Am 17.2. im Kinoptikum

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So. 11:00
DIE SCHNEIDERIN DER TRÄUME
IND/F 2018, 99 Min., Regie: Rohena Gera
mit Tillotama Shome, Vivek Gomber
Eine anrührende Romanze wider den Traditionen des Kasten-Systems im quirligen Mumbai.
Trailer zu DIE SCHNEIDERIN DER TRÄUME
Weiterlesen... Im pulsierenden Leben der flirrenden Metropole Mumbai versucht Ratna (Tillotama Shome) ihr Glück. Selbstbewusst entkommt sie damit ihrem düsteren Schicksal als Witwe auf dem Land. Und so arbeitet sie als Dienstmädchen im Haushalt einer reichen Familie. Doch die junge ambitionierte Frau besitzt Hoffnungen und Träume. Nicht nur, dass sie Geld für das Studium ihrer Schwester Choti spart, sie möchte irgendwann Schneiderin und dann Modedesignerin werden.
Aber als die arrangierte und aufwändige Hochzeit ihres Dienstherrn Ashwin (Vivek Gomber), Sohn des erfolgreichen Baulöwen, der einmal die Firma übernehmen soll, platzt, ist ihr Job in Gefahr. Denn, dass eine junge verwitwete Frau mit einem alleinstehenden Mann in einer Wohnung lebt, ist ein Tabu. Erneut droht ihr gesellschaftliche Ächtung, sollte auch nur irgendein Gerücht die Runde machen. Gleichzeitig tut ihr der junge Mann, der sein unabhängiges, kosmopolitisches Leben in New York vermisst, leid.
Während er scheinbar alles hat, um glücklich zu sein, versinkt er in Depression und Selbstmitleid. „Das Leben ist nicht vorbei“, versucht sie ihn zu trösten und überschreitet damit eigentlich eine Grenze. Um nicht zu viel verbotene Nähe entstehen zu lassen, nennt sie ihn beharrlich „Sir“. Aber sie kann nicht verhindern, dass sie Gefühle für ihn entwickelt. Und auch Ashwin sieht ihn der willensstarken jungen Frau bald mehr als nur seine Dienstmagd.
Sparsam an Dialogen, jedoch reich an Gesten, verdichtet sich der Film zum Porträt weiblicher Stärke vor dem Hintergrund traditioneller Strukturen. Mehr minimalistisch, ohne hektische Handkamera und poppiger Optik, treibt Regisseurin Rohena Gera das Entstehen der feinen Beziehung voran: Hier ein Wort, dort ein Blick, hier eine Geste. Man kommt sich zaghaft näher ohne es auszusprechen. Zart verknüpft sie in ihrem Spielfilmdebüt die Schicksale eines melancholischen Sohn aus der Oberschicht und einer, trotz allem, optimistischen, jungen Witwe vom Land.
Die Kostbarkeit des einzelnen Moments zwischen den Figuren, die von Szene zu Szene mehr von sich offenbaren, erschließt sich manchmal erst im Nachhinein. Wie bei ihrem Vorbild „In the mood of love“ entsteht der einzigartige Rhythmus dieses Films aus einem Beharren auf der Langsamkeit in der Entwicklung tieferer zwischenmenschlicher Beziehungen im modernen Indien. Damit nähert sie sich tatsächlich ein Stück weit dem Meister der asiatischen „Nouvelle Vague“ Won Kar-Wai und seinem poetischen Geniestreich. Vollendet beherrscht sie das Spiel mit Andeutungen und Erwartungen.
Dass die Figuren so glaubwürdig erscheinen, ist aber auch das Verdienst der ausgezeichneten Schauspieler, allen voran Tillotama Shome. Bereits in Mira Nairs preisgekröntem Hochzeitsdrama „Moonson Wedding“ beindruckte die talentierte Actrice aus Kalkutta als selbstbewusste Hausangestellte. Keiner übertreibt seinen Part bollywoodesk. Kreischend bunte Paillettensaris, wilde Tanzeinlagen und schmalzige Liebesszenen, wie man sie sonst aus Bollywood-Filmen kennt, haben in dem Arthouse-Film genauso wenig Platz wie folkloristischer Indien­klim­bim à la Darjeeling Limited oder dunkle Bilder von Armut und Gewalt wie in „Slumdog Millionaire“. Nur das Ganesh Chaturthi, ein Fest zu Ehren des Elefantengottes, bringt scheinbar etwas Exotik in den Film, die jedoch keineswegs überzogen wirkt. (programmkino.de)
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So. 15:30
MEIN FREUND, DIE GIRAFFE
KinderKino – NL/B/D 2017, 74 Min., Regie: Barbara Breders
Von der Einschulung mit einer sprechenden Giraffe.
