Am 3.5. im Kinoptikum

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Fr. 18:00
SMALL WORLD
F/D 2010, 92 Min., Regie: Bruno Chiche
mit Gerard Depardieu, Alexandra Maria Lara, Francoise Fabian
Vom diskret alzheimergeplagten Charme der Bourgeoisie: Ein doppelbödiges und ergreifendes Familiendrama in Kooperation mit dem "Netzwerk Demenz".
Trailer zu SMALL WORLD
Weiterlesen... Es ist der Stoff eines Schweizers, nämlich Martin Suters bislang erfolgreichster Roman Small World (so auch der Filmtitel), der hier so genial ins elegant-französische Milieu versetzt wird. Suters Hauptfigur ist der 60-jährige Konrad Lang (im Film: Gérard Depardieu), ein Außenseiter aus reichem Hause, der langsam in die Demenz abgleitet. Das wäre für seine Angehörigen eigentlich recht erfreulich. Denn sie haben ihn gerade deshalb aufs gut gepolsterte Abstellgleis geschoben, damit er gar nicht erst auf die Idee kommt, in der düsteren Vergangenheit der Familie herumzuschnüffeln. Das Dumme ist nur: Je mehr Konrads Kurzzeitgedächtnis verloren geht, umso besser erinnert er sich an Szenen aus der frühen Kindheit. Schlimmer noch: Ihm fallen sogar Episoden ein, die er komplett vergessen hatte.
Regisseur und Drehbuchautor Bruno Chiche verdichtet den Stoff zu einem doppelbödigen Familiendrama. Er lässt das Alzheimer-Thema eher nebenher laufen und konzentriert sich auf die Leichen, die im Keller der Fabrikantenfamilie Senn liegen, insbesondere in dem von Großmutter Elvira (Françoise Fabian), einer Art Matriarchin der Sippe. Die hat außer mit Konrad auch mit Simone (Alexandra Maria Lara) ihre Probleme, der frisch angetrauten Frau von Elviras Enkel Thomas, dem vielversprechenden Firmenchef.
Schon in den ersten Szenen werden die Risse spürbar, die hinter der großbürgerlichen Fassade lauern. Bruno Chiche zeichnet mit seinem Kameramann Thomas Hardmeier und seinem Ausstatter Hervé Gallet eine perfekte Oberfläche ohne jede Ironie - mit detailgenau ausgesuchten Dekors, hochherrschaftlichen Anwesen und mildem Winterlicht. So kann er die untergründigen Spannungen umso feiner andeuten, in kurzen verächtlichen Blicken, kleinen missbilligenden Gesten oder einem verunsichernden Augenaufschlag.
Schon nach wenigen Filmminuten sind die Fronten klar: hier die "guten" Familienmitglieder und dort die nur geduldeten, die man am liebsten an den Katzentisch verbannen würde und denen man Geldgier und Schmarotzertum unterstellt. Das heißt umgekehrt: Die einzigen einigermaßen Unbeschädigten sind "Outlaws", also der demente Konrad und die ungeliebte Simone. Daraus entwickelt sich eine wunderbare Spannung und zugleich eine innige Verbrüderung zwischen dem tollpatschigen, aber auch verletzlichen Gérard Depardieu und der zurückgenommenen, aber genauso eigenständigen Alexandra Maria Lara. Ihrem stummen Einverständnis und ihrer eigentlich aussichtslosen, aber dadurch umso wirksameren Rebellion widmet der Film seine schönsten Szenen. Etwa wenn die junge Frau dem alten Mann nachts auf einer Parkbahn im Regen einen Schirm bringt. Und wenn der sich dadurch revanchiert, dass er im Café einen Schirm aufspannt. Was keinesfalls ein Anfall von Demenz ist, sondern dazu dient, der Jungvermählten den Blick auf den untreuen Ehemann zu ersparen.
Überhaupt ist es tröstlich, in welches Licht Small World die Alzheimer-Krankheit taucht. Wenn man derart in Würde in eine etwas absonderliche Welt abgleiten könnte wie Gérard Depardieu in diesem Film, dann wäre viel gewonnen. Aber die Wirklichkeit ist leider schlimmer als die Fantasie. (kino-zeit.de)
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Fr. 20:00
SATAN DER RACHE
Die Zelluloid-KinemathekE dio disse a caino – IT/D 1969, 91 Min., Regie: Antonio Margheriti
mit Klaus Kinski, Peter Carsten, Marcella Michelangeli
Und der Herr sprach zu Kain: Ein biblischer und bleihaltiger Italowestern im Gewand eines Horrorfilms.
Trailer zu SATAN DER RACHE
Weiterlesen... Um es gleich vorweg zu nehmen: “Satan der Rache” ist Klaus Kinskis “Keoma” - nur düsterer, nihilistischer und fast eher wie ein apokalyptischer Horrorfilm inszeniert. Als High-Concept-Italowestern aus den Händen des einschlägig bekannten Genre-Filmer Antonio Margheriti bleibt “Satan der Rache” aber auf dem Teppich und versucht nicht ins Esoterische abzudriften wie “Töte Django” oder gar “El Topo”. Schon der originale Titel (“Und der Herr sprach zu Kain”) weist wieder mal auf eine biblische Abrechnung hin, die im Italowestern natürlich voll mit Blei bezahlt wird. Gary Hamilton (Kinski) hat 10 Jahre als Gefangener in einem Steinbruch schuften müssen und wird aufgrund einer Amnestie freigelassen. Schuld an seinem unfreiwilligen Arbeitsprogramm hat sein ehemals bester Freund Acombar (Peter Carsten hat den Film auch co-produziert), der ihn bei der Obrigkeit ans Messer geliefert und sich zusätzlich seine Freundin Maria (Marcella Michelangeli) unter den Nagel gerissen hat. Hamilton will deshalb nur noch gnadenlose Rache üben, die sich im Film aber nicht nur als blanke Gewalt, sondern zum Schluss als schmerzhaft tragische Oper griechischen Ausmaßes entlädt. Nach der kurzen Eröffnungssequenz im Steinbruch beobachtet der Film nur noch Hamiltons Angriff auf Acombar und seine Schergen. Dieser ausgewalzte Showdown funktioniert dank seiner inszenatorischen Vielfalt und einer gelungenen Atmosphäre. Der Rachefeldzug wird von einem Sturm begleitet, der den kleinen Ort wahrlich in eine Geisterstadt verwandelt, in der Hamilton wie ein Geist zwischen ächzenden Balken, knarrenden Türen, tröpfelnden Indianer-Katakomben und einer den Tod ankündigen Kirchenglocke sein blutiges Werk vollbringt. Visueller Höhepunkt des ausgedehnten Totentanzens ist die finale Konfrontation zwischen Hamilton und Acombar, bei der einige Spiegel eine zentrale Rolle spielen. “Satan der Rache” wird besonders mit seinem Epilog, bei dem deutlich wird, dass auch Kinskis Hamilton nie mehr etwas zu Lachen haben wird, zu einer schönen Überraschung aus dem weiten Feld des Italowesterns. (dvdrome) Ausblenden