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Mi. 18:30
DAS PRINZIP MONTESSORI
MonatsDokuLe Maître est l'enfant – F 2018, 100 Min., Regie: Alexandre Mourot
Eine puristische Studie reformpädagogischer Konzepte und der "Lust am Selberlernen".
Trailer zu DAS PRINZIP MONTESSORI
Weiterlesen... „Selber machen!“ Jeder, der Kinder hat, kennt diesen lauthals formulierten Urwillen des eigenen Nachwuchses. Tausendfach gehört, nicht selten verbunden zugleich mit einem lachenden und einem weinenden Auge, vor allem dann, wenn Mama oder Papa wieder mal guten Willens von außen in den komplexesten Bereich des Leben eingreifen wollen: den des permanenten Lernens. Und der Sohn oder die Tochter eben genau dagegen partout etwas hat...
Bis heute existieren unzählige Methoden, Techniken und pädagogische Ansätze, um diesen essentiellen Prozess im Leben eines jeden jungen Menschen so schnell und so nachhaltig wie nur möglich beginnen und weiter unterstützen zu können. Und auch im zeitgenössischen Kinodokumentarfilm ist es in der Zwischenzeit zur Mode geworden, quasi jeder populären pädagogischen Denkrichtung sowie jedem eher unkonventionellen Lehr- und Lernmodell einen eigenen Film.
Im Falle von Alexandre Mourots puristischer Dokumentarfilmstudie Das Prinzip Montessori – Die Lust am Selber-Lernen geht es nun, wie der Titel bereits klar macht, um die reformpädagogischen Ideen Maria Montessoris (1870 – 1952). Deren weitreichende Lehr- und Lernkonzepte als eigenwillige Ärztin, Philosophin und Philantropin erfreuen sich gerade bei Eltern von Kindern im Vorschulalter und im allgemeinen nicht nur in Deutschland zunehmender Beliebtheit. „Hilf mir, es selbst zu tun“ oder „Eine vorbereitete Umgebung und der vorbereitete Erzieher / Lehrer sind das praktische Fundament unserer Erziehung“ lauten nur zwei häufig zitierte Lehrsätze der „Montessori“-Pädagogik, die parallel in Fachtagungen und Kongressen immer wieder breit diskutiert werden.
Denn: Wer leitet hier wen (an)? Was treibt die Kinder überhaupt von sich aus zum Lernen wie Ausprobieren an? Und wie lässt sich dieses komplexe Ideenkonzept sinnvoll zwischen Kind und Erzieher in die Tat umsetzen? Spätestens seit den 1970ern Jahren haben sich Maria Montessoris wegweisende „Learning-by-doing“-Konzepte vor allem in den europäischen Staaten stark verbreitet und die Wartelisten für Kindergärten und Einrichtungen, die mit ihren Ideen arbeiten, haben oft genug lange Wartelisten. Es muss also zwangläufig etwas dran sein an jener „Montessori“-Erziehung: Nur was genau? Und wie lässt sich das filmisch überhaupt jemandem vermitteln, der kein Erziehungsexperte ist?
Wer nun bei Das Prinzip Montessori – Die Lust am Selber-Machen einen halbbiografischen, halbpädagogischen Portrait- oder Lehrfilm zur Gründerin der so genannten „Montessori“-Kinderhäuser erwartet oder generell mehr zu den Vor- und Nachteilen dieses Erziehungsprinzips erfahren möchte, sitzt an dieser Stelle im völlig falschen Film. Denn neben ein paar kurzen Schwarzweiß-Archiv-Aufnahmen und gefühlt endlosen Montessori-Zitaten aus dem Off, hat sich der ehemalige Ingenieur Mourot – selbst Vater einer Tochter –als Regisseur gegen klassische Experten-O-Töne, Schautafeln, Grafiken oder Animationen entschieden.
Sozusagen im Selbstexperiment hat er sich als Filmemacher wie junger Vater über ein Jahr lang das tägliche Geschehen in Frankreichs ältestem „Montessori“-Kinderhaus („Jeanne D’Arc“) in Roubaix angesehen und mit der Kamera selbst begleitet: Puristisch, nahezu stumm, mit großer Tiefenschärfe und starkem Weitwinkelobjektiv, was in den ersten Minuten von Das Prinzip Montessori – Die Lust am Selber-Machen eine faszinierende „Mitten-im-Raum-sitzen“-Atmosphäre kreiert.
Mourots eigene, insgesamt recht monotone Bild- und Tongestaltung reicht zwar dabei nicht an erstklassige Referenzfilme wie Miss Kiet’s Children heran, macht jedoch einige Grundideen Montessoris für den Zuschauer zu Beginn durchaus anschaulich. Das mal mühsame, mal luftig leichte Lernen-Lernen von Léa, Valentine, Charlie oder Agathe mit ihrem Lehrer Christian Maréchal wird in den besten Momenten dieses ausgesprochen spröde inszenierten Dokumentarfilms immer wieder mal greifbar: Egal ob beim Brot backen, Auf- und Zuknöpfen, Rechnen, Ein- und Ausgießen oder den ersten Leseversuchen.
Zugegeben: Die „Arbeiten“, wie Maria Montessori das zu Beginn des 20. Jahrhunderts nannte, sind in diesem traditionsreichen Kinderhaus in der Nähe von Lille an der französisch-belgischen Grenze in der Tat sehr vielfältig. Vieles, was man dort sieht, macht nicht nur den etwa 30 drei- bis sechsjährigen Kindern sichtlich Freude, sondern weckt auch beim Publikum automatisch eine gewisse Neugierde.
