Am 20.7. im Kinoptikum

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Sa. 18:30
DER TRAFIKANT
Für Kirsten – D/Ö 2018, 113 Min., Regie: Nikolaus Leytner
mit Simon Morzé, Bruno Ganz, Johannes Krisch
Die bittersüße Romanadaption vom Heranwachsen eines arglosen Burschen im braunen Wien.
Trailer zu DER TRAFIKANT
Weiterlesen... Österreichern muss man nichts erklären, und weil dies die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler ist, wissen auch deutsche Leser Bescheid: Ein Trafikant ist der Besitzer eines kleinen Geschäfts für Tabakwaren, Zeitungen und Schreibwaren. Wir befinden uns im Österreich des Jahres 1937. Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) verlässt auf strenges Geheiß seiner Mutter Margarete (Regina Fritsch) sein Heimatdorf, am Attersee im Salzkammergut gelegen, und fährt ins aufregende, brodelnde Wien. Hier führt ein ehemaliger Liebhaber der Mutter, Otto Trsnjek (Johannes Krisch), eine Tabak-Trafik, Franz geht bei ihm in die Lehre. Der Bub lernt schnell, nicht nur das Praktische (Namen und Vorlieben der Kunden merken), sondern auch das Lebenskluge, zum Beispiel die Zeitung zu lesen, um informiert zu sein. Zu den besten Kunden gehört der 82-jährige Sigmund Freud (Bruno Ganz), der – so sagt man – „Köpfe repariert, innen drin“. Franz ist neugierig und sucht Rat. Er ist nämlich unglücklich verliebt, in die schöne, viel zu erfahrene und flatterhafte Böhmin Anezka (Emma Drogunova). Doch Freud ist in Liebesdingen keine große Hilfe. Überhaupt gibt es Wichtigeres: Hitlers Truppen sind einmarschiert, Otto Trsnjek, ein Jude, verschwindet in den Kellern der Gestapo. Nun ist Franz der Trafikant. Und er trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Regisseur und Co-Drehbuchautor Nikolaus Leytner hat ein genaues Gespür für die Zeit und die Menschen, die in ihr leben. Er bringt sie dem Zuschauer anschaulich näher, mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Sehnsüchten und Wünschen, vor allem aber mit den politischen Erschütterungen, die die Nazis verursachen. Plötzlich wird der Nachbar zum Feind, und auch am Attersee ticken die Uhren jetzt anders, wie der Briefwechsel mit der Mutter, eine weitere Erzählebene des Films, beweist. Doch die politische Realität schleicht sich nur langsam und behutsam in die Geschichte ein, weil die Hauptfigur zunächst andere Probleme hat und sie nur am Rande wahrnimmt. Es geht vor allem um das Erwachsenwerden eines Buben, der die Liebe und die Großstadt kennen lernt und von gleich zwei Ersatzvätern lernt. Und nun kommt noch eine dritte Erzählebene hinzu: Franz ist ein Träumer, der sich in mutigen Tagträumen den besseren Ausgang einer Situation vorstellt oder in finsteren Nachtträumen in eine andere, poetischere Welt flüchtet. Immer wieder blitzen diese Phantasien auf, in entfremdeten, surrealen und sehr ausdrucksstarken Bildern. Auf Anraten Freuds schreibt Franz die Träume auf und hängt das Geschriebene dann ins Schaufenster der Trafik, um sie mit anderen zu teilen. Nur so kann er seine Überforderungen und seinen Kontrollverlust kompensieren. Die Beziehung zwischen Franz und Sigmund Freud, dem unerfahrenen jungen Mann und dem greisen, lebensklugen und bescheidenen Weltbürger, gerät denn auch zum Zentrum des Films. Simon Morzé und Bruno Ganz spielen ihre Rollen ebenso einfühlsam wie glaubwürdig: neugierig und lebenslustig der eine, klug und schelmisch der andere. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. (programmkino.de)
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Sa. 21:00
MASTER Z: THE IP MAN LEGACY  OmU
Für Floh – CHN 2018, 107 Min., Regie: Woo-Ping Yuen
mit Jin Zhang, Dave Bautista
Familientaugliche Martial-Arts-Unterhaltung mit wirbelnden Fäusten in prächtiger Kulisse.
