Das Kinoptikum zeigt am 14.12.

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Sa. 15:30
AILOS REISE - Große Abenteuer beginnen mit kleinen Schritten
KinderKino – F/FIN/N 2018, 86 Min., Regie: Guillaume Maidatchevsky
Große Abenteuer beginnen mit kleinen Schritten
Trailer zu AILOS REISE - Große Abenteuer beginnen mit kleinen Schritten
Weiterlesen... Geboren in der wilden und majestätischen Natur Lapplands, muss das kleine Rentier Ailo zusammen mit seiner Herde eine gefährliche Reise durch die gefrorene Taiga antreten, die ein ganzes Jahr dauern wird. Ailo trifft auf Polarfüchse, Lemminge, Adler, Wölfe, Eichhörnchen und Hermeline - harmlose Tiere und solche, vor denen sich ein kleines Rentier in Acht nehmen sollte. An der Seite seiner Mutter lernt Ailo zu überleben. Lappland ist aber auch ein bedrohtes Paradies, und es verändert sich. Auf der Wanderung entdeckt das kleine Rentier ein fragiles Gebiet, das unter der Aktivität der Menschen leidet. Eine bezaubernde Naturdokumentation für die ganze Familie. (empf. ab 8 Jahren) Ausblenden

Sa. 18:30
IMPULSO  span. OmU
MonatsDoku – F/SPAN 2017, 105 Min., Regie: Emilio Belmonte
mit Rocio Molina
Das mitreißende Porträt einer Frau, die den Flamenco in die Moderne führt. Hossa!
Trailer zu IMPULSO
Weiterlesen... Impulso begleitet Rocío Molina bei der Vorbereitung des Stückes „Caída del Cielo“ („Vom Himmel gefallen“, 2016), das sie im Théâtre National de Chaillot in Paris uraufführen wird – einer der renommiertesten Bühnen auf dem Gebiet des zeitgenössischen Tanzes. Der Film zeigt sie bei der Ausarbeitung der Choreografien, beim Üben und in enger Zusammenarbeit mit Sänger und Musikern, beim Ausprobieren auch ganz verrückter Einfälle und Einlagen, die mehr wie die Performance eines bildenden Künstlers wirken als wie Vorführung einer Flamenco-Tänzerin. Dabei geht die 34-Jährige täglich neu an ihre Grenzen. Sie verknüpft alte Flamenco-Traditionen mit Formen des modernen Tanzes, mit neuen Improvisationen, so genannten impulsas, und erweitert damit die Grenzen des traditionellen Flamenco. 
Als Zuschauer sieht man der Künstlerin zu, beobachtet, spürt ihre Konzentration, ihre unglaubliche tänzerische Kraft und ihren Willen, sich immer wieder neu auszudrücken. Sie stampft ihre Rhythmen, lässt sich mit aller Wucht auf den Boden fallen, trägt ihre Knieschützer wie die Symbole einer revolutionären Kunst, die auch schmerzhaft sein darf. Bereits als Dreijährige begann sie zu tanzen und stand früh auf der Bühne. Ihre erste Choreografie hat sie sich im Alter von sieben Jahren überlegt, bevor sie eine Ausbildung am Conservatorio Real de Danza in Madrid absolvierte.
Ansonsten erfährt man allerdings nicht viel über die Tänzerin. Der Dokumentarfilm bleibt unkommentiert, er konzentriert sich ganz auf die Tanzszenen. Die wenigen Informationen, die er liefert, stammen von Rocío Molina selbst und einigen wenigen anderen Interviewpartnerinnen und -partnern – eine eigentlich recht konventionelle Form der Dokumentation. Und doch funktioniert sie für diesen Film nicht, weil zu vieles ungesagt bleibt, weil die Kunst, die Rocío Molina erschafft, nicht anhand der Bilder, der bedeutenden Aufführungsorte, der wenigen Worte über sie erfasst wird. Und damit auch nicht zeigt, was der Flamenco im 21. Jahrhundert ist und wie ihn Rocío Molina mit ihrer Kunst beeinflusst.
Damit bleibt Impulso ein Film für Kenner: Wer sich – wie Regisseur Emilio Belmonte, der wie die Tänzerin in Andalusien aufgewachsen ist – auskennt im spanischen Kulturleben, im Tanz, im Flamenco, der mag die Bedeutung Rocío Molinas für den modernen Tanz allgemein und die spanische Flamenco-Tradition im Besonderen nachvollziehen können. (kino-zeit.de)
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Sa. 21:00
MIDSOMMAR
Cinema Obscure – USA/S 2019, 145 Min., Regie: Ari Aster
mit Florence Pugh, Jack Reynor, William Jackson Harper
Wenn eine Schwedenreise zum Sommernachtsalbtraum wird - heidnischer Horror in weißem Gewand.
