Am 24.4. im Kinoptikum

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Mi. 18:30
INTERNATIONAL CYCLING FILMFESTIVAL
Fahrradaktionstag – D 2019,
15 kurze Filme rund um das Zweirad in einem Gastspiel des renommierten ICFF zum Fahrrad-Aktions-Tag der Stadt Landshut.
Trailer zu INTERNATIONAL CYCLING FILMFESTIVAL
Weiterlesen... Das Fahrrad verspricht Rettung vor dem sicheren Untergang. Dies ist die Botschaft des Films „Iron Horse“ von Teresa Väli aus Estland: Ein Fahrradfahrer gerät in der estnischen Wildnis in eine lebensbedrohende Situation, und als alle Hoffnung verloren scheint, rettet sein Fahrrad ihm das Leben. Es wird aber – unglücklicher Held! – am Ende vom Geretteten verstoßen. Wir rufen mit diesem 13. Programm dem abtrünnigen Freund protestierend zu, dass das Fahrrad gut ist für die Menschheit, und deswegen soll man sein Fahrrad mögen und pflegen.
Das 13. Internationale Festival des Fahrrad-Films erzählt viele Geschichten über die Beziehung zwischen Mensch und Fahrrad, die allerhand philosophischen und unterhaltsamen Stoff liefert. Richtig schön queer geht es in “A Bicycle in Love“ zu, ein Film über die glückliche Liebe zwischen Daisy und dem charmanten Fahrrad Greg. An anderer Stelle empfiehlt es sich, Taschentücher bereit zu halten, denn wie im echten Leben enden die filmischen Beziehungen oftmals tragisch, wie etwa in der zauberhaften Animation „Bike Ride“ von Tom Schroeder aus den USA.
Mit dem französischen Romancier Stendhal ließe sich sagen, der Fahrradfilm ist ein Spiegel, den man per Lastenrad die Landstraße entlang fährt. Dort sehen wir den jungen Edouard, der im gleichnamigen Film von François Fournier, Kanada, mit dem Fahrrad davon fährt, so weit es geht, „um zu sehen, ob ich es kann“ – mit dem Fahrrad als eine Möglichkeit, aus der Kindheit auszubrechen. Auch Jean-Aimé Bigirimana, ein kanadischer DJ mit ruandischen Wurzeln, versucht den Ausbruch. Im Film „Escape“ von Anjali Nayar flieht er, astronautengleich und bildgewaltig, ins ewige Eis.
Das Lastenrad spielt nicht nur eine metaphorische Rolle. Zwei Filme demonstrieren eindrucksvoll, dass es im echten Leben unterschätzt wird. Auch bei großen Lasten kann es mit dem Auto ganz schön „deppert“ zugehen, wie der Film „Siedelei“ aus Salzburg in breitem Österreichisch erzählt. Die Dortmunder Velokitchen-Fahrradszene, deren Kochkünste seit vielen Jahren die Kirsche auf der Torte des ICFF bedeuten, veranschaulicht in „On the Move“, dass eine Vielzahl Lastenräder Berge versetzen kann.
Das Festival wäre keins ohne den politischen Film, und ein besonderes Gewicht kommt „Tigersprung“ zu. Er ist dem Leben von Albert Richter gewidmet, 1932 Amateur-Weltmeister auf der Bahn, 1940 von der Gestapo ermordet. Im Zentrum des Films steht sein jüdischer Manager, der Kölner Ernst Berliner, der, vor den Nazis fliehend, in den Niederlanden überlebt und später in die USA auswandert. Er versucht den Fall in den 1960er Jahren zur Anklage zu bringen, aber die deutsche Justiz will kein Verfahren eröffnen. Auch die Kölner Bahnszene sieht ihn lediglich als „die Störung“ – er erfährt vollkommene Ablehnung. Ernst Berliner reist heim mit dem Vorsatz, nie wieder nach Deutschland zurück zu kehren.
Das Festival zeigt insgesamt 15 Filme aus zehn verschiedenen Ländern, darunter experimentelles Kino aus Belgien und Großbritannien, Dokumentationen aus Guatemala und Deutschland, für die spirituelle Erbauung sorgt der Film „Der Langsamwallradfahrer“ von Fritz Tietz: „Nicht nur die Wege des Herrn sind unergründlich, zuweilen sind es auch seine Radwege“. Begeben wir uns gemeinsam auf den Weg, der, teil steinig, teils mit sehr unterhaltsamen Abschnitten, in eine bessere Welt führt, in der die alten Nazis und neuen Populisten keine Stimme mehr haben.

