Am 18.7. im Kinoptikum

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Do. 18:30
KLASSENLEBEN
Pädoku – D 2005, 87 Min., Regie: Hubertus Siegert
Von den Anfängen der „Kinder der Utopie“ und der Inklusion in deutschen Schulen.
Trailer zu KLASSENLEBEN
Weiterlesen... Nicht für die Schule, sondern für das Leben soll gelernt und am besten auch gelehrt werden. Nach dem Pisa-Schock stellt sich die Frage, ob das klassische Schulsystem versagt hat, weil es ausschließlich abfragbares Wissen vermitteln will und den Menschen als soziales Wesen nur mangelhaft wahrnimmt. Die Fläming-Grundschule sammelt bereits seit 1975 Erfahrungen damit, kein Kind aus einer Klasse auszuschließen. Trotz guten Ergebnissen und weltweitem Renommee dieses integrativen Konzepts an einer Regelschule gibt es bis heute nur wenige Nachahmer.
Hubertus Siegert hat 2004 die Klasse 5d in einem Schulhalbjahr mit der Kamera begleitet. Auf Augenhöhe mit den Kindern nimmt er dabei Teil an ihrem Lernalltag, den Erfolgen und Misserfolgen, dem Stress, aber auch dem Spiel und Spaß auf dem Schulhof und bei den Proben für ein Theaterstück. Ohne ergänzenden Kommentar lässt er die Protagonisten für sich selbst sprechen. Der Zuschauer lernt von den 20 Kindern fünf näher kennen, erfährt durch ihre Augen das Geschehen. Die Lehrerin Frau Haase hält die Klasse zusammen. Sie fordert und fördert die in ihren Begabungen und Fähigkeiten so unterschiedlichen Kinder. Dabei wird sie von zwei Betreuerinnen und einigen Fachlehrern unterstützt.
Waren es in dem französischen Dokumentarfilm "Sein und Haben" Schüler unterschiedlichen Alters, die gemeinsam mit und voneinander gelernt haben, so sind es in KLASSENLEBEN Schüler unterschiedlicher Fähigkeiten. Dass gerade dieses Miteinander von nicht zu unterschätzender Bedeutung für Lernprozesse und Persönlichkeitsbildung ist, zeigen nicht nur die Aussagen der Kinder, sondern auch der Lehrerin, die durchaus mit Autorität Leistungen einfordert. Bleibt nur zu wünschen, dass solch ein integratives Konzept mehr Nachahmer findet, weil Höchstleistungen - und damit eben auch die Bildung der zur Zeit so oft beschworenen Elite - nur in einer Gesellschaft erbracht werden können, die miteinander statt gegeneinander arbeitet. (programmkino.de)
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Do. 21:00
DER TRAFIKANT
Für Kirsten – D/Ö 2018, 113 Min., Regie: Nikolaus Leytner
mit Simon Morzé, Bruno Ganz, Johannes Krisch
Die bittersüße Romanadaption vom Heranwachsen eines arglosen Burschen im braunen Wien.
Trailer zu DER TRAFIKANT
Weiterlesen... Österreichern muss man nichts erklären, und weil dies die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Robert Seethaler ist, wissen auch deutsche Leser Bescheid: Ein Trafikant ist der Besitzer eines kleinen Geschäfts für Tabakwaren, Zeitungen und Schreibwaren. Wir befinden uns im Österreich des Jahres 1937. Der 17-jährige Franz Huchel (Simon Morzé) verlässt auf strenges Geheiß seiner Mutter Margarete (Regina Fritsch) sein Heimatdorf, am Attersee im Salzkammergut gelegen, und fährt ins aufregende, brodelnde Wien. Hier führt ein ehemaliger Liebhaber der Mutter, Otto Trsnjek (Johannes Krisch), eine Tabak-Trafik, Franz geht bei ihm in die Lehre. Der Bub lernt schnell, nicht nur das Praktische (Namen und Vorlieben der Kunden merken), sondern auch das Lebenskluge, zum Beispiel die Zeitung zu lesen, um informiert zu sein. Zu den besten Kunden gehört der 82-jährige Sigmund Freud (Bruno Ganz), der – so sagt man – „Köpfe repariert, innen drin“. Franz ist neugierig und sucht Rat. Er ist nämlich unglücklich verliebt, in die schöne, viel zu erfahrene und flatterhafte Böhmin Anezka (Emma Drogunova). Doch Freud ist in Liebesdingen keine große Hilfe. Überhaupt gibt es Wichtigeres: Hitlers Truppen sind einmarschiert, Otto Trsnjek, ein Jude, verschwindet in den Kellern der Gestapo. Nun ist Franz der Trafikant. Und er trifft eine folgenschwere Entscheidung.
Regisseur und Co-Drehbuchautor Nikolaus Leytner hat ein genaues Gespür für die Zeit und die Menschen, die in ihr leben. Er bringt sie dem Zuschauer anschaulich näher, mit ihren Sorgen und Nöten, mit ihren Sehnsüchten und Wünschen, vor allem aber mit den politischen Erschütterungen, die die Nazis verursachen. Plötzlich wird der Nachbar zum Feind, und auch am Attersee ticken die Uhren jetzt anders, wie der Briefwechsel mit der Mutter, eine weitere Erzählebene des Films, beweist. Doch die politische Realität schleicht sich nur langsam und behutsam in die Geschichte ein, weil die Hauptfigur zunächst andere Probleme hat und sie nur am Rande wahrnimmt. Es geht vor allem um das Erwachsenwerden eines Buben, der die Liebe und die Großstadt kennen lernt und von gleich zwei Ersatzvätern lernt. Und nun kommt noch eine dritte Erzählebene hinzu: Franz ist ein Träumer, der sich in mutigen Tagträumen den besseren Ausgang einer Situation vorstellt oder in finsteren Nachtträumen in eine andere, poetischere Welt flüchtet. Immer wieder blitzen diese Phantasien auf, in entfremdeten, surrealen und sehr ausdrucksstarken Bildern. Auf Anraten Freuds schreibt Franz die Träume auf und hängt das Geschriebene dann ins Schaufenster der Trafik, um sie mit anderen zu teilen. Nur so kann er seine Überforderungen und seinen Kontrollverlust kompensieren. Die Beziehung zwischen Franz und Sigmund Freud, dem unerfahrenen jungen Mann und dem greisen, lebensklugen und bescheidenen Weltbürger, gerät denn auch zum Zentrum des Films. Simon Morzé und Bruno Ganz spielen ihre Rollen ebenso einfühlsam wie glaubwürdig: neugierig und lebenslustig der eine, klug und schelmisch der andere. Es macht Spaß, ihnen zuzuschauen. (programmkino.de)
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