Das Kinoptikum zeigt am 15.12.

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So. 11:00
IMPULSO  span. OmU
MonatsDoku – F/SPAN 2017, 105 Min., Regie: Emilio Belmonte
mit Rocio Molina
Das mitreißende Porträt einer Frau, die den Flamenco in die Moderne führt. Hossa!
Trailer zu IMPULSO
Weiterlesen... Impulso begleitet Rocío Molina bei der Vorbereitung des Stückes „Caída del Cielo“ („Vom Himmel gefallen“, 2016), das sie im Théâtre National de Chaillot in Paris uraufführen wird – einer der renommiertesten Bühnen auf dem Gebiet des zeitgenössischen Tanzes. Der Film zeigt sie bei der Ausarbeitung der Choreografien, beim Üben und in enger Zusammenarbeit mit Sänger und Musikern, beim Ausprobieren auch ganz verrückter Einfälle und Einlagen, die mehr wie die Performance eines bildenden Künstlers wirken als wie Vorführung einer Flamenco-Tänzerin. Dabei geht die 34-Jährige täglich neu an ihre Grenzen. Sie verknüpft alte Flamenco-Traditionen mit Formen des modernen Tanzes, mit neuen Improvisationen, so genannten impulsas, und erweitert damit die Grenzen des traditionellen Flamenco. 
Als Zuschauer sieht man der Künstlerin zu, beobachtet, spürt ihre Konzentration, ihre unglaubliche tänzerische Kraft und ihren Willen, sich immer wieder neu auszudrücken. Sie stampft ihre Rhythmen, lässt sich mit aller Wucht auf den Boden fallen, trägt ihre Knieschützer wie die Symbole einer revolutionären Kunst, die auch schmerzhaft sein darf. Bereits als Dreijährige begann sie zu tanzen und stand früh auf der Bühne. Ihre erste Choreografie hat sie sich im Alter von sieben Jahren überlegt, bevor sie eine Ausbildung am Conservatorio Real de Danza in Madrid absolvierte.
Ansonsten erfährt man allerdings nicht viel über die Tänzerin. Der Dokumentarfilm bleibt unkommentiert, er konzentriert sich ganz auf die Tanzszenen. Die wenigen Informationen, die er liefert, stammen von Rocío Molina selbst und einigen wenigen anderen Interviewpartnerinnen und -partnern – eine eigentlich recht konventionelle Form der Dokumentation. Und doch funktioniert sie für diesen Film nicht, weil zu vieles ungesagt bleibt, weil die Kunst, die Rocío Molina erschafft, nicht anhand der Bilder, der bedeutenden Aufführungsorte, der wenigen Worte über sie erfasst wird. Und damit auch nicht zeigt, was der Flamenco im 21. Jahrhundert ist und wie ihn Rocío Molina mit ihrer Kunst beeinflusst.
Damit bleibt Impulso ein Film für Kenner: Wer sich – wie Regisseur Emilio Belmonte, der wie die Tänzerin in Andalusien aufgewachsen ist – auskennt im spanischen Kulturleben, im Tanz, im Flamenco, der mag die Bedeutung Rocío Molinas für den modernen Tanz allgemein und die spanische Flamenco-Tradition im Besonderen nachvollziehen können. (kino-zeit.de)
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So. 15:30
NEUES VON DEN KINDERN AUS BULLERBÜ
KinderKino – S 1987, 89 Min., Regie: Lasse Halmström
Das Leben ist ein Ponyhof.
Weiterlesen... Eine schreckliche Zeit für Lisa, Inga, Britta, Ole und Bosse, denn bis Weihnachten ist es noch eine furchtbare lange Zeit und erst dann gibt es wieder Ferien. Doch schneller als gedacht ist die Weihnachtszeit da, es werden Plätzchen gebacken, Geschenke werden gebastelt und schön verpackt. Am Weihnachtstag stehen alle Kinder mit leuchtenden Augen vor dem festlich strahlenden Baum und feiern zusammen mit den Eltern ein wunderschönes Fest. Doch die Idylle hat bald ein Ende. Beim Eislaufen bricht Bosse durchs dünne Eis. Nur der wagemutige Einsatz seiner Freunde rettet ihm das Leben. (empf. ab 6 Jahren) Ausblenden

So. 18:00
HELL OR HIGH WATER  DF
Congrats, Dude! – USA 2016, 102 Min., Regie: David Mackenzie
mit Chris Pine, Ben Foster, Jeff Bridges, Gil Birmingham
No Country for old Men: Ein stimmungsvoller und brillanter Neo-Western auf den staubigen Straßen Texas
Trailer zu HELL OR HIGH WATER
Weiterlesen... Es gibt keine Zeit zur Orientierung, keine Exposition, keine Erklärung. Stattdessen eröffnet David Mackenzie („Young Adam“, „Perfect Sense“) seinen neuen Film mit einer intensiven, energetisch gefilmten Actionsequenz. Der Zuschauer befindet sich mitten im Geschehen, als die beiden Brüder Toby (Chris Pine) und Tanner (Ben Foster) eine kleine Filiale der fiktiven Texas Midland Bank auszurauben versuchen. Ihr Plan geht auf, auch wenn sie sich bei ihrem Überfall nicht in jedem Moment wirklich geschickt anstellen. Sie entkommen mit einer ordentlichen Summe Bargeld, was vor allem beim draufgängerischen Tanner fast schon Euphorie auslöst. Dabei weiß er nur gut, dass die Staatsgewalt meist zurückschlägt. So ist er gerade das erste Mal seit langer Zeit wieder auf freiem Fuß. Doch die Jahre im Gefängnis haben bei ihm offenbar kein Umdenken bewirkt – im Gegenteil.
 
