Am 2.5. im Kinoptikum

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Do. 18:30
MID90S  OmU
USA 2018, 95 Min., Regie: Jonah Hill
mit Sunny Suljic, Lucas Hedges, Katherine Waterston
Nostalgische Zeitreise in die coolen 90er samt Mixtapes und Skateboards - starkes Indie-Kino mit zeitgenössischem Soundtrack.
Trailer zu MID90S
Weiterlesen... 1995 lief „Kids“ im Kino, Kurt Cobain war erst kurz tot und Monica Lewinsky Praktikantin im Oval Office. Mitten in dieser Zeit lebt der 13-jährige Stevie (Sunny Suljic) mit seiner Mutter Dabney (Katherine Waterston) und dem älteren Bruder Ian (Lucas Hedges) in Los Angeles. Im Regal stehen Videokassetten, auf der Kinderbettwäsche prangen die „Turtles“, auf dem Shirt das Beat 'em up „Street Fighter II“. Wenn der schmächtige Stevie und der zänkische Ian mal nicht streiten, zocken sie PlayStation. Auf der Konsole würde Stevie locker „Tony Hawk's Skateboarding“ spielen, wäre das Game nicht erst 1999 erschienen. Der Junge steht auf Skateboards und alles, was dazugehört.
In einem Skateshop trifft Stevie den ungefähr gleichaltrigen Ruben (Gio Galicia). Der hängt hier schon länger ab und stellt dem Greenhorn seine etwas älteren Kumpels vor: Den afroamerikanischen Ray (Na-kel Smith), der als Profi-Skater rauskommen will, den blondgelockten Womanizer „Fuckshit“ (Olan Prenatt) und den gutmütigen Sitzenbleiber „Fourth Grade“ (Ryder McLaughlin). Bald bekommt Stevie den Spitznamen „Sunburn“ und wird, obwohl sichtlich jünger, ein Teil der Skateboardclique.
Mitte der 1990er waren die Pole Independentfilm und Mainstream im amerikanischen Kino noch relativ unterscheidbar. Dann, Tarantino lässt grüßen, strömte der Indie-Spirit auf der Höhe seines Erfolgs in den Massengusto. Im Coming-of-Age-Porträt „Mid90s“ holen Jonah Hill und der Kameramann Christopher Blauvelt die verlorene Zeit mit 16mm-Material und dem alten 4:3-Format zurück. Bildkratzer und Körner trimmen den Look auf analog, die Outfits sitzen, Jump Cuts straffen den Rhythmus. Und als Ergänzung zur Musik von Trent Reznor und Atticus Ross sampelt der Soundtrack zeitgenössische Hits von „Nirvana“, den „Beastie Boys“ oder „Eminem“, von Grunge über Ska bis Hip-Hop. Der Stil transportiert die Aussage.
Der 1983 geborene Regisseur und Autor Hill peilt aber keine nostalgische Retrospektive an, sondern ein Gefühl des Dabeiseins. Oder des dabei gewesen seins. Im persönlich gefärbten Blick auf die Jugendkultur der 90er steckt viel Universelles. Ein genauer Blick für Zwischenmenschliches, der auch deshalb so treffend ist, weil er nicht alles sieht. Die Situationen zeigen Ausschnitte des Ganzen. Die Skater, perfekt gecastete Laiendarsteller, beleben die unverfälscht wirkende Milieudarstellung mit Improvisationstalent.
Man chillt, labert, feiert, skatet. Die erste Zigarette, der erste Rausch, das erste Petting. Die erste Platzwunde, weil ein krasser Stunt misslingt. Fourth Grade hält mit dem Hi8-Camcorder drauf, Ray avanciert zum Ersatzbruder für Stevie, Fuckshit will nur Party machen. Ruben, dem der Neue den Anschluss überhaupt erst zu verdanken hat, reagiert eingeschnappt. Auch Stevies Mutter missbilligt den Umgang des Sohns. Zu viele Schimpfwörter. Dabei halten die Freunde fest zusammen, zumindest im Moment. Ein Bruch steht bevor, die Zukunft sieht anders aus. 1995 ist über zwei Jahrzehnte her. (programmkino.de)
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Do. 21:00
SATAN DER RACHE
Die Zelluloid-KinemathekE dio disse a caino – IT/D 1969, 91 Min., Regie: Antonio Margheriti
mit Klaus Kinski, Peter Carsten, Marcella Michelangeli
Und der Herr sprach zu Kain: Ein biblischer und bleihaltiger Italowestern im Gewand eines Horrorfilms.
Trailer zu SATAN DER RACHE
Weiterlesen... Um es gleich vorweg zu nehmen: “Satan der Rache” ist Klaus Kinskis “Keoma” - nur düsterer, nihilistischer und fast eher wie ein apokalyptischer Horrorfilm inszeniert. Als High-Concept-Italowestern aus den Händen des einschlägig bekannten Genre-Filmer Antonio Margheriti bleibt “Satan der Rache” aber auf dem Teppich und versucht nicht ins Esoterische abzudriften wie “Töte Django” oder gar “El Topo”. Schon der originale Titel (“Und der Herr sprach zu Kain”) weist wieder mal auf eine biblische Abrechnung hin, die im Italowestern natürlich voll mit Blei bezahlt wird. Gary Hamilton (Kinski) hat 10 Jahre als Gefangener in einem Steinbruch schuften müssen und wird aufgrund einer Amnestie freigelassen. Schuld an seinem unfreiwilligen Arbeitsprogramm hat sein ehemals bester Freund Acombar (Peter Carsten hat den Film auch co-produziert), der ihn bei der Obrigkeit ans Messer geliefert und sich zusätzlich seine Freundin Maria (Marcella Michelangeli) unter den Nagel gerissen hat. Hamilton will deshalb nur noch gnadenlose Rache üben, die sich im Film aber nicht nur als blanke Gewalt, sondern zum Schluss als schmerzhaft tragische Oper griechischen Ausmaßes entlädt. Nach der kurzen Eröffnungssequenz im Steinbruch beobachtet der Film nur noch Hamiltons Angriff auf Acombar und seine Schergen. Dieser ausgewalzte Showdown funktioniert dank seiner inszenatorischen Vielfalt und einer gelungenen Atmosphäre. Der Rachefeldzug wird von einem Sturm begleitet, der den kleinen Ort wahrlich in eine Geisterstadt verwandelt, in der Hamilton wie ein Geist zwischen ächzenden Balken, knarrenden Türen, tröpfelnden Indianer-Katakomben und einer den Tod ankündigen Kirchenglocke sein blutiges Werk vollbringt. Visueller Höhepunkt des ausgedehnten Totentanzens ist die finale Konfrontation zwischen Hamilton und Acombar, bei der einige Spiegel eine zentrale Rolle spielen. “Satan der Rache” wird besonders mit seinem Epilog, bei dem deutlich wird, dass auch Kinskis Hamilton nie mehr etwas zu Lachen haben wird, zu einer schönen Überraschung aus dem weiten Feld des Italowesterns. (dvdrome) Ausblenden