Trailer zu MIDSOMMAR
Weiterlesen... Was soll man machen, wenn die Krallen des Lebens einem die Luft abdrücken? Groß wappnen kann man sich davor nicht, Lebenskrisen kommen gern aus dem Hinterhalt. Glück haben die, die dann etwas zum Anlehnen haben, im besten Falle Freundschaften oder die Beziehung. Sollte selbst hier kein Trost zu finden sein, können auch eigenartigere Mittel und Wege wieder ans Licht führen.
Wie schon in seinem Erstlingswerk Hereditary – Das Vermächtnis erzählt Ari Aster von der Lähmung und Überwindung des Traumas. Dieses Mal trifft das Leid die Studentin Dani (Florence Pugh). Ihre Schwester hat sich zum Freitod entschlossen und reißt dabei die Eltern gleich mit. Dani hat zwar ihren Freund Christian (Jack Reynor) an ihrer Seite, doch der ist restlos überfordert. Eigentlich wollte er auch schon längst Schluss machen, eine solch emotionale Frau passt nicht in sein simpel gestricktes Leben. Und dann steht auch noch ein Schweden-Trip mit seinen Kumpels an. Blöderweise antwortet Dani auf die Frage, ob sie mitkommen will mit »Ja«. Nur Pelle (Vilhelm Blomgren), dessen neo-heidnisches Heimatdorf sie besuchen, um Stoff für die Studienarbeit zu sammeln oder einfach nur zu saufen, zeigt sich ernsthaft erfreut.
Ab hier baut sich eine schwer zu beschreibende, zwischen Obskurität und Bedrohlichkeit pendelnde Atmosphäre auf, die die Überlänge des Films vergessen lässt. Ari Aster setzt nicht auf Jump-Scares oder ähnliche Geisterbahneffekte, sondern lässt das Publikum lieber im Unklaren hängen. Klassiker wie Rosemaries Baby oder der Kult-Heiden-Schocker The Wicker Man lassen grüßen. Bei den Bewohnern des Dorfes fängt es schon an. Freundlich tänzeln sie in weißen Roben durch die Natur, halten sich aber mit akribischem Ernst an ihre alten Traditionen. Dabei wirkt es in diesem Film schon fremdartig, wenn sie einfach nur im Hintergrund herumstehen. Das Bizarre zeigt hier noch seine witzige Seite. Als die Studenten dann Zeugen eines blutigen Selbstmordrituals werden, schlägt die Stimmung um – egal, wie nett und freundlich alle noch sind. Zuschauer mit schwachem Magen sollten bei dieser Szene übrigens lieber in ihr Popcorn schauen.
Langsam kommen auch verborgene Seiten der Hauptfiguren zum Vorschein. Christian wird zunehmend egoistischer, zeigt immer weniger Interesse an Dani und versucht seinem Freund Josh (William Jackson Harper) das Thema seiner Abschlussarbeit streitig zu machen. Dieser wiederum will sich nicht den Erfolg rauben lassen und erklärt die Regeln der Dorfgemeinschaft für zweitrangig. Aber auch in Dani tut sich etwas. Zögernd findet sie immer mehr Anschluss, was in einer schwindelerregenden, von psychedelischen Drogen durchwaberten Tanzszene gipfelt. Der Zuschauer wird hier nicht Beobachter eines Trips, sondern geht selbst in den Rausch über.
Aber Midsommar ist mehr als nur ein optischer Leckerbissen. Er erzählt von Werten, die in der heutigen Spaß- und Ironie-Welt in den Hintergrund rücken – allerdings nicht auf konservativ-hölzerne Art. Danis Begleiter sind Menschen, die jeden Sinn für das Höhere verloren haben. Einen Ausflug in die Natur können sie anscheinend nur mit Magic Mushrooms einläuten, Hauptsache, der Spaß ist garantiert. Zu den Idealen des Dorfes haben sie keinen Bezug, der alberne Hokuspokus taugt aber ganz gut als Studienobjekt, um das eigene Vorwärtskommen zu pushen. Dani hingegen findet im Mystischen auch das Menschliche – so fremdartig es erst einmal ist. Hier gibt es noch Dinge wie Zusammenhalt, Respekt, Selbstaufgabe und letztlich die Energie, mit der sie ihr Trauma besiegen kann. Tiefe Narben erfordern eben manchmal besonders intensive Heilung.
Was bleibt noch zu sagen? Nur, dass Midsommar eines der ganz großen Filmhighlights des Jahres ist. Wenn man mal wieder die heilende Wirkung eines großartigen Films spüren will, sollte man sich ihm hingeben. (artechock.de)
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