Um eine eigentlich viel zu teure Hypothek zurückzuzahlen, den ausgerechnet jene Texas Midland Bank ihrer verstorbenen Mutter verkauft hat, setzen die Brüder in bester Robin-Hood-Manier ihren Raubzug auf weitere Bankfilialen fort. Der lange Atem des Gesetzes sitzt ihnen inzwischen aber dicht im Nacken. Dank des erfahrenen, etwas verschrobenen Texas Rangers Marcus (Jeff Bridges) und seines Partners Alberto (Gil Birmingham), einem Nachkommen amerikanischer Ureinwohner, der mit scheinbar stoischer Ruhe die rassistischen Kommentare seines Partners erduldet, geraten die beiden Outlaws bei ihren nicht immer durchdachten Überfällen zunehmend in Bedrängnis.
 
Geschickt spielt das Skript von „Sicario“-Autor Taylor Sheridan sowohl mit Stereotypen des Western- und Heist-Genres als auch mit den Sympathien des Zuschauers, die mehrmals zwischen den Bankräubern und den Cops hin- und herwechseln. Insbesondere der eher besonnene Toby, Vater zweier Söhne, taugt so wie Chris Pine ihn verkörpert durchaus als Sympathieträger und Identifikationsfigur. Während Pine sein nuanciertes Schauspiel außerhalb von Hollywoods Blockbuster-Welt beweisen darf, bleibt für seinen Filmpartner Ben Foster einmal mehr die Rolle des knallharten Draufgängers. Dessen Badass-Attitüde wirkt weder forciert noch behauptet. Vielmehr verleiht Foster seiner Figur eine gefährliche Unberechenbarkeit. Letzteres trifft auch auf den Film als Ganzes zu. Mag „Hell or High Water“ zunächst einer simplen Jäger-und-Gejagte-Dramaturgie folgen, so entpuppt er sich unter der Regie Mackenzies am Ende als intelligenter Neo-Western mit doppeltem Boden.
Natürlich sind Vergleiche zu den Werken Cormac McCarthys und insbesondere zum Oscar-Gewinner „No Country for Old Men“ schon aufgrund des gemeinsamen Schauplatzes naheliegend. Anders als bei den Coens bleibt die Geschichte bei Mackenzie und Sheridan trotz mancher (schwarz-)humoriger Zwischentöne, die meist auf das Konto des grummelnden Bridges gehen, stets mit der gelegentlich tristen Realität im texanischen Hinterland verbunden. Der wirtschaftliche Niedergang ganzer Regionen ist in „Hell or High Water“ als Motiv unübersehbar. Endlose Werbeschilder entlang der Highways, auf denen den vielen überschuldeten Amerikanern ein finanzieller Neuanfang versprochen wird, zeichnen wie auch die Geschäftspraxis der Banken ein düsteres Bild. Die Frage, ob Toby und Tanner oder doch das ausgeraubte Geldinstitut der wahre „Bad Guy“ ist, scheint durchaus legitim.
 
