Am 21.5. im Kinoptikum

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Di. 18:30
FREE SOLO  OmU
KletterDoku – USA 2018, 98 Min., Regie: Jimmy Chin, Elizabeth Chai Vasarhelyi
mit Alex Honnold, Sanni McCandless, Tommy Caldwell
Die schwindelerregende (und oscarprämierte) Erklimmung des "El Capitan" durch den Extremkletterer Alex Honold.
Trailer zu FREE SOLO
Weiterlesen... Fast 1.000 Meter ist der El Capitan mit seiner fast senkrechten Wand hoch. Er hat Kletterer von jeher fasziniert, aber niemand hat es gewagt, ihn ohne Sicherung zu besteigen. Davon hat der Free-Solo-Kletterer Alex Honold fast schon sein ganzes Leben geträumt und er stellt alles in den Dienst der Verwirklichung dieses Traums. Honold bereitet sich ausgiebig auf die Besteigung vor, macht zahllose Testläufe mit Kletterseil und stellt sich dann einer Herausforderung, bei der jeder noch so kleine Fehler den Tod bedeuten kann.
„Free Solo“, der in der Kategorie „Bester Dokumentarfilm“ den Oscar gewann, ist das atemberaubende Porträt eines Mannes, dem sehr wohl bewusst ist, was er alles mit diesem Sport riskiert. Aber er tut es dennoch, weil die eigene Passion zu verleugnen schlimmer als der Tod wäre. Ein Free-Solo-Kletterer ist aber vielleicht auch furchtloser als normale Menschen. Ein CT seines Gehirns legt dies nahe. Man zeigte Honold Fotos und beobachtete, wie sein Gehirn reagiert. Die Amygdala blieb dabei erstaunlich passiv. Selbst bei Fotos, die bei anderen Menschen höchste Ausstöße gezeigt haben. Aber vielleicht, so sinniert Honold, ist seine Amygdala wegen des vielen Free-Solo-Kletterns einfach abgestumpft.
Er selbst ist es nicht. Das zeigt dieses Porträt durchaus überzeugend. Mag es anfangs so aussehen, als sei er ein Mensch, der nichts zu verlieren hat, zeigt sich im Verlauf, dass dem eben schon so ist. Kurz bevor er mit den konkreten Plänen für die Besteigung des El Capitan begann, verliebte er sich. Das hatte u.U. auch Auswirkungen. Blieb er zuvor sieben Jahre ohne Verletzung, verletzte er sich nun gleich zweimal innerhalb eines Jahres. Weil ein Free-Solo-Kletterer, so der Kletterprofi Tommy Caldwell, ganz und gar auf die Wand fokussiert sein muss. Er darf an nichts anderes denken. Genau zu diesem geistigen Zustand musste Honold zurückfinden.
„Free Solo“ versteht es, dem Zuschauer ein Gefühl davon zu vermitteln, wieso der Extremsportler macht, was er macht. Man glaubt gerne, dass man sich in diesen Momenten an der Wand dem Leben näher als je zuvor fühlt, oder sich selbst für größer als das Leben hält, wenn man absolute Perfektion erreicht, die notwendig ist, um einen solchen Aufstieg zu überstehen. Aber der Film unterschlägt auch nicht, dass Free-Solo-Kletterer oftmals nicht alt werden. Viele sind durch Abstürze ums Leben gekommen. Ein Schicksal, das auch Honold blühen könnte, weswegen ihm ein Freund schließlich rät, aufzuhören, solange er es noch kann. Aber dem Ruf des Bergs kann sich Honold nicht entziehen.
Der Zuschauer wiederum kann sich der Wirkung dieses Films nicht entziehen. Die Aufnahmen vom Kletterer an der Wand sind atemberaubend. Manche Einstellungen verursachen gar ein mulmiges Gefühl und als Honold beginnt, die gefährlichen Passsagen des El Capitan ohne Sicherung zu besteigen, da ist das spannender und aufregender als bei jedem noch so guten Thriller. (programmkino.de)
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Di. 21:00
AB HEUTE SIND WIR EHRLICH  it. OmU
L'ora legale – IT 2017, 92 Min., Regie: Salvo Picarra & Valentino Picone
mit Salvo Picarra, Valentino Picone, Vincenzo Amato
Triefend italienische Polit-Groteske vom kläglichen Bemühen einer sizilianischen Kleinstadt um Gesetzestreue.
