Das Kinoptikum zeigt am 25.2.

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Di. 18:30
PUSSY RIOT: A PUNK PRAYER
Kino zum Zuhören – GB/RUS 2014, 88 Min., Regie: Mike Lerner, Maxim Pozdorovkin
Ois is Punk: Die Geschichte der russischen Aktivistinnen und ihres Gebets - nebst Filmgespräch am heiligen Sonntag
Trailer zu PUSSY RIOT: A PUNK PRAYER
Weiterlesen... Eine Gruppe junger Frauen beschließt in Russland nicht länger zu schweigen, sondern gegen den Präsidenten (aber insgeheim selbsternannten Zar) Putin und das System anzuschreien. Ihr Mittel ist nicht Terror oder Randale, sondern ganz einfach Musik – schrammeliger Punkrock, in dem sie textlich ihre Wut und Kritik gegen das System heraus schreien. Gegen Unterdrückung, gegen Sexismus, gegen Oligarchie (und versteckte Aristokratie), gegen religiösen Fanatismus – auf spontan wirkenden Events in der Öffentlichkeit mit bunten Sturmmasken vorgetragen. Etwas, was in absolut jedem Land der Welt, allein aufgrund der universell gültigen Menschenrechte, möglich sein MUSS!

Doch nachdem diverse Auftritte vor Regierungsgebäuden bereits saftige Bußgelder nach sich zogen, werden drei der Frauen bei einem Auftritt in einer Kathedrale verhaftet, in einen völlig welt- und rechtsfremden, auf monatelange Zermürbung ausgelegten Scheinprozess eingebunden und mundtot gemacht. Die Dokumentation erzählt von der Formation der Gruppe, den ersten Aktionen, der Planung und Durchführung des Kirchen-Events und dem monatelangen Prozess. Da in Russland im Gericht gefilmt werden darf, gibt es tiefe Einblicke in die absurden Argumentationen, die zwei der drei Frauen schließlich Jahre im Arbeitslager bescheren sollten. (moviepilot)
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Di. 21:00
DIE GLITZERNDEN GARNELEN  frz. OmU
Queer-StreifenLes crevettes pailletées – F 2019, 100 Min., Regie: Maxime Govare, Cédric Le Gallo
mit Nicolas Gob, Alban Lenoir, David Baiot
Von der Kollision zweier grundverschiedener Welten in flatternden Gewändern
Trailer zu DIE GLITZERNDEN GARNELEN
Weiterlesen... Matthias Le Goff (Nicolas Gob) ist Profischwimmer und konnte im Laufe seiner Karriere Weltmeistertitel und Olympiasiege erringen. Nun befindet er sich auf dem absteigenden Ast. In einem Fernsehinterview legt er sich mit einem Reporter an und nennt diesen eine „Schwuchtel“. Das Video geht viral und zieht einen Shitstorm nach sich, weswegen der Verband prompt reagiert und den in Verruf geratenen Ex-Champ dazu verurteilt, fortan das homosexuelle Amateur-Wasserballteam „Die glitzernden Garnelen“ zu trainieren und für die anstehenden Gay Games in Kroatien vorzubereiten.
 
Als das Team und sein neuer Trainer sich dann kennen lernen, ist das jedenfalls keine Liebe auf den ersten Blick. Natürlich haben alle Mitglieder das Video gesehen und wollen nicht unter die Fuchtel des vermeintlichen Homo-Hassers. Dem wiederum ist deren Sexualität im Grunde egal, er ist einfach nur stinksauer, dass das eigene Training flachfällt und seine Karriere am absoluten Tiefpunkt angelangt ist. Was ihn außerdem noch weit mehr stört als die Attitüden der fröhlich-tuntigen Garnelen, ist deren totale sportliche Unfähigkeit.
 
Doch die Kollision zweier grundverschiedener Welten erweist sich - wie so oft - als profitabel für beide Seiten. Man verrät nicht zu viel, wenn man vorwegnimmt, dass die aversiven Gefühle bald dahin schmelzen, je näher sich Trainer und Team schließlich kommen und voneinander lernen dürfen. So flößt Matthias den Schwimmern peu à peu Disziplin ein, die aufgedrehten Garnelen ihm wiederum etwas mehr Umsicht gegenüber seinen Mitmenschen. Nach einigen Startkomplikationen und einem Turnier gegen das „Kampflesben“-Schwimmerteam, darf es dann auch in einem frivolen blauen Bus auf nach Kroatien gehen. Doch wie zu erwarten verläuft auch die Reise nicht ohne Turbulenzen und Hindernisse, zumal die Jungs sich als sehr ablenkbar durch Party und flotte Typen erweisen…
 
Das Regieduo Maxime Govare und Cédric Le Gallo vollbringt das schwierige Kunststück, in den knapp hundert Minuten Laufzeit jeder Figur Entfaltungsraum zu geben und die diversen Handlungsnebenstränge immer wieder gekonnt zusammenzuführen. „Die glitzernden Garnelen“ ist ein runder Spaß, der vordergründig zwar ganz Komödie ist, aber zwischendurch auch sehr elegant Brücken von der Komik zur Tragik schlägt. So hat jeder Charakter seine Spleens, schwierigen Facetten, inneren oder äußeren Konflikte, die mit Gefühl für Timing und Sinn für Details zum Ausdruck gebracht werden. Der eine muss seine etwas vernachlässigte Familie im Zeitplan unterbringen, der andere Liebeskummer bewältigen und Trainer Matthias kommt seiner entfremdeten Tochter auch endlich wieder etwas näher.
 
Dank der gut aufgelegten Darstellerriege, die bei jedem Tanz, jedem Turnier oder Lip Sync absolute Freude versprüht, gewinnt der Film die seltene Qualität, dass man als Zuschauer vom Geschehen auf der Leinwand regelrecht angesteckt wird. Frei nach dem Motto „Dabeisein ist alles“ wird hier eine Geschichte über Freundschaft und Solidarität erzählt, die durch eine dynamische Inszenierung, charismatische Darsteller und originellem, pointierten Humor zeigt, wie man das Maximum an Qualität aus einem Plot kitzelt, der in seinen Grundzügen nicht neu ist. Neben der offenkundigen Diversitäts- und Toleranzbotschaft beleben die glitzernden Garnelen schlussendlich auch noch Bonnie Tylers Ohrwurm „Holding out for a Hero“ in einer krönenden Performance wieder: fierce! (programmkino.de)
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