebracht werden. Der eine muss seine etwas vernachlässigte Familie im Zeitplan unterbringen, der andere Liebeskummer bewältigen und Trainer Matthias kommt seiner entfremdeten Tochter auch endlich wieder etwas näher.
 
Dank der gut aufgelegten Darstellerriege, die bei jedem Tanz, jedem Turnier oder Lip Sync absolute Freude versprüht, gewinnt der Film die seltene Qualität, dass man als Zuschauer vom Geschehen auf der Leinwand regelrecht angesteckt wird. Frei nach dem Motto „Dabeisein ist alles“ wird hier eine Geschichte über Freundschaft und Solidarität erzählt, die durch eine dynamische Inszenierung, charismatische Darsteller und originellem, pointierten Humor zeigt, wie man das Maximum an Qualität aus einem Plot kitzelt, der in seinen Grundzügen nicht neu ist. Neben der offenkundigen Diversitäts- und Toleranzbotschaft beleben die glitzernden Garnelen schlussendlich auch noch Bonnie Tylers Ohrwurm „Holding out for a Hero“ in einer krönenden Performance wieder: fierce! (programmkino.de)
Ausblenden

Mi. 21:00
THE PEANUT BUTTER FALCON
USA 2019, 97 Min., Regie: Tyler Nilson, Michael Schwartz
mit Shia LaBeouf, Zack Gottsagen, Dakota Johnson, Bruce Dern
Eine außergewöhnliche, warmherzige Buddy-Komödie auf den Pfaden Mark Twains
Trailer zu THE PEANUT BUTTER FALCON
Weiterlesen... „Wie lautet die erste Regel?“ - „Party!“. Das hatte sich Tyler (Shia LaBoeuf) etwas anders gedacht. Als erste Regel schärfte er seinem neuen Kumpel ein: „Sei mir kein Klotz am Bein!“, schließlich sind ihm zwei wütende Fischer auf den Fersen, deren Lager er aus Rache abgefackelt hat. Zak (Zack Gottsagen), ein 22-Jähriger mit Down-Syndrom, lässt sich von seltsamen Regeln freilich kaum beeindrucken, er lebt gern in seiner eigenen Welt. Dort steht seine Geburtstagsparty ganz oben. Dicht gefolgt vom Traum, ein Profi-Wrestler zu werden, so wie sein großes Vorbild „The Salt Water Redneck“, dessen Kämpfe er allesamt aus Videos kennt. Einmal Held sein, das wäre für Zak eine neue Erfahrung. Seine Familie hat das behinderte Kind früh abgeschoben. Die Behörden verwahren ihn in einem Altersheim mit vergitterten Fenstern, Pfleger nennen ihn Vollidiot. Allein Betreuerin Eleanor (Dakota Johnson) zeigt Einfühlungsvermögen. Opa Carl (Bruce Dern) kann das Leid seines jungen Zimmergenossen nicht länger ansehen und verhilft ihm zur Flucht. Lediglich mit einer großen, weißen Unterhose bekleidet, macht Zak sich in der Nacht davon.
 
Ein spontanes Versteck findet der Ausreißer im Boot von Fischer Tyler. Der ahnt nichts vom blinden Passagier als er hektisch Vollgas gibt, um zwei rabiaten Konkurrenten zu entkommen. Die Flucht gelingt, doch nun sieht sich Tyler mit einem jungen Begleiter konfrontiert, der nicht von seiner Seite weichen will. Widerwillig lässt der Fischer ihn gewähren - der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Mit einem selbstgebauten Floß setzt das ungleiche Duo seine Reise fort. Zak lernt nicht nur schwimmen, sondern erstmals im Leben auch ein ganz neues Selbstwertgefühl. Sogar der Traum vom Wrestling-Kampf rückt näher, als sein großes Idol dem Fan ein paar Unterrichtseinheiten erteilt. Unter dem titelgebenden Namen und mit einem fantasievollen „PBF“-Kostüm steigt Zak in den Ring. Sein Gegner erweist sich jedoch gnadenloser als erwartet. Auch auf Tyler wartet eine böse Überraschung.  
 
Von „Unser Walter“ über „Am achten Tag“ bis zu „Glee“ standen Darsteller mit Down Syndrom mehrfach erfolgreich vor der Kamera. Zack Gottsagen setzt diese Tradition erfolgreich fort. Und lässt mit seinem unbekümmerten, gleichwohl ernsthaften Spiel seinen Partner Shia LaBeouf zu Hochform auslaufen. Der „Transformers“-Star hat nicht erst seit „Nymphomanic“ und „American Honey“ gezeigt, dass er mehr kann als Popcorn-Kino.
 
Dem Regie- und Autoren Duo Tyler Nilson und Michael Schwartz gelingt mit seinem Kinodebüt ein veritabler Coup. Sie erzählen ihre warmherzige Tragikomödie ohne überflüssige Kitsch-Kalorien, dafür mit viel Empathie für ihre Figuren. Die emotionalen Momente gelingen plausibel, etwa wenn der 22-Jährige von den schlechten Erfahrungen und Diskriminierungen in seinem Leben erzählt. Oder wenn die idealistische Betreuerin vom Vorgesetzten erfährt, dass ihr Schützling fortan in einem Heim für Junkies fluchtsicher verwahrt werden soll. Fast minimalistisch wird mir kurzen Rückblenden das Trauma von Tyler skizziert. Ähnlich effizient fällt das flotte Finale aus. Visuell überzeugt das Buddy-Abenteuer durch oft poetische Bilder. Ob bei ruhigen Floßfahrten oder lautem Getöse, mit dem die Wrestling-Figur dank Erdnuss-Butter am Lagerfeuer kreiert wird. Komische Einlagen sorgen regelmäßig für die nötige Auflockerung. Der erste Schießversuch von Zak hat ähnliche Slapstick-Qualitäten wie dessen Flucht durch ein enges Fenstergitter. Die grandiose Antwort eines Blinden auf die Frage, ob er die Person auf dem Suchbild schon einmal gesehen hätte, bietet gleichfalls bestes Pointen-Gold.  
 
Das bewegende Buddy-Abenteuer erweist sich als amüsantes Feelgood-Movie, das stets die richtigen Töne trifft. Eine schöne Bescherung, nicht nur zu Weihnachten. Wie Zak sagen würde: „Party!“. (programmkino.de)
Ausblenden