Gernot Mühge und Chris Wawrzyniak)
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Mi. 21:00
YULI  span. OmU
SP/CU/GB/D 2018, 110 Min., Regie: Icíar Bollaín
mit Carlos Acosta, Santiago Alfonso, Keyvin Martínez
Die wahre Geschichte des afrokubanischen Ballett-Stars Carlos Acosta als leidenschaftlich choreographiertes Tanz-Kino.
Trailer zu YULI
Weiterlesen... Kuba, Anfang der 80er Jahre. Stolz nennt der Afrokubaner Pedro (Santiago Alfonso) seinen kleinen Sohn „Yuli“ (Edlison Manuel Olbera Núñez). Es ist der Name des Kriegsgotts Ogun aus der Santeria, der afrikanischen Yoruba-Religion seiner Vorfahren, Verschleppt aus Afrika  kamen sie als Sklaven auf die Insel. Der versierte LKW-Fahrer war selbst noch Enkel einer Sklavin, die auf der Acosta-Zuckerrohrplantage ausgebeutet wurde. Der Name der Plantage ging auf die Sklaven über. Als er das Tanztalent seines Sohnes entdeckt, sieht er darin die Hoffnung das Blatt ein für allemal zu wenden.
Doch Yuli will lieber Fussballstar werden, wie der Brasilianer Pelé. Nichts zieht ihn zum klassischen Ballett. Auf den Straßen ist er außerdem längst der Break-Dance-King. Auch Maria, seine spanischstämmige Mutter (Yerlín Pérez), die aus der weißen Mittelschicht stammt, kann ihm da nicht helfen. Er landet auf der Nationalen Ballettschule. Schlimmer noch, nachdem er den Unterricht schwänzt, kommt er ins Internat aufs Land nach Pina del Rio. Heimweh und Einsamkeit fressen ihn fast auf. Traumatisiert durch die Prügel seines Vaters, der sich nicht anders zu helfen weiß, zerbricht er fast.
Aber dank seiner verständnisvollen Lehrerin findet er doch noch Zugang zum Tanz. Aus Zwang wird Zuflucht. Als 16jähriger gewinnt er die Goldmedaille beim Pix de Lausanne. Das Royal Ballett holt den 18jährigen (Keyvin Martínez) nach London. Der Beginn einer einzigartigen Karriere, die er zeitweise nach einer Verletzung wieder aufs Spiel setzt. Denn sein Lebenshunger ist nach all den Jahren eiserner Disziplin ungestillt. Doch trotz des Ruhms hat er eines nie vergessen: Wo seine Wurzeln liegen. Die spanische Regisseurin inszeniert mit ihrem begeisternden Tanzfilm kein konventionelles Biopic.
Gemeinsam mit ihrem Ehemann und Drehbuchautor Paul Laverty sowie Carlos Acosta schlägt die gebürtige Madrilenin einen kunstvollen Bogen über drei Phasen der kubanischen Geschichte. Angefangen von der Kindheit Acostas in den 1980er-Jahren, als der karibische Sozialismus noch in voller Blüte stand, über die komplizierten Jahre der „Sonderperiode“ nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis hin zur Gegenwart. Zudem erinnert die brillante Erzählstruktur und Bildgestaltung an die wunderbaren Tanzfilme ihres Landsmann und Altmeister Carlos Saura. Unterstützt von den ausgezeichneten kubanischen Schauspielern wie Yerlín Pérez, den kubanischen Choreographie-Veteranen und last but not least dem spektakulären Debüt des jungen Edlison Manuel Olbera Núñez gelingen die Übergänge von Fiktion zu beindruckenden Tanzszenen.
Die karibische Insel ist nach wie vor der Stachel im Fleisch der Weltmacht USA. Dass ein afrokubanischer Ballettstar die Bühnen der Welt erobert und zum ersten dunkelhäutigen Romeo avanciert kommt nicht von ungefähr. Sein Werdegang hat sehr viel mit dem freien Zugang aller zur künstlerischen Ausbildung in Kuba zu tun. „Wir konnten alle etwas lernen“, sagt Carlos Acosta. „Wie hätte sich meine Familie aus eigenen Mitteln Ballettschuhe für mich leisten können? In Kuba war das möglich“. Dass die Hautfarbe dabei keine Rolle spielt, spiegelt sich in jedem kubanischen Orchester oder Ballettensemble wieder. Rassismus ist seit der Revolution auf der Zuckerinsel wenig ausgeprägt. Nicht umsonst kehrte der inzwischen 45jährige Ballett-Weltstar mit Frau und Kindern wieder in seine Heimat zurück. (programmkino.de)
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