Trailer zu AB HEUTE SIND WIR EHRLICH
Weiterlesen... „Wähle Patanè! Frag dich nicht, warum!“ - unschlagbar ehrlich sind sie immerhin, die Wahl-Slogans des langjährigen korrupten Bürgermeisters Gaetano Patanè aus dem sizilianischen Provinznest Petrammare. Als optischer Berlusconi-Abklatsch verspricht der Politiker wieder einmal goldene Zeiten, derweil Schlaglöcher und Müllberge die Bewohner plagen. Die vorübergehende Festnahme wegen Korruption ist allenfalls lästig, „Ich gewinne auch unter Hausarrest!“ grinst Patanè siegessicher. Denkste. Das Volk probt prompt den Aufstand, kegelt den Bonzen aus dem Amt und wählt überraschend den lokalen Lehrer Pierpaolo Natoli zum neuen Bürgermeister. Der Idealist verspricht Ordnung, Ehrlichkeit und Gesetzestreue. Das Dorf jubiliert und hat alsbald allerlei Forderungen parat. Sei es die Beerdigung für den vor drei Jahren verstorbenen Gatten, eine Playstation für das Kind oder die Genehmigung für eine opulente Vergrößerung des Eiscafes.
Bald jedoch ist Schluss mit lustig. Verkehrsünder werden fortan gnadenlos verfolgt. Die Stechuhren im Rathaus plötzlich kontrolliert. Hundhalter haben die Wege sauber zu halten. Selbst der Pfarrer muss für seine illegale Pension nun Steuern zahlen. Von der ungewohnten Mülltrennung ganz zu schweigen. Als die bislang faulen Forstarbeiter zur Arbeit ausrücken müssen, werden sie auf den Straßen verabschiedet wie Soldaten, die in den Krieg ziehen. Schließlich soll sogar die Chemiefabrik geschlossen werden. Sowie die illegalen Häuser am Meer abgerissen werden. Der bisherigen Privilegien beraubt, kippt die Stimmung unter den Bewohnern. „Bringen wir ihn um“, fordern die einen. Die anderen setzen auf jene bewährte Warnung à la Mafia-Film mit einem Schwertfisch-Kopf im Schlafzimmer. Letztlich hilft am besten eine fiese Intrige mit gefälschten Beweisen. Als des Bürgermeisters schlaue Teenager-Tochter zum Schluss eine feurige Rede auf die Ehrlichkeit hält, sollte das Happyend nicht weit sein - Denkste!
„In jedem von uns steckt ein Stückchen Rechtswidrigkeit, an die wir gewöhnt sind und von der wir vielleicht sogar ganz vergessen haben, dass sie da ist“, erläutern die beiden sizilianischen Komiker Salvo Ficarra und Valentino Picone ihr Konzept. Drehbuch, Regie und Hauptrollen übernimmt das Duo gemeinsam - und das zahlt sich auch bei ihrem fünften Kinostreich spürbar aus. Mit Leichtigkeit spielen sich die beiden die Pointenbälle zu, ohne sich dabei unangenehm in den Vordergrund zu drängen. Das Figurenkarussell ist bestens aufgestellt, vom lokalen Bonzen über den hinterhältigen Pfarrer bis zu den weinerlichen Polizisten oder jenem sinistren Stippenzieher aus dem fernen Rom.
Mit flottem Tempo, gelungenem Timing sowie hübscher Situationskomik präsentiert sich eine Polit--Komödie der amüsanten Art. Selbst jener Running Gag mit dem Behindertenparkplatz erfährt hier noch eine verblüffend ulkige Auflösung. Wie im cinema italia üblich, geraten die Dialoge zur pompösen Palaver-Parade - dank der OmU-Version fühlt man sich prompt wie beim Italiener. (programmkino.de)
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