Trailer zu MEIN FREUND, DIE GIRAFFE
Weiterlesen... Welches Kind wünscht sich nicht eine sprechende Giraffe als besten Freund? Der kleine Dominik hat das Glück, neben dem Zoo aufzuwachsen und sich seinen Geburtstag mit der sprechenden Giraffe Raff zu teilen. Nicht zuletzt deshalb sind die beiden ein Herz und eine Seele. Doch als der Junge eingeschult wird, bekommt die tierische Freundschaft erster Risse. Denn ganz offensichtlich ist es Raff nicht gestattet, den Schulalltag mit Dominik zu bestreiten. Für die beiden eine Herausforderung, die sie mit viel Charme, neuen Freunden und Einfühlungsvermögen meistern werden … Ausblenden

So. 18:00
THE LAST MOVIE  OmU
USA 1971, 108 Min., Regie: Dennis Hopper
mit Dennis Hopper, Kris Kristofferson, Peter Fonda
Eine, nicht nur filmhistorisch kuriose Wiederentdeckung über einen gescheiterten Filmdreh in den Anden.
Trailer zu THE LAST MOVIE
Weiterlesen... So beeindruckend es angefangen hatte, so schnell war es auch schon wieder vorbei: Als bei einem Filmdreh in einem Indio-Dorf in Peru einer der Darsteller ums Leben kommt, wird das Projekt sofort abgebrochen. Stunt-Koordinator Kansas (Dennis Hopper) hat jedoch keine Lust, schon wieder in die Heimat zurückzukehren. Stattdessen bleibt er noch eine Weile, verliebt sich auch in eine Frau vor Ort. Die lokale Bevölkerung ist ohnehin nicht bereit dazu, zum alten Alltag überzugehen. Stattdessen setzen sie die Dreharbeiten auf ihre Weise fort, imitieren die Tätigkeiten der Crew, ohne genau zu wissen, was sie da eigentlich tun.
Auch wenn der Titel auf einen Abgesang schließen lässt, eigentlich hätte The Last Movie das Regiedebüt von Dennis Hopper sein sollen. Doch es wollte sich einfach niemand finden, der das von ihm und Drehbuchautor Stewart Stern (…denn sie wissen nicht, was sie tun) erdachte Projekt finanzieren würde. Erst als Hoppers vorgezogenes Easy Rider zu einem Phänomen wurde, konnten sich die beiden ihrem gemeinsamen Traum widmen. Ein Traum, der zum Albtraum für das Filmstudio wurde, das im Vorfeld nicht geahnt hatte, worauf es sich hier einließ.
Wobei The Last Movie auf den ersten Blick natürlich schon einiges her macht. Die abgeschiedene Landschaft von Peru lädt dazu, Ewigkeiten auf die Leinwand zu schauen. Es gibt viel Detailarbeit zu begutachten, dazu geht es auch zu Beginn hoch her. Schließlich wird ja ein Western gedreht. Nur dass dieser Dreh nicht ganz das Ergebnis mit sich bringt, das man als Zuschauer erwartet. Und das gilt auch für den Rest des Films, von dem man nie so genau sagen kann, ob er überhaupt ein Film sein soll oder eine Metareflexion über das Filmemachen.
Das erinnert an Orson Welles’ kürzlich fertiggestelltes The Other Side of the Wind, ein weiteres Langzeitprojekt, dessen Ambitionen an der wirtschaftlichen Realität scheiterten. In beiden Fällen schauen wir Filmemachern über die Schulter, beobachten sie abseits des eigentlichen Drehs. Wo das eine anfängt und das andere aufhört, ist dabei jedoch im Einzelfall schwer zu sagen. Wenn beispielsweise die Indios beginnen, auf ihre Weise die fremde Welt des Filmens zu wiederholen, dann führt das die Absurdität dieses Geschäfts vor Augen. Aber auch ohne sie gibt es gerne mal eine Diskrepanz zwischen dem, was vorgeführt wird, und dem, was dahinter steckt. Siehe auch Kansas selbst, dessen Cowboyerscheinung nicht unbedingt im Einklang mit seinem Privatverhalten ist.
The Last Movie ist dann auch oft eine Abrechnung mit der Traumfabrik, mal bitter und desillusioniert, dann wieder bissig und lichterloh brennend. Der Film kann aber auch einfach albern sein, ohne erkennbare Ziele und Absichten. Das macht einen Teil des Charms dieses in Vergessenheit geratenen Werks aus. Es macht den Film aber auch so schwer fassbar. Eine durchgängige Geschichte gibt es eigentlich nicht, keinen roten Faden. Stattdessen Szenen, die mal komisch, mal böse sind, zwischendrin auch einfach nur seltsam bis surreal. Das Gefühl von Freiheit, welches Easy Rider noch zu einem Ereignis für alle Daheimgebliebenen machte, die von der Welt da draußen träumten, sie wurde durch eine andere Freiheit ersetzt. Eine Freiheit, in der nichts mehr einen Halt gibt, Bilder zerstört werden, eine Welt in sich zusammenbricht. Eine Welt, von der nicht einmal klar ist, ob sie eine Welt ist, je eine war.
