Heute im Kinoptikum

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Mi. 18:30
AB HEUTE SIND WIR EHRLICH  it. OmU
L'ora legale – IT 2017, 92 Min., Regie: Salvo Picarra & Valentino Picone
mit Salvo Picarra, Valentino Picone, Vincenzo Amato
Triefend italienische Polit-Groteske vom kläglichen Bemühen einer sizilianischen Kleinstadt um Gesetzestreue.
Trailer zu AB HEUTE SIND WIR EHRLICH
Weiterlesen... „Wähle Patanè! Frag dich nicht, warum!“ - unschlagbar ehrlich sind sie immerhin, die Wahl-Slogans des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè aus dem sizilianischen Provinznest Petrammare. Als optischer Berlusconi-Abklatsch verspricht der Politiker wieder einmal goldene Zeiten, derweil Schlaglöcher und Müllberge die Bewohner plagen. Die vorübergehende Festnahme wegen Korruption ist allenfalls lästig, „Ich gewinne auch unter Hausarrest!“ grinst Patanè siegessicher. Denkste. Das Volk probt prompt den Aufstand, kegelt den Bonzen aus dem Amt und wählt überraschend den lokalen Lehrer Pierpaolo Natoli zum neuen Bürgermeister. Der Idealist verspricht Ordnung, Ehrlichkeit und Gesetzestreue. Das Dorf jubiliert und hat alsbald allerlei Forderungen parat. Sei es die Beerdigung für den vor drei Jahren verstorbenen Gatten, eine Playstation für das Kind oder die Genehmigung für eine opulente Vergrößerung des Eiscafes.
Bald jedoch ist Schluss mit lustig. Verkehrsünder werden fortan gnadenlos verfolgt. Die Stechuhren im Rathaus plötzlich kontrolliert. Hundhalter haben die Wege sauber zu halten. Selbst der Pfarrer muss für seine illegale Pension nun Steuern zahlen. Von der ungewohnten Mülltrennung ganz zu schweigen. Als die bislang faulen Forstarbeiter zur Arbeit ausrücken müssen, werden sie auf den Straßen verabschiedet wie Soldaten, die in den Krieg ziehen. Schließlich soll sogar die Chemiefabrik geschlossen werden. Sowie die illegalen Häuser am Meer abgerissen werden. Der bisherigen Privilegien beraubt, kippt die Stimmung unter den Bewohnern. „Bringen wir ihn um“, fordern die einen. Die anderen setzen auf jene bewährte Warnung à la Mafia-Film mit einem Schwertfisch-Kopf im Schlafzimmer. Letztlich hilft am besten eine fiese Intrige mit gefälschten Beweisen. Als des Bürgermeisters schlaue Teenager-Tochter zum Schluss eine feurige Rede auf die Ehrlichkeit hält, sollte das Happyend nicht weit sein - Denkste!
„In jedem von uns steckt ein Stückchen Rechtswidrigkeit, an die wir gewöhnt sind und von der wir vielleicht sogar ganz vergessen haben, dass sie da ist“, erläutern die beiden sizilianischen Komiker Salvo Ficarra und Valentino Picone ihr Konzept. Drehbuch, Regie und Hauptrollen übernimmt das Duo gemeinsam - und das zahlt sich auch bei ihrem fünften Kinostreich spürbar aus. Mit Leichtigkeit spielen sich die beiden die Pointenbälle zu, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Das Figurenkarussell ist bestens aufgestellt, vom lokalen Bonzen über den hinterhältigen Pfarrer bis zu den weinerlichen Polizisten oder jenem sinistren Stippenzieher aus dem fernen Rom.
Mit flottem Tempo, gelungenem Timing sowie hübscher Situationskomik präsentiert sich eine Polit--Komödie der amüsanten Art. Selbst jener Running Gag mit dem Behindertenparkplatz erfährt hier noch eine verblüffend ulkige Auflösung. Wie im cinema italia üblich, geraten die Dialoge zur pompösen Palaver-Parade - dank der OmU-Version fühlt man sich prompt wie beim Italiener. (programmkino.de)
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Mi. 21:00
EIN GAUNER & GENTLEMAN  OmU/DF
The Old Man And The Gun – USA 2018, 93 Min., Regie: David Lowery
mit Robert Redford, Sissy Spacek, Casey Affleck, Tom Waits
Robert Redfords würdiges und elegantes Abschiedswerk (?) als einzig wahrer Gentleman-Gangster - am Mi und Fr OmU, sonst DF!