Nur die für Kleinkinder so zentralen Tätigkeiten wie Schlafen, Turnen oder Essen finden in Mourots Einstellungen leider kaum einen Platz. Und noch schlimmer: Jede Art von Konflikt wird scheinbar ausgeblendet. Wirklich alles scheint hier unentwegt im Fluss zu sein und Probleme haben nur die anderen (z.B. Vorschulen, Kindergärten, Horte und Co.), was doch gelinde gesagt irritiert. Und so bleibt dieser thematisch an sich hochrelevante, jedoch arg brav und deutlich zu unkritisch inszenierte Dokumentarfilm am Ende doch ein klassischer Themenabend-Film für kulturelle Spartensender. Mehr nicht. (kino-zeit.de)
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Mi. 21:00
HEAVY TRIP
Hevi reissu – FIN/NOR/B 2018, 90 Min., Regie: Juuso Laatio, Jukka Vidgren
mit Torstein Bjørklund, Antti Heikkinen
Täglich grüßt das Rentier: Eine völlig abgedrehte Metal-Ballade aus schwärzester skandinavischer Seele - Wacken lässt grüßen.
Trailer zu HEAVY TRIP
Weiterlesen... Sie spielen symphonischen, postapokalyptischen, gotteslästerlichen, rentierzermürbenden, extrem verwerflichen fennoskandinavischen Metal – allerdings erst seit kurzem. Vorher waren sie ein paar Kumpels, die sich im Keller zum Krachmachen getroffen haben. Die laute Metal-Coverversionen hinlegten, aber nix Eigenes im Repertoire hatten.
Bis zu diesem Moment der Inspiration: Als im Rentierschlachthof die Rentierhüfte in der Schlachtstückeverkleinerungsmaschine hängenblieb und so einen reibenden, kreischenden Laut von sich gab, als seien es die Seelen von Hunderten von Rentieren, die auf dem Weg zur Hölle vor Schmerzen schrieen… Sie haben ein Riff, wie es noch nie eines gab. Und einen Song, auf den sie stolz sein können. Und als dann auch noch Frank auftaucht, vom norwegischen Northern-Damnation-Festival, da haben sie auch endlich einen Gig. Wahrscheinlich. Jedenfalls sind sie bereit für ihren Heavy Trip.
Soziologisch müsste man mal der Sache nachgehen: Warum ausgerechnet in Skandinavien der düsterste, wüsteste, krasseste Metal der Welt gespielt wird. Das geht wirklich schlimmstmöglich ab dort: Gespielt von den schwedischen Bullerbü-Nachfahren, von den finnischen Stoikern, von den norwegischen Stockfischbetrachtern. Mit Gitarre, Bass und Schlagzeug hauen sie höllisch rein, gerade in den Ländern, wo allezeit und überall Friede, Freude und Eierkuchen herrschen. Wahrscheinlich müssen die Jungs aus der allgegenwärtigen Freund- und Freiheitlichkeit raus und mitten rein in den lautesten Individualismus, den es geben kann. Wo jeder jeden duzt und "Hej" der freundliche Gruß ist, muss als Gegengewicht in der Musik Satan herrschen.
Bei Turo, dem Sänger, Pasi, dem Bassisten, Lotvonen, dem Gitarristen, und Jynkky, dem Schlagzeuger, ist es ganz einfach so, dass sie sich seit der Schulzeit kennen. Und nichts anderes zu tun haben in dem Kaff. Und dass sich daran gewöhnt haben, wegen ihrer langen Haare als Schwuchteln verspottet zu werden, oder dass die Polizei sie als Klebstoffschnüffler auf dem Kieker hat. Seit zwölf Jahren haben sie ihre Band. Auftritte haben sie nicht. Und noch nicht mal einen Bandnamen. Aber dafür so was wie Zusammengehörigkeit. Und eine gemeinsame Aussichtslosigkeit in der finnischen Provinz. Turo ist Pfleger im Alten-Schrägstrich-Irrenheim, Pasi, der Proto-Autist, arbeitet in der Dorfbibliothek und gibt statt Justin-Bieber-CDs Grindcore aus Uruguay raus. Im Rentierschlachthof wird geübt. Für nichts, erstmal. Bis sich alles ändert mit der vagen Aussicht auf das Festival.
Plötzlich sind die vier wer. Es geht nach Norwegen! Weiter als über die Landkreisgrenze ist sonst ja eigentlich noch keiner gekommen. Der Bürgermeister freut sich, und der örtliche Musikentertainer muss sich auch freuen, schon allein, weil das Blumenmädchen sich freut. Die will er rumkriegen, jedoch ist sie in Turo verknallt, und er in sie, aber diese kleine Romanze ist eigentlich dermaßen unwichtig im Film, dass ab der Hälfte die Regisseure Juuso Laatio und Jukka Vidgren ziemlich viel über den Haufen werfen und einen unglaublichen Irrsinn auf die Leinwand bringen.
Das gute alte Genre der Finde-dich-selbst-Wohlfühl-Komödie – darin sind die skandinavischen Filmemacher Meister. Hier aber wird das Ganze in heftigstem Metal getränkt – und alsbald völlig über Bord geworfen, wenn geradezu existentieller Blödsinn in die Waagschale geworfen wird. Wenn die Delta-Force des Grenzschutzes eingreift, wenn eine Junggesellenabschiedsrunde, Motto: Jesus, heran rollt, wenn ein Elbe unter lauter Wikingern auftaucht: Wenn's richtig abdreht, macht's richtig Laune.
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