Am 16.2. im Kinoptikum

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Sa. 15:30
BLANKA
KinderKino – IT/J/PHIL 2015, 77 Min., Regie: Kohki Hasai
Eine Kindheit in den Strassen Manilas.
Trailer zu BLANKA
Weiterlesen... Blanka gehört zu den vielen elternlosen Kindern, die sich auf den Straßen von Manila durchschlagen. Aber sie ist cleverer als andere Kids, furchtlos und selbstbewusst. Eines Tages fühlt sie sich magisch abgezogen von den Gitarrenklängen eines älteren, blinden Straßenmusikers. Auf ihre eigenwillige Art nimmt sie Kontakt mit ihm auf. Peter, so sein Name, erweist sich als Mensch mit großem Herz. Doch es gibt auch praktische Gründe für die Annäherung der beiden. Peters Einnahmen steigen, wenn Blanka beim Publikum das Geld für ihn einsammelt. Er ermuntert Blanka zum Singen. Bald bietet sich den beiden die Chance, in einem Restaurant aufzutreten… Ausblenden

Sa. 18:00
THE HOUSE THAT JACK BUILT
Cinema Obscure – DK/F/D 2018, 155 Min., Regie: Lars von Trier
mit Matt Dillon, Bruno Ganz, Uma Thurman
Das grauslige Werk eines "American Psycho" als therapeutische Analyse von Kunst und Gesellschaft. Nichts für Zartbesaitete!
Trailer zu THE HOUSE THAT JACK BUILT
Weiterlesen... In den späten 70er Jahren lebt und mordet Jack (Matt Dillon) im Nordwesten der USA. Mit seinem Wagen fährt er durch die Gegend, nimmt manchmal eine Anhalterin (Uma Thurman) mit, der er den Schädel einschlägt, erschießt eine Affäre (Sofie Gråbøl) und deren zwei kleine Söhne und bewahrt deren – und all die anderen Leichen – in einem Warenhaus auf, wo er sie zur Erfüllung einer perfiden architektonischen Vision benutzt.
Denn Jack hat einst davon geträumt, Architekt zu werden, doch dazu hat er es nicht geschafft, ein Scheitern, dass ihn anzutreiben scheint, dass seine Gedanken füllt, seinen Hass. Von all dem erzählt er einem Mann, der lange Zeit nur als Stimme existiert, die Stimme von Bruno Ganz, dem Jack seine Geschichte erzählt (oder beichtet), ein Mann, der sich als Führer durch die Unterwelt herausstellt, als Jacks Vergil.
Spätestens wenn dieser Name fällt dürfte klar sein, was Lars von Trier in seinem neuen Film erzählt: Sein Jack ist Dante, der von Vergil in die Unterwelt geführt wird, wo er mit den Folgen seiner Taten konfrontiert wird. Der kleine, feine Unterschied ist nur, dass es bei von Trier im Gegensatz zu Dantes „Göttlicher Komödie“ keinen Ausweg aus der Unterwelt gibt, kein Paradies, in dem die holde Beatrice wartet, keine Erlösung.
Selten jedoch war die Hölle im Kino so atemberaubend schön, wie in den letzten Minuten von „The House that Jack built“. Hier zeigt von Trier einmal mehr seine ganze Klasse, aber auch seine Lust an der Provokation, an radikalen Ideen, die mal provozieren, mal ins zynische, plakative abzudriften drohen. Gerade da sein Film in Cannes Premiere hatte kann man nicht anders, als an das Ereignis zurückdenken, dass vor ein paar Jahren, als von Trier „Melancholia“ an der Croisette präsentierte, einen Skandal auslöste und ihn für kurze Zeit zur persona non grata werden ließ: Damals hatte von Trier bei der Pressekonferenz in einem wilden Redefluss ein gewisses Verständnis für Hitler gezeigt, bzw. eine Formulierung benutzt, die missverstanden werden konnte – und natürlich auch wurde.
Hier ist es nun Jack, der in einer seiner vielen analytischen Passagen, in denen er über sich, sein Wesen, seine Ziele und Träume räsoniert, auch über die Architektur, also die Kunst des Faschismus spricht, unterlegt mit rasant geschnittenen Bilder von den Machtbauten der Nazis. Die Frage, die aufgeworfen wird, ist einfach: Muss man diese Gebäude verachten, weil sie im Namen eines menschenverachtenden Systems entstanden sind? Oder stehen sie – steht die Kunst – für sich, unabhängig von der Person oder dem System dahinter?
Gerade von Trier selbst wurde im Laufe seiner Karriere immer wieder vehement angegriffen, wurde als frauenfeindlich bezeichnet, weil er in seine Filmen Figuren zeigte, die frauenfeindlich waren, wurde auf oft naive Weise mit der Welt gleichgesetzt, über die er in seinen Filme erzählte. Ein wenig mutet „The House that Jack built“ nun an wie der Film von einem Mann, von einem Künstler, dem inzwischen alles egal ist, der bewusst provoziert, der möglichst harte Bilder zeigen, der schockieren will. All dies droht immer wieder die Komplexität der Gedankenwelt von Triers zu überschatten, der seine Filme zunehmend analytisch aufbaut: Schon „Nymphomaniac“ war von einem Zwiegespräch geprägt, einer ausufernden Diskussion, die nicht zufällig wie ein Gespräch zwischen Therapeut und Patient wirkte. Inwieweit sich von Trier selbst in seine Filme einbringt, ist eine von außen kaum zu beantwortende Frage, angesichts der vielfältigen Bezüge zu seiner Person, den Ideen, die seine Filme durchziehen, den Vorwürfen, die gegen ihn vorgebracht werden, mutet „The House that Jack built“ jedoch immer wieder an wie Kino als autobiographische Psychotherapie. Wie dem auch sei: Radikaleres, ungewöhnlicheres, eigeneres wird man dieses Jahr im Kino in jedem Fall kaum zu sehen bekommen. (programmkino.de)
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Sa. 21:00
THE LAST MOVIE  OmU
USA 1971, 108 Min., Regie: Dennis Hopper
mit Dennis Hopper, Kris Kristofferson, Peter Fonda
Eine, nicht nur filmhistorisch kuriose Wiederentdeckung über einen gescheiterten Filmdreh in den Anden.