Trailer zu EIN GAUNER & GENTLEMAN
Weiterlesen... Der in die Jahre gekommene Bankräuber Forrest Tucker (Robert Redford) blickt auf eine bemerkenswerte Karriere als Ganove zurück: In der Vergangenheit war es ihm nicht nur zigfach gelungen, Banken um ihr Geld zu erleichtern. Auf die anschließenden Verhaftungen und Urteile ließ er über ein Dutzend Gefängnisausbrüche folgen. Sogar von der sagenumwobenen Insel Alcatraz gelang ihm die Flucht. Mittlerweile lebt er in einer Seniorenwohnanlage und wollte eigentlich mit seiner Bankräuberkarriere abschließen, doch noch immer juckt es ihm in den Fingern. Er stellt eine Gang aus Rentnern zusammen, mit denen er fortan eine Bank nach der anderen überfällt und dabei eine Menge Kohle macht. Als er dann auch noch die sympathische Pferdeliebhaberin Jewel (Sissy Spacek) kennenlernt, scheint sein Ruhestandsleben gesichert. Doch der ehrgeizige Detective John Hunt (Casey Affleck) ist fest entschlossen, der Ganovenbande das Handwerk zu legen…
Die Geschichte vom 18 Mal aus dem Gefängnis fliehenden Verbrecher klingt unglaubwürdig, bis man am Ende von „Ein Gauner & Gentleman“ erfährt, dass nichts davon den wahren Ereignissen um Forrest Tuckers unkonventionelle Lebensgeschichte hinzugedichtet wurde. Tucker gab es wirklich. Er lebte von 1920 bis 2004 und konnte zum Zeitpunkt seines Todes eine bemerkenswerte Lebensgeschichte vorweisen. Dabei kommt die ständige Bezeichnung „Ganove“, ein mittlerweile eher veraltetes Wort für Gangster, nicht von ungefähr, genauso wenig wie die im Filmtitel zusätzlich genannte Beschreibung des Gentlemans. „Ein Gauner & Gentleman“ erzählt nämlich nur in zweiter Instanz von den Banküberfällen an sich. Es geht vor allem um die dazu im direkten Kontrast stehende Attitüde der Räubergang, die es sich vor ihren Eskapaden zum Auftrag machte, niemals Gewalt anzuwenden oder psychischen Druck auf ihre Opfer auszuüben. Der Verweis auf die Waffe, ein Blick auf die Kasse und der höfliche Hinweis, dass den Angestellten nichts passieren würde, reichten Tucker und seinen Kumpanen aus, um an ihr Ziel zu gelangen. Das machte es den von einem solchen Verhalten überraschten Geschädigten im Nachhinein auch so schwer, konkrete Angaben zu den Tathergängen zu machen, sodass die Bande eine lange Zeit einfach nicht gefasst werden konnte.
„Ein Gauner & Gentleman“ balanciert allein schon durch dieses widersprüchliche Verhalten des im Mittelpunkt stehenden Antihelden genüsslich auf der Grenze zwischen Drama und Komödie. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Tucker hier sein routiniertes Handwerk vollzieht, fördern nicht selten (im Anbetracht der Umstände) komische Situationen zutage, doch natürlich bleibt der Film letztlich eben doch das Porträt eines Gangsters. Die parallel zu den Überfällen stattfindende Ermittlerarbeit, in denen sich der solide von Casey Affleck („Manchester By The Sea“) verkörperte Detective John Hunt verbissen auf die Spur des Trios begibt, nimmt im Film nicht weniger Raum ein. Das ist wichtig, um Forrest Tuckers Taten nicht zu verklären und immer wieder deutlich zu machen, was und wem man hier eigentlich gerade zusieht. Ein wenig unter dem Radar läuft dagegen die aufkeimende Beziehung zwischen Tucker und Jewel, die zeitweise den Eindruck erweckt, dem rüstigen Rentner eher alibimäßig noch ein wenig Hintergrund zuzugestehen, um ihn nicht ausschließlich auf sein Dasein als Bankräuber zu reduzieren. Dafür macht es Spaß, „Carrie“-Star Sissy Spacek endlich mal wieder auf der Leinwand zu sehen.
Wenn man den Äußerungen Robert Redfords („Der Pferdeflüsterer“) Glauben schenkt, sieht man ihn übrigens hier das letzte Mal als Darsteller in einem Film, was die Hollywood Foreign Press übrigens vor einigen Wochen direkt mit einer Golden-Globe-Nominierung als „Bester Hauptdarsteller“ zu würdigen wusste. Diese Ankündigung ist Fluch und Segen zugleich: Sollte sich Redford tatsächlich aus der Schauspielerei zurückziehen, wäre „Ein Gauner & Gentleman“ die optimale Wahl, um von der Weltbühne abzutreten, denn bisweilen fühlt sich der Film auch ein wenig so an, als hätte man es hier mit einem „Best of Redford“ zu tun, in dem immer wieder auf frühere Stationen in der Karriere des Hollywoodstars Bezug genommen wird. Gleichzeitig war der gebürtige Kalifornier lange nicht mehr so stark. Es wäre schon schade, ihn nie wieder zu sehen. (programmkino.de)
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