Trailer zu MASTER Z: THE IP MAN LEGACY
Weiterlesen... Cheung Tin-Chi ist am Ende. Sein kleiner Sohn veranlasst den Wing-Chun-Kämpfer, seinem Leben eine neue Richtung zu geben; dem Jungen will Tin-Chi nicht länger ein Leben als Söldner zwielichtiger Auftraggeber zumuten. Doch die Schatten der Vergangenheit holen ihn schnell wieder ein und bedrohen sein beschauliches Leben als Krämer. So landet Tin-Chi erneut in einem Scharmützel mit der berüchtigten Gang von Tso Sai Kit, der mit seiner Schwester Tso Ngan Kwan den Opiumhandel kontrolliert. Eigentlich wollte Tin-Chi nur der jungen Julia und ihrer Freundin Nana beistehen, die durch ihren Drogenkonsum hoch verschuldet ist; das aber interessiert bei der korrupten Polizei niemanden. Während Tin-Chi in der Arrestzelle landet, brennt sein Laden nieder und wird sein Sohn schwer verletzt.
Fortan sinnt Tin-Chi auf Rache. Aber auch Tso Ngan Kwan hat fortlaufend Ärger mit ihrem drakonisch agierenden Bruder. Sie will ihre Organisation vom Drogenhandel wegführen und in eine solide Firma umwandeln, um mit legalen Mitteln in der Bar-Straße Geld zu verdienen. Doch Sai Kit träumt von einer Karriere bei den Triaden – und geht dafür über Leichen.
So sieht in China also familientaugliche Genre-Unterhaltung aus. Einstige Bösewichte wie Tin-Chi, der in „Ip Man 3“ noch der Gegenspieler des legendären Wing-Chun-Großmeisters Ip Man war, werden als Sympathieträger genutzt, und fertig ist ein „Spin off“ der beliebten Martial-Arts-Reihe.
Damit das Hongkong der 1950er-Jahre nicht allzu verrucht daherkommt, wirkt die Welt ungeachtet aller Tristesse eigentümlich harmonisch. Die Farben sind bunt, die Kostüme adrett und gebügelt. Statt in einem klassischen Martial-Arts-Film wähnt man sich fast in einem MGM-Musical von Stanley Donen, in dem im nächsten Augenblick Gene Kelly und Cyd Charisse um die Ecke biegen und eine ihrer unvergesslichen Showeinlagen präsentieren.
Doch statt Gesang und Tanz zelebriert Regisseur Wo-Ping Yuen in prächtiger Retrochic-Kulisse einen Faustkampf nach dem anderen. Da alle Beteiligten eigentlich ganz nett oder zumindest Richtung Tugend unterwegs sind, kann man sich den zumeist unblutigen Choreografien unbeschwert hingeben. Die virtuoseste führt Tin-Chi und seinen Widersacher in luftige Höhen auf die Neonwerbetafeln der engen Bar-Straße. Das ist schön anzusehen, aber gänzlich sinnfrei.
In seiner virtuosen Selbstverliebtheit ist „Master Z: The Ip Man Legacy“ zwar nicht allzu weit von den Tanzfilmen Hollywoods entfernt – doch in denen durfte man weit mehr an kurzweilig-anregenden Handlungen erwarten. „Master Z: The Ip Man Legacy“ beschränkt sich dagegen eher auf Marginalien, die einen armen Vater und seinen Sohn höchst unwahrscheinlich in eine rosigere Zukunft geleiten.
Natürlich gibt es auch einen echten Bösewicht: den karikaturhaft überzeichneten Sai Kit, der seine Lektion noch lernen muss. Plus den britischen Arm der Polizei, deren Repräsentanten maßgeblich für die Drogenhölle in Hongkong verantwortlich sind, sowie einen Mann im Hintergrund, der nicht ganz so nett und freundlich ist, wie er erscheint. Doch in einer gemeinschaftlichen Anstrengung aller Chinesen lässt sich auch dies in der Kronkolonie wieder zurechtbiegen.
„Master Z: The Ip Man Legacy“ ist keine große Kunst, aber eine solide gebaute Show für Freunde der gepflegten Kampfkunst. Neben dem virtuosen, aber wenig charismatischen Jin Zhang in der Hauptrolle verbreiten internationale Genre-Größen wie Dave Bautista, Tony Jaa und insbesondere Michelle Yeoh als Grande Dame der Bar-Straße in diesem „Zwischenfilm“ („Ip Man 4“ ist schon avisiert) sogar ein bisschen Glamour. (film-dienst)
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