Das Kinoptikum zeigt am 8.12.

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So. 11:00
CHRISTO - WALKING ON WATER
Architektur & Kunst – USA 2018, 97 Min., Regie: Andrey M. Paounov
Das sinnliche Portrait des Ausnahmekünstlers und seiner Installation, die über Wasser wandeln ließ
Trailer zu CHRISTO - WALKING ON WATER
Weiterlesen... „Unsere Werke sind alle total nutzlos“, gibt der Ausnahmekünstler Christo unumwunden zu, „wir schaffen sie nur, weil wir sie gerne anschauen möchten“. Mit seinen spektakulären „Floating Piers“ im norditalienischen Iseo-See sorgte der agile 81jährige freilich dafür, dass die Besucher nicht nur staunend vor seinem gigantischen Kunstwerk standen. Fasziniert von seiner Idee „über Wasser zu wandeln“ spazierten Besucher aus aller Welt über drei Kilometer lange schwimmende Stege, die mit gelb-orange schimmerndem Gewebe überzogen waren. Bis es jedoch soweit war, hatten nicht nur die Götter den Schweiß gesetzt.
Im Nachhinein auf der Leinwand die turbulente Entstehungsgeschichte dieses gigantischen Kunstwerks miterleben zu können ist ein besonderer Genuss. Denn Regisseur Andrey M. Paounov gelingt es im Sinne des Cinema Verite der 60iger Jahre, ohne autoritäre Voice-Over, ein absolut unterhaltsames soziologisches Fresco zu schaffen. Sein Blick hinter die Kulissen ist von Anfang an spannend. Dramaturgisch geschickt inszeniert er aus mehr als 700 Stunden Filmaufnahmen einen eindrucksvollen, authentischen Count-Down.
Und so fiebert man förmlich mit, ob Christo, der wie kein zweiter Künstler an der Entgrenzung der Gegenwartskunst arbeitete, seine spektakuläre Idee wirklich umsetzen kann. Denn Hürden und heikle Verwicklungen gibt es genug. Angefangen von der Konstruktion der schwimmenden Installation über die Naturgewalten des Wetters bis hin zur italienischen Bürokratie, die ihm Rätsel aufgibt. Wie sollen die 220 000 Schwimmwürfel überhaupt miteinander verbunden werden, damit die drei Kilometer langen Stege vom Ort Sulzano auf die vorgelagerte Insel Monte Isola entstehen?
Eine Diskussion, die der drahtige Christo lautstark und vehement mit seinem Neffen Vladimir Yavachev, dem Sohn seines älteren Bruders, führt. Das Projekt entwickelt sich zeitweise zum logistischen Albtraum. Vor allem nach seiner Eröffnung. Denn mit diesem riesigen Ansturm rechnete niemand. Züge und Buse sind überfüllt. Der kleine Ort platzt aus allen Nähten. Bereits am zweiten Tag droht alles aus dem Ruder zu laufen. Selbst Christos Nerven wirken durchgescheuert. Bis zu 20 000 Menschen dürfen gleichzeitig auf den Stegen sein. Soviel halten die „Floating Pierce“ aus. Doch mehr auf keinen Fall. Verzweifelt verlangt Christo den Zustrom zu stoppen. 
Den kapitalistischen Kunstmarkt handelt der einst aus dem kommunistischen Bulgarien geflohene Künstler sehr souverän und reell. Schließlich muss seine „Kunstware“ sein nächstes Projekt finanzieren. Der Sohn eines Chemikers finanziert seine teuren Aktionen ausschließlich durch den Verkauf von Originalzeichnungen bis zum Beginn seiner Kunstshow. Auch bei den „Floating Pierce“ bezahlt er die rund 13 Millionen Euro quasi aus eigener Tasche. Wie gefragt seine Zeichnungen sind zeigt eine beinahe rührende Szene mit einem fast weinenden italienischen Sammler. Grund: Er kann sich, nur noch eine kleine Skizze von Christos „Floating Pierce“ leisten, da die Preise stündlich gestiegen sind.
Christos Geschäftsmodell ist in gewisser Weise ungewöhnlich. Denn kaufen kann der Sammler nicht das Kunstwerk selbst, sondern eben nur die Symbole und die Erinnerung daran. Wenn der Ausnahmekünstler am letzten Tag sein Hotelzimmer mit seinem verbeulten silbernen Alu-Rollkoffer verlässt, wirkt dieses Ende seiner Reise fast ein wenig melancholisch. Aber schließlich ist die Vergänglichkeit ein essenzieller Teil seiner traumhaften Projekte. Auch der verhüllte Reichstag von Christo und seiner Partnerin Jeanne-Claude traf, obwohl das Projekt über 20 Jahre in der Planung war, in jenem Sommer 1995 den Nerv der Zeit.