Trailer zu THE LAST MOVIE
Weiterlesen... So beeindruckend es angefangen hatte, so schnell war es auch schon wieder vorbei: Als bei einem Filmdreh in einem Indio-Dorf in Peru einer der Darsteller ums Leben kommt, wird das Projekt sofort abgebrochen. Stunt-Koordinator Kansas (Dennis Hopper) hat jedoch keine Lust, schon wieder in die Heimat zurückzukehren. Stattdessen bleibt er noch eine Weile, verliebt sich auch in eine Frau vor Ort. Die lokale Bevölkerung ist ohnehin nicht bereit dazu, zum alten Alltag überzugehen. Stattdessen setzen sie die Dreharbeiten auf ihre Weise fort, imitieren die Tätigkeiten der Crew, ohne genau zu wissen, was sie da eigentlich tun.
Auch wenn der Titel auf einen Abgesang schließen lässt, eigentlich hätte The Last Movie das Regiedebüt von Dennis Hopper sein sollen. Doch es wollte sich einfach niemand finden, der das von ihm und Drehbuchautor Stewart Stern (…denn sie wissen nicht, was sie tun) erdachte Projekt finanzieren würde. Erst als Hoppers vorgezogenes Easy Rider zu einem Phänomen wurde, konnten sich die beiden ihrem gemeinsamen Traum widmen. Ein Traum, der zum Albtraum für das Filmstudio wurde, das im Vorfeld nicht geahnt hatte, worauf es sich hier einließ.
Wobei The Last Movie auf den ersten Blick natürlich schon einiges her macht. Die abgeschiedene Landschaft von Peru lädt dazu, Ewigkeiten auf die Leinwand zu schauen. Es gibt viel Detailarbeit zu begutachten, dazu geht es auch zu Beginn hoch her. Schließlich wird ja ein Western gedreht. Nur dass dieser Dreh nicht ganz das Ergebnis mit sich bringt, das man als Zuschauer erwartet. Und das gilt auch für den Rest des Films, von dem man nie so genau sagen kann, ob er überhaupt ein Film sein soll oder eine Metareflexion über das Filmemachen.
Das erinnert an Orson Welles’ kürzlich fertiggestelltes The Other Side of the Wind, ein weiteres Langzeitprojekt, dessen Ambitionen an der wirtschaftlichen Realität scheiterten. In beiden Fällen schauen wir Filmemachern über die Schulter, beobachten sie abseits des eigentlichen Drehs. Wo das eine anfängt und das andere aufhört, ist dabei jedoch im Einzelfall schwer zu sagen. Wenn beispielsweise die Indios beginnen, auf ihre Weise die fremde Welt des Filmens zu wiederholen, dann führt das die Absurdität dieses Geschäfts vor Augen. Aber auch ohne sie gibt es gerne mal eine Diskrepanz zwischen dem, was vorgeführt wird, und dem, was dahinter steckt. Siehe auch Kansas selbst, dessen Cowboyerscheinung nicht unbedingt im Einklang mit seinem Privatverhalten ist.
The Last Movie ist dann auch oft eine Abrechnung mit der Traumfabrik, mal bitter und desillusioniert, dann wieder bissig und lichterloh brennend. Der Film kann aber auch einfach albern sein, ohne erkennbare Ziele und Absichten. Das macht einen Teil des Charms dieses in Vergessenheit geratenen Werks aus. Es macht den Film aber auch so schwer fassbar. Eine durchgängige Geschichte gibt es eigentlich nicht, keinen roten Faden. Stattdessen Szenen, die mal komisch, mal böse sind, zwischendrin auch einfach nur seltsam bis surreal. Das Gefühl von Freiheit, welches Easy Rider noch zu einem Ereignis für alle Daheimgebliebenen machte, die von der Welt da draußen träumten, sie wurde durch eine andere Freiheit ersetzt. Eine Freiheit, in der nichts mehr einen Halt gibt, Bilder zerstört werden, eine Welt in sich zusammenbricht. Eine Welt, von der nicht einmal klar ist, ob sie eine Welt ist, je eine war.
Ob man sich darin zurechtfindet, sich überhaupt zurechtfinden will, das ist fraglich. The Last Movie wurde nicht ganz grundlos zu einem Flop, der nach der Premiere auf den Filmfestspielen von Venedig 1971, schnell in Vergessenheit geraten ist. Für ein Experimenten aufgeschlossenes Publikum ist die Wiederentdeckung und restaurierte Neuaufführung in den deutschen Kinos aber durchaus ein verspätetes Weihnachtsgeschenk – und das nicht nur wegen eines kuriosen Kultfaktors. Die Geschichte eines Stuntmans ist gleichzeitig zeitlos und ein Zeitdokument, das auf eine verspielt-experimentelle Weise die Mechanismen des Films in Frage stellt. Und am Ende auch sich selbst. (film-rezensionen.de)
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