Die gleiche Ambivalenz steckt auch in den Figuren. Sie sind weitaus komplexer als zunächst vermutet, was sie für das Publikum nur noch interessanter macht. Das erklärt zum Teil auch die Dynamik und Intensität des Plots, der es vermag, sowohl mit dem klassischen Western-Shootout als auch mit einem rein verbalen Kräftemessen Spannung zu erzeugen. Am Ende von „Hell or High Water“ warten keine eindeutigen Sieger oder Besiegte – bestenfalls ein ziemlich dunkler Hoffnungsschimmer. (programmkino.de)
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So. 20:00
PARASITE
Gisaengchung – RKO 2019, 133 Min., Regie: Bong Joon Ho
mit Song Kang Ho, Lee Sun Kyun, Cho Yeo Jeong, Choi Woo Shik, Park So Dam
Finde den Eindringling! Eine bitterböse Groteske in brillanten Bildern und mit großer Lust an Zuspitzung
Trailer zu PARASITE
Weiterlesen... Schon seit Längerem läuft es bei Familie Kim nicht mehr rund. Arbeit hat keiner von ihnen, Geld sowieso nicht. Eigentlich können sie sich nicht einmal die schäbige Kellerwohnung leisten, in der sie zu viert hausen. Da erhält Sohn Ki-woo (Woo-sik Choi) die Möglichkeit, als Lehrer im Haus der reichen Geschäftsmanns Dong-ik Park (Sun-kyun Lee) und seiner Frau Yeon-kyo (Yeo-Jeong Cho) anzufangen. Das ist schon eine große Erleichterung für die Kims, aber letztendlich nicht genug. Und so tüfteln Vater Ki-taek (Kang-ho Song), dessen Frau Chung-sook (Hyae Jin Chang) und Tochter Ki-jung (So-dam Park) an Möglichkeiten, wie sie auch von dem Reichtum der Parks profitieren können, und zeigen sich dabei ebenso erfinderisch wie skrupellos …
So richtig damit gerechnet hatte wohl niemand, ausgerechnet Joon-ho Bong holt die Goldene Palme von Cannes? Zu Gast war er dort natürlich schon häufiger, seine Filme wurden auch immer wohlwollend aufgenommen. Gereicht hat es nie. Parasite wurde so zu einem späten Triumph. Nicht nur, dass der Regisseur und Co-Autor seinen ersten bedeutenden westlichen Preis erhielt, er war auch der erste südkoreanische Filmemacher, der an der Croisette als Gewinner hervorging. Und dass obwohl sein neuestes Werk eigentlich gar nichts Neues macht. Im Gegenteil: Nach seinen beiden internationalen Ausflügen mit Snowpiercer und Okja kehrt er hier in seine Heimat zurück und beleuchtet erneut die Missstände in seinem Land, auf seine ganz eigene Weise.
Dass die Schwere zwischen reich und arm dort immer weiter auseinandergeht, so wie in den meisten Ländern, das haben natürlich auch andere Filmemacher bereits vorgeführt. Pieta von Ki-duk Kim – der 2012er Gewinner in Venedig – zeigte etwa eine auseinanderbrechende Gesellschaft und welche Verzweiflungstaten daraus entstehen. Bong tut das auch, mischt seine Abrechnung aber mit jeder Menge Humor und packt das dann in ein Genregewand. Wie bei so vielen Filmen des Südkoreaners kann man hier dann auch kaum sagen, was genau Parasite eigentlich ist. Eine Komödie? Eine Satire? Ein Thriller? All das stimmt und stimmt wieder nicht, zudem ist die Geschichte auch sehr tragisch.
Wer hier das erste Mal einen Film von Bong sieht, der könnte sich noch darüber wundern, wie sehr er Grenzen aufhebt, so als hätte es sie nie gegeben. Fans seiner vorherigen Titel werden sich hingegen wie zu Hause fühlen und ahnen, dass das Ganze in irgendeiner Form auch noch eskalieren muss. Da ist er ganz bei Quentin Tarantino, dessen Filme ohne irgendwelche Exzesse nicht vollständig wären. Bei Bong präsentiert sich das jedoch organischer, als logische Schlussfolgerung von dem, was nicht stimmt. Trotz dieser leichten Berechenbarkeit, völlig frei von Überraschungen ist Parasite nicht. Auch wenn man meint, alles vorhersehen zu können, so belehrt einen der Film eines Besseren – nicht ohne Grund bat der Regisseur in Cannes, die Journalisten mögen bitte im Anschluss nichts verraten.
Die Wendungen sind natürlich Teil des Vergnügens. Der Film selbst ist davon aber nicht abhängig, funktioniert beispielsweise auch bei einer wiederholten Sichtung. Vielmehr ist es die clevere Weise, wie inhaltlicher Anspruch mit purem Spaß verbunden wird, die Parasite zu einem derart sehenswerten Werk machen. Nicht nur ist die Idee originell, sie ist auch kunstvoll umgesetzt. Gerade die Bilder von Kyung-pyo Hong (Burning) sind eine Augenweide und unterstützen die leicht surreale Atmosphäre in dem Haus der Parks. Die Kamera lauert, wohl wissend, dass da bald etwas geschehen wird, irgendwo, irgendwann, ohne dabei schon vorab zu verraten, worauf wir achten müssen. Überall sind Fenster, ist Licht – und doch wird vieles dabei nicht gezeigt.
Auch die Figuren sind ambivalent, nie ganz deutlich. Die Kims geben sich als jemand anderes aus, als sie sind. Aber sind sie deshalb auch die Schuldigen? Sind sie die Parasiten im Titel, wenn sie den Reichtum der Parks ausnutzen, oder nutzen die Parks die Menschen aus, die für sie arbeiten? Kann es überhaupt gerecht zugehen? Stoff zum Nachdenken gibt Parasite also genug, über die eigene Situation oder die der Gesellschaft. Wobei das vermutlich erst nach dem Kinobesuch einsetzen wird. Vorher ist man viel zu sehr damit beschäftigt, über die sonderbaren Vorgänge dieser etwas anderen Thriller-Komödie zu lachen oder zu staunen, die einem gleichzeitig ganz nah ist und dabei doch wahnsinnig grotesk. (film-rezensionen.de)
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