Beharrlichkeit und Konsequenz kennzeichnen sein gesamtes Œuvre: Schon Ende der 50er-Jahre arbeitete Christo mit Stoffen, Schnüren, Metallfässern. Ob er Alltagsgegenstände verpackt oder ganze Landschaften, Stoffbahnen in den Central Park hängt oder sein Publikum über das Wasser des Iseo-Sees laufen lässt – Christo macht die Welt als Kunst erfahrbar. Freilich haftet seinen Großprojekten auch immer etwas Jahrmarkthaftes an. Doch damit schafft er Schönheit, Spektakel plus gute Laune außerhalb des manchmal aseptischen Kunstbetriebs. (programmkino.de)
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So. 15:30
DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL
KinderKino – CSSR/DDR 1973, 86 Min., Regie: Vaclav Vorlicek
mit Libuše Šafránková, Pavel Trávníček, Rolf Hoppe
Ein silbergewirktes Kleid, aber eine Prinzessin ist es nicht.
Trailer zu DREI HASELNÜSSE FÜR ASCHENBRÖDEL
Weiterlesen... Seit dem Tod des Vaters lebt Aschenbrödel als Magd auf dem eigenen Gutshof. Die Stiefmuter läßt das Mädchen die schmutzigste Arbeit verrichten, doch es bleibt zu allen freundlich und auch die Tiere sind ihr zugetan. Eines Tages begegnet Aschenbrödel im Wald einem übermütigen Prinzen und verliebt sich in ihn. Wie soll sie ihm aber gegenübertreten? Da schenkt ihr der Kutscher ihres Hofes drei Haselnüsse, die wunderbare Gaben enthalten: eine männliche Jagdtracht, ein reizendes Ballkleid und ein prächtiges Hochzeitsgewand. Mutig und klug nutzt Aschenbrödel die Geschenke, um das Herz des Prinzen zu erobern. Dann entflieht sie und er muss sich nun auf die Suche machen, um die schöne Besitzerin des goldenen Schuhs zu finden. Nach einigen Turbulenzen findet er Aschenbrödel und erkennt in ihr das kluge und liebenswerte Mädchen wieder, dem er schon im Wald begegnet war. Glücklich wählt er Aschenbrödel zu seiner Frau. Ausblenden

So. 18:00
CARMINE STREET GUITARS  OmU
Kino zum Zuhören – USA 2018, 81 Min., Regie: Ron Mann
mit Rick Kelly, Kirk Douglas, Jim Jarmusch, Lenny Kaye and more
Love me Fender: Geschichten und Begegnungen in einem Gitarrenladen im Greenwich Village
Trailer zu CARMINE STREET GUITARS
Weiterlesen... Fast alle Gitarren, die Rick Kelly herstellt folgen den klassischen, weichen Formen der Fender Telecaster, einer legendären Gitarre aus den 50er Jahren. Doch was Kellys Gitarren so besonders macht ist ihre Individualität. Jede Gitarre ist aus besonderem, einzigartigen Holz gebaut, das Kelly oft in verfallenen Häusern oder gar Abfallcontainern seiner Heimatstadt New York auftut.
Man könnte also sagen, dass die Gitarren von Rick Kelly ein Stück von New York in sich tragen und damit von all den Geschichten, Legenden und Menschen, die die amerikanische Ostküsten Metropole prägten. So eine Geschichte ist längst auch das Geschäft, das Kelly seit den 70er Jahren in der Carmine Street im Bohemian Viertel Greenwich Village betreibt.
Voll gestopft mit Gitarren und Zubehör ist Carmine Street Guitars ein Mekka für Musiker, von Amateuren bis Legenden, die oft ein Jahr auf eine Maßanfertigung warten. Im Laufe der gerade einmal 80 Minuten kurzen Dokumentation von Ron Mann geben sich bekannte Musiker die Klinke in die Hand. Sicher nicht zufällig sind sie alle in der einen Woche zu Besuch, die der Film vorgeblich beschreibt, auch wenn die Dreharbeiten fraglos länger gedauert haben. Ein wenig bemüht wirkt dieses Konstrukt in Momenten, doch spätestens wenn die Musiker eine von Kellys Gitarren in der Hand halten und die ersten Akkorde erklingen, ist jede Verkrampftheit vergessen.
 
Jamie Hince von den Kills schaut etwa vorbei und erzählt von seiner linken Hand, die nach einem Autounfall kaum noch funktionsfähig ist; Stewart Hurwood, Freund und Gitarren-Techniker von Lou Reed spielt Passagen aus dem Velvet Underground-Klassiker Venus in Furs und erinnert sich an die alle auf den gleichen Ton gestimmten Saiten, die Reed bevorzugte; oder Lenny Kaye, der in Patti Smiths Band spielt oder Charlie Sexton aus Bob Dylans Band oder oder oder…Aus filmischer Sicht bekanntester Besucher ist Jim Jarmusch, der mit Kelly über bevorzugte Holzarten fachsimpelt und seine akustische Gitarre von der Reparatur abholt. 