Ob man sich darin zurechtfindet, sich überhaupt zurechtfinden will, das ist fraglich. The Last Movie wurde nicht ganz grundlos zu einem Flop, der nach der Premiere auf den Filmfestspielen von Venedig 1971, schnell in Vergessenheit geraten ist. Für ein Experimenten aufgeschlossenes Publikum ist die Wiederentdeckung und restaurierte Neuaufführung in den deutschen Kinos aber durchaus ein verspätetes Weihnachtsgeschenk – und das nicht nur wegen eines kuriosen Kultfaktors. Die Geschichte eines Stuntmans ist gleichzeitig zeitlos und ein Zeitdokument, das auf eine verspielt-experimentelle Weise die Mechanismen des Films in Frage stellt. Und am Ende auch sich selbst. (film-rezensionen.de)
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So. 20:30
OFFENES GEHEIMNIS  span. OmU
Todos lo saben – F/SP/IT 2018, 133 Min., Regie: Asghar Farhadi
mit Penélope Cruz, Javier Bardem, Ricardo Darín
Eine spannende, subtil erzählte Familienaufstellung voll charakterlicher Untiefen und Lebenslügen.
Trailer zu OFFENES GEHEIMNIS
Weiterlesen... Keiner seiner bisherigen Filme hat sich so eingehend an Außenschauplätzen zugetragen. Diesmal lässt Asghar Farhadi das urbane Ambiente, das sein Kino prägt, entschieden hinter sich zurück. Die Kamera darf sich in die Beschaulichkeit eines Weinanbaugebiets in Kastilien versenken. Aber schwelgen soll sie nicht in der bukolischen Idylle. Das bestellte, fruchtbare Land wird alsbald eine wichtige Rolle in der Geschichte spielen, zum Zankapfel zweier Familien werden. In Farhadis Kino geschieht nichts, das unbedacht wäre.
So kann auch »Offenes Geheimnis« nicht der luftige Film werden, der eingangs noch in Aussicht steht. Die entscheidenden, lebensverändernden Ereignisse spielen sich in Innenräumen ab. Laura (Penelope Cruz), die seit 16 Jahren in Argentinien lebt, kehrt zur Hochzeit ihrer jüngeren Schwester mit ihren zwei Kindern in die Heimat zurück. Ihren Mann Alejandro (Ricardo Darín) hindern wichtige Geschäfte daran, an der Feier teilzunehmen. Gleich nach der Ankunft trifft sie ihre Jugendliebe Paco (Javier Bardem) wieder, der mit der Lehrerin Bea (Bárbara Lennie) verheiratet ist und das Land, das sie ihm nach der Trennung zum Freundschaftspreis überließ, in ein florierendes Weingut verwandelt hat.
Die Hochzeit ist ein Freudenfest, das auch ein Stromausfall nicht trübt. Dann jedoch ist Lauras Tochter plötzlich verschwunden. Auf ihrem Bett liegen Zeitungsausschnitte, die von einer früheren Entführung berichten. Auf Lauras Handy geht, ebenso wie auf dem von Bea, eine Lösegeldforderung ein. Die Vorgehensweise der Entführer lässt auf professionelles Raffinement schließen. Rasch geraten die katalanischen Saisonarbeiter in Verdacht, die Paco zur Weinlese beschäftigt. Auch Beas Schulklasse, die die Feier gefilmt hat, könnte dahinter stecken. Aber der pensionierte Polizist, den Lauras Schwager zu Rate zieht, lenkt den Argwohn auf das unmittelbare Umfeld der Familie; zumal die Entführer um deren wirtschaftliche Situation wissen und um Geheimnisse, die beschwiegen, aber nie begraben wurden.
Wie in »Alles über Elly« führt das Verschwinden einer Figur zur Zerrüttung vermeintlich inniger Verwandtschaftsverhältnisse. Farhadis Drehbuch inspiriert sich an einem tatsächlichen Fall, von dem er während einer Spanienreise erfuhr. Es entspinnt sich ein für den iranischen Regisseur typischer Konflikt, den er umsichtig im iberischen Ambiente beheimatet. Die Wirtschaftskrise ist atmosphärisch und dramaturgisch eng eingebunden: Das Problem soll im Familienkreis gelöst werden, ohne Hilfe staatlicher Institutionen. Innerhalb weniger Tage brechen Konflikte hervor, die über Jahrzehnte gewachsen sind; unter strenger Beobachtung einer geschlossenen, dörflichen Gemeinschaft.
Das Ineinanandergreifen der Zahnräder der örtlichen Kirchturmuhr bildet den Auftakt dieser Verschmelzung von psychologischem Drama und Kriminalintrige: Farhadi ist ein Erzähler, der Wert legt auf die Lesbarkeit seines Stils. Die Mechanismen menschlichen Verhaltens und das Werk, das die Zeit an ihm verrichtet, sind seine thematischen Impulse. Die Dringlichkeit folgt freilich nicht den Geboten des Suspense. Das Intime, das in den Beichten der Charaktere zu Tage tritt, hat für ihn größeres Gewicht, als es die Konventionen des Thrillers gestatten. (epd-film)
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