 Neben Kelly arbeiten seine Mutter Dorothy im Geschäft, die auch mit ihren 93 Jahren noch die Büroarbeit erledigt, dazu die junge, wasserstoffblonde Cindy Hulej, die seit Jahren das Handwerk von Kelly lernt, vor allem aber Gitarrenkörper und -hälse mit aufwändigen Gravuren versieht, deren Photos auf Instagram für Aufsehen sorgen.
Doch die Idylle könnte in den nächsten Jahren verschwinden, denn wie so viele ähnliche kleine Geschäfte in New York und den meisten anderen Städten der Welt, sieht sich auch Carmine Street Guitars von der Gentrifizierung bedroht. Auch das New Yorker Greenwich Village verwandelt sich rapide, Häuser werden aufgekauft, ursprüngliche Geschäfte von Ketten verdrängt. Doch noch hält Rick Kelly die Stellung und baut unermüdlich weiter Gitarren, die seine prominente Kundschaft zu musikalischen Hochleistungen treiben. Sollte sein Geschäft einst verschwunden sein, werden die Gitarren bleiben - und nun auch Ron Manns entspannte, zurückgenommen Dokumentation. (programmkino.de)
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So. 20:30
CLEO
D 2019, 110 Min., Regie: Erik Schmitt
mit Marlen Lohse, Jeremy Mockridge, Fabian Busch, Heiko Pinkowski
Die fabelhafte Welt der Cleo auf Schatzsuche im magischen Berlin. Geheimtipp!
Trailer zu CLEO
Weiterlesen... Cleos (Marleen Lohse) Leben begann mit dem Mauerfall: Am 9. November 1989 versuchte ihr Vater Bernd (Fabian Busch) seine hochschwangere Frau zum Krankenhaus zu fahren, doch im Trubel der Weltgeschichte blieb das Auto stecken und Bernd musste eine Entscheidung treffen. Die Mutter starb, Cleo lebte und versteckte ihr Herz fortan hinter einer eigenen Mauer.
Gefühle zu echten Menschen ließ sie nicht zu, erst recht nicht, nachdem auch ihr Vater gestorben war. So pflegte sie vor allem Kontakte zu imaginären Freunden aus der Berliner Vergangenheit, von Albert Einstein über Max Planck bis zu Marlene Dietrich. Besonders faszinieren sie aber die Gebrüder Sass, berühmte Einbrecher aus den 20er Jahren, und ihr legendärer Schatz. Denn zu diesem Schatz soll auch eine Uhr gehören, mit der man die Zeit zurückdrehen kann.
Als Stadtführerin kennt sich Cleo ziemlich gut aus, doch erst mit der Hilfe des umtriebigen Paul (Jeremy Mockridge) beginnt ihre Schatzsuche Form anzunehmen. Denn Paul ist im Besitz einer Schatzkarte, die scheinbar endlich den Weg zum Schatz der Gebrüder Sass offenbart, und damit zur Möglichkeit für Cleo, ihr Schicksal zu ändern.
Zahlreiche Kurzfilme wie „Nashorn im Galopp“, „Telekommando“ oder „Berlin Metanoia“ hat der aus Mainz stammende Erik Schmitt in den letzten Jahren gedreht und damit hunderte Preise auf Festivals in aller Welt gewonnen. Kein Wunder, sprühen die kurzen Stücke doch vor visuellem Einfallsreichtum, arbeiten mit Stop-Motion-Tricks, Perspektivverschiebungen und vielen anderen, vor allem handgemachten Stilmitteln. Dazu noch strahlende Menschen – auch in den Kurzfilmen schon oft Marleen Lohse – und Musik, die irgendwo zwischen Lebensfreude und Melancholie angesiedelt war. Mehr als deutlich war, dass Schmitt Filme wie „Die fabelhafte Welt der Amélie“, „The Science of Sleep“ oder „Be Kind Rewind“ gut studiert hatte.
Beim Sprung vom Kurz- zum Langfilm bestand nun die Gefahr, sich allzu sehr auf die visuellen Spielereien zu verlassen und dabei die Geschichte zu vernachlässigen. Doch zum Glück hat Schmitt zusammen mit Stefanie Ren ein Drehbuch geschrieben, das nicht nur auf visuelle Einfälle baut, sondern auf originelle Weise die Magie von Berlin beschwört. Tief in die Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner taucht Cleo auf ihrer Schatzsuche ein, bewegt sich zwischen markanten Orten wie der Oberbaumbrücke und dem Teufelsberg, vor allem aber in der Phantasie von Cleo und Paul.
 
Berühmte Berliner treffen die beiden, die in ein wenig an alte Fernsehbilder erinnerndem schwarz-weiß getaucht sind und den Bogen von der Vergangenheit in die Gegenwart schlagen. Denn erst wenn Cleo ihre nostalgische Weltsicht ablegt und akzeptiert, dass sie die Vergangenheit nicht ändern kann, ist es ihr möglich, in der Gegenwart zu leben. Mit welchem Witz, Einfallsreichtum und Emotionen diese Geschichte inszeniert, zählt zu den originellsten, ungewöhnlichsten deutschen Filmen der jüngeren Vergangenheit. (